Andrus Kivirähk Der Mann, der mit Schlangen sprach

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Inhaltsangabe zu „Der Mann, der mit Schlangen sprach“ von Andrus Kivirähk

Der junge Leemet lebt mit seiner Familie und einem Clan von Jägern und Sammlern im Wald. Er ist der Letzte, der die Sprache der Schlangen beherrscht, in der er mit den Tieren reden kann. Kreuzritter, Dorfbewohner und christianisierte Ackerbauern bedrohen die alte magische Welt des Waldes. Aber Leemet und seine Freundin, eine Otter, setzen alles daran, sie zu retten. Lemeet und die Waldbewohner leben in einer fantastischen Welt, in der Frösche fliegen können, Läuse so groß sind, dass man auf ihnen reiten kann, und Bären eine Vorliebe dafür haben, Frauen zu verführen. Doch ihr zauberhafter Lebensraum ist bedroht: Die Menschen des Dorfes, die der Magie entsagt haben und stattdessen religiös geworden sind, dringen immer tiefer in den Wald ein. Um Lemeets Welt zu retten, müsste der Nordlanddrache, eine Gottheit für Wohlstand und Schutz, wiedererweckt werden – von einer ganzen Schar von Waldbewohnern, die die Schlangensprache sprechen. Und Leemet ist der Letzte, der diese Sprache beherrscht.

Einzigartig und besonders

— PMelittaM
PMelittaM

grottig

— Beust
Beust

Estnisches Volksmärchen im Fantasygewand - wer sich darauf einlässt, wird sicherlich nicht enttäuscht

— MissErfolg
MissErfolg

Das Buch hat mich in sich hineingezogen, durchgekaut und an einer Stelle wieder ausgespuckt, an der ich es nicht vermutet hätte

— BonniesBuchemotion
BonniesBuchemotion

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  • Düsteres, estnisches Volksmärchen - einmaliges Leseerlebnis!

    Der Mann, der mit Schlangen sprach
    Zalira

    Zalira

    21. July 2017 um 12:27

    Andrus Kivirähk ist einer der international bekanntesten Autoren Estlands. Die Geschichte mit ihren phantastischen Elementen erweckt deshalb anfangs den Eindruck eines estnischen Volksmärchens. Lemeet ist dabei Teil einer estnischen Gemeinde mit all den urprünglichen Traditionen Estlands, die immer mehr unter den Einfluss von Kreuzrittern und katholischer Kirche gerät.Etwa bis zur Hälfte hatte ich einen sehr märchenhaften Eindruck durch Erzählungen vom „Nordlanddrachen“, der in früheren Zeiten Seite an Seite mit Esten gekämpft und deren Feinde verschlungen hat. Irgendwann schlägt die Stimmung im Buch jedoch um, als Leser erhält man bereits zuvor durch Kommentare von Lemeet (als Erzähler) eine vage Vorahnung darauf. Die Geschichte wird ernster und nach dem anfänglichen Märchen wird man mit der Realität konfrontiert.„Die Vergangenheit erschien nur als fernes Märchen – ein Märchen, das traurig oder lustig sein mochte, das aber keinerlei Verbindung mit dem Hier und Jetzt hatte.“ (S. 447)Andrus Kivirähk hat eine wunderbare Art und Weise die Geschichte zu erzählen, was mir unglaublich gut gefallen hat, auch wenn oder gerade weil nicht alles „Friede-Freude-Eierkuchen“ ist. Was dem Buch auch von Anfang an Humor verliehen hat, waren die kleinen Details in der Geschichte, wie den liebeskranken Bären, die jungen schönen Mädchen nachstellen. Eine meiner Lieblingsfiguren ist aber Ints – eine Schlange, die Lemeet bei einigen seiner Abenteuer begleitet. Das Buch hat dabei viele ganz verschiedene Figuren, die eine große Rolle für die Erzählung spielen, und gerade diese Vielfalt verleiht dem Buch viel Abwechslung und Spannung.Aufgrund der verschiedenen Charaktere kommt es auch zu einigen Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen, sodass Andrus Kivirähk zeigt, wie gut er gesellschaftskritische Themen in diesen Dialogen und Auseinandersetzungen einbauen kann. Man könnte nun meinen dies spielt in einer anderen Zeit, aber vieles hat auch für unsere Zeit Relevanz.Lemeet erzählt in diesem Buch von seinem Leben, das vom Umbruch Estlands von der alten in die neue Welt handelt. Das Buch glänzt dabei aber nicht nur als Fantasy-Geschichte, sondern regt auch zum Nachdenken an. Das Buch ist auf gewisse Weise etwas besonderes und Andrus Kivirähks wundervoller Schreibstil, machen das Buch zu einem einmaligen Leseerlebnis.Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar von Klett-Cotta zur Verfügung gestellt. Deshalb dem Verlag noch ein herzliches Dankeschön dafür.

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  • Kalter, estnischer Humor

    Der Mann, der mit Schlangen sprach
    Hiki

    Hiki

    17. July 2017 um 14:22

    „Der Mann der mit Schlangen sprach“ aus dem Klett-Cotta Verlag konnte mich nicht von sich überzeugen. Angesprochen hatte mich vor allem die skurrile und fantasiereiche Grundidee des Buches. Auch die Haptik und Qualität des Buches konnte überzeugen. Das war es dann aber auch schon im Großen und Ganzen mit den positiven Aspekten. Cover Das Coverdesign gefällt mir ganz gut. Passt gut zu dem Genre und dem Verlag. Und auch zur Geschichte. Allerdings finde ich die Titelanordnