Andrew Foster Altschul Lady Lazarus

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Inhaltsangabe zu „Lady Lazarus“ von Andrew Foster Altschul

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  • Rezension zu "Lady Lazarus" von Andrew Foster Altschul

    Lady Lazarus
    Textravaganzen

    Textravaganzen

    04. April 2011 um 14:59

    Be who you were born to be. Das sagte ihr immer die Mutter. Aber wozu wurde man geboren als Tochter zweier Rockstars? Als Tochter eines Vaters, der sich, als man gerade mal vier Jahre alt war, vor den eigenen Augen erschoss, und einer Mutter, die ihr Leben als Witwe einer Legende vermarktet? Lady Lazarus ist die Biographie der fiktionalen Calliope Bird Morath und ihre Thanatographie zugleich. Denn Calliope, auf der verzweifelten Suche nach der eigenen Identität, fühlt sich zum ‚Death Artist’ berufen: “this way they would never find me: Poetry, thank heavens, is only about itself.” (12) Dass man sie niemals wird finden können, mag zwar richtig sein, aber das hält die Leute nun einmal nicht vom Suchen ab. So muss Calliope ein Leben vor den Augen der Öffentlichkeit führen und diese begutachten sie nicht gerade gutmütig. Vor allen Dingen haben sie große, sehr große, gar gigantische Erwartungen an die Tochter des legendären Terrible Childen-Sängers. Deshalb fasst Calliope einen Entschluss: “loyal daughter, last of a royal line, they would not let me bury him, so I offered myself in his stead.“ (165) Calliopes Leben ist eine einzige Inszenierung – die ihres Selbstmords. Und dabei wird sie unter anderem beobachtet von einem ominösen Autor, der sich – der Authentizität halber, denn das Buch versucht schließlich, eine reale Biografie zu simulieren – als Altschul höchstpersönlich entpuppt. Dieser studiert akribisch Calliopes Leben und auf der Suche nach der Wahrheit über das wahrscheinlich berühmteste Mädchen Amerikas (Er besucht dabei sogar sie selbe Psychoanalytikern, zu der Calliope in ihrer Jugend geschickt wurde!), scheint er selber verloren zu gehen: “Truth is embodied in each of us – buried, as it were – but repeatedly papered over, palimpsested, packaged and padded and eventually obscured entirely. […] If we cannot even locate ourselves then how can we locate another, how can we possibly hope to know anything…“ (513-524) Altschuls Roman ist nichts für Weicheier. Verstörend. Anstrengend. Seitenlange Diskussionen, beispielsweise über Lacan und seine Ansichten über die Sprache und das Symbolische. Darüber hinaus unzählige Anspielungen auf Plath (der Titel…), Eliot, Shakespeare, Baudrillard, Star Wars und und und. Aber Altschuls Roman ist auch gut. Wahnsinnig, aber gut. Wahnsinnig gut. Er kreiert eine Hyperrealität, in der Wahrheit und Fiktion nicht länger voneinander zu unterscheiden sind. Sie sind vielmehr synonym. Und genau damit trifft er den heutigen Zeitgeist. Er schafft mit Calliope ein Symbol für unsere postmoderne Gesellschaft, in der wir umgeben sind von Künstlichkeit, Simulation, Kopien, Konstruktion. Eine Gesellschaft, in der es alles zu geben scheint – außer Originalität. Altschuls Buch, obwohl ein Werk der Fiktion, ist zusammengepuzzelt mittels so vieler Artefakte und Referenzen zu tatsächlichen Gegebenheiten, dass es letzten Endes doch eines ist: original. Here we are still, entertain us.

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