Andreas von Flotow Tage zwischen gestern und heute

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(3)
(0)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Tage zwischen gestern und heute“ von Andreas von Flotow

Über die schmerzhafte Sehnsucht eines
Kindes nach Liebe

Elf Jahre war er alt, als auf seine Eltern geschossen wurde. Sein Vater kam um, seine Mutter fiel ins Koma. Vage sind die Erinnerungenan jenen Tag und auch an die Jahre davor. Mit der Mutter, einer berühmten Sängerin, tourte er als Kind durch die USA. Der Vater lebte unerreichbar entrückt in der Welt seiner Bücher. Sein einziges Geschenk an den Sohn war eine leinengebundene Ausgabe der Göttlichen Komödie – der Junge gab sie ihm zurück. Nun, Jahrzehnte später, nähert sich der Ich-Erzähler mutig seiner Kindheit und die Erinnerungen werden zur Gegenwart.

Andreas von Flotow erzählt von der gewaltsamen Auflösung einer Familie und von der unendlichen Einsamkeit eines Jungen, der nur langsam seinen Weg aus dem Dunkel heraus findet. Ein Roman von radikaler Subjektivität, aufwühlend, filigran und klug, ein Roman, der dem Leben abgelauscht ist, über die Sehnsucht nach Liebe, das Ringen um Selbstfindung, den Umgang mit Verlust – und die Kraft des Erinnerns.

Stöbern in Romane

Lied der Weite

Unaufgeregt und doch sehr spannend, zuweilen etwas brutal. Ein leiser, berührender Roman.

naninka

Die Farbe von Milch

Ein Buch, was eine andere Form der Erzähltechnick nimmt und den Leser so einfacher in die Geschichte eintauchen lässt.

MickyParis

Ein mögliches Leben

Tolle Sprache, spannendes und berührendes Thema, allein das letzte Fünkchen Begeisterung fehlt.

once-upon-a-time

Wie Ellie Carr zu leben lernt

Sehr schöne Geschichte

momomaus3

Kleine große Schritte

Ein sehr guter zum nachdenken anregender Roman

momomaus3

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Eine Suche nach Erinnerungen

    Tage zwischen gestern und heute

    Schneekatze

    04. September 2014 um 14:32

    „Der Tag, an dem meine Mutter starb, ist für mich im selben Augenblick Traum und Wirklichkeit; einerseits eine traumhaft logische, aber leider nur spürbare Folge unzähliger Ereignisse, andererseits eine exakte und greifbare Nachbildung der Vergangenheit vor meinem geistigen Auge. Ich finde beides nicht befriedigend. Ich möchte vor allem wissen, was ich an diesem Tag gedacht und gefühlt habe.“ Inhalt: In dem Roman „Tage zwischen gestern und heute“ schreibt der Erzähler in der Ich-Perspektive über die Zeit bis zu dem Tod seiner Mutter. Seine Eltern sind beide Opfer eines Anschlags geworden, den der Onkel des Erzählers verübt hatte. Es ist aber nicht nur eine Suche nach Erinnerungen, sondern auch nach Liebe und Geborgenheit, die der Erzähler mehr in seinem Kindermädchen Helen als bei seinen Eltern findet. Cover & Titel: Der Titel ist super und hat mich überhaupt erst auf den Roman aufmerksam gemacht. Er macht schon nachdenklich, bevor man das Buch in die Hand nimmt. Das Cover finde ich okay, nicht unbedingt herausstechend, aber diese geschwungene Linie passt als Motiv ganz gut zum Inhalt, zu den Erinnerungen. Perspektive & Figuren: Der Leser sitzt im Kopf des Ich-Erzählers, ist ihm so sehr nahe und erlebt alle seine Erinnerungen aus dessen Perspektive, fühlt auch die Zweifel an den Begebenheiten, dass sie wirklich so stattgefunden haben, wie er glaubt. Dadurch gewinnt die Geschichte an Emotionalität. Der Erzähler schreibt die Geschichte 26 Jahre später auf, schaut also als erwachsener Mann auf seine Kindheit und Jugend zurück; reflektiert dabei die Veränderungen in der Rückschau und kommentiert sein Verhalten. Der Reifeprozess zwischen früher und heute wird sehr deutlich. So gewinnen auch die Beschreibungen der Figuren einen anderen Wert, zwar sind sie größtenteils aus der Sicht des Jungen geschrieben, nicht aus der des erwachsenen Mannes, bekommen aber ein anderes Gewicht durch das Verständnis von Dingen, die er damals noch nicht verstand, nur erlebte. Stil & Aufbau: Der Schreibstil ist sehr flüssig – wortwörtlich: Man fließt einfach so mit durch die Erinnerungen und Gedanken des Ich-Erzählers. Daher las ich den Roman auch fast in einem Rutsch durch, weil das Aufhören schwer fiel. Es wirkt wie ein einziger Gedankengang und es gibt keine Zeitsprünge in dem Sinne, diese finden nur in dem Kopf des Erzählers statt, wenn er in den Erinnerungen wechselt oder zur nächsten springt. Fazit: 5/5 Eine Suche nach Erinnerungen, nach Liebe, nach sich selbst. Wer Gegenwartsliteratur mag, kommt an „Tage zwischen gestern und heute“ nicht vorbei. Lieblingszitate: „Schon damals war die dumpfe Vibration in der Luft, wie Musik, die von weit her durch die Wände dringt, ich fühlte mich von gewaltigen, auch seltsamen Vorgängen abgeschirmt, war in Tagträume gehüllt. Ist das etwa Geborgenheit?“ „Es ist, als müssten die Erinnerungen den ersten Schritt machen und auf mich zukommen, damit ich sie überhaupt bewusst wahrnehmen kann.“ „Wir können heute nicht wissen, woran wir uns in der Zukunft erinnern werden.“ „Ich höre mich selbst atmen und bin kurz erstaunt. Ich bin auch da, denke ich.“ „Auf einen Bindfaden gezogen wie kleine Glaskugeln ergeben die Einzelteile des Tages, jedes Tages, eine schöne Halskette aus Erinnerungen, die mir manchmal die Luft abschnürt oder der Eitelkeit dient, das heißt, bei einer Täuschung behilflich ist.“ „Ich schien zu träumen, spazierte durch meine Vergangenheit und sah mich vor diesem Spiegel stehen. Ich tastete mich an einer unsichtbaren Einfriedung wie an einer unendlichen Mauer zum Innenhof der Klinik entlang, wie ein eingebildeter Blinder; als ich so dastand, dachte, nein, wusste ich: Das ist die Wirklichkeit. Ich glaubte, ich berührte die Wirklichkeit.“

