Andrej Bitow Der Symmetrielehrer

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Inhaltsangabe zu „Der Symmetrielehrer“ von Andrej Bitow

Eine Gruppe Geologen sitzt bei schlechtem Wetter in der Taiga fest. Um die Zeit zu vertreiben, erzählt der Übersetzer A. B. ein »ausländisches« Buch nach, das er nur halb verstanden hat und deshalb mit Erfindungen ausschmückt. Zehn Jahre später – das Buch ist verschollen, sein Inhalt lange vergessen – steht A. B. plötzlich ein Kapitel vor Augen, vollständig, wie eine Vision. Während sein Gedächtnis den Text speichert, wird das Ereignis, das die Vision ausgelöst hat, gelöscht. Aus dieser irritierenden Erfahrung erwächst Andrej Bitows Meisterwerk, in dem er sich den letzten Dingen des literarischen Daseins zuwendet: dem Verhältnis zwischen Autor und seinen Geschöpfen; der Schriftstellerexistenz, die Schuld und Schmerz zurücklässt; der Liebe, die dem Schreiben geopfert wird; und nicht zuletzt Russland »als Versuch Gottes, die Zeit durch den Raum zu ersetzen«. Ein ungemein intelligent komponiertes, ironisch gefärbtes, doch unverhohlen melancholisches Buch. Opus magnum und Lebensbilanz: das Schlüsselwerk eines Autors von Weltrang.

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    Der Symmetrielehrer
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    21. October 2013 um 09:22

    Stille Post Andrej Bitow ist einer der ganz großen russischen Modernisten unter den Schriftstellern, einer, der ganz anders geartete Literatur schreibt, als seine kommerziell weit erfolgreicheren Kollegen Viktor Pelewin oder Vladimir Sorokin. Der in einer Architektenfamilie 1937 im damaligen Leningrad geborene Bitow veröffentlicht seit 1959 Essays, Erzählungen und Romane. Sein Anfang der 1970er-Jahre entstandener, sarkastisch parodistischer Roman "Das Puschkinhaus" bescherte ihm ein Publikationsverbot, das bis zum Einsetzen der Perestroika aufrecht blieb. Erst ab etwa 1987 konnten wieder Bücher von Andrej Bitow veröffentlicht werden. "Der Symmetrielehrer" soll, so wird der Leser auf der ersten Seite gleich belehrt, im Original "The Teacher of Symmetry" heißen und gar nicht aus der Feder von Andrej Bitow stammen, sondern von einem gewissen A. Tired-Boffin verfasst worden sein. Eine Jahresangabe des angeblich in London entstandenen Textes fehlt, ebenso fehlen genauere Angaben zum vermeintlichen Autor. Andrej Bitow soll der Übersetzer aus dem, wie es heißt, "Ausländischen" sein, Rosemarie Tietze die Übersetzerin der von Andrej Bitow aus dem Gedächtnis erstellten Übersetzung. Für Andrej Bitow typisch, der Name des vorgeschobenen Autors A. Tired-Boffin bedeutet, übersetzt, ziemlich genau "müder (geheimer) Wissenschaftler". Andererseits könnte man sich mit viel Fantasie und ein paar kleinen Änderungen auch ein Anagramm des Autors aus dem müden Wissenschaftler schnitzen. Vor allem müsste man Bitow mit zwei "f" transkribieren ("Bitoff"). Natürlich verbirgt sich hinter diesem dubiosen Schriftsteller in Wahrheit der Autor, oder, ich bitte um Entschuldigung, der Übersetzer. Im Vorwort des Echoromans erfährt man, dass der Übersetzer in seiner Zeit als Geologe während einer Expedition Geschichten aus einem englischen Buch erzählen musste, das er, mangels wirklich überzeugender Englischkenntnisse und trotz Vorhandenseins eines Wörterbuches nur, wenn überhaupt, halb verstanden habe. Er hatte den Text bei seinen Erzählungen daher ausgeschmückt und dort, wo er das Original nicht verstanden hatte, Dinge, Details und Entwicklungen erfunden. Zehn Jahre später weckt ein "unglaubliches Erlebnis" die Erinnerung an eine der Erzählungen und löst die Erinnerung an den übersetzten Roman aus, während dem Übersetzer aber gleichzeitig das "unglaubliche Ereignis" aus dem Gedächtnis verschwindet. So sieht er sich gezwungen, seine Notizen, oder besser detaillierten Aufzeichnungen von damals wieder zu lesen und hofft, dass er sich durch ein neuerliches Nacherzählen, diesmal in schriftlicher Form, von diesen in seinem Gehirn spukenden Geschichten wird lösen können. So entsteht eine Art Nacherzählung einer Nacherzählung einer Nacherzählung, jeweils entfremdet entweder durch Sprachbarrieren, die Erinnerung, sowie die Erinnerung an die Erinnerung. Und so taucht im Echoroman ein weiteres Alter Ego des Autors auf, ein gewisser Autor Urbino Vanoski, der seinen Namen später in das Pseudonym Ris Vokonabi verwandelt. Beide unschwer als Anagramme von Bitows großem Vorbild Vladimir Nabokov (Sirin) zu entschlüsseln. Einige der Erzählungen wurden bereits 1987 veröffentlicht. So hat "Der Symmetrielehrer" eine recht lange Entstehungsgeschichte, inklusive einiger Änderungen. Für die deutsche Fassung hat Andrej Bitow auch zahlreiche Änderungen vorgenommen. Die Texte selbst überschlagen sich regelrecht vor Anspielungen, Illusionen, Allusionen, Ironie und schonungsloser Kritik, Selbstironie und Gedanken über das Schriftstellerdasein per se. Besonders in Erinnerung bleiben die Gespräche zwischen Gummi, einem vermeintlich vom Mond stammenden etwas sonderbaren Gesellen, und Dr. Davin. Oder auch die Geschichte von einem Mann, der als britischer König aus Liebe zu seiner französischen Frau in Paris lebt, der sich dann als Redakteur der "Encyclopedia Britannica" erweist, der die Vergangenheit nach eigenem Ermessen und mit reger Fantasie umschreibt. Die Stimmung der Prosa wechselt zwischen funkelnden Ideen, Spielereien und Absurditäten hin und her. Virtuos versteckt seine Kritik an Russland, dem Pathos der Russen in ironischen Reflexionen, die in der polyfonen Struktur seines aus verschiedenen Novellen bestehenden Romans zwischen Haupt-, Neben- und Mittelstimmen hin- und herflirren. Andrej Bitows Echoroman "Der Symmetrielehrer" ist ein wunderbares Beispiel für seine Kunst, Literatur fern aller modischen Strömungen zu schreiben, die aufregend und spannend, die skurril, aberwitzig, ernst und voll echter Aufrichtigkeit ist. Literatur als Kunstwerk. Uneingeschränkt. Nichtsdestoweniger getrieben von einem unglaublich starken narrativen Gestus, der den willigen Leser nicht kalt lassen kann. Rosemarie Tietzes Übersetzung ist, ohne Übertreibung, kongenial, es ist faszinierend, zu lesen, wie virtuos sie Bitows Wortspielereien ins Deutsche übersetzt und dabei, wie hier doch etwas öfter notwendig, aus Mangel an existierenden Möglichkeiten gleich ein paar interessante Worterfindungen entstehen ließ. Absolute Empfehlung. (Roland Freisitzer; 02/2013)

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