Nachts ist das Meer nur ein Geräusch

von Andrew Miller 
4,3 Sterne bei4 Bewertungen
Nachts ist das Meer nur ein Geräusch
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Ein wunderschönes Werk über Verlust, Suchen und Finden aus der Sicht einer an Asperger erkrankten Protagonistin. Von mir 4 von 5 Sternen

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Gut geschrieben - wirkte auf mich jedoch überaus verwirrend und befremdend

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Inhaltsangabe zu "Nachts ist das Meer nur ein Geräusch"

Maud stürzt in Tims Leben. Sieben Meter tief stürzt sie vom Deck des aufgebockten Segelschiffs auf zerbröckelte Ziegelsteine. Der Schlaks aus guter Familie und die eigenwillige Naturwissenschaftlerin werden ein Paar. Doch als ihre Tochter bei einem Autounfall ums Leben kommt, bricht ihr Leben auseinander. Maud verkriecht sich auf dem alten Segelboot; und obwohl sie vorher noch nie über heimische Gewässer hinausgesegelt ist, macht sie sich von England aus allein mit der „Lodestar“ über den Atlantik auf die Reise. Andrew Miller entwickelt aus einem Familienroman das Drama einer Frau, das von der Liebe erzählt, von Mutterschaft, vom Abenteuer der Einsamkeit und immer wieder vom Meer.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783552058477
Sprache:Deutsch
Ausgabe:E-Buch Text
Umfang:368 Seiten
Verlag:Paul Zsolnay Verlag
Erscheinungsdatum:20.02.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    TochterAlices avatar
    TochterAlicevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Gut geschrieben - wirkte auf mich jedoch überaus verwirrend und befremdend
    Rette sich, wer kann

    "Sauve qui peut"; "Rette sich, wer kann" nämlich, hat Maud, die Protagonistin dieses Romans, in ihren Arm tätowiert. Sie ist ein ungewöhnlicher Typ, der ihren Kommilitonen Tim, der sie beim gemeinsamen Hobby Segeln kennenlernt, unglaublich fasziniert, gerade weil sie sehr geheimnisvoll wirkt. Doch nach einiger Zeit wird diese geheimnisvolle Art von Kühle und bald schon von Kälte überlagert - Maud ist einfach unnahbar. Möglicherweise nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst.

    Aus ihr und Tim wird durch die Geburt von Zoe bald eine Familie, die auf tragische Art auseinanderbricht - und dann ist Maud allein.

    Ihre Zuflucht wird, wie schon vorher, das Segeln. Bald schon findet sie sich in anderen Welten wieder.

    Ein schwieriges Buch, das mir Rätsel aufgab, wahrscheinlich mehr, als vom Autor vorgesehen. Dieser, der Brite Andrew Miller nämlich, schreibt versiert und kraftvoll, doch ich empfand diesen ungewöhnlichen Roman, der für viele sicher faszinierend ist, als große Herausforderung.

    Miller teilt seine Geschichte in drei völlig unterschiedliche Abschnitte ein, von denen mir vor allem der mittlere, in dem Maud in ihrem Segelboot auf den Weltmeeren unterwegs ist und irgendwann auch ums Überleben kämpft, große Schwierigkeiten bereitete. Dieses Seglerlatein ist wirklich nicht meine Sprache und ich bin in diesem Falle der Faszination Meer - sonst durchaus meine Welt - überhaupt nicht erlegen.

    Der erste Teil schildert ihre Beziehung zu Tim bis zum Bruch der Familie und der dritte - ja, der hat etwas sehr Märchenhaftes und Symbolisches, aber das haben sie eigentlich alle drei.

    Ich habe große Parallelen zwischen dem Stil des Buches und dem Wesen von Maud empfunden: bestimmte, vor allem schmerzvolle Episoden werden einfach ausgespart bzw. weggeschwiegen - so, wie auch Maud das in ihrer Kommunikation bzw. Nicht-Kommunikation oft tut. Und sie ist definitiv nicht die einzige schwierige Figur im Roman. Ganz klar, wenn Sie zu diesem Buch greifen, dann lassen Sie sich auf etwas besonderes ein - ohne im Voraus sagen zu können, ob es sie faszinieren, oder - wie in meinem Fall - eher irritieren wird.

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    RosaEmmas avatar
    RosaEmmavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Brillanter Roman und literarische Tour de Force
    In Extremis

    Sonderbar. Brillant geschrieben und doch seltsam befremdlich. Das war mein erster Eindruck nach Lektüre des neuen Romans von Andrew Miller Nachts ist das Meer nur ein Geräusch. Gleichwohl konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen – und das, obwohl die Protagonistin mehr als gewöhnungsbedürftig ist und sich mir fast bis zum Ende der Geschichte nicht erschlossen hat. Nichtsdestotrotz ertappte ich mich dabei, wie ich des Öfteren über diesen unnahbaren fiktiven Charakter nachdenken musste, zu dem ich – bis auf einen ganz kurzen Moment – keinen wirklichen Zugang finden konnte. Die weibliche Hauptfigur ist eine echte Herausforderung, der sich die Leser – wie auch die weiteren Protagonisten des Romans – stellen müssen, auch wenn es beinahe unmöglich ist. Ihr verzweifelter Kampf mit sich selbst verlangt auch uns einiges ab: Ob sie ihn für sich gewinnen kann und will, bleibt am Ende einzig und allein ihre Entscheidung.

    Sturz ins Leben

    Als die junge eigenbrötlerische Naturwissenschaftlerin Maud Stamp vom Deck eines aufgebockten Segelbootes sieben Meter in die Tiefe stürzt, rechnet Tim Rathbone, Student aus gutem Hause und – wie sie – Mitglied des Uni-Segelclubs, mit dem schlimmsten. Regungslos liegt sie auf den harten Ziegelsteinen, nur um kurz danach zur Überraschung aller wieder aufzustehen. Doch nach einigen Schritten kollabiert sie erneut. Der unter Schock stehende Tim kann nicht fassen, was er da sieht. Er begleitet Maud ins Krankenhaus und ist beeindruckt von ihrem unbändigen Überlebenswillen. Er kümmert sich um die verschlossene, distanzierte Forscherin, die seine Fürsorge – wenn auch teilnahmslos – annimmt. Sie beginnen eine Affäre, die nur seitens Tim von Zuneigung und Leidenschaft erfüllt ist. Als die beiden beschließen zusammenzuziehen, hegt Tim für einen kurzen Moment Zweifel an seiner Entscheidung: Mauds Gefühlskälte und ihre Art, die Liebesbeziehung der beiden und insbesondere ihre gemeinsamen Nächte als Pflichtveranstaltung anzusehen, machen ihm zu schaffen. Doch er ist zuversichtlich, dass Maud schon aus sich herausgehen wird, wenn sie erst einmal ein gemeinsames Zuhause haben.

    Eine komische Nudel

    Doch Maud bleibt Maud. Als Tim sie seinen Eltern vorstellt, sind diese nicht begeistert. Das überrascht ihn in keiner Weise, denn ihm ist bewusst, wie merkwürdig Maud mit ihrer verschrobenen, gleichgültigen Art auf ihre Umgebung wirkt. Während sein Bruder Magnus sie als komische Nudel bezeichnet, tituliert sie eine Freundin der Familie sogar als Bruja, Hexe. Einen ähnlichen Eindruck vermittelt Maud auch bei der Jobsuche: Man hält sie für arrogant und nicht teamfähig. Sogar von autistischen Zügen ist die Rede. Trotzdem gelingt es ihr, eine gut bezahlte Anstellung bei Fenniman Laboratories zu erhalten, die von nun an ihr ganzer Lebensinhalt wird. Während Tim den Hausmann gibt und krampfhaft versucht, sein Hobby, das Gitarrespielen, zum Beruf zu machen, geht Maud ganz in ihrer Forschung auf. Das ändert sich auch nicht, als sie erfährt, dass sie schwanger ist. Sie macht mit ihrem Leben weiter wie bisher und kann Tims Enthusiasmus nicht teilen.

    Der schlimmste Verlust

    Als Tochter Zoe geboren wird, könnte Tim nicht glücklicher sein. Er vergöttert die Kleine und ist ein Bilderbuchvater. Maud hingegen kann keine echten Muttergefühle entwickeln. Sie nimmt schnellstmöglich wieder ihre Arbeit auf und überlässt Tim Zoes Erziehung. Als Zoe eingeschult wird, kommt es zum ersten handfesten Streit der beiden: Maud sieht nicht ein, warum sie dabei sein soll, Tim wirft ihr vor, nicht im geringsten an ihrer Tochter interessiert zu sein. Maud lenkt ein, doch ihre Beziehung bekommt erste Risse. Tim beginnt eine Affäre mit der verheirateten Bella, weil er Mauds Lieblosigkeit nicht länger ertragen kann. Doch dann passiert etwas Furchtbares: Als ein betrunkener Busfahrer Tims Auto mit Zoe an Bord frontal rammt, kommt die Kleine ums Leben, Tim überlebt schwerverletzt. Er zerbricht fast am Tod seiner Tochter, während Maud so weitermacht wie bisher. Tim hat endgültig genug und verlässt sie. Maud nimmt das Scheitern ihrer Beziehung teilnahmslos hin und geht wieder zur Arbeit. Ihre Kollegen sind schockiert und auch ihr Chef ist fassungslos: Er besteht darauf, dass sie zu Hause bleibt und gewährt ihr einen längeren Urlaub.

    Ein einsamer Kampf

    Zuhause weiß Maud nichts mit sich anzufangen. Sie fühlt sich seltsam fremd und heimatlos in ihrer gewohnten Umgebung. Es zieht sie ans Meer und zu ihrem Segelboot Lodestar. Ihre schleichende Entwurzelung wird ihr schmerzlich bewusst, und sie beschließt, ohne Begleitung von England über den Atlantik zu segeln, obwohl sie nicht viel Erfahrung hat. Sie ahnt nicht, dass der Kampf, der sie auf dem Meer – allein mit den Elementen – erwartet, über ihre Kräfte gehen und ihr alles abverlangen wird. Doch noch härter als die Konfrontation mit der unbezähmbaren Naturgewalt des Ozeans ist ihre schonungslose Begegnung mit dem eigenen Ich, der sie sich nicht entziehen kann und die sie fast den Verstand verlieren lässt. Als ein schwerer Sturm aufkommt, zeigt sich noch einmal ihr fast übermenschlicher Überlebenswille, aber reicht er aus, um sie erneut ins Leben zurück zu manövrieren?

    Außergewöhnlicher Roman über das Schicksal einer unnahbaren Einzelgängerin

    Diese einzigartige Geschichte hat mich trotz der merkwürdig lethargischen Protagonistin in ihren Bann gezogen. Ich wollte Maud so gerne verstehen, doch gelungen ist es mir nicht. Als sie ganz am Ende für einen flüchtigen Moment ihr Innerstes offenbart, schwankt man zwischen Mitleid und Gleichgültigkeit. Ihre Erkenntnis kommt viel zu spät, um auf der Gefühlsebene noch etwas retten zu können. Eine Erklärung für ihr sonderbares Verhalten erhalten wir nicht – es ist an uns, sie zu dechiffrieren. Zu gerne stellen wir uns als Leser dabei auf die Seite von Mauds Kontrahenten – Tim, Tims Eltern, seine Freunde -, weil es so viel leichter ist, als auch nur den Versuch zu machen, sie zu verstehen.

    Hier zeigt sich für mich auch die einmalige schriftstellerische Leistung von Andrew Miller, der nicht nur eine bemerkenswerte Geschichte erdacht, sondern mit Maud auch eine Figur geschaffen hat, die es in ihrer Singularität sicherlich in der Literatur in dieser Form nicht oft gibt. Sie ist eine Provokation und ein Ärgernis. Aber warum eigentlich? Weil sie nicht unserer Vorstellung einer Frau und Mutter entspricht? Weil sie sich traut, sie selbst zu sein, obwohl sie weiß, wie bizarr man sie findet? Oder weil sie nicht die typische Trauerreaktion zeigt, die man beim Verlust eines Kindes von ihr erwartet? Am Ende des Romans musste ich mir eingestehen, dass es genau diese Dinge waren, die auch mich irritierten. Und ich habe den Spieß herumgedreht und mich gefragt, warum Tim sich nicht mal ansatzweise die Mühe gemacht hat, das Gespräch mit Maud zu suchen, um sie mit ihrem Verhalten zu konfrontieren. Die Antwort darauf ist simpel: Es ist leichter, wütend zu sein, viel leichter, eine Affäre zu beginnen, als einem Problem auf den Grund zu gehen.

    Nachts ist das Meer nur ein Geräusch ist nicht nur ein ganz besonderer Roman über Liebe, Verlust, Einsamkeit und Trauer. Schonungslos hält er auch einer Gesellschaft den Spiegel vor, die alles und jeden ausgrenzt, der anders ist und nicht ins Schema passt. Millers Buch regt auf ganz besondere Weise zur Selbstreflexion an, daher mein Fazit: Ein brillanter Roman und ein absolutes Must Read!

    Kommentare: 2
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    JulesBarroiss avatar
    JulesBarroisvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Diese Maud wird noch lange in Ihrem Kopf verweilen, lange nachdem Sie diesen bemerkenswerten Roman fertiggelesen haben.
    Die fantastische Reise einer Meerjungfrau

    Nachts ist das Meer nur ein Geräusch - Andrew Miller (Autor), Nikolaus Stingl (Übersetzer), 368 Seiten, Paul Zsolnay Verlag (20. Februar 2017), 24 €, ISBN-13: 978-3552058187

     

    Tim und Maud treffen sich im Universitätssegelclub. Sie ist ruhig, in sich geschlossen, hat etwas von einem Rätsel, ist eine dieser unerkennbaren, faszinierenden, mysteriösen Frauen. In ihrem Unterarm eintätowiert ist der Satz "sauve qui peut" - "rette sich wer kann".

    Maud stürzt im wahrsten Sinne des Wortes in Tims Leben. Trotz ihrer Unvereinbarkeiten werden sie ein Paar: sie, aus bescheidenen Verhältnissen, die eigenwillige Naturwissenschaftlerin, die an neuen Schmerzmitteln arbeitet und er, der sorglose Sohn einer reichen, alten Familie, der seine Tage mit Gitarre, Yoga, Kochen und Spaziergängen durch die Stadt verbringen kann.

    Zunächst scheint sich das Porträt einer Partnerschaft zu entfalten, aus Tims Perspektive, der um unsere Sympathie bittet und der versucht, Zugang zu Mauds Innenleben zu gewinnen. Dann, ohne Vorwarnung, beginnt die Tragödie und das ganze Gewebe des Romans wird zerrissen durch einen tragischen Unfall. Der Autor schickt Maud allein in die Welt. Maud die Meerjungfrau, Maud,  der verhinderte Seemann baut ein vernachlässigtes Boot wieder auf und macht sich auf eine Solo-Reise über den Atlantik. Der erzählerische Blickwinkel dreht sich um 180°. Tim verschwindet aus der Geschichte und wir werden mit Maud alleine gelassen, die buchstäblich aufs Meer geht.

    Es ist ungewöhnlich, einen Roman von zwei solcher inkongruenten Hälften zu lesen, besonders wenn der erste in all seiner provinziellen Gewöhnlichkeit so überzeugend ist und der zweite so problematisch in all seinem exotischen Abenteuer.

    Das macht für mich aber den Reiz dieses Buches aus, vor allem der Versuch von Andrew Miller, einen zentralen Charakter in den Griff zu bekommen, dessen innere Existenz aus einer klaffende Leere besteht. Diese Maud fasziniert: ist sie eine mythische Figur oder vielleicht eine Meerjungfrau oder einfach nur eine langweilige Wissenschaftlerin mit einem Hauch von Asperger? Sie ist nicht nur rätselhaft, sondern sehr sexy.

    Andrew Miller liefert eine verheerende Betrachtung über Liebe, Verlust und menschliche Natur, eine atemberaubende Lektüre, mit eleganter Prosa, krassen Bildern und einer wirklich überraschenden Handlung. So schafft er das unauslöschliche Porträt einer geheimnisvollen Frau und ihrer tragischen Suche, die etwas zu finden scheint, was sie braucht, auch wenn wir niemals wirklich wissen, wonach sie gesucht hat.

    Diese Maud wird noch lange in Ihrem Kopf verweilen, lange nachdem Sie diesen bemerkenswerten Roman fertiggelesen haben. Wer ist diese unnachahmliche, rätselhafte Maud und wofür steht sie?

    Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Paul Zsolnay Verlages

    https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/nachts-ist-das-meer-nur-ein-geraeusch/978-3-552-05818-7/

    Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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    R
    rushhour1982vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein wunderschönes Werk über Verlust, Suchen und Finden aus der Sicht einer an Asperger erkrankten Protagonistin. Von mir 4 von 5 Sternen
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