Zwar habe ich in letzter Zeit einige neue Bücher gekauft, doch dachte ich, dass es mal wieder Zeit wird etwas von meinem Stapel ungelesener Bücher zu lesen. „Hell Followed with us“ habe ich gekauft, weil mich sowohl das Cover als auch der Inhalt schrecklich neugierig gemacht haben und ich sehen wollte, ob es meine Erwartungen erfüllt. In gewisser Weise ist dem auch so und irgendwie auch nicht.
Aufgrund der Vorstellung des Autoren und des Klapptextes wusste ich bereits, dass wir uns viel mit unterschiedlichen Pronomen und unterschiedlichen Bereichen der LGBTQ+-Community auseinandersetzten würden. Damit kann ich auch wunderbar leben, selbst wenn ich zugeben muss, dass ich mir bei einigen Sätzen beinahe einen Knoten ins Gehirn gedacht habe, weil das ein oder andere Pronomen dann doch noch gewöhnungsbedürftig ist. In vielerlei Hinsicht ist diese Geschichte reine Übertreibung. Dies betrifft sowohl unsere LGBTQ+-Gruppe, weil viele unterschiedliche Lebensweisen auf kleinen Raum zusammenkommen, dies betrifft allerdings ebenso die etlichen religiösen Zitate, die pure Gewalt, den Ekelfaktor bei all der Fäulnis, den abgeschnittenen Ohren, den Toten und zersetzenden Körperteilen. Bitte beachtet die Triggerwarnung, wenn ihr dieses Buch dennoch lesen wollt.
In der Danksagung schreibt der Autor, dass dieses Buch in einem Wutanfall geschrieben wurde – und so liest es sich in meinen Augen auch. Es ist sowohl ein Vorwurf an veraltete Werte als auch an eine Gesellschaft, die sich neuen Denkweisen verschließt, gepaart mit Gewaltausschweifungen, einem gigantischem Genozid und durchgeknallten Fanatikern, die sich bis zum Schluss im Recht sehen. Was ich absolut akzeptieren kann, doch gleichzeitig wurde für mich sehr deutlich, dass neben der Wut und der Loyalität der Charaktere untereinander sämtliche andere Emotionen weggeschwemmt werden. Es gibt wenig Nuancen/ wenig Raum, welche andere Emotionen zulassen, und das merken wir leider sehr.
Benji, der unter den Engeln aufwächst, aber deren Werte bereits zu Beginn dieser Reise in Zweifel zieht, bringt absolut die richtigen Elemente mit, um zu überzeugen. Für mich persönlich bleibt sein Charakter bis zum Schluss dennoch sehr blass, viele seiner Gedankengänge wirkten auf mich wenig facettenreich und eher plump. Auch Tiefgang und Emotionalität habe ich vergeblich gesucht.
Mit etwas mehr Fingerspitzengefühl, was die Protagonisten und Nebencharaktere angeht, aber ebenso die Gefühle und Gedankengänge, mit deutlich weniger Schnelllebigkeit und mehr Fokus auf den weltbewegenden Momenten könnte mich dieses Buch vielleicht überzeugen. So war es mir leider zu viel von allem und das nicht immer auf die gute Art.
Fazit
So faszinierend und interessant dieses Buch auch klingen mochte, so wenig konnte es mich letztlich begeistern. Ich glaube aber, mit etwas mehr Finesse ließe sich daraus eine richtig gute Geschichte machen.
Von mir gibt es 3 von 5 Sternen.
Andrew Joseph White
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Andrew Joseph White
Hell Followed with us – Das Monster in uns
The Spirit Bares Its Teeth
The Spirit Bares Its Teeth: Der Tod besiegt alles
You weren't meant to be Human – Dein Körper gehört nicht dir
The Spirit Bares Its Teeth
Hell Followed with Us
You Weren't Meant to be Human
Neue Rezensionen zu Andrew Joseph White
Das Buch hat mich regelrecht angelacht mit diesem besonderen Cover und dem Farbschnitt. Ich wurde auch nicht enttäuscht, aber es ist echt harte Kost! Zum Glück ist mein Mann selbst Arzt und dann war der Ansatz und all die Begriffe kein Problem, kann man aber auch ohne Vorwissen lesen. Ich bin nur etwas abgehärteter von seinen Erzählungen und seiner Studienzeit.
Wooow, was war das nur für ein Fiebertraum. Diese Geschichte ist sowas von heftig und eklig, aber man kann es auch schlecht weglegen. Es ist zum einen ein Meisterwerk und zum anderen einfach nur skurrile und abstoßend. Ein interessantes Setting, zu einer besonders Zeit und auch der Plot ist richtig spannend. So ist Gloria im Jahre 1883 trans und fühlt sich nun einmal wie ein Junge, was aber natürlich zu der Zeit unmöglich ist und eine Krankheit. Sie muss in eine Klinik/Sanatorium gehen um geheilt zu werden, was erstens nicht geht und zum anderen hat die Medizin Ansätze 1883, die einfach nur grauenvoll sind. Da Gloria gerne selbst Arzt werden möchte, hat sie dank ihres Bruders, der Chirurg ist, viel gelernt und so begleiten wir sie in ihren düsteren Gedanken und sehr ekligen Beschreibungen, was sie nicht alles mit dem Körper machen wollen würde. Alles natürlich rein medizinisch. Die Warnung am Anfang des Autors ist dringend notwendig und zu beachten. Man muss gut überlegen ob man damit klar kommt, wenn einfach mal die Hände in blutigen Eingeweiden rumstochern. Dabei ist das noch das harmloseste aus dem Buch. Trotzdem ist die Geschichte, die auch noch ein wenig an Alice im Wunderland angelehnt ist, richtig, richtig gut. Nicht nur der Autor schreibt sehr bildhaft, die Geschichte an sich ist auch spannend und hat sogar Fantasyanteile. Der Plot lässt einen das Buch nicht aus der Hand legen, trotz nötiger Verschnaufpausen. Das Ende passt sehr gut zu der gesamten Geschichte und ich bereue es nicht, diese gelesen zu haben.
Ein interessantes Setting, mit spannenden Ideen und einfach rundum ein gutes Buch! Nichts für schwache Herzen und Mägen, aber es sollte noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.
Worum geht es?
Silas, ein trans Jugendlicher, größtenteils ungeoutet, wird in eine Art Erziehungsheim für ungehorsame Mädchen gesteckt. Er ist lila-äugig, hat damit besondere Fähigkeiten, die als Mädchen aber gesellschaftlich zu nichts wert sind. Doch Silas ist neugierig und unnachgiebig und kommt dem Schrecken des Heimes auf die Spur.
Worum geht es wirklich?
Ungerechtigkeit, Loyalität und Freundschaft
Lesenswert?
Ja, habe ich sehr gerne gelesen und konnte ich auch kaum noch bei Seite legen als ich einmal mit der Lektüre begonnen hatte.
Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist eine durchweg ungerechte. Für die gleiche Eigenschaft (violette Augen) werden Männer gefeiert und Frauen nur als Gebärmaschinen für weitere Kinder mit dieser Augenfarbe gesehen. Silas scheint der Weg als folgsame Ehefrau vorbestimmt zu sein, dabei will er viel mehr. Er ist interessiert an Chirurgie, eigentlich ein Junge/Mann und hat einen unstillbaren Wissensdurst. Sein Verhalten wird als Absonderlichkeit betrachtet und so kommt er in ein Heim.
Dabei lässt sich gar nicht in Worte fassen, wie grausam es dort zu geht und dass es im folgenden um Verletzungen, Qual und Erziehung gehen wird.
Die Idee hierzu ist durchaus an historische Begebenheiten angelehnt, was das ganze nur noch grausamer macht.
Durch Silas Interesse an Chirurgie und durch die Erziehungsmethoden gibt es ein paar eher eklige Szenen, wobei ich es nie als Ausschlachtung von Ekel wahrgenommen habe. Man sollte aber trotzdem etwas vorsichtig sein bei der Lektüre.
Silas selbst fand ich unglaublich toll, weil er so ein sympathischer und umsichtiger Mensch ist und dabei zeitgleich so mutig. Auch die anderen Figuren waren gut erdacht.
Sprachlich (Übersetzung Katrin Aust) wirklich sehr gelungen und sensibel, ich habe die Lektüre genossen.
Ein weiteres Highlight ist die Gestaltung des Buches, da es einige schwarze Seiten gibt mit einer anderen Art des Erzählers. Fügt sich in den Gesamtkontext wunderbar ein.
Das Buch würde ich sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene empfehlen, sofern man mit dem genannten Ekel umgehen kann. Dann ist es aber ein absolut lohnenswertes Buch!
Gespräche aus der Community
Der Schleier zwischen den Lebenden und den Toten hat sich gelichtet ...
Ich finde, es ist ein Meisterwerk und gleichzeitig ist die Geschichte aber auch soooo eklig! Richtig heftig was da alles passiert und spannend war es trotzdem oder genau deswegen! Vielen lieben Dank für das tolle Buch! Es tut mir leid, dass ich es erst so spät lesen konnte und erst jetzt rezensiert habe! Ich habe meine Rezension noch auf Hugendubel, Amazon, Thalia, buecher.de und Osiander wortgleich geteilt. Ich warte nur noch auf einige Freigaben.
Der sechzehnjährige Transjunge Benji ist auf der Flucht vor den Menschen, die ihn großgezogen haben – einer fundamentalistischen Sekte, die ein Armageddon verursacht und fast die ganze Weltbevölkerung ausgelöscht hat. Verzweifelt sucht er nach einem Ort, an dem die Sekte ihn, oder noch viel wichtiger die Biowaffe, mit der sie ihn infiziert hat, nicht in die Finger bekommen kann.
Danke schön, dass ich dabei sein durfte.
Werde meine Rezi hier auf LovelyBooks, als auch auf BookCircle, Amazon und Exlibris posten. Ein Beitrag auf Instagram wird auch noch folgen.
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