Andrew I. Port

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Die rätselhafte Stabilität der DDR

Die rätselhafte Stabilität der DDR

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Erschienen am 16.06.2010

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Rezension zu "Die rätselhafte Stabilität der DDR" von Andrew I. Port

Rezension zu "Die rätselhafte Stabilität der DDR" von Andrew I. Port
Sokratesvor 7 Jahren

Entgegen den klassischen Erklärungsmodellen strebte der Autor einen anderen Weg der Ursachenforschung an: warum hat sich die DDR ganze 40 Jahre lang scheinbar unhinterfragt und weitgehend in gesellschaftlicher Ruhe halten können? Warum gab es keine bzw. nur anfänglich – 1953 – Unruhen und artikulierten Widerstand in der Bevölkerung gegen die Staatsmacht? Die klassische, bislang weitgehend vertretene These ist die der Repression, im Wesentlichen ausgeübt durch die Stasi, die mit Hilfe ihres Bespitzelungssystems, das weit in die engsten familiären und freundschaftlichen Verbindungen reichte, genug Druck ausgeübt hat, um Widerstand bereits im Keim zu ersticken.
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Andrew I. Port geht in seiner Arbeit von einem anderen Standpunkt aus. Zwar haben Stasi und Re-pression grundsätzlich zur ‚rätselhaften Stabilität‘ beigetragen, sie sind jedoch nicht ihr ausschließli-cher Grund. Stattdessen haben materielle Unterschiede zwischen den Gesellschaftsschichten und -gruppen zu einer dauernden und prägnanten Unterscheidung beigetragen. Wer offiziell Kritik übte riskierte nicht nur die eigene Freiheit, sondern auch den materiellen Status. Am Beispiel des Bergbaus in Saalfeld schilderte Port noch eine andere Eigenheit des Systems: die Masse der Bergarbeiter dort sah auf keine lange bzw. überhaupt keine Bergarbeitertradition zurück. Es bestand kein ‚Berufsethos‘, keine Familientradition, zu einerseits ein berufliches Selbstbewusstsein mitbrachte, andererseits die Erinnerung an Zeiten, die einmal besser oder schlechter für die eigenen Kumpels waren. Mangels dieser Tradition konnten sich die dortigen Bergarbeiter nicht wirklich organisieren; ein innerer Zusammenhalt fehlte. Andererseits herrschte materieller und sozialer Mangel vor Ort für jeden in der Gesellschaft; selbst der unmittelbar dem Regime dienende (Polizei o.ä.) besaß nicht in jedem Fall über umfangsreiche Privilegien. Nahrungsmittelknappheit bekamen in der Regel alle Bürger gleichermaßen zu spüren.
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Insgesamt ein lesenswertes Buch. Auch wenn ich – zugegebenermaßen – an manchen Stellen Port’s Argumentation nicht in Gänze folgen und zustimmen kann. Er untermauert seine Thesen zwar mit einer Fülle historischer Dokumente, die er insbesondere im Thüringer Staatsarchiv ausgegraben hat, aber irgendwie können mich seine Thesen nicht restlos überzeugen; ein Fünkchen Unglauben bleibt leider bestehen.

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