    Mehr
  • Ein gelungenes Debüt

    Tage zwischen gestern und heute

    WinfriedStanzick

    09. July 2014 um 11:53

      Ein ganz erstaunlicher Roman ist hier anzuzeigen, der unter den diesjährigen Erstlingen bisher auf eine besondere Weise inhaltlich und sprachlich herausragt und mich schon nach wenigen Seiten in seinen Bann zog und überzeugte.   Es ist eine Adoleszenzgeschichte, die da von einem mittlerweile erwachsen Mann erzählt wird, dessen Eltern im Jahr 2005 das Opfer eines Anschlags wurden, den der Onkel, der Halbbruder der Mutter auf die beiden verübt hat. Der Vater war nach dreizehn Schüssen sofort tot und seine Mutter starb fünf Jahre später.   Doch schon vor diesem Anschlag war die Kindheit des Jungen  keine  einfache. Seine Mutter, eine berühmte Sängerin, die überall in der Welt auf Tournee geht, hat kaum Zeit für ihr Kind. Und auch der Vater, ein besessener Leser, hat wenig Kontakt zu dem Jungen, denn er lebt nicht bei seiner Familie. Die Bücher, in denen der Junge immer wieder liest nach dem Tod des Vaters, hat von Flotow am Ende aufgelistet. Eine beeindruckende Sammlung von mehreren hundert Titeln mit genauen bibliographischen Angaben.   Deshalb ist Helen, sein Kindermädchen seine wichtigste Bezugsperson. Die Erzählung „ist eine kurze, hier und da bebilderte Chronologie meiner Kindheit bis zum Tod meiner Mutter. Ich erzähle der Reihe nach und behalte die Natur jeder Ordnung im Hinterkopf: Sie ist ein Phänomen der Oberfläche, darunter ist es wüst und leer.“   Mit großer sprachlicher Kraft und Genauigkeit und einer tiefen Empathie für das Lebensschicksal des Jungen, lässt Andreas von Flotow ihn seine Geschichte erzählen, eine Geschichte voller Verlorenheit und Verstörtheit. Er lässt sie im Jahr 2031 spielen und es gelingt ihm ganz hervorragend, die große Distanz zwischen dem erzählenden Erwachsenen und dem Jugendlichen, der dies alles erlebt, zu überbrücken.   Neben der eigentlichen den Leser berührenden Erzählung geht es zwischen  den Zeilen auch immer darum, ob und wie es möglich ist, Erinnerungen sprachlich einzufangen, Erlebnisse mit Worten wahrhaftig wiederzugeben und so das Wesentliche aus dem Sein herauszufiltern.   Ein gelungenes Debüt. Der Rezensent hofft auf einen Nachfolger.      

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks