Andrei Mihailescu Guter Mann im Mittelfeld

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Inhaltsangabe zu „Guter Mann im Mittelfeld“ von Andrei Mihailescu

Bukarest 1980: Der Journalist Stefan Irimescu wird verhaftet, weil er kritische Leserbriefe nicht weiterleitete, um deren Verfasser zu schützen. Er landet im Gefängnis und wird im Namen des Kommunismus gefoltert und eingeschüchtert. Als er freikommt, trifft er Raluca – Ehefrau von Ilie Stancu, einem vielversprechenden Parteisekretär des Bezirks. Sobald die Affäre Stancu zu Ohren kommt, lässt er sich scheiden und nimmt das Angebot seines Freundes von der Securitate an, sich an Stefan zu rächen. Andrei Mihailescu, der zu Beginn der 80er selbst mit seiner Familie aus Rumänien in die Schweiz floh, ist ein atemlos spannender Roman gelungen über das Leben, die Liebe und die kleinen Fluchten in einer gnadenlosen Diktatur.

Eine Liebe in Zeiten des totalitären Regimes in Rumänien, ein Buch, daß Fiktion und Reales sehr gut und spannend vereint

— Julitraum
Julitraum

Interessante, etwas außergewöhnliche Liebesgeschichte

— Diana182
Diana182

starke Sätze brennen sich ein und machen das Rumänien Ceaușescus erlebbar

— StefanieFreigericht
StefanieFreigericht

Eine gelungene Mischung aus Politthriller und Liebesgeschichte im Rumänien der 1980er-Jahre.

— Barbara62
Barbara62

Spannend, fesselnd, realistisch!

— BF4711
BF4711

Ein bedrückender Roman über den Einfluss politischer Systeme auf das Leben.

— leserattebremen
leserattebremen

Die Figuren hätten noch mehr entwickelt werden können, aber die Darstellung des sozialistischen Rumänien ist äußerst lesenswert.

— Gulan
Gulan

Ein sehr interessantes Stück Zeitgeschichte, lediglich auf die Liebesgeschichte hätte man verzichten können.

— Larischen
Larischen

Spannung, Liebe und Geschichte in einem Buch

— MissNorge
MissNorge

Scharfsinnige Analyse einer Diktatur mit kleinen Schwächen in Story und Charakterzeichnung.

— alasca
alasca

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  • Ein Monolith

    Der Scheiterhaufen
    Himmelfarb

    Himmelfarb

    "Der Scheiterhaufen" von György Dragoman überwältigt den Leser, lässt ihn erschöpft, aber begeistert zurück. Man klappt den Roman zu und weiß, dass man etwas gelernt hat. Das ist, besonders in diesen Tagen, sehr wertvoll. Dragomans Roman erzählt uns etwas über Europa, über die Welt, über uns. Was ist gut, was ist böse? Was ist richtig, was ist falsch? Die Heldin dieses komplexen Werks ist die 13 jährige Emma, ein Waisenkind, welches eines Tages von seiner Großmutter aus dem Heim geholt wird, in dem es seit dem Unfalltod der Eltern lebt. Die Großmutter nimmt Emma mit in ihre Stadt und ganz langsam beginnt das Mädchen die Geheimnisse der Vergangenheit zu enträtseln. Mystisch geht es zu in Dragomans Geschichte, märchenhaft und grausam. Alte Rechnungen eines untergegangenen Regimes müssen bezahlt werden und wer damals auf der richtigen Seite war, ist heute auf der falschen. Politisch ist dieses Buch aktueller denn je. Muss man für seine politischen Überzeugungen bezahlen? Und kann Schuld jemals getilgt werden? Emma wird mit der Vergangenheit ihrer Eltern und Großeltern konfrontiert, ja, muss dafür büßen. Befreien kann sie sich nur selbst. "Der Scheiterhaufen" steht symbolisch für die Dinge, die man hinter sich lassen muss, um gestärkt aus der Asche aufzusteigen. So gesehen ist Dragomans großer Roman ein Monolith der europäischen Literatur!

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    • 6
  • Leider war ich nicht die richtige Adressatin

    Guter Mann im Mittelfeld
    Carigos

    Carigos

    08. March 2017 um 16:21

    Bei einer Lovelybooksaktion habe ich dieses optisch sehr ansprechende Buch bekommen. Leider muss ich gestehen, dass ich nur bis S. 40 vorgedrungen bin und mich trotz mehrerer Anläufe nicht weiter zur Lektüre motivieren konnte. Meine Absicht war es, über dieses Buch ein wenig mehr über das kommunistische Regime und die Umstände in Rumänien zu erfahren, weil da ein schwarzes, geschichtliches Loch in meiner Allgemeinbildung klafft. Eine gute Freundin ist zu dieser Zeit dort aufgewachsen und es wäre mir ein Anliegen gewesen, mich mit ihr darüber zu unterhalten. Mir ist klar geworden, dass dieses Buch etwas für Menschen ist, die entweder über die nötigen Vorkenntnisse oder - noch besser - über eigene Erfahrungen in dieser Zeit verfügen. Viele politischen Feinheiten konnte ich nicht nachvollziehen und kam etwas durcheinander, was aber sicher nicht am wirklich guten Schreibstil lag. Etwas verwirrend war jedoch der Zeitsprung zu Anfang. Ja, es stimmt mich traurig, dass ich nichts mit dem Buch anfangen konnte, da ich nach den paar Zeilen trotzdem der Überzeugung bin, dass der Autor sehr viel Persönliches und Herzblut mit einfließen hat lassen. Fazit: Für andere kann dieses Buch eine Perle sein - aber für mich im Hier und Jetzt bedauerlicherweise nicht.

