Andri Snær Magnason BÓNUS

(4)

Lovelybooks Bewertung

  • 3 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(3)
(1)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „BÓNUS“ von Andri Snær Magnason

Wer in Island war, kennt das rosa Schwein von BÓNUS, der einzigen Supermarktkette des Landes. 1996 konnte Andri Snær Magnason den Inhaber des Lebensmitteldiscounters von einer verwegenen Idee überzeugen: Gedichte über das Einkaufen als Stapelware in den Märkten selber anzubieten anstatt im Buchhandel – das Bändchen mit dem Sparschwein, das einen sonst von der Einkaufstüte anlachte, erreichte Rekordaufl agen. Lyrik für den Alltag!

Klasse Alltagslyrik aus Island

— rallus
  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Bónusljóð: 33% meira

    BÓNUS

    rallus

    11. July 2017 um 17:37

    Eine liebe Freundin kam letztens zu mir und überreichte mir mit den Worten: „Du magst doch Island“ ein knallbuntgelbes Büchlein, welches mit einem pinkfarbenem Sparschwein aufwartete, das aussieht, als hätte es was aufs Auge bekommen. „Hm, Ja. Ich mag Island.“ Und ja, ich mag Bücher und am liebsten die Anderen, die Ausgefallenen, die auf den Grabbeltischen herumliegen und nie eine Heimat finden. So wie dieses, das jetzt in meinem Regal und in meinem Herzen eine Heimat gefunden hat. Was natürlich auch ein wenig an der schenkenden Person liegt. Wäre ich schon mal in Island gewesen, wäre mir das pinke Schwein auf gelbem Hintergrund bestimmt vertraut gewesen. So ging ich etwas kritisch an den Inhalt heran. ‚2 in 1‘ prangte außen an dem Buch. Aha, die Gedichte (auch noch Supermarktgedichte) sind auf der einen Seite Isländisch auf der anderen in Deutsch. Trotz meiner schon genannten, zugegeben etwas verwaschenen und mystifizierten Liebe zu Island, kann ich die Sprache nicht, finde aber das kleine Land irgendwie sympathisch und die Produkte die es hervorbringt einfach – toll. Und was verbindet den zivilisierten Menschen nicht untereinander am ehesten, als den Supermarkt. Da war jeder schon mal. Und da geht es ab, sag ich Euch. Jedenfalls wenn man diesem kleinen lyrischen Wegweiser folgt. Wie kommt jemand dazu Supermarktgedichte zu schreiben. Nun, der Autor streifte eines Tages hungrig durch den genannten Bonus-Supermarkt und vermisste dort trotz aller Botschaften und Buchstaben, die Geschichten. Lyrik gibt es überall in Island über fast alles, nur nicht über den Supermarkt. Und genau diese Lücke ging der junge Dichter zu schließen. Beim Einkaufen fiel ihm noch auf, dass der Markt wie Dantes Göttliche Komödie aufgeteilt war. Anfangs, in der Obstabteilung ist das Paradies, weiter hinten bei den Fleischwaren lauert die Hölle und bei den Putzmitteln ist das Fegefeuer. Gedichte mussten her, um dies zu beschreiben! Gedichte, klar und deutlich für jedermann, die den Kapitalrealismus beschreiben. Supermarktgedichte eben. Und los geht es im Paradies, in der Obstabteilung, wo wir bei Adam und Eva anfangen: Pink Lady ®In der ObstabteilungKommt Eva in Versuchung in einen saftigen Apfel zu beißenheute im Sonderangebotnichts ahnendvom allsehenden Augeder Überwachungskamera Andri Snær Magnason hat eine sinnliche, sehr lyrische Art, das alltägliche Treiben zu beobachten. Er verbindet geschickt unsere Zivilisationsumgebungen mit den mythischen althergebrachten Zeichen und erschafft dadurch etwas, das dem Leser bekannt vorkommt. Etwas altes, warmes, aber auch hintergründig, aufregendes, hinter dem aber immer noch das Unbekanntes lauert. Coca-ColaEr streifte das Mädchendas die Cola in die Regale räumtesich ihrer Schönheit bewusster sah wie sich ihr Haar verfingund er spürte ihre junge BrustCan’beat the feeling Nie wird es einfach nur profan, die Lyrik atmet eine unbändige Lust und Sicht auf Emotionen und die Themen des Supermarktes werden lyrisch gebündelt. Die ganze Welt, alles kann hier passieren: Paar 1Bananen, wir brauchen Bananen, harte und festeBananen, flüsterte sie und betastete das Bündelund er stöhnte; auch Melonen, wir brauchenMelonen und Erdbeeren und haarige Kiwis, sagtesie und streichelte die pelzigen Kugeln, wir können die Erdbeeren anbeißen und den Saft auflecken, sagteer, ich will weißen Joghurt über die Erdbeeren gießen,sagte sie mit zitternder Stimme, oder Sahne, dickeSahne auf die Melonen spritzen und auf die Bananenund die Erdbeeren. Das ist nicht nur billige 9 1/2 Wochen Erotik, das knistert förmlich in den Gängen des Obst- und Gemüsebereiches. So führt uns Magnason durch die höllische Fleischabteilung und das Putzfegefeuer. Und so manches Mal klingt doch ein wenig Kapitalismuskritik in den Zeilen: SchlemmerfiletEr hat einen Bartder Mann, der geradeein neues Fischgerichtvorstelltund 1000 Portionen aus nur 5 Fischen serviert Doch im Supermarkt geht es natürlich pragmatisch zu, man will schließlich etwas für sein Geld haben und da schaut man doch (gerade im überteuerten Island) sehr auf die Krone: Das TierDas Tierwar sicher bösartigals es noch Hörner hatteSchwanz und Klauenund es wäre höllisch gutes blutig rotaufs Grillfeuer zu legenzumal das Kilo nur 666 Kronen kostet Überrascht haben mich die Gedichte im isländischen Original. Der Klang der Worte hat einen gewissen Erkennungswert zu den romanischen Sprachen. Der Klang von Worten wie Ulfur (Wolf) oder Tengdamommu (Schwiegermutter), bei glottir (grinsen) konnte ich mir ein diesbezügliches nicht verkneifen. So geht leider das viel zu kurze Büchlein (was aber in der Neuauflage 33% mehr Inhalt hat, deswegen auch der Titel) zur Neige, wie auch der Supermarktaufenthalt an der Kasse abgeschlossen wird. Noch eben schnell in den Auslagen, Heften, Zeitungen blättern: The naked ChefDie Kochbücher sollten im selben Regal stehen wie die Pornohefte Die Leute blättern und sabbern machen aber nie was davon in echt Aber jetzt bezahlen und raus: Und sieh! Wenn Peter oder die engelgleiche Gudrunsämtliche Verlockungen am Scanner vorbeigezogenund auf der goldenen Karte gespeichert hatöffnet sich das gelbe Tor und man läuft mit vollen Tüten hinaus ins Ungewisse und wirft einen Blickzurück auf das selige Antlitz und das entrückteLächeln, das sagt: Hab einen schönen Tag Oder wie man in Island sagt: Eigðu goðan dag

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks