Andreas von Klewitz Das Lied des Polyphem

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Inhaltsangabe zu „Das Lied des Polyphem“ von Andreas von Klewitz

Was machte »ganz normale Männer« zu Mördern? Wie kann ein Mensch, der eine gewisse Erziehung und Bildung mit auf den Weg bekommen hat, der vielleicht selbst Familienvater ist, fähig sein, andere Menschen, Männer, Frauen und Kinder bestialisch zu töten? Die Prozesse gegen NS-Verbrecher zeigen auf: Eitelkeit, Geltungsdrang, Karrierestreben, Diensteifrigkeit und Obrigkeitsglauben gehörten ebenso zu den »Triebfedern des Bösen« wie Erwägungen materieller Art, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit und Charakterschwäche. Man könnte sagen, die Motive, in ihrer Umsetzung unmenschlich grausam, waren allzu menschlich. Das Lied des Polyphem erzählt in einer fesselnd dichten Sprache von Harald Gerneweg, einem in behüteten Verhältnissen aufgewachsenen jungen Mann mit musischer Begabung, der, gänzlich unpolitisch, mehr oder weniger zufällig zur SS kommt und als Teil der NS-Vernichtungsmaschinerie im Osten williger Vollstrecker der »Endlösung« wird. Schicksalhaft verkettet mit der Hauptperson ist die Jüdin Anna. Sie, die einmal Harald Gernewegs erste Schwärmerei war, wird mit ihrem Vater aus Berlin deportiert und überlebt das Minsker Ghetto, flieht zu den Partisanen und steht schließlich dem SS-Mann und Massenmörder Gerneweg am Erschießungsgraben gegenüber. Der Prozess gegen Gerneweg vor einem sowjetischen Militärgericht, in dem Anna als Zeugin aufgerufen wird, bringt die Protagonisten erneut zusammen. Der Roman zeichnet das Psychogramm eines Menschen, der trotz Bildung und Erziehung als SS-Mann zum routinierten Schlächter von unschuldigen Zivilisten, Frauen und Kindern wird. Eindrucksvoll arbeitet der Autor dabei die allzu menschlich scheinenden Motive des Bösen heraus. Als fundierter Kenner der Zeit und der Kriegsverbrecherprozesse hat er die Handlung so nah wie möglich an die Wirklichkeit angelehnt und erzählt sie in eindringlicher Spannung.

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  • Rezension zu "Das Lied des Polyphem" von Andreas von Klewitz

    Das Lied des Polyphem
    Satire-Circus

    Satire-Circus

    27. January 2012 um 20:40

    „Das Lied des Polyphem“ von Andreas von Klewitz. Bisher habe ich mich immer gewundert, wenn man mit Leuten über die Naziverbrechen geredet hat, dass dann zu 99% die Antwort kam „Sowas hätte ich nie gekonnt“ und „Das müssen alles kranke Monster gewesen sein“. Ich selber war mir da nie sicher. Wenn man lange genügend „gebrainwashed“ wurde, zu was dann jeder Normalsterbliche fähig wäre. Wer weiß, wozu ich in der Lage gewesen wäre?! Auch wenn ich zur Beruhigung sagen kann, dass ich von meiner familiären Vergangenheit berichten kann, dass dort keiner in irgendwelche Verbrechen verwickelt war und einige auf der Flucht waren, bzw. sich jahrelang verstecken mussten, da sie kein kleines Zahnrad in Hitlers Horrorherrschaft sein wollten. Aber zurück zum Buch. Harald Gerneweg ist der einzige Sprössling einer gut betuchten Familie, kann dem Vater allerdings nie genügen, so sehr er sich anstrengt. Er ist künstlerisch begabt und seine Mutter finanziert ihm eine Gesangsausbildung. Bei seinem jüdischen Gesangslehrer lernt er Anna kennen, eine Jüdin, die vor ihm ihre Stunde hat. Als er an der Hochschule vorsingen soll, versagt er. Anna sitzt im Publikum, neben ihrem Vater, dem Dozenten und Prüfer. Für sein Versagen macht er vor allem seinen Gesangslehrer und Anna verantwortlich. Obwohl er von den „Braunen“ nicht viel hält, drängen ihn später seine Verlobte und ein ehemaliger Schulfreund dazu, in die Partei einzutreten und dort eine Karriere zu starten. Diese „Karriere“ treibt ihn bis nach Minsk, dort angekommen triefen seine Hände vom fremden Blut und sein Verstand vom Alkohol. Es ist ein erschreckendes und einprägsames Zeugnis, wie sich ein angehender Opernsänger in ein kaltblütiges Wesen verwandelt, zu was stumme Obrigkeitshörigkeit Menschen treiben kann. Am Ende trifft er Anna wieder. Er in Handschellen, sie als Zeugin. Fazit: Man sollte sich selbst doch einmal ganz genau fragen, zu was man in extremen Situationen selbst fähig wäre. Ein wichtiges Buch. Nicht nur, weil es aufklärt und eine andere Seite der Nazizeit zeigt, sondern auch, weil man sich vielleicht fünf Minuten über sich selbst Gedanken macht.

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  • Rezension zu "Das Lied des Polyphem" von Andreas von Klewitz

    Das Lied des Polyphem
    rebekka

    rebekka

    19. May 2008 um 19:54

    Meiner Meinung nach ein sehr sensibler Versuch einen SS Verbrecher darzustellen. Der Autor schafft es, auf dem schmalen Grat zwischen Unschuldigem Opfer der Zeit und Gesellschaft und Verbrecher zu wandern. Durch das einspinnen des schicksals der jungen Anna wird man in die Zeit versetzt und erlebt den Schrecken der NS-Zeit fast Hautnah.