„...Im säkularen Westen haben Politiker, Diplomaten und Soldaten die fatale Neigung, die Bedeutung des Glaubens zu unterschätzen; in Ländern wie dem Irak kann man den Glauben unmöglich ignorieren...“
Das obige Zitat stammt aus dem Vorwort zum Buch von George Carey, dem Erzbischof von Canterbury.
Im Buch selbst erzählt Andrew White Episoden aus seinem Leben. Allerdings macht er an verschiedenen Stellen deutlich, dass er über viele Dinge zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Buches nicht sprechen durfte. Das dürfte sich mittlerweile nicht gebessert haben.
Andrew White hatte Medizin studiert und erhielt eine Stelle am Krankenhaus. Dann fühlte er eines Tages die Berufung in die Anglikanische Kirche. Er studierte Theologie. Er beschäftigte sich mit dem Judentum und dem Islam. Das befähigte ihn zu einer Vermittlerrolle im Nahen Osten.
Ausführlich legt der Autor dar, wie es zur Unterzeichnung der Alexandria – Erklärung kam und welche Schwierigkeiten dafür zu beseitigen waren. Die Erklärung ist im Buch enthalten. Im Kern geht es darum, dass die drei Religionen im Heiligen Land friedlich zusammenleben und auf Terrorakte verzichten. Dazu hatten sich die wichtigsten religiösen und weltlichen Führer verpflichtet. Wie schwierig die Umsetzung ist, zeigt die gegenwärtige Lage in dieser Gegend der Welt.
Die nächste Situation, wo er als Vermittler gefordert war, war die Besetzung und Belagerung der Geburtskirche in Bethlehem.
Und dann wechselt er in ein Land, dass ihm für einige Jahre zur Heimat werden sollte: Irak. Schon unter Saddam Hussein hatte er das Land bereist und mit dem damaligen Außenminister gesprochen.
Nach dem Krieg warnt er vor religiösen und ethischen Konflikten. Doch man nimmt ihn im Westen nicht ernst.
„...Vor allem die Ignoranz der Amerikaner war manchmal hanebüchen. Sie hatten keine Ahnung von Land und Leuten und versicherten mir, dass der Irak ein säkulares Land sei....“
Der Autor erlebt die Jahre nach dem Krieg hautnah. Dadurch erkennt er die Fehler und legt häufig die Finger in die Wunde. Trotz Gefahr für Leib und Leben hält er in Bagdad Gottesdienste und stellt sich als Vermittler in Entführungsfällen zur Verfügung. Er äußert sich ebenfalls kritisch über die Versuche, im Nahen Osten Demokratien einzuführen. Er erkennt, dass nichts ohne die Zusammenarbeit mit den religiösen Führern geht. Er formuliert:
„...Wenn die Religion ein Teil des Problems ist, dann muss sie auch ein Teil der Lösung sein...“
Bei seiner Arbeit für den Frieden lernt er die verschiedensten Menschen kennen. Und seine Vermittlerrolle kann nur funktionieren, wenn er ihnen ohne Vorurteile gegenüber tritt. Seine Erfahrung lautet:
„...Nach meiner Erfahrung sind die meisten Muslime tolerant und zur Zusammenarbeit mit anderen bereit. Aber sie erwarten, dass die anderen sie respektieren, ja bereit sind, von ihnen zu lernen...“
Von einem Zeitzeugen berichtet, liest sich manches anders als in den sogenannten Massenmedien. Das Buch endet 2009. Damals ahnte der Autor vermutlich nicht, dass der Irak seine schwierigsten Jahre noch vor sich hatte.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es ermöglicht eine Sicht auf die Ereignisse im Nahen und Mittleren Osten unter völlig anderen Blickwinkel.



