Andrej Kurkow Der wahrhaftige Volkskontrolleur

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Inhaltsangabe zu „Der wahrhaftige Volkskontrolleur“ von Andrej Kurkow

Es ist unglaublich, was Pawel Dobrynin erlebt, nachdem er unerwartet zum „Volkskontrolleur auf Lebenszeit für die ganze Sowjetunion“ gewählt wird. Auf seiner Reise durch die Sowjetunion begleitet ihn eine Vielzahl von schillernden Figuren: darunter der geheimnisvolle Kremlträumer, der Gedichte vortragende Papagei Kusma und ein Engel, der aus dem Paradies desertiert ist. Der Engel ist auf der Suche nach einem Gerechten, um mit ihm gemeinsam ins Paradies zurückzukehren, denn bislang ist noch kein einziger Sowjetbürger dort eingegangen … Andrej Kurkow, Autor der Bestseller Picknick auf dem Eis und Der Milchmann in der Nacht, erzählt eine unterhaltsame und fesselnde Geschichte zwischen Fantasie und Wirklichkeit in der Sowjetunion. Dazu gibt es charmante Helden, eine abenteuerliche Geschichte und viel schwarzen Humor – ein echter Kurkow eben.

Auch wenn der Autor das Leben der einfachen Menschen der damaligen Sowjetunion beschreibt, ist das Buch nicht unbedingt leicht zu lesen, sondern erfordert schon die volle Aufmerksamkeit. Doch man wird belohnt mit schönen Geschichten, die manchmal etwas kurios sind, mal zum Träumen einladen, mal märchenhafte Züge annehmen und einem sehr gut die russische Mentalität vermittelt.

— Bellexr
Bellexr

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    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    samo

    samo

    01. June 2016 um 20:45

    Inhalt:Es ist unglaublich, was Pawel Dobrynin erlebt, nachdem er unerwartet zum Volkskontrolleur auf Lebenszeit für die ganze Sowjetunion gewählt wird. Auf seiner Reise durch die Sowjetunion begegnet er einer Vielzahl von schillernden Figuren: darunter dem geheimnisvollen Kremlträumer, dem Gedichte vortragenden Papagei Kusma und einem Engel, der aus dem Paradies desertiert ist. Der Engel ist auf der Suche nach einem Gerechten, um mit ihm gemeinsam ins Paradies zurückzukehren, denn bislang ist noch kein einziger Sowjetbürger dort eingegangen.Fazit:Zuerst einmal muss ich sagen, dass Dobrynin diese Figuren überhaupt nicht trifft - dies sind alles einzelne Handlungsstränge, die nicht miteinander verknüpft werden, was ich sehr enttäuschend fand. Auch den schwarzen Humor, den ich normalerweise sehr liebe, habe ich hier vergeblich gesucht. Auch Spannung kam nur einmal kurz auf, sonst war es eher eine dahinplätschernde Erzählung. Die Idee des Romans war sehr gut, nur die Umsetzung lässt zu wünschen übrig.

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  • Sowjet-Märchen

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    TochterAlice

    TochterAlice

    26. October 2015 um 14:45

    Der getreue Bürger und Bewohner eines abgelegenen Dorfes Pawel Dobrynin wird quasi aus dem Nichts zum Volkskontrolleur ernannt - auf Neudeutsch wäre das der Controller des gesamten Sowjetvolkes bzw. einer davon, der für einen Teilbereich zuständig ist: bei Pawel ist das eine sehr, sehr abgelegene, eisbedeckte Region. Wir befinden uns in den frühen Jahren der Sowjetunion - es dreht sich alles um den Genossen Lenin, der leider vor einigen Jahren verstorben ist - oder doch nicht?  Zudem taucht ein Engel auf, der durch einen Kleiderwechsel mit dem Deserteur Sergunkow zu einem Flüchtigen wird und mit seinesgleichen ein neues Leben im "gelobten Land" beginnt, eine ganz eigene Form des sowjetischen Gemeinschaftslebens. Weitere Handlungsstränge drehen sich um den liebenswerten Schuldirektor Banow, der das Gute im Menschen sieht und um den Künstler Mark Iwanow, der mit seinem Gedichte rezitierenden Papagei durch die Lande zieht. Ein Haufen verschrobener Menschen also, der da im frühen Sowjetreich sein Leben fristet, das trotz etlicher Brutalitäten seltsam harmlos scheint - märchenhaft eben. Eine herrliche Satire in bewährter kurkowscher Manier? Nun, ich bin ein großer Fan der frühen Kurkow-Werke: der Doppelroman um den Pinguin Mischa und Viktor, einen Verfasser von Nekrologen, die zunächst einträchtig in einer WG in Kiew leben, sich dann jedoch aus den Augen verlieren und auf einer Odysee wiederfinden müssen, hat mich sowohl amüsiert als auch bewegt. Auch "Ein Freund des Verblichenen", in dem der lebensmüde Tolja einen Killer für sich selbst engagiert und dann verzweifelt versucht, diesen wieder abzubestellen, hat mir gut gefallen. Daher habe ich mich sehr auf das vorliegende Werk gefreut! Doch ohje: Bei dem "Wahrhaftigen Volkskontrolleur" Pawel, der für Gerechtigkeit steht : der mal naiv, dann wieder fast philosophisch wirkt - Eigenschaften, die auch die parallel agierenden Akteure Engel, Banow und Ivanov aufzuweisen haben, wurde ich bezüglich des Lesegenusses sehr enttäuscht. Der von mir so geschätzte Osthumor blitzt zwar durchaus von Zeit zu Zeit auf, größtenteils wird der Bogen aber ganz schön überspannt. Dadurch ist es leider nicht die erhoffte geniale Satire auf den Kommunismus,  sondern ein schwer zu lesender Mix von Absurditäten. Für mich sehr schade, reiht sich der Volkskontrolleur nicht in die von mir so sehr geschätzten oben genannten kurkowschen Juwelen ein! Dazu trägt auch bei, dass die einzelnen Erzählstränge vor sich hinplätschern und nicht zu einer Handlung zusammenfließen - dadurch ist es kein richtiger Roman, sondern eine Aneinanderreihung einzelner Geschichten. Mir fiel es sehr schwer, mich auf die Handlung zu konzentrieren und am Ball zu bleiben, ich hoffe sehr auf den nächsten Kurkow - denn nach meinem grandiosen Start mit diesem Autor mag ich ihn noch nicht ganz aufgeben!

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  • Rezension zu "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrej Kurkow

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    Moonwishes

    Moonwishes

    07. October 2012 um 16:29

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur von Andrej Kurkow Erster Satz: Von den Höfen her hörte man das Kläffen der Dorfhunde, die mit ihren Ketten rasselten und den sich herabsenkenden Abend ankündigten. Inhalt: In dem Buch spielen 3 Geschichten nebenher ab: der Volkskontrolleur Pawel Dobrynin, der Papagei Kusma und sein Begleiter Mark und ein Engel. Pawel wird unerwartet zum Volkskontrolleur der Sowjetunion auf Lebenszeit gewählt. Dafür muss er von seiner Familie weg ziehen und hinaus in die Welt um dort alles mögliche zu überprüfen und zu kontrollieren. Dabei wird ihm viel Respekt entgegengebracht und er erlebt die seltsamsten Abenteuer. Mark ist ein Künstler und besitzt den Papagei Kusma. Mark bringt Kusma Gedichte bei, welcher diese dann auf Veranstaltungen vorführt. Zusammen reisen sie durchs Land, immer im Stress und treffen sogar auf eine Person, von denen sie nicht zu Träumen gewagt hätten. Der Engel ist aus dem Paradis desertiert. Es schafft kein Sowjete es in das Paradis und daher sagen alle Engel, dass es dort keine ehrlichen und aufrichtigen Menschen gibt. Der Engel wollte seinen Mitengeln beweisen das dies nicht stimmt und ist desertiert. Dabei trifft er auf eine Gruppe von Menschen die ins gelobte Land wandern und schließt sich ihnen an. Meine Meinung: Ich persönlich hatte sehr viel mehr von dem Buch erwartet. Gepriesen wurde viel schwarzer Humor. Es gab zwar welchen, dennoch kam es mir sehr knapp vor. Da wäre zum Beispiel die Patrone die durch den Wald fliegt oder die dienstliche Ehefrau, die gleich verlangte so zu tun, als ob sie sich schon ewig kennen würden. Aber allem in allem war nicht sehr viel vorhanden, oder ich überlas ihn schlichtweg. Schade fand ich, dass die 3 Personen überhaupt nichts miteinander zu tun hatten. Ich hatte die ganze Zeit gewartet, dass diese aufeinander treffen und mir ausgemalt wie dies sein könnte, doch kam und kam dies einfach nicht. Auch schade empfand ich es, als die Personen um Pawel starben. Erst mal aus Mitleid, weil ich die sehr lieb gewonnen hatte, aber wirklich schlimm war zudem, dass ich ahnte, dass diese nicht zurück kommen. Dem gleich verhielt es sich auch mit dem Pferd. Doch am schlimmsten fand ich, dass sich alles sehr in die Länge zog und man sich eingentlich etwas durch die Seiten quälte. Doch bei der Geschichte mit dem Engel hatte ich das nicht. Diese Geschichte gefiel mir so gut, dass sie noch Sterne für dieses Buch rausschlagen konnten. Ein Punkt der mir noch am Herzen liegt war die Verständlichkeit. Die Sprache im Buch ist oft (nicht immer) leicht zu verstehen, aber mir ist sehr aufgefallen, dass man sehr viel von der Geschichte der Sowjetunion wissen muss um die Komplexität des Buches zu erfassen. Ich selbst hatte dabei meine Probleme und musste oft erst mal nachschauen was da eigentlich gemeint war. Cover: Das Cover persönlich gefällt mir überhaupt nicht. In erster Linie ist es aber sehr sehr auffällig, was in einem berfüllten Bücherladen sehr gut ist. Dennoch gefallen mir viele Punkte nicht. Ersteinmal wäre da der einfarbige, gelbe Hintergrund. Da verstehe ich überhaupt nicht, warum gelb. Gelb steht in keinem Bezug zu dem Inhalt und ich wage zu behaupten, dass sie dann wenigstens rot hätten nehmen können, als die Farbe der Sowjetunion. Dafür ist die Überschrift rot und hebt sich gut von dem rot ab. Das braune Pferd auf dem Cover ist wirklich süß mit seinem Schal und der Mütze und den Stiefeln. Doch hat auch dieses Pferd keinerlei Bezug zu dem Buch. Das Pferd war weiß und nicht braun. Doch muss man zugeben, dass ein weißes Pferd auf diesem Cover nicht gewirkt hätte. Pawel dagegen ist wirklich gut getroffen und das Bild des Kremels wirkt wirklich gut und ist echt interissant. Liebe Grüße

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  • Rezension zu "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrej Kurkow

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    bookgirl

    bookgirl

    24. February 2012 um 10:47

    Ich finde es recht schwierig dieses Buch zu beurteilen. Nachdem ich von der Leseprobe recht angetan war, fiel es mir doch unerwartet schwer in den weiteren Verlauf zu finden. Das hängt sicher auch mit den russischen Namen zusammen, die man sich nicht so leicht merken kann, aber auch dem doch sehr speziellen russischen Humor, der sich mir nicht ganz erschlossen hat. Ich wage zu bezweifeln, dass der Roman hierzulande ähnlichen Erfolg wie in Russland haben wird, da die Erzählweise ein wenig sperrig ist und man ihn nicht einfach so runter lesen kann. Doch worum geht es? Im Jahr 1927 wird Pawel Dobrynin zum Volkskontrolleur der Sowjetunion gewählt. Er muss folglich seine Frau Manjascha mit den Kindern in seinem Dorf Kroschino zurück lassen und begibt sich auf die Reise zum Kreml. Dort angekommen erhält eine luxuriöse Wohnung und seine dienstliche Ehefrau. Nachdem er im Kreml für geeignet befunden wird, wird er in den Norden geschickt, um dort zu überprüfen, ob das Leben nach Gesetz und Ordnung verläuft. Gleichzeitig wird von einem Engel erzählt, der auf die Erde kommt, da er nicht verstehen kann, dass kein Russe in den Himmel kommen möchte. Kein Lesevergnügen für mich, aber wer den russischen Humor mag dem sei dieses Buch zu empfehlen.

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  • Rezension zu "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrej Kurkow

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    isag

    isag

    31. January 2012 um 19:19

    Irgendwie hatte ich von diesem Buch auf Grund der positiven Stimmen u.a. auf dem Bucheinband mehr erwartet... Es gibt mehrere Handlungsstränge, die einfach irgendwie nebeneinander herlaufen und - obwohl man dies aus dem Klappentext eigentlich vermuten könnte - niemals zusammen finden. Fesselnd finde ich die Handlung auch nicht und wahr ehrlich gesagt froh, als ich diese vielen Seiten dann endlich "geschafft" hatte... Die einzelnen Geschichten an sich sind nicht direkt langweilig oder so, aber den angeblichen schwarzen Humor habe ich da auch nicht entdeckt... Anstrengend fand ich manchmal auch die relativ langen Sätze und die für uns ziemlich "komplizierten" Namen - vor allem wenn manchmal noch irgendwelche Abwandlungen oder was auch immer des eigentlichen Namen verwendet wurde. Gelegentliche Fehler in der Übersetzung sind mir auch aufgefallen, über die ich "gestolpert" bin... Ein bißchen interessant ist das Buch aber dadurch, daß man einen kleinen Einblick bekommt, wie unterschiedlich die Sowjetunion doch so im Vergleich zu unserem Leben hier gewesen sein dürfte - wobei man als außenstehender eben auch nicht beurteilen kann, was Realität und was Fantasie des Autors ist... Gut finde ich allerdings die Ausstattung des Buches - endlich mal ein umweltfreundlicher Schutzumschlag ohne Hochglanzbeschichtung und sowas alles ;) Und ein Leseband finde ich sowieso immer sehr praktisch ;) Fazit: Das Buch ist recht anspruchsvoll und ganz sicher nicht schnell gelesen. Wer sich für Russland interessiert, mag evtl. an dem Buch Gefallen finden, aber mein Fall war es leider nicht...

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  • Rezension zu "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrej Kurkow

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    Dubhe

    Dubhe

    11. January 2012 um 11:07

    Pawel Dobrynin ist der einzige ehrliche Mann in dem Kolchosedorf und so wird er zum Volkskontrolleur auf Lebenszeit gewählt. Durch diese Position muss Pawel nun leider seine Frau und sein Neugeborenes Kind allein lassen und sich der Aufgabe stellen, alles richtig zu kontrollieren. Doch das ist nicht so leicht in einem großen Land, wie der Sowjetunion. Doch bei dieser Aufgabe ist er nicht allein, denn ein Engel aus dem Himmel hat auf die Erde geschaut und sich gewundert, warum niemand aus einem so großen Land wie der Sowjetunion ins Paradies kommt, wo alles gerechten und ehrlichen Leute hinkommen. So schleicht sich der Engel eines Nachts heimlich aus dem Paradies und begibt sich in ebenjenes großes Land und hat vor, einen ehrlich Mann zu finden, sein restliches Leben lang zu begleiten und diesem dann ins Paradies zu verhelfen. Doch der Engel ist nicht die einzige komische und schillernde Person, die dem Volkskontrolleur begegnet. . Mein erstes Buch aus der russischen Literatur und ich muss sagen, ich bin angenehm überrascht. Ich hätte mir einen dicken langweiligen Schmöker vorgestellt, bei dem man kaum weiterkommt, doch dem ist nicht so. Dieses Buch ist eigentlich ein ganz normales Buch, nur halt hat der Autor einen etwas anderen Stil, Humor und eine andere Auffassungsgabe der Dinge. Klar, man muss solche Bücher mögen. Ich habe bevor ich es gelesen habe, schon einiges an Kritik darüber gehört und es war ehrlich gesagt fast nur schlechte darunter, weswegen ich nun etwas Publicity für dieses Buch mache: Du hast es satt, dauernd diese gewöhnliche Unterhaltungsliteratur zu lesen? Du hast es satt, immer die gleichen seichten Geschichten zu lesen, mit einem Stil bei dem der Autor denkt, dass er witzig ist, obwohl er es eigentlich nicht ist? Du hast einen schwarzen Humor? Dann ist dieses Buch genau richtig für DICH! Was ich noch hinzufügen muss, ist, dass die Geschichte zu Zeit der UdSSR und Lenin spielt. Ein ganz und gar ungewöhnliches Buch.

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  • Rezension zu "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrej Kurkow

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    Speckelfe

    Speckelfe

    30. November 2011 um 22:43

    Dieses Buch erzählt vier separate Geschichten. Einmal die von Pawel Dobrynin, der unverhofft zum "Volkskontrolleur auf Lebenszeit" ernannt wird und nun in dieser Funktion seine Familie verlässt und das Land bereist. Die weiteren Geschichten handeln von einem Engel, der aus dem Paradies auf die Erde kam und nun einen "Gerechten" sucht, um wieder ins Paradies zurückzukehren, von einem Künstler mit seinem sprechenden Papagei und einem einsamen Schuldirektor der sich in die Mutter eines Schülers verliebt. Alle diese Geschichten werden abschnittweise erzählt und ich habe das ganze Buch über drauf gewartet, daß diese Geschichten irgendwann zusammengeführt werden, dem ist aber leider nicht so, so daß sich mir der tiefere Sinn hinter den Geschichten nicht so ganz erschlossen hat. Auch hatte ich so meine Probleme mit den russischen Namen und der Tatsache, daß mal der Vor-, an anderer Stelle der Nachname der Personen benutzt wird. Das machte es für mich teilweise schwer, der Geschichte zu folgen. Der Schreibstil hat mir insgesamt schon irgendwie gefallen, die Handlung etc. scheint mir aber eher was für Leser zu sein, die sich sehr mit Russland und seiner Geschichte beschäftig haben bzw. sich dafür interessieren.

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  • Rezension zu "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrej Kurkow

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    Literatur

    Literatur

    09. November 2011 um 17:30

    Andrej Kurkow begleitet in seinem Roman "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" insbesondere vier Hauptfiguren für einen kurzen Teil ihres Lebens und lässt den Leser spüren, wie diese Menschen leben, denken und fühlen. Erstens Pawel Dobrynin, der nach der Ernennung zum Volkskontolleur der Sowjetunion auf Lebenszeit Heimat und Familie zurücklässt und zu einer Reise ins Ungewisse aufbricht. Zweitens ein aus dem Paradies entflohener Engel, der zusammen mit weltlich Desertierten das Gelobte Land auf Erden sucht und mit dem überraschenden und ungekannten Gefühl der partnerschaftlichen Liebe dem Paradies ein kleines Stückchen näher rückt. Drittens der pflichtbewusste und vereinsamte Schuldirektor Banow, der die "Mutter" eines Schülers und sich selbst wieder zum Träumen bringt. Und schließlich der Künstler Mark, der mit seinem sprechenden Papagei Kusma die Führungselite der Sowjetunion zum Weinen bringt. Vier Geschichten, getrennt voneinander abschnittsweise abwechselnd erzählt und doch miteinander eng verwoben. Sie erzählen dem Leser von Treue und Verrat, Kontrolle und Vertrauen, Leben und Tod, Annehmen und Hinterfragen, Vernunft und Gefühl. Doch Andrej Kurkow spricht die Problematik der einzelnen Geschichten nicht offen an, sondern überlässt das Deuten dem Leser, der zwischen den Zeilen den Hauptfiguren etwas näher kommt. Es ist ein außergewöhnliches Buch, das die ganze Aufmerksamkeit des Lesers fordert, aber dem es gelingt, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Entscheidend ist dabei nicht, was und wie der Autor erzählt, denn dies geschieht in einer fast nüchtern deskriptiven Weise, sondern was diese Geschichten im Leser auslösen und wie dies geschieht. Insgesamt ein Buch, das mich noch eine Weile beschäftigen wird und noch einige Fragen offen lässt.

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  • Rezension zu "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrej Kurkow

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    petermarnet

    petermarnet

    19. October 2011 um 21:27

    Wir haben es in diesem Roman eigentlich mit vier Geschichten zu tun. Ein Schuldirektor verliebt sich romatisch-unbürokratisch in die Stiefmutter eines Schülers. Ein Varietee-Künstler reist mit einem Papagei, der patriotische Gedichte aufsagt, im Land umher. Ein Engel, der aus den Himmelsscharen desertiert ist, schließt sich einer Gruppe von Armeedeserteuren an. Und schließlich die Geschichte von Pawel, einem einfachen Bauern, der zum Volkskontrolleur ernannt und in den äußersten polarnächtlichen Norden des Landes geschickt wird. Hintergrund des Geschehens ist die frühe Sowjetzeit, als die Menschen noch gutgläubig und zukunftsfroh waren. Die Geschichten sind ineinander geblendet. Das geht auch gut, da sie sich deutlich voneinander abgrenzen. Jede der Geschichten hätte auch für sich stehen. Sie alle hätten ebenso hintereinander erzählt werden können. Der Leser wartet eigentlich vergeblich darauf, dass sich die Erzählstränge irgendwann treffen. Verbindendes Element ist der Patriotismus der Menschen. Kurkow erzählt im Stile eines Volksmärchens. Seine Leser wissen in der Rückschau wesentlich mehr als die handelnden Personen, denen die herannahenden Schrecken der Zwangskollektivierung verborgen bleiben. Sie fühlen sich und benehmen sich wie in einem Märchen, dass unbedingt ein gutes Ende finden wird. Das ist eigentlich Kurkows Trick: Er belebt ein Propagandagemälde, lässt die ideal dargestellten Menschen herabsteigen und schickt sie auf die Reise durch die sowjetische Wirklichkeit. Daraus ergibt sich Situationskomik der absurden Art. Voller Ernst und erhobenen Hauptes träumend stoßen sie wie in einem Slapstickfilm mit den allergewöhnlichsten Dingen des Lebens zusammen. Mir persönlich hat sich das Buch nicht so recht erschlossen. Der Grundgedanke, dass sich die Realität alle Mühe gibt, die Träumenden auf die Probe zu stellen, hat sich bald erschöpft. Da der Roman aus Sicht dieser idealen Sowjetmenschen geschrieben ist, geht der Autor nie über deren Verstehen hinaus. Das erschwert dem mit der Sowjetrealität unvertrauten Leser das Verstehen, da vieles nur angedeutet bleibt. So erging es auch mir. Manches ist komisch oder grotesk, anderes aber erschloss sich mir nicht.

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  • Rezension zu "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrej Kurkow

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    Bellexr

    Bellexr

    03. October 2011 um 19:51

    Sternschnuppen fallen vom Himmel . Andrej Kurkow erzählt die Geschichte des Kolchosbauern Pawel Dobrynin, der von den Bewohnern seines Dorfs zum Volkskontrolleur ernannt wird und fortan durch das riesige Land reist und hierdurch die unterschiedlichsten Menschen kennenlernt. Und man lernt einen Schuldirektor kennen, welcher der Mutter einer seiner Schüler das Träumen wieder beibringen möchte. Dann gibt es einen Engel, der auf die Erde reist und sich unter den Menschen umschaut, verwundert darüber, dass bisher kein Sowjetbürger ins Paradies gekommen ist. Und der Künstler Marc, der mit seinem Gedichte vortragenden Papagei Kusma durch das Land reist. . Diese unterschiedlichen Erzählstränge verknüpfen sich wider Erwarten nicht im Verlauf des Romans, sondern stehen für sich allein, wobei das Hauptaugenmerk jedoch beim Volkskontrolleur Pawel liegt. Sein Leben ist mit Beginn der Ernennung bestens durch den Kreml durchorganisiert, er braucht sich um nichts Gedanken zu machen und kann sich voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren. Hierbei reist er in den russischen Norden und lernt dort die unterschiedlichsten Menschen und deren Sitten kennen. Und er kommt sogar einem Mord auf die Spur. . Andrej Kurkow erzählt die verschiedenen Geschichten, die sehr gut das Leben der Sowjetbürger nach der Oktoberrevolution bis kurz vor den 2. Weltkrieg beschreiben, auf ruhige, unterhaltsame und stellenweise poetische Weise, denen ein feinsinniger Humor nicht fehlt und stellenweise etwas naiv wirken. Auch die für Russland so typische Melancholie darf nicht fehlen und mit seinen Figuren gibt er einem so einen guten Einblick in die russische Mentalität und zeigt so die damalige Überzeugung der Bürger auf, dass man allein nichts ist, das Volk aber alles. . Seine Charaktere beschreibt der Autor feinfühlig, detailliert, stellenweise ziemlich skurril und originell. Pawel Dobrynin ist ein gutmütiger, verantwortungsbewusster, eher zurückhaltender und bescheidener Charakter, der nichts hinterfragt. Auch nicht, als ihm in Moskau eine dienstliche Ehefrau vorgesetzt wird, obwohl er in seinem Dorf Frau und Kinder zurückgelassen hat. Schließlich sind dies die Vorschriften, diese werden nicht hinterfragt, sondern einfach akzeptiert. Und auch der Schuldirektor Banow ist eher ein zurückhaltender, leiser Mensch mit einem schlichten Gemüt, der ebenfalls alle an ihn gestellten Anforderungen von höherer Stelle ohne zu hinterfragen, augenblicklich umsetzt. . Auch wenn der Autor das Leben der einfachen Menschen der damaligen Sowjetunion beschreibt, ist das Buch nicht unbedingt leicht zu lesen, sondern erfordert schon die volle Aufmerksamkeit. Doch man wird belohnt mit schönen Geschichten, die manchmal etwas kurios sind, mal zum Träumen einladen, mal märchenhafte Züge annehmen und einem sehr gut die russische Mentalität vermittelt.

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  • Rezension zu "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrej Kurkow

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    Hannali

    Hannali

    19. September 2011 um 02:46

    Der wahrhaft gute Pawel wird also zum Volkskontrolleur für die gesamte Sowjetunion ernannt. Stolz und dennoch mit etwas Wehmut, da er seine Familie für diese ehrenvolle Aufgabe verlassen muss, nimmt er natürlich diesen Auftrag an. Überzeugt vom System und seiner zukünftigen Tätigkeit begibt er sich auf eine spannende und für ihn lehrreiche Reise, auf der er Dinge erlebt und kennenlernt, die er nie für möglich hielt. Wer nun meint, die Geschichte würde sich um Pawels neues Leben drehen, der irrt gewaltig. Schließlich wären da noch der Engel, der freiwillig das Paradies verlässt, um auf der Erde, eben in diesem Land "seinen" Gerechten zu suchen, den er ins Paradies führen kann. Oder auch der Direktor einer russischen Schule, dessen Leben einzig und allein von dieser Schule abhängig ist. Ohne diesen Ort, der er praktisch nur zum schlafen gehen verlässt, kann er sich sein Dasein gar nicht vorstellen. Skuril erscheint auch die Figur des Mannes, der das System mithilfe seines Papageis anprangert. Doch der beherrscht natürlich nicht nur Gedichte mit Unterton, sondern kann auch nach Bedarf regimetreu aufsagen..... Ein Buch, das mir gefällt! Nicht einfach zu lesen und schon gar keine Lektüre für zwischendurch. Ein Buch, mit einem "Helden", der von vielen Begegnungen und anderen Geschichten umwoben ist. Vieles bleibt offen. Für mich schafft der Autor damit Platz für Inspiration und Gedanken.Keine Geschichte hat in diesem Buch ein wirkliches Ende. Haben Methoden und Handlungsweisen des Sytems in den Köpfen der Menschen ein Ende? So skuril und anspruchsvoll wie die Geschichten geschrieben sind, so beschreiben sie in unzähligen Bildern, wenn auch derart überzogen, einzig und allein den Menschen. Dem Autor gelingt mit seinem Buch Beindruckendes: er gibt mit seinen Geschichten die Vorlagen und öffnet einen Raum des Nachdenkens.