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  • Bäume raus, Bücher rein – LovelyBooks räumt das Bücherregal

    Die letzten Tage von Rabbit Hayes
    LaLeser

    LaLeser

    Wir räumen unser Bücherregal! Habt ihr schon den Weihnachtsbaum vor die Tür gestellt, die Geschenke verstaut und wieder Platz geschaffen, den ihr am liebsten mit neuen Büchern füllen möchtet? Unser Büro hat jedenfalls einen Neujahrs-Putz dringend nötig! Die Bücherregale sind vor tollem Lesestoff am Überquillen und es wäre doch schade, wenn all die schönen Bücher nicht gelesen werden! Deshalb haben wir unsere Bücherregale ausgeräumt und möchten euch mit den Schätzen, die sich dort verborgen haben, glücklich machen!So funktioniert es:Stöbert durch die verschiedenen Genres und Bücher, die wir in den Unterthemen aufgeführt haben. Wenn ihr Bücher entdeckt, die ihr gerne lesen und rezensieren möchtet, teilt uns diese Titel sowie das entsprechende Genre in eurem Bewerbungsbeitrag mit. Ihr könnt euch selbstverständlich auch für mehrere Bücher aus mehreren Genres bewerben!Bewerbt euch bis zum 11.01.2017 über den blauen "Jetzt bewerben"-Button* und nennt uns das Buch/die Bücher (mit entsprechendem Genre), welches/welche ihr gerne lesen und zu dem/zu denen ihr gerne eine Rezension verfassen möchtet! Am Donnerstag, dem 12. Januar, losen wir aus, wer von euch welches Buch bzw. welche Bücher gewinnt und teilen euch die Gewinner hier im Unterthemen "Und die Gewinner sind..." mit. Solltet ihr gewonnen haben, verpflichtet ihr euch, bis zum 1. März 2017 eine Rezension bei LovelyBooks zu allen Büchern, die ihr gewonnen habt, zu schreiben. Postet die Links zu euren Rezensionen bitte ins zugehörige Unterthema in dieser Aktion!Bitte beachtet, dass es sich bei den Büchern auch um Leseexemplare handeln kann! Außerdem verschicken wir in dieser Aktion die Bücher nur innerhalb von Deutschland. Wenn ihr nicht in Deutschland wohnt – nicht traurig sein! Die nächste tolle Aktion, bei der ihr mitmachen könnt, kommt schon bald! Bitte habt Verständnis hierfür und bewerbt euch nicht für diese Aktion.Wenn ihr Fragen zum Ablauf oder zur Aktion allgemein habt, stellt diese bitte im Unterthema "Fragen zur Aktion"!Wir freuen uns, wenn ihr dabei seid und unseren Büchern eine neue Heimat gebt! Ganz viel Spaß beim Stöbern! 

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    • 2535
  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Leserunde zu "Guter Mann im Mittelfeld" von Andrei Mihailescu

    Guter Mann im Mittelfeld
    Andrei_Mihailescu

    Andrei_Mihailescu

    Ein Journalist wird auf einer Baustelle brutal zusammengeschlagen. Von der Frau, die ihn rettet, sollte er sich aber in Acht nehmen. Denn sie gehört zu den Mächtigsten im Lande und die sind ihm gerade jetzt nicht wohlgesinnt. Sein Misstrauen schwindet jedoch als er merkt, dass sie, eine Architektin, gar nicht so richtig in der Gruppe seiner Verfolger passt. Rumänien in den achtziger Jahren. Niemand ist, wer er zu sein scheint, oder nicht ausschliesslich. Mit jedem Schritt entfaltet sich das Bild einer Gesellschaft, in der sich alle verstecken. Der Schein kann über Leben und Tod entscheiden. Wahrheit und echte Gefühle sind hingegen ein rares Gut. Etwas, was darum noch stärker verbindet. Mein Roman ist kürzlich bei Nagel und Kimche (Hanser) erschienen. Habt Ihr Lust auf eine Leserunde? Ich freue mich schon sehr darauf und verschenke 20 Bücher.

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    • 235
  • Eine Liebe in Zeiten des totalitären Regimes in Rumänien

    Guter Mann im Mittelfeld
    Julitraum

    Julitraum

    05. February 2016 um 20:06

    Rumänien in den frühen 1980er Jahren. Der angesehene Journalist Stefan arbeitet bei einer großen Zeitung in Bukarest. Er ist unverheiratet, in den Dreißigern und lebt bei seiner Mutter. Die richtige Frau hat er noch nicht gefunden, aber er ist mit seinem Leben keineswegs unzufrieden. Er hat eine sehr gute Anstellung und kann durch seine Kontakte und Beziehungen auch in Zeiten von knappen Lebensmitteln für seine Mutter und sich schon einmal etwas "unter der Hand" bekommen. Bei der Zeitung, bei der arbeitet gibt es natürlich wie überall in Rumänien Zensur und ein Mitglied der Securitate, der Geheimpolizei, hat ebenfalls direkt in der Redaktion ein Büro und überwacht die Vorgänge. Ein Zustand, mit dem man leben muß, aber irgendwann kommt Stefan auf die leichtsinnige Idee, eigentlich harmlose Leserbriefe, die sonst vom Mitarbeiter der Securitate in Augenschein genommen werden, abzufangen. Stefan möchte so, den Briefeschreibern, Unheil und Repressalien ersparen, denn Kritik am totalitären System unter Ceausescu und dem Parteikader wird nicht straflos hingenommen. Doch seine Tat bleibt nicht unbemerkt und er hat den Zorn des Securitate-Mitarbeiters auf sich gezogen. So verschwindet Stefan einges Tages für einige Tage spurlos. Seine Mutter rechnet schon mit dem Schlimmsten. In diesen Tagen wird Stefan brutalst misshandelt, bis man ihn wieder freilässt. Schmutzig, heruntergekommen und durstig findet er sich in einer unbekannten Gegend wieder und gerät durch einen dummen Zufall wieder in eine gefährliche Situation, bei der er den Sündenbock abgeben soll. Unverhofft erhält er hier jedoch lebensrettende Hilfe von der Architektin Raluca. Raluca hinterläßt bei Stefan gewaltigen Eindruck und er sieht sie wieder. Die Beiden kommen sich näher als es gut für sie ist, denn eine Liaison ist äußerst gefährlich, da Raluca die Ehefrau eines Parteikaders mit weitreichenden Beziehungen und großen Ambitonen ist. Auf Stefan kommen schlimme Zeiten zu, die nicht spurlos an ihm vorbeigehen und seine Sichtweise und sein Handeln völlig verändern. Dieser Roman verbindet äußerst gelungen eine fiktive Liebesgeschichte mit der realen Vergangenheit Rumäniens. Als Leser erfährt man von den unglaublichen Zuständen der damaligen Zeit, kann sich in die Menschen hineinversetzen und spürt zwischen den Zeilen förmlich ihre Abgestumpftheit, Angst oder Verzweiflung, aber vor allem auch ohnmächtige Wut... Was macht ein so totalitäres Regime aus den Menschen? Wie kann man in solch einer Umgebung aus Unsicherheit, Angst vor Bespitzelung, vor Willkür leben? Keine Möglichkeit zu haben, die eigene Meinung, geschweige denn die Wahrheit zu sagen, immer Angst haben zu müssen, daß eine unüberlegte Äußerung dramatische Konsequenzen haben könnte. Dieser Aspekt wird äußerst facettenreich in diesem Buch behandelt, denn was macht ein solches politisches System aus einer hoffnungsvollen Liebesbeziehung zweier Menschen zueinander, die sich vorbehaltlos vertrauen? Mich hat dieses Buch sehr gut unterhalten, es war ungemein spannend und sehr bewegend zu lesen, welche Zustände in Rumänien geherrscht haben. Dieses Buch hat mir Ansporn gegegeben, mein bisher recht bescheidenes Wissen über die Vergangenheit Rumäniens zu erweitern und hat mich wütend und fassungslos gemacht, wozu solche Systeme alles fähig sind.

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  • Interessante Liebesgeschichte

    Guter Mann im Mittelfeld
    Diana182

    Diana182

    26. January 2016 um 10:43

    Das Cover ziert ein junger, gut aussehender Mann. Dieses Bild und auch die dazugehörige Beschreibung ließen mich neugierig werden. Hier geht es um eine interessante, außergewöhnliche Liebesgeschichte. Kurz zum Inhalt: Die Geschichte erzählt von Stefan, einem jungen motivierten Journalist bei der  Zeitung. Jedoch wird immer deutlicher, dass der Staat (Die Geschichte spielt in Rumänien) alles überwacht und kontrolliert. Ein falsches, geschriebenes Wort kann sofort negativ ausgelegt  und aufgefasst werden. Stefan lässt kritische Leserbriefe verschwinden um den Menschen mit Problemen helfen zu können. Doch leider fliegt er auf und muss ins Gefängnis. Hier wird er eine Woche gefoltert und gequält. Doch dann trifft er auf Raluca und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Eine schöne Liebesgeschichte, die so perfekt sein könnte – wäre sie nicht verheiratet und das auch noch mit einem hohen Parteimitglied. Hier treffen  zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten…Hat ihre Liebe eine Chance? Der Autor hat einen sehr realistischen und mitreißenden Schreibstil. Kurze Kapitel sorgen ebenfalls für einen guten Spannungsaufbau und verhindern ein schnelles weglegen des Buches. Bildhaft werden die einzelnen Szenen und Gefühle beschrieben und dargestellt. Die Charaktere sind sehr gut und verständlich ausgearbeitet: Stefan ist anfangs voller Euphorie und sehr sympathisch. Er verliebt sich in Raluca und kämpft für ihre Liebe. Er würde alles für sie aufgeben und riskieren, nur um in ihrer Nähe sein zu können. Doch leider ändert sich das schlagartig, als er im Gefängnis ist und nach Jahren wieder frei gelassen wird. Raluca ist eine starke Frau, die weiß, was sie will! Sie bekommt von ihrem Mann Illie nicht die gewünschte Aufmerksamkeit und Liebe. Daher bricht sie aus dieser Beziehung aus und beginnt ein neues Leben mit Stefan – für das sie alles aufgibt. Ab sofort gehört sie nicht mehr zur Ober-, sondern zur Unterschicht und beißt sich hier sehr gut durch. Doch leider ändert auch Stefan sein Wesen und sie muss nun wieder sehr stark sein – für ihren Sohn! Die Geschichte hat sehr schöne Höhen aber auch tiefe Abgründe. Sie zeigt die politische Situation Rumäniens um die Jahre 1980. Hier wird vieles aufgezeigt, was mir bisher leider noch nicht bekannt war. Wie grausam der Staat Menschen foltert und einspert, nur weil sie eine andere Meinung haben und für ihre Freiheit kämpfen. Das Ende ist für mich leider sehr unerwartet und nicht so, wie ich es mir vielleicht gewünscht hätte. Dennoch ist es sehr realistisch und passend gewählt. Mein Fazit: Eine spannende, außergewöhnliche Liebesgeschichte.

