Andrew Bridgeman greift in seinem neuen Thriller, neben dem eigentlichen Fall, eine aktuell (wieder) verbreitete Ideenwelt auf, die seit Jahrhunderten immer wieder in den Vordergrund rückt. Dass eine Gruppe von Menschen mit dunklen Absichten und „verquerem Glauben“ sich den Weg in die Regionen der Macht sucht, am Ende, um die Welt nach ihren Vorstellungen formen zu können. „Deep State“, „Austausch der Bevölkerung“, „Corona als Seuche der Mächtigen gegen das Volk“ und vieles mehr hat in den letzten Jahren zuhauf wieder Zulauf erfahren und es bis an oberste Stellen in Regierungen ja hier und da geschafft. Bis dahin, dass Influencer mit fragwürdigen Haltungen und fragwürdigem Hintergrund erkennbar Einfluss auf die Weltpolitik nehmen. Man muss nur den richten Mächtigen als „Gläubigen“ an die entsprechende Stelle setzten.
All das ist Ben Davers eigentlich zu Anfang des Thrillers noch völlig Schnuppe. Er hat zu kämpfen mit seiner persönlichen Unsicherheit, die nicht immer auf den Punkt das transportieren und ausdrücken kann, was sein scharfer Verstand als richtig und gut erkannt hat. Der aber gerade einen kleinen, persönlichen. Sieg in seiner Firma zu verbuchen hat, als seine Expertise trotz unsicherer Vortragsweise ins Schwarze trifft.
Dumm nur, dass er gerade in diesem Augenblick vom FBI mitgenommen wird. Nicht verhaftet, das mag er zunächst nur so denken, sondern weil er, ohne es zu wissen, einer der beiden Mittelpunkte eines alten, ungelösten Falles von Kindesentführung ist. Mit einer in der Gegenwart nun gerade überaus prominenten, leiblichen Mutter.
Und jenen beiden Personen, Mann und Frau, die er als seine Eltern bisher kannte. Bei denen seine für ihn „Mutter“ einen Revolver sich in die Hand zaubert, um ein Statement gegen weitere Befragungen ihrer selbst und ihres Mannes eindeutig zu setzen.
Was den mit allen Wassern gewaschenen, alten FBI-Ermittler Brian nicht weiter schockiert. Das aber der Fall, an dem er vor zwanzig Jahren nicht weiter kam nun wieder virulent wird, das setzt ganz neue Energien bei ihm frei. Von denen, nach einer Phase der „Eingewöhnung“ (was auch den Zustand des Innenraumes seines Autos angeht) für seine neue Partnerin, den „Frischling“ Emma Nobles (attraktiv, 1,80 Meter groß und kühl im Temperament) durchaus positive Erfahrungsvorteile mit sich bringt.
Ein kongeniales Ermittlerpaar, ein im Lauf der Ereignisse wachsende Ben, Nebenschauplätze und Personen, die im Lauf des Thrillers an Bedeutung gewinnen werden und ein zwar etwas übertrieben dargestellter „Kult“, der nach der Macht greift, aber damit auch ein Plot, der erschreckend aktuell ist, all das verdichtet sich im Lauf der Lektüre zu einem engen Netz an Verbindungen untereinander und Motiven, die ein packende Atmosphäre erzeugen.
Inklusive dessen, dass die Spannung steigt, je näher Briar und Nobles samt Ben dem Kern von all dem sich nähern. Eine Spannung, die auch durch die steigenden persönlichen Gefahren gegenüber den Ermittlern und Ben aufrechterhalten wird.
Dabei sind die Abhängigkeiten innerhalb des Kultes samt den führenden Gestalten ebenso differenziert und überzeugend dargestellt, wie die Ermittlungen selbst logisch aufeinander aufbauen.
As alles in einem gradlinigen Stil und mit der Vorgabe, nicht allen „gut“ erscheinenden Protagonisten im Buch vertrauen zu dürfen. Überraschende Wendungen finden sich nicht nur einmal im Thriller.
Eine empfehlenswerte Lektüre.