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  • Rezension zu "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrej Kurkow

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    Buecherwurm2punkt0

    Buecherwurm2punkt0

    16. September 2011 um 13:45

    Inhalt: Pawel Dobrynin wurde unerwartet zum Volkskontrolleur auf Lebenszeit für die ganze Sowjetunion gewählt. Kurz nach der Wahl tritt er seine Reise durch die Sowjetunion zu seinem Kontrolleursposten an. Während dieser Reise begegnen ihm viele verschiedene Persönlichkeiten und er sieht viele Abnormitäten. Umschlag / Preis: Den Umschlag finde ich attraktiv und interessant gestaltet, allerdings finde ich es immer schrecklick ein Hardcoverbuch + Papierumschlag zu haben, da der Papierumschlag immer leidet, egal ob in der Handtasche oder auf dem Tisch. Preislich gesehen sind 23 € für die Qualität des Buches ok, allerdings ist es inhaltlich gesehen ärgerlich. Meine Meinung zum Inhalt: Vom Inhalt bin ich nicht sehr begeistert. Leider wurden die Sowjets immer mit besonders langen Namen bestückt und die Anrede war immer Vor- oder Nachname (z.B. entweder Pawel oder Dobrynin) was bei mir zu Anfang viel Verwirrung stiftete und das Lesen als mühsam gestaltet. Desweiteren gibt es im Buch vier Handlungsstränge. Zu Beginn dachte ich, dass alle vier Geschichten irgendwann aufeinander treffen, doch leider passierte das nicht. Nach dem Buch bleibe ich also mit Unverständniss zurück, da der Autor im Grunde vier Bücher geschrieben hat und diese einfach wild durcheinandergemixt hat. Aber ich muss zugeben, dass ich den Handlungsstrang rund um den einsamen Schulleiter sehr interessant fand. Desweiteren war der von anderen als "herausragend" betitelte Schwarze Humor für mich nicht zu finden. Entweder liegt das einfach an meinem fehlendes Vorwissen oder weil der Schwarze Humor aufgrund der anderen Nationalität schwer zu verstehen ist. Für mich gestaltetet sich das Lesen als sehr mühsam und wenig unterhaltend, da mir einfach die Verbindung zu dem Land und der Zeit fehlt. Wahrscheinlich geht es einem "Ausländer" ähnlich, wenn man ihm so ein Buch vorlegen würde, beispielsweise "Deutschland schafft sich ab" (Der Vergleich ist natürlich inhaltlich ehr weniger gegeben) Fazit: Meiner Meinung nach ist das Buch nicht schlecht, jedoch aber auch keins was man lesen muss. Es ist schwierig in das Thema einzusteigen und eine Verbindung zu den einzelnden Handlungssträngen aufzubauen. Am Ende gebe ich nur eine klitzekleine Leseempfehlung für alle, die auf alternative Buchkost stehen :)

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  • Rezension zu "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrej Kurkow

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    SinjeB

    SinjeB

    13. September 2011 um 20:52

    Spitz, subtil, skurril, sowjetkritisch - ein Kurkow für Liebhaber und Kenner Zum Inhalt: In "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" begegnen dem Leser vier Geschichten, die zwar die betreffenden Protagonisten und Handlungsstränge nicht zusammenführen, wohl aber den systemkritischen Zeigefinger hochhalten. Den Titel verdankt der Roman zunächst dem ländlichen wenig beliebten Gutmenschen Pawel Dobrynin, den eines schönen Tages in den 1920er Jahren - Lenin lebt bereits nicht mehr - die wunderbare Nachricht ereilt, man habe ihn zum Arbeitskontrolleur auf Lebenszeit für die ganze Sowjetunion ernannt. Das klingt erst einmal toll, denn prikasgemäß ist der Volkskontrolleur landesweit zu hofieren, und er genießt höchsten Status (verbunden mit Anerkennung und Rubeln). Während Pawel naiv-freudig seiner höchstoffiziellen Bestätigung in der Hauptstadt entgegenblickt, schluchzt Ehefrau Manjascha sich berechtigterweise in den Schlaf, denn sie und die Kinder sind es, die zurückbleiben. Und in ihrer bäuerlichen Einfachheit scheint sie zu begreifen, dass dieses Gold nicht glänzt. Kurzerhand bewaffnet sie den Ehemann für die Reise mit einer Axt, damit er nicht nur in der Hauptstadt nicht unter die Räder kommt. Denn schließlich erwarten den Neuwürdenträger dort neben einer netten geräumen Wohnung auch eine hauptstädtische Dienstehefrau und Leninsche Lernaufgaben, mit denen er sich erst einmal zurechtfinden muss, bevor er auf dem gewünschten Schimmel würdevoll in den Kreml einreiten und später dann in einem besonders kalten Fleckchen des Landes den Dienst antreten soll. Und dort blickt der zunächst so eindimensional gestrickt scheinende Volkskontrolleur gefährlich hinter die schöne Sowjetfassade. Während Dobrynin in Moskau mit einer fremden Frau das Bett teilt, fällt an anderer Stelle des russischen Bären ein Engel vom Himmel. Desertiert aus dem Serail ist er sozusagen, denn er kann nicht glauben, dass es in diesem Land keinen echten Gerechten geben soll. Nicht einem Sowjetbürger ist er im Paradiese begegnet, und nun will er sich auf die Suche machen nach ihm, dem wahren Gerechten. Blöd nur, dass der erste Sowjetmensch, auf den der himmlische Deserteur trifft, ein Deserteur ist. Vertrauensselig lässt er sich von Deserteur Sergunkow zum Kleider- und damit Rollentausch überreden, der den irdischen Deserteur in nicht mehr ganz so irdische Gefilde bringt, während der Paradiesflüchtling nun ein ganz irdischer Rotarmisten-Flüchtling (mit kleinen himmlichen Fähigkeiten) ist und tüchtig für sein Brot ackern darf. Ob er bzw. die Pistolenkugel, die er auf den rechten Weg leitete und die nun suchend durch die russischen Weiten pfeift, dabei den Gerechten finden wird? In Moskau wiederum sorgt sich ein Schuldirektor um das Wohl seiner Schüler. Seine Schule ist seine Welt, sein Zuhause, sein Alles. Nichts ist ihm wichtiger. Selbst seine Freizeit sitzt er dort. Zufrieden seufzend, von Höherem träumend. Blättert in planmäßigen Aufsätzen und stellt entsetzt fest, dass die Mutter eines Schülers das Träumen verlernt hat. Als sei das Träumen ungleich wichtiger als Parteiauftrag und Co. setzt er nun alles daran, der Deutschstämmigen, die gar nicht die Mutter des Jungen ist, wieder das Träumen zu lehren. Und nicht zuletzt ist da Mark Iwanow, der Künstler, der mit einem sehr beredten Papagai Kusma durchs Land tingelt. Dieser rezitiert so scharfzüngig, dass er der wahre Star des Programms ist und dem Kreml Tränen in die Augen treibt. Meine Meinung: Ich bin weder echter Kurkow-Kenner noch habe ich mich seit dem Studium nennenwert mit sowjetischer oder russischer Geschichte befasst. Nach einer höchst unterhaltsamen Leseerfahrung mit Kurkows "Ein Freund des Verblichenen", die mir noch relativ präsent ist, habe ich mich dennoch auf den Volkskontrolleur gefreut. Als ich die Leseprobe bei vorablesen.de las, gab ich im Leseeindruck zu bedenken, dass diese Lektüre wohl leicht am nicht russophilen Leser verpuffen könnte. Schlussendlich stellte es sich heraus, dass auch ich trotz Interesses für die zwanziger Jahre an diesem Kurkow zu knabbern hatte. Leider konnte ich die auf dem Umschlag angepriesene Leichtig- und Heiterkeit nicht eindeutig nachempfinden. Kurkows Roman ist keine schreiend witzige Zwischendurchlektüre, sondern überrascht mit langen Sätzen, zahlreichen Figuren, bei denen man sich fragt, ob sie alle notwendig sind, Klischees, gepaart mit parabelhaften Handlungen, und unterhält auf seine kritische Weise sehr wohl, verlangt aber, dass man sich auf Thematik, Text und Akteure einlässt. Fast fühlt man sich angesichts des Kurkowschen Rufes darauf geeicht, die Bedeutung von Figuren, und sei es nur ein Pferd, und Handlungen zwanghaft zu hinterfragen, sodass man sich leicht beim Lesen selbst ein Bein stellt. Die vier Geschichten, die den Eindruck eines Episodenfilms unter dem Thema "Es war einmal nach Lenin" hinterlassen, laufen nebeneinander her, wechseln einander ab, aber man wartet vergeblich auf deren Verknüpfung. Hin und wieder keimte in mir der Versuch einer verknüpfenden Interpretation, die Bestätigung blieb jedoch aus. Die vier Handlungsträger treffen in ihren Geschichten auf ganz unterschiedliche und zahlreiche Figuren. Die daraus resultierende Namensvielfalt wird den Russlandunkundigen eher verwirren bzw. die in Klischeenamen versteckten Realitäten dürften eher verpuffen. Aber Kurkow schreibt nun mal russisch authentisch, und man wird das Gefühl nicht los, dass er in all seiner Überspitzung und Absurdität eben genau für jene schreibt, die einst in der Realität auf ebenso absurde und nicht selten schlichtweg nur säubernde Missionen geschickt wurden. Um eben aufzuzeigen, an welchen bürokratisch-sortierten Dämlichkeiten man sich aufhielt, wie den Dobrynin in eine Gegend zu schicken, in der es eigentlich nichts und niemanden zu kontrollieren gibt, anstatt sich um Seelenheil und innere Freude, Fantasie und Lächeln des Menschen zu sorgen. Kein Wunder, dass der Engel im Paradies noch nie einem S0wjetbürger begegnet ist ... Schuldirektor dürfte dabei die regelbstätigende Ausnahme sein, denn trotz Regimetreue ist er bestrebt, etwas zu finden, das ihn (und die traumlose Frau) innerlich aufleben lässt. Die Geschichten muten dabei tatsächlich so typisch an, dass man hin und wieder versucht ist, die Geschehnisse, und bewirkten sie noch so starkes Kopfschütteln, für bare Münze zu nehmen. Positiv zu erwähnen ist, dass die Übersetzung mühelos wirkt und Erklärungsbedarf ohne zu viele und zu ausufernde Fußnoten meistert. Dass Kurkows Volkskontrolleur insgesamt betrachtet eher anstrengend ist, liegt keinesfalls an der Übersetzung, sondern an der Erwartungshaltung, die der Leser im Textverlauf annimmt. Immer wieder hofft man auf Kreuzungen der Handlungen, doch am Ende wird diese Hoffnung genauso enttäuscht wie die Hoffnung nach einem ordentlichen Abschluss der Handlungsstränge. Was bleibt, sind ein verhaltenes Gefühl von "Was wollte der Künstler damit sagen?", lose Fäden und (durchaus nachhaltige) Nachdenklichkeit ohne hochstürmende Begeisterung. Fazit: Unfertig wirkende Sozialkritik an der Sowjetunion der 1920er Jahre und ihren weitreichenden Folgen, die die von der humorvoll flockigen Umschlaggestaltung versprochene Leichtigkeit nicht halten kann und in Lesegefallen wohl eher dem wahren Russland- bzw. Genrefan vorbehalten bleiben wird. 4 von 5 Punkten

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  • Rezension zu "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrej Kurkow

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    lord-byron

    lord-byron

    13. September 2011 um 16:18

    Der hochanständige Pawel Dobrynin, der überall für seine Ehrlichkeit bekannt, aber nicht beliebt ist, wurde zum Volkskontrolleur für die ganze Sowjetunion gewählt. Bedrückt geht er nach Hause, weiß er doch, dass er seine Frau Manjascha und seinen 3 Monate alten Sohn Petka für lange Zeit verlassen muss. Als der Wagen mit Kutscher kommt um Pawel mitzunehmen, drückt ihm seine Frau zum Abschied noch eine Axt in die Hand, damit sich der arme Mann gegen Banditen wehren kann. Nachdem er seine Urkunde und ein Buch mit Anweisungen bekommen hat, fliegt er ins Polargebiet, wo seine Arbeit beginnt. Zur gleichen Zeit desertiert ein Engel vom Himmel, weil er nicht verstehen kann, warum noch nie ein Russe vor der Himmelstür gestanden hat. Er möchte einen Gerechten finden, den er bis ins Paradies begleiten kann um seinen Brüdern zu beweisen, dass es auch in der Sowjetunion ehrliche und gerechte Menschen gibt. Kaum auf der Erde angekommen, tauscht der Engel die Kleider mit einem Deserteur. Darum nehmen seine Brüder den Falschen mit in den Himmel und der Engel kann auf der Erde bleiben. Im Laufe der Geschichte wandelt er durch Russland und immer mehr Menschen schließen sich ihm an, so dass die Gruppe irgendwann in ihr neues gelobtes Land kommt. Und auch den Küstler Mark treibt es durchs Land. Er hat seinem Papagei Kusma Gedichte beigebracht, die dieser den Menschen vorträgt und so schlagen sich die Zwei durchs Leben. Tja, was soll ich zu diesem Buch sagen? Es ist auf jeden Fall ganz anders, als ich gedacht habe. Die 3 Handlungstränge ziehen sich durchs Buch, ohne miteinander in Berührung zu kommen. Nicht einmal ganz am Ende treffen die Protagonisten aufeinander. Die Erzählungen verpuffen einfach mehr oder weniger. Trotz allem hat mich das Buch recht gut unterhalten. Andrew Kurkow kritisiert auf hohem Niveau und unglaublich ironisch die grotesken Vorschriften und Gesetze der Sowjetunion und der Planwirtschaft. Der Schreibstil ist flüssig, aber nicht immer leicht zu lesen. Der wahrhaftige Volkskontrolleur ist mit Sicherheit kein Buch, das man mal so schnell nebenher lesen kann denn man muss sich voll und ganz darauf einlassen. Insgesamt ist es aber empfehlenswert.

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  • Rezension zu "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrej Kurkow

    Der wahrhaftige Volkskontrolleur
    Carriecat

    Carriecat

    09. September 2011 um 17:15

    Inhalt: Pawel ist "ehrlich bis zu Dummheit". Die anderen Kolchosenbauern stört das sehr, deshalb loben sie ihn weg und schicken ihn als Volkskontrolleur durch die Sowjet Union. Was er genau tun soll ist unklar, aber er gibt sich redlich Mühe allen Anforderungen zu entsprechen. So kurios sie auch sein mögen. Ein Engel wundert sich, warum aus diesem Land keine Leute ins Paradies kommen. Er wird mit einem Deserteur verwechseln, bedroht und macht sich schließlich mit anderen Menschen auf die Suche nach einem neuen Paradies. Ein Schuldirektor sinniert über das Leben, die Vergangenheit und die Zukunft. Er will das Beste für seine Schüler, doch am liebsten trinkt er Tee auf dem Dach... Ein einsamer Künstler hat nur seinen Gedichte aufsagenden Papagei, sonst nichts auf der Welt. Sogar ihm rückt das System zu Leibe... Viele verschiedene Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Stil: Über Humor lässt sich bekanntlich streiten, aber es war m. E. weder schwarzhumorig noch sonst wie megalustig. Einige Szenen haben mich zum schmunzeln gebracht, weil sie so skurril beschrieben waren, aber das war es auch schon. Die Figuren sind meistens so oberflächlich und plump wie bei einem Bauerntheater geblieben und konnten mich über weite Strecken nicht fesseln. Fazit: Weniger wäre mehr gewesen! Weniger ausschweifend erzählt, weniger Handlungsstränge, wenn sie sich eh nicht verbinden und vor allem hätte ich mir ein echtes Ende gewünscht. So hatte ich das Gefühl mit dem Zug durch die Geschichte zu bummeln oder mal zu rasen, aber mir blieb nur die beschränkte Aussicht aus meinem Fenster. Und schwupp, waren die Protagonisten schon wieder vorbei....und plötzlich stoppt man an der Endstation. Ach ja, was mich auch noch wundert: Waren die Laute von der Covergestaltung farbenblind oder haben sie das Buch gar nicht gelesen??? Das ansonsten nette Bild wird von einem Fehler gestört: Der geschenkte Gaul war nicht braun...

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