Andrej Kurkow

 3.9 Sterne bei 339 Bewertungen
Autor von Picknick auf dem Eis, Pinguine frieren nicht und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Andrej Kurkow

Literatur im Zeichen der Geschichte: Andrej Kurkow wurde 1961 in St. Petersburg geboren und lebt seit seiner Kindheit in Kiew, Ukraine. Er studierte am dortigen Fremdspracheninstitut und spricht wohl 11 Sprachen. Danach war Kurkow als Redakteur, Gefängniswärter und Kameramann tätig. Er verfasste mehrere Drehbücher und seit 1996 schreibt er auch Romane. Seit 1988 ist er Mitglied des Londoner PEN-Clubs. Seine Bücher handeln vom Leben in der postsowjetischen Gesellschaft.

Neue Bücher

Graue Bienen

Erscheint am 24.07.2019 als Sonstige Formate bei Diogenes Verlag AG.

Graue Bienen

Erscheint am 24.07.2019 als Hardcover bei Diogenes.

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Picknick auf dem Eis

Picknick auf dem Eis

 (117)
Erschienen am 23.04.2013
Pinguine frieren nicht

Pinguine frieren nicht

 (56)
Erschienen am 26.07.2005
Ein Freund des Verblichenen

Ein Freund des Verblichenen

 (36)
Erschienen am 29.08.2003
Der Milchmann in der Nacht

Der Milchmann in der Nacht

 (27)
Erschienen am 21.12.2010
Die letzte Liebe des Präsidenten

Die letzte Liebe des Präsidenten

 (24)
Erschienen am 22.05.2007
Der wahrhaftige Volkskontrolleur

Der wahrhaftige Volkskontrolleur

 (26)
Erschienen am 25.11.2011
Petrowitsch

Petrowitsch

 (15)
Erschienen am 30.08.2002
Der Gärtner von Otschakow

Der Gärtner von Otschakow

 (13)
Erschienen am 28.08.2013

Neue Rezensionen zu Andrej Kurkow

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Rezension zu "Picknick auf dem Eis" von Andrej Kurkow

Wie das Leben so spielen kann
Sikalvor 4 Monaten

Viktor, ein Möchtegern-Schriftsteller, der von Romanen und Kurzgeschichten träumt, führt ein einsames Leben. Ohne Freunde und Geld lebt er gemeinsam mit seinem Pinguin Mischa, den er aus einem Zoo holte. Als er vom Chefredakteur einer großen Zeitung die Chance bekommt, Nekrologe für Menschen, die noch nicht gestorben sind zu verfassen, nutzt er diese. Doch auch diese Nachrufe scheinen erst nur für die Schublade zu sein, was sich plötzlich ändert – sein Wunsch nach einer Veröffentlichung geht auf einmal in Erfüllung und Viktor liest eine seiner Anzeigen in der Zeitung. Nach und nach merkt Viktor, welches Spiel hier gespielt wird. Durch einige Zufälle in seinem Leben wird seine Zweierbeziehung mit Mischa durch das kleine Mädchen Sonja sowie das Kindermädchen Nina erweitert.

 

Andrej Kurkow gelingt mit seinem Roman „Picknick auf dem Eis“ eine berührende Geschichte rund um den Pinguin Mischa, der sich immer mehr zur Hauptperson entwickelt. Kurkow beschreibt mit dem ihm eigenen leichten Stil über einen möglichen Lebensentwurf – satirisch, skurril. Wie durch Zufall ergeben sich so manche Dinge. Durch die zum Teil naiven Handlungen (oder auch Nicht-Handlungen) des Protagonisten Viktor wird dieser in einen Weg gedrängt, dem er sich nicht gewachsen fühlt. Doch Viktor kehrt die unangenehmen Dinge beiseite und schaut stoisch auf das Positive in seinem Leben.

 

Dem Leser wird bald klar in welche Situation sich Viktor manövriert, doch er scheint es nicht zu merken. Man wartet auf seine Erkenntnis, die dann letztendlich zu einer überraschenden Lösung führt.

 

Kurkows Stil zu schreiben begeistert mich, seine ruhige und gelassene Art überträgt sich auf seine Charaktere. Es scheint, dass hier niemals zu viel Adrenalin zum Einsatz kommt und doch folgt man mit Spannung der Geschichte.

 

Zum Glück habe ich noch einige ungelesene Bücher Kurkows, von den Pinguinen gibt es sogar einen 2. Teil. Für dieses Picknick auf dem Eis gibt es von mir 4 Sterne.

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Rezension zu "Kartografie der Freiheit" von Andrej Kurkow

Auf ins weite Europa – ohne Sinn und Verstand
awogflivor 4 Monaten

Als ich nach Beendigung des Romans das Nachwort des Autors las und realisierte, wie er die Tonalität seiner Geschichte und deren Intention sah, war ich total überrascht und von der Rolle, denn ich hatte das Gefühl, ein komplett anderes Buch gelesen zu haben. Kurkov meint, er habe einen sehr europäischen Roman über junge Leute geschrieben, die „den Wegfall der Grenzen und die europäische Zusammengehörigkeit ernst nehmen.“ Das ist bei mir überhaupt nicht so angekommen.

Im Prinzip geht es um drei junge Paare aus Litauen (Barbora und Andrius, Ingrida und Klaudjus, Vitas und Renata), die am Tag des Wegfalls der Schengen-Grenzen während eines Festes miteinander vereinbaren, sich ihren Traum von Europa zu erfüllen, mit dem Ziel, in die Ferne, in ihre Traumstädte London, Paris und Rom aufzubrechen, um genau dort ihr Glück zu versuchen und sich niederzulassen.

Dabei gehen sie aber derart hirnlos vor, dass ich die ganze Zeit den Kopf schütteln musste. Keiner checkt vorab über das Internet die Lage, sucht sich in Jobportalen von Litauen aus schon eine qualifizierte Arbeit, sie lassen sich treiben, brauchen ihre Ersparnisse auf und taumeln von einem zufällig ergatterten Billiglohn-Gelegenheitsjob zum nächsten. Zwei Paare – und das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen – deren Traumdestinationen Paris und Rom sind, sprechen noch nicht mal ein Wort in der Sprache des Ziellandes, in dem sie sich dauerhaft niederlassen, leben und arbeiten wollen. Das ist irgendwie total verrückt und kann ja von vornherein nicht gut gehen. Irgendwie hatte ich als Leserin auch das Gefühl, der Autor vermittelt uns unterschwellig, dass Europa diesen Paaren, die sich derart respektlos ihren Zielländern gegenüber verhalten, etwas schuldig sein soll.

Zum Beispiel gerade in Paris angekommen, dem Bus entstiegen, entspinnt sich folgender Dialog:

Der Barkeeper antwortete in einem langen unverständlichen Satz. Andrius und Barbora tauschten Blicke.
„Was hat er gesagt, was glaubst Du?“ fragte die junge Frau.
„Dass ich eine wundervolle Begleiterin habe, nehme ich an“.
„Nein, er hat doch zu mir gesprochen“, widersprach Barbora. „Also, wir müssen Französisch lernen! Warum haben wir das eigentlich nicht gemacht?“
„Weil wir keine Zeit hatten.“ Andrius nahm einen Schluck Espresso.“Und wenn wir welche hatten, haben wir lieber geschmust, als Französisch gelernt …“
„Na, dann lernen wir jetzt Französisch. Das Schmusen kann warten …“
“ Wieso denn das?“ Andrius tat entrüstet.

Gerade meine Generation kann so eine Situation wie hier im Roman in Litauen beschrieben, sehr gut nachvollziehen, denn als wir ungefähr im Alter der Protagonisten waren, gingen auch für uns schon vor dem Beitritt Österreichs zur EU (durch Gegenseitigkeitsabkommen) in den 90er-Jahren unvermittelt die Grenzen auf – das war wie im Schlaraffenland. Was vorher extrem bürokratisch und schwierig – fast schon unrealistisch war, war plötzlich ganz einfach möglich, nämlich arbeiten in Deutschland, in Italien, am Meer, studieren durch Finanzierung mit Au-pair oder Jobben in allen großartigen Städten der EU. Einige wollten das Meer sehen, einige viel Geld verdienen, manche hatten als Zieldestination die Stadt der Liebe, Paris. Aber keiner war so unvorbereitet wie diese Protagonisten, jeder paukte wie verrückt Französisch, Italienisch, Spanisch oder Griechisch, Englisch war ja nicht notwendig, denn das konnten wir und durchsuchte die lokalen Zeitungen vorab schon nach Jobs und bewarb sich. Dabei hatten wir damals nicht so einfach Zugang zum Internet wie heute und waren trotzdem weitaus besser gerüstet für das Leben in fernen Ländern.

In keiner Situation des im ganzen mehr als 600 Seiten dauernden extrem langen Romans wird ob dieser Blauäugigkeit und des mangelnden Realitätssinns irgendwann mal ein Funken Selbstkritik der Figuren oder eine kritische Darstellung des Autors vermittelt, im Gegenteil, die im selbstgewählten Exil im Ausland „Gestrandeten“, hadern und lamentieren permanent herum. Schlimmer ist zudem noch, dass Renata und Vitas, jenes Paar mit Ziel Rom, das durch die notwendige Versorgung von Renatas Großvaters an der Auswanderung gehindert wurde, offensichtlich als Einzige mit Hirn und Verstand die Segnungen des Internets einzusetzen vermag, und damit in Litauen erfolgreich ist. Was soll das nun? Was ist die Moral von der Geschicht?: Renn mutig aber kopflos wie ein Hendl gegen Westen und werde unglücklich oder bleib zu Hause trau Dich nix, dann bist Du erfolgreich und froh?- Das ist so BÄÄÄHHH (sorry für das Wort, aber dieselben fehlen mir gerade).

Zudem begeht Kurkov mit seiner Geschichte – zumindest für meine Begriffe – eine unverzeihliche Todsünde, nämlich sie hat mich über weite Strecken extrem gelangweilt. Zwei Paare wandern also ziemlich friktionsfrei aus …. und dann passiert 200 Seiten gar nix: Ein paar Gelegenheitsjobs und ein alter Hund ist gestorben, ansonsten nichts als Banalitäten … und dann passiert bis Seite 500 wieder fast gar nichts. Der Roman hat das Tempo einer Schnecke, in super-super-slow-motion vegetiert der Plot dahin. Ich wünschte mir die ganze Zeit, dass einer der Figuren mal was richtig Furchtbares zustößt, damit endlich Schwung in die Story kommt. Ich brauche ja nicht immer Drama, aber das ist mir wirklich zu wenig Action. Wenn mein Leben in jungen Jahren so gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich vor Langeweile schon längst gestorben. Ab Seite 500 – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – kommt die Handlung dann endlich richtig in Schwung, aber da habe ich schon irgendwie die Lust an den Figuren und ihren Schicksalen verloren.

Fazit: Viel zu langer, gähnend langweiliger, inhaltsloser, larmoyanter Roman, in dem ich die Botschaft des Autors einfach nicht vernommen habe. Eines muss man Kurkov aber lassen, auch wenn er sich in Banalitäten ergeht, diese kann er sehr gut und mit ausgezeichneter Sprache transportieren.

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Rezension zu "Kartografie der Freiheit" von Andrej Kurkow

Der europäische Traum
Sikalvor 5 Monaten

In der Nacht bevor Litauen im Schengenraum aufgenommen wird, treffen sich drei Paare um dieses Ereignis zu feiern und ein neues Leben zu planen. Endlich darf jeder in Europa leben wo er will und darf sich sein Wunschland als Wohnort aussuchen. Ein Paar zieht nach London, eines nach Paris und das dritte Paar plant das zukünftige Leben in Italien – als dieses Paar jedoch noch einmal genau nachdenkt, auch einbezieht, wen sie zurücklassen würden, bleiben sie doch im Baltikum.

 

Schnell wird klar, dass der Traum der Metropolen nicht unbedingt auch mit Freiheit zu tun hat. Finanzelle Schwierigkeiten, nur schlechtbezahlte Gelegenheitsjobs bringen partnerschaftliche Konflikte zwangsläufig mit sich. Enttäuscht müssen sie erkennen, dass hier die Freiheit nicht auf der Straße liegt. Trotzdem finden sie glückliche Momente, entdecken Chancen, lernen Menschen kennen und fügen sich in Systeme ein.

 

Immer abwechselnd erfährt man, wie es dem jeweiligen Paar gerade so ergeht. Hier wechseln humorvolle, traurige, skurrile, stille, laute, bescheidene und glamouröse Momente. Während im Baltikum euphorisch an einer sehr speziellen Geschäftsidee gefeilt wird, erkennen die Paare in London und Paris, dass das Leben in der Provinz auch so einiges zu bieten hat.

 

Der Autor Andrej Kurkow wurde in St. Petersburg geboren und lebt derzeit in Kiew. Seine bereits veröffentlichten Romane kenne ich leider noch nicht, was ich nun nachholen werde. Er schreibt ruhig, ziemlich ernst und doch folgt man mit Spannung was mit den jungen Menschen denn nun so passiert. Viele Gedanken über Europa, Ost und West, Flucht, Ankommen und Verbundenheit wandern durch dieses Buch.

 

Die alles verbindende Figur ist der alte Kukutis mit seinem Holzbein, das unzählige Geheimfächer zu haben scheint. Er wandert von Ost nach West, war anscheinend während seines langen Lebens bereits überall, kennt die Weltkriege und will immer zu Hilfe eilen, wenn ein Litauer Hilfe braucht. Dafür macht er sich mit seinem Holzbein auf den Weg und kommt immer zu spät, was ihn oftmals zermürbt. Während des Lesens fragt man sich immer wieder, wann Kukutis denn nun mit den jungen Paaren aufeinandertrifft, ob er ihnen helfen kann oder wieder zu spät kommt …

 

Das Buch zeigt sehr detailliert den Traum von Europa oder was eben davon übrig bleibt, zeigt eine Wunschvorstellung und die darauffolgende Realität. Gerne habe ich dieses Buch gelesen und vergebe dafür auch 5 Sterne. Ebenso darf ich für mich behaupten, einen neuen Lieblingsautor gefunden zu haben…

 

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Andrej Kurkow wurde am 23. April 1961 in St. Petersburg (Russland) geboren.

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