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  • Das Rumänien Ceaușescus in den Achtzigern wird nachvollziehbar gemacht in starken Sätzen

    Guter Mann im Mittelfeld
    StefanieFreigericht

    StefanieFreigericht

    20. January 2016 um 01:45

    In seinem Debütroman schildert der in Rumänien geborene und bis zur Flucht im Alter von 16 Jahren dort aufgewachsene Autor Andrei Mihailescu, wie ganz normale Durchschnittsbürger, nicht die Mächtigen und nicht die Ärmsten, die Diktatur unter Ceaușescu erlebten. Seine Protagonisten Stefan und Raluca stellen zwei Seiten einer Medaille dar, die – anfänglich gut integriert, er als Journalist, sie als Architektin und Ehefrau eines aufstrebenden Parteimitglieds, mit dem System in Reibung geraten. Mihailescu arbeitet anhand der Handlung überdeutlich heraus, wie leicht es war, aufgrund der großen Willkür plötzlich unter Druck zu geraten – und wie fast unmöglich, diesem standzuhalten. Der Autor lässt seine beiden Figuren aus einer Grenzsituation eine Liebesbeziehung eingehen, von der aus sich die Handlung dann rasant fortentwickelt, spannend, aber kein Krimi. Er schafft es, viel Sachinformation leicht zugänglich als Erzählung zu verarbeiten. Der Roman präsentiert in den ersten beiden Kapiteln das gleiche Geschehen aus zwei verschiedenen Blickwinkeln – wer sich darauf einlässt, wird mit einem tiefen Einblick in das Wesen der vollständigen Kontrolle des Systems durch eine „fiktive Abmachung“ mit den Mächtigen, eine Art Schere im Kopf. Das Buch liest sich insgesamt flüssig, dieser gerade erwähnte Rücksprung wieder zurück zum Anfang hingegen empfiehlt sich aufgrund seiner Komplexität jedoch durchaus für einen vergleichenden Rückgriff auf das bereits gelesene, eine kleine Schwäche. Wer sich jedoch auf diesen Rückgriff einlässt, wird belohnt. Das Buch hat seine Stärken vielleicht nicht in den Metaphern, aber ganz sicher entfaltet es große Bildkraft in etlichen Kernsätzen und –absätzen, die beim Lesen zu weiteren Assoziationen geradezu zwingen und dadurch die Mentalität, die Situation überdeutlich greifbar machen. So entlarvt die Einstellung von Ralucas Ehemann, die Arbeit seiner Frau als Architektin sei zu intellektuell für das proletarische Ideal, schließlich solle sie nicht den ganzen Tag auf Baustellen mit Arbeitern verbringen, die Widersprüchlichkeit der üblichen Phrasen – die Arbeiter dürften wahrlich dem zitierten Ideal entsprechen. Und wie bemerkt Stefan zu dem verbreiteten vorauseilenden Gehorsam gegenüber der Partei „Wenn du hingegen denkst, du hättest mit ihnen eine Abmachung, dann sind sie in deinem Kopf" – ja, genau das gelingt dem Autor mit diesem Debüt, er gelangt direkt in den Kopf des Lesers, er macht nachdenklich – und neugierig auf mehr davon, sowohl von ihm, als auch von seinem Land. Den teils erhobenen Zeigefinger kann ich dabei sehr gut verschmerzen, da die Botschaften der Handelnden dem Leser nie moralinsauer oder herablassend übermittelt werden.

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  • Die Liebe in Zeiten der Securitate.

    Guter Mann im Mittelfeld
    Gulan

    Gulan

    Warum hatte sie so gehandelt? Auf einmal verstand er, die Antwort war in aller Klarheit da: Diese Frau hatte nicht anders können. Sie hatte ein gutes Herz. Diesen Ausdruck hatte er fast vergessen. Er klang altmodisch und ein wenig lächerlich. Man war heutzutage nicht mehr gutherzig. Die Arbeiter auf den Plakaten und in den Chören waren nicht gutherzig. Sie waren stark und heldenhaft. Ihr Blick starrte begeistert in die helle Zukunft des Sozialismus. Wer neben ihnen litt oder fiel, war ein nötiges Opfer für die höhere Sache. (S.27) Rumänien 1980: Das Land ist heruntergekommen, Mangelwirtschaft an allen Ecken. Gleichzeitig feiert sich die Partei und beschwört den unaufhaltsamen Fortschritt durch den Sozialismus. In dieser Phase lernt der kritische Journalist Stefan die verheiratete Architektin Raluca kennen. Doch die aufkeimende Beziehung steht unter keinem guten Stern: Stefan ist bereits im Visier der Securitate und Ralucas Mann ist Bezirkssekretär der Kommunistischen Partei. Stefan Irimescu ist Redakteur einer Bukarester Zeitung Anfang der 1980er Jahre. Er überschreitet seinen Spielraum und zieht den Argwohn des System auf sich, als er u.a. Lesebriefe unterschlägt, um die Verfasser vor Repressalien zu bewahren. Vor allem die Recherche in einem verrufenen Stadtteil lässt in ihm den Widerstand gegen das System langsam, aber stetig wachsen. Er wird vom Geheimdienst Securitate verschleppt und misshandelt. Privat ist er Single, wohnt mit Ende 30 noch mit seiner Mutter in einer kleinen Wohnung. Zu dieser Zeit lernt Stefan Raluca kennen, die ihm in einer gefährlichen Situation zur Hilfe kommt. Ralucas ehemals glückliche Ehe ist am Ende. Sie ist eine selbstbewusste, moderne Frau mit städtischen Wurzeln, ihr Mann Ilie kommt aus ländlichen, einfachen Verhältnissen und hat sich in der Partei hochgedient und zu einem Hoffnungsträger entwickelt. Die Parteiarbeit nimmt ihn völlig ein, zudem macht er Raluca nach der Geburt ihres Sohnes deutlich, dass er ihren Platz zu Hause sieht. Der Autor Andrei Mihailescu ist gebürtiger Rumäne, mit 16 Jahren kam er 1981 in der Schweiz. Dort arbeitet er als Informatiker. Nebenbei engagiert er sich in Menschenrechtsprojekte in Osteuropa. „Guter Mann im Mittelfeld“ ist sein Debütroman. Er schreibt in knappen Kapiteln in einem flüssigen, stellenweise auch eleganten Stil. Der ganz große Pluspunkt des Romans ist seine Analyse und Beschreibung der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse in Rumänien. Mangelwirtschaft, nur zeitweise Strom- und Wärmeversorgung, stundenlanges Anstehen für immer weniger Waren, heruntergekommene Wohnsiedlungen. Auf der andere Seite der Anspruch und die Propaganda für die Errungenschaften des Sozialismus und die glorreichen Taten der Partei und des Generalsekretärs Ceaușescu. Und über allem wacht die Securitate, die Staatssicherheit, mit Spitzeln, Kommissaren in den Betrieben und mit Foltergefängnissen. Der Autor zeichnet mit zahlreichen Nebenfiguren ein präzises und authentisches Bild der verschiedenen „Stützen“ des Systems. Stefan erlebte zehn Wochen lang einen Höllenritt. […] Erst später, nach der Verurteilung, erschloss sich ihm nach und nach, was ihm in der Zeit vom Juli bis August 1981 genau widerfahren war. Die Untersuchungshaft hatte ihre eigene, seltsame Logik, die Stefan erst im Laufe der Verhöre verstand. Es ging nicht darum, etwas von ihm zu erfahren. Seine Peiniger hatten vorher beschlossen, wessen er sich schuldig gemacht hatte. Das teilten sie ihm aber nicht mit. Stefan, so ihre Logik, kannte seine Schuld und sollte sie bloß noch zugeben. Er musste sich also während der Verhöre stückweise an das herantasten, was er zu gestehen hatte. […] Er sollte ihre Ideen erraten. Und weil sie detailversessen waren – sie wollten Namen, Orte, Zeiten -, dauerte das Ganze eine Ewigkeit. (S.261) Nicht völlig überzeugen konnte mich der Autor in der Entwicklung seiner Hauptfiguren, die mir manchmal zu rasch vorkam. Auch wird so mancher Dialog zur Analyse und philosophischen Betrachtung genutzt und verliert dadurch an Authentizität. Insgesamt hat mich das Buch aber dennoch überzeugt, da es einen interessanten und spannenden Einblick in die damaligen rumänischen Verhältnisse bietet.

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    • 6
    krimielse

    krimielse

    17. January 2016 um 08:22
  • Zwischen Politthriller und Liebesroman

    Guter Mann im Mittelfeld
    Barbara62

    Barbara62

    10. January 2016 um 17:59

    Über Rumänien und die rumänische Form des Sozialismus wusste ich kaum etwas, bis ich vor ca. drei Jahren das 2011 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierte Buch Zusammen allein von Karin Bruder gelesen habe. Seither hat mich das Thema nicht mehr losgelassen und so war ich sehr gespannt auf den Debütroman des wie Bruder in Rumänien geborenen Autors Andrei Mihailescu, der seit 1981 in der Schweiz lebt. Auch Mihailescu verbindet auf sehr interessante und gekonnte Weise politische und persönliche Geschichte und vermittelt das Leben in einer Diktatur eindrucksvoller als ein Geschichtsbuch. Im Mittelpunkt des zwischen September 1979 und August 1984 größtenteils in Bukarest spielenden Romans stehen Stefan Irimescu, Journalist bei einer großen, selbstverständlich linientreuen Tageszeitung, und Raluca, Architektin und Frau eines aufstrebenden sozialistischen Politikers. Stefan, der sich lange Zeit bei seiner journalistischen Arbeit den Wünschen der Partei untergeordnet hat, ohne allzu viel darüber nachzudenken, beginnt eines Tages, kritische Leserbriefe verschwinden zu lassen, um die Absender vor Repressalien der Securitate zu schützen. Doch die relativ naiv ausgeführte Aktion sowie einige kleinere journalistische Freiheiten, bleiben den allgegenwärtigen Spitzeln des Geheimdiensts nicht verborgen. Es folgt ein Denkzettel, bei dem Stefan entführt, tagelang festgehalten und misshandelt wird. Kaum entlassen, wird er auf einer Baustelle das Opfer einiger Arbeiter, die einen Schuldigen für Diebstähle am Bau brauchen und lernt so die Architektin Raluca kennen. Sie ist, da sie aus dem falschen, nämlich gebildeten Milieu stammt, die „unpassende“ Frau eines Parteikarrieristen aus der einfachen Schicht und in einer inzwischen lieblosen, unglücklichen Ehe gefangen. Was für Stefan Liebe auf den ersten Blick ist, muss bei Raluca erst langsam wachsen. Doch der Arm der Partei und des Geheimdienst reicht bis ins Privatleben der Rumänen... Guter Mann im Mittelfeld liest sich teilweise fast wie ein Sachbuch über die 1980er-Jahre in Rumänien. Die ebenfalls sehr gute Romanhandlung macht die bedrückende Atmosphäre, die ständigen Ängste und den sehr unterschiedlichen Umgang damit eindrücklicher, als es ein reiner Sachtext vermocht hätte. Die Liebesgeschichte ist gekonnt geschrieben und kommt in meinen Augen ohne Kitsch aus. Besonders gut gelungen ist neben dem sehr klaren Aufbau auch der ausgesprochen starke Schluss. Lediglich einige nicht so glücklichen sprachlichen Wendungen und eine gewisse „Bemühtheit“ bei der Verbindung der Sach- und der Romanebene haben meinen Lesegenuss teilweise geschmälert. Trotzdem möchte ich das Buch allen politisch interessierten Lesern sehr ans Herz legen. Ich werde mir ganz sicher auch das nächste Buch dieses Autors wieder anschauen.

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  • Herta Müller meets Rosamunde Pilcher

    Guter Mann im Mittelfeld
    Himmelfarb

    Himmelfarb

    Andrei Mihailescu erzählt in seinem Debütroman „Guter Mann im Mittelfeld“, was es bedeutet, in einer Diktatur zu leben; was es für den Einzelnen - sei er Kämpfer oder Mitläufer - , und was es für eine Liebesbeziehung bedeutet. Stefan Irimescu ist Journalist im Bukarest der 1980er Jahre. Er versucht, sich mit dem Regime zu arrangieren, was ihm aber immer schwerer gelingt. Als er regiekritische Leserbriefe unterschlägt und sich mit einem Geheimdienst Mitarbeiter anlegt, lernt er den harten Arm der Securitate kennen. Er wird verhaftet und gefoltert. Nach seiner Freilassung trifft er auf Raluca, die Ehefrau eines Parteibonzen. Sie verlieben sich. Nach Ralucas Scheidung von ihrem Ehemann Ilie, nimmt dieser Rache an Stefan. Mihailescu erzählt erschütternd, was es bedeutet, gegen das sozialistische Terrorregime Ceausescus zu sein. Er beschreibt Einschüchterung, Inhaftierung und Folterung durch ein aus den Fugen geratenes, paranoides System schmerzhaft realistisch. Diese Passagen sind die stärksten des Romans und man muss Mihailescu dafür danken, dass er dieses dem interessierten Leser noch mal ins Gedächtnis ruft, damit wir nicht vergessen, wie die politische Realität im Ostblock vor der Wende aussah! Die Liebesgeschichte jedoch ist misslungen, ist nur Katalysator für die Beschreibung der Historie, denn leider bleiben alle Protagonisten eher blass. Immer, wenn die Geschichte packend wird, wie zum Beispiel bei Stefans Besuch in Ferentari bei dem ehemaligen Pfarrer Salajan, der in einer verbarrikadierten Vorratskammer über die fehlgeleitete Politik spricht, oder Stefans Gespräche im Gefängnis mit dem Mithäftlinge Munteanu, versiegen diese Erzählstränge im Nichts. Was mir bei der Persönlichkeit Stefans fehlt, sind die Brüche. Er wird zwar als wütend und aufbrausend beschrieben, aber das ist schon das einzig Negative an ihm. Irgendwie wirkt dieser Stefan naiv und gutgläubig, mittelmäßig. Schon der Titel des Buches, der Stefan beschreibt, wie er sich selbst gerne sähe, drückt in meinen Augen Mittelmäßigkeit aus. Als Stefan von seiner Redaktion in die Dokumentationsabteilung versetzt, d.h. degradiert wird, und sich fragt, wie das wohl komme, denkt er: „Raluca! Er könnte Raluca fragen. Sie konnte bestimmt wenigstens den Kreis derer einengen, die in Frage kamen. Dann erinnerte er sich. Sie hatte ihm ja gesagt, dass ihr Mann von ihnen erfahren hatte. Aber wie konnte Ilie Stancu wissen, wo er arbeitete?“ Kann ein investigativer Journalist wirklich so naiv sein? Raluca, die von ihrem linientreuen Mann Ilie immer wegen ihrer nicht- proletarischen Herkunft und ihres Berufes, Architektin, kritisiert wird, wirkt angepasst. Erst hat sie sich mit den Vorzügen des Bonzen - Daseins arrangiert, später ist das einzig Herausragende an ihr, dass sie sich mit dem sozialen Abstieg nach der Scheidung arrangiert. Beides ist mir zu wenig, um von Hauptakteuren eines Romans gefangen genommen zu sein. Die Sprache Mihailescus schwankt zwischen hervorragend und klappernd. Ralucas Seelenzustand ist wunderbar beschrieben: „Sie fühlte sich schwach, klein, unmündig. Wie ein Kind, das nicht weiß, was es wert ist, das seinen Wert in den Augen seiner Eltern sucht.“ Als es Raluca dämmert, dass der Staat wirklich aus den Fugen ist, hapert es mit der Finesse der Sprache: „Sie hatte Lust, ob es Stefan nun gefiel oder nicht, über Ilies Kontakte Ordnung in die Sache bringen. Leider konnte sie auf diesem Weg nichts mehr erreichen. Ihre eigenen Kontakte reichten nicht aus. Verdammt, ausgerechnet jetzt, wo sie nach vorne schauen wollte! Konnten die nicht richtige westliche Spione jagen und anständige Leute in Ruhe lassen?“ Das Ende des Romans ist vorhersehbar.  In einem solchen System, können Menschen, die unterschiedlich damit umgehen, nicht glücklich miteinander werden. Stefan will weiter, wenn auch im bescheidenerem Maße, kämpfen, Raluca will ihre Kinder in Ruhe aufwachsen sehen. „Guter Mann im Mittelfeld“ lässt mich ratlos und enttäuscht zurück. Ein starkes Stück Zeitgeschichte eingebettet in eine entbehrliche Liebesgeschichte, oder „Herta Müller meets Rosamunde Pilcher“.

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    • 4
  • Analyse stark, Story schwach

    Guter Mann im Mittelfeld
    alasca

    alasca

    Analyse stark, Story schwach „Wir sind in diesem Land wie auf einem Schiff, das leckt, und der Kapitän lässt jeden über Bord werfen, der darüber spricht.“ Der Debütroman des in der Schweiz lebenden, gebürtigen Rumänen Andrei Mihailescu spielt während des Ceausescu-Regimes im Rumänien der 80er Jahre. Stefan Irimescu, Journalist, hat sich mit der Securitate angelegt und ist gerade aus der Folterhaft entlassen worden, als er auf die Architektin Raluca Stancu trifft. Ralucas Mann, ein hoher Parteifunktionär, bekommt Wind von ihrer Affäre und setzt den Parteiapparat auf Stefan an, und Raluca erlebt mit ihrem kleinen Sohn zum ersten Mal die Härten und Demütigungen eines unprivilegierten Lebens. Die große Frage, die sich ihr und Stefan stellt, lautet: Ist es hier und jetzt möglich, ein integres Leben zu führen? Mihailescu Roman unternimmt es, hierauf eine Anwort zu versuchen. Zum Teil beklemmend intensiv beschreibt Mihailescu, wie es ist, unter der gnadenlosen Willkür einer Diktatur zu leben. Er beschreibt den Mangel an alltäglichsten Gütern, die Willkür, die die Menschen misstrauisch und feige gemacht hat: "Jeder steht für sich allein, umgeben von lauernden Mitmenschen.“ Im Kapitel „Lido“, das die Tauffeier für Ralucas Sohn schildert, liefert er ein messerscharfes Soziogramm der politischen Elite, und auch seine Analyse der systematischen Vernichtung der bäuerlichen und intellektuellen Kultur fand ich sehr scharfsinnig. Und erschütternd! Eine totale Umkehrung aller Werte. Auf dieser Ebene hat mich der Roman am meisten beeindruckt. Auf der Ebene der Figuren und ihrer Geschichte überzeugte der „Mann im Mittelfeld“ mich leider gar nicht. Bei logischer Überlegung fällt das Grundkonstrukt, aufgrund dessen sich die Protagonisten überhaupt begegnen und infolgedessen die ganze Story in sich zusammen. Die Figuren sind nicht kohärent; ihre Handlungsweise passt oft nicht zu den ihnen zugeschriebenen Charaktereigenschaften; vor allem Stefan erscheint unglaublich naiv, was für die Story gar nicht nötig wäre. Nebenfiguren, etwa Stefans Mutter oder ein Pfarrer im säkularen Exil dienen nur dazu, Informationen zur rumänischen Geschichte zu transportieren oder einen Diskurs abzubilden. Daran liegt es wohl auch, dass die Charaktere mich nicht durchgängig berühren konnten. Auf der sprachlichen Ebene wechseln Holprigkeit und Eleganz sich ab: Sehr gelungen zum Beispiel der Moment, in dem Raluca sich in Stefan verliebt: „Sie war da in diesem Mann, in seinem Kopf: als ein wenig gefährliche, aber gerechte und fähige Frau. Dieses Bild von ihr gab es sonst nirgends auf der Welt.“ Dann wieder schiefe Bilder wie „Ein leichter Wind“, der Ralucas „weiße Vorhänge umständlich wehen“ lässt. Oder unfreiwillige Komik wie hier: „In allen vier Ecken lag Einsamkeit.“ Trotzdem liest sich Mihailescus Erstling flüssig und spannend. Auch das verhalten-optimistische Ende mit seinem Ausblick auf den Zusammenbruch der Diktatur fünf Jahre nach der Erzählzeit hat mir gut gefallen. Fazit: Zur Erweiterung des politisch-geschichtlichen Horizonts ist dieser Roman trotz kleiner Schwächen durchaus zu empfehlen.

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    • 4
    Gulan

    Gulan

    10. January 2016 um 14:09
  • Ein bedrückender Roman über Politik und Liebe

    Guter Mann im Mittelfeld
    leserattebremen

    leserattebremen

    08. January 2016 um 11:37

    In Andrei Mihailescus Roman „Guter Mann im Mittelfeld“ begegnen sich zwei Charaktere aus verschiedenen Welten, obwohl beide im kommunistischen Rumänien der 80er Jahre leben: Stefan ist Journalist bei einer staatstreuen Zeitung, er hat sich mit seinem Leben eingerichtet, versucht aber immer wieder kleine Spitzen gegen den Staat in seinen Artikeln unterzubringen. Er gehört zu den kleinen Leuten, lebt mit seiner Mutter in einer Wohnung, kennt Nahrungsmittelknappheit, Probleme mit Strom und Heizung zur Genüge. Raluca hingegen ist mit einem Parteifunktionär verheiratet, arbeitet als Architektin an planwirtschaftlichen Bauprojekten mit und kennt die Nachteile des kommunistischen Systems kaum. Dennoch treffen sich die beiden und verbinden Ihre Leben auf eine beeindruckende Weise, denn beide gehen dafür hohe Risiken ein, sie stoßen Menschen und dem Staat vor den Kopf mit ihrer Art, ihr Leben zu leben. Der inzwischen in der Schweiz lebende gebürtige Rumäne Mihailescu hat mit diesem Roman ein großartiges Debut vorgelegt, dass einen sowohl durch die Charaktere als auch die gesamte Stimmung des Romans gefangen nimmt. Durch Stefan beschreibt er die Angst und die Enge des Systems so real, dass der Leser sich selbst in diesem grau mit ihm gefangen sieht. Besonders befangen gemacht hat mich der große Einfluss des Staates bis in das Privatleben, Verfehlungen treffen nicht einen selbst in geballter Form und durch Gewalt, sondern haben immer auch Folgen für Freunde und Verwandte. Jede noch so kleine Äußerung im privaten Kreis kann Verfolgung auf höchster Ebene nach sich ziehen, die Menschen sind regelrecht gefangen in dieser Situation, in der keine Freiheit mehr zu existieren scheint. Jeder versucht nur nicht anzuecken und nicht aufzufallen. Dass Stefan dennoch immer wieder versucht, im Kleinen gegen dieses System vorzustoßen, lässt ihn schon fast naiv wirken, der kleine David gegen den Goliath-artigen mächtigen Parteiapparat. Raluca hingegen ist sehr privilegiert und dennoch auf ganz andere Art gefangen. Durch ihre Ehe mit einem Parteifunktionär ist sie keineswegs freier, im Gegenteil werden nur anderen Anforderungen an sie gestellt. Sie muss das Parteibild einer Ehefrau und Mutter erfüllen und bewegt sich zugleich in einer ganz anderen Gefahrenzone. Je höher die Parteikader sind, mit denen man sich umgibt, umso wichtiger wird es, keinen zu verärgern, um nicht in Gefahr zu geraten. Sehr beeindruckend fand ich die beschriebene Szene, in der sie auf den Neffen des Generalsekretärs trifft und alle anwesenden schon fast in eine verängstigte Schockstarre verfallen, weil sie sich der gegenwärtigen Gefahr allein durch die Anwesenheit dieser Person bewusst werden. Andrei Mihailescus Roman beschreibt auf bedrückende Weise die Ängste und Zwänge, mit denen die Menschen leben und wie wenig Freiheit es im Privaten geben kann, wenn der Staat allgegenwärtig ist und willkürliche Macht ausübt. Eine heute nur recht komplizierte Liebesgeschichte kann so eine Staatsaffäre sein, die das Leben vieler Menschen beeinflusst und sie körperlich und psychisch zerrüttet. 

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  • Empfehlenswert!

    Guter Mann im Mittelfeld
    BF4711

    BF4711

    08. January 2016 um 11:16

    Ein spannender und fesselndes Drama, über Politik und Liebe. Meiner Meinung nach sehr realistisch geschrieben. Man bekommt einen richtigen Einblick in das System.
    Zudem kann man beim Lesen dieses Romans einiges dazulernen.
    Ein insgesamt tolles Buch - sehr empfehlenswert!





  • Der reale Sozialismus in Rumänien

    Guter Mann im Mittelfeld
    Larischen

    Larischen

    04. January 2016 um 13:36

    Bukarest, 1980: Stefan ist Journalist und arbeitet bei einer renommierten Zeitung des Landes. Mit dem System hat er sich scheinbar arrangiert, doch dann beginnt er sich in kleinem Maße aufzulehnen. Er unterschlägt kritische Leserbriefe und gerät mit dem für die Zeitung zuständigen Securitatemitarbeiter aneinander. Eines Tages wird er daraufhin vom Geheimdienst entführt und brutal eingeschüchtert. Nach seiner Freilassung gerät er jedoch direkt in die nächste missliche Lage und wird von der Architektin Raluca gerettet. Die beiden verlieben sich ineinander und eine komplizierte Beziehung beginnt, denn Raluca ist, anders als Stefan, verheiratet – und das ausgerechnet mit einem hohen Tier der Partei. Eine gefährliche Liebe, die das Leben der beiden verändert. Andrei Mihailescus Debütroman „Guter Mann im Mittelfeld“ erzählt die Geschichte des Journalisten Stefan und der Architektin Raluca, die von der Diktatur in Rumanien bestimmt wird. Die Einstiegsszene ist sehr eindrücklich geschildert und wohl nichts für ganz schwache Nerven. Man ist als Leser sofort in der Handlung drin und bekommt einen Eindruck von der Brutalität und Willkür des Systems, dass das Leben der Menschen bis ins kleinste bestimmt und beeinflusst. Ich hatte auch direkt ein genaues Bild der Szenerie vor Augen. Mir haben besonders die Schilderungen der Lebensumstände in der damaligen Zeit gefallen, denn mit der Diktatur in Rumänien beschäftigt man sich doch sonst eher selten. Der Autor bringt dem Leser sehr nahe, wie tief das System in das Leben der Menschen eindringt und wie die Securitate als dauerhafte Bedrohung über den Köpfen hängt. Dabei erfährt man auch einiges über die politischen Pläne, die zum Beispiel hinter der Umsiedlung der Bauern standen. In diesem Punkt ist das Buch ein eindrucksvolles Stück Zeitgeschichte, dass ich nur jedem empfehlen kann. Allerdings gibt es auch einen inhaltlichen Kritikpunkt, denn die Liebesgeschichte zwischen Stefan und Raluca blieb für mich nicht nachvollziehbar. Die Beziehung zwischen den beiden scheint zwar notwendig, um die dramatische Zuspitzung der Geschichte zu ermöglichen. Ich hätte allerdings gerne darauf verzichtet. Ich glaube die Leben der beiden hätten sich, auch ohne eine Beziehung, nach ihrer ersten Begegnung in eine ähnliche Richtung entwickeln können. Mir war die Liebesgeschichte einfach zu „schnulzig“ und gleichzeitig zu oberflächlich. Sprachlich hat mir der Roman sehr gut gefallen. Andrei Mihailescu nimmt in seiner Erzählweise zwar kein Blatt vor den Mund, doch die Sprache bleibt immer der Situation angemessen und driftet nicht ins vulgäre ab. „Guter Mann im Mittelfeld“ von Andrei Mihailescu ist ein Roman, der durch seine eindrucksvolle Schilderung über die rumänische Diktatur in den 80er Jahren besticht. Ein wenig geschmälert wurde der Lesespaß nur durch die Liebesgeschichte. Ich kann den Roman aber trotzdem nur weiter empfehlen. Ich hätte gerne auch noch mehr überfahren über das Leben in der damaligen Zeit und vor allem hätte mich auch der Zusammenbruch des Systems interessiert. Vielleicht ein Thema für den zweiten Roman? Ich wäre auf jeden fall wieder als begeisterte Leserin dabei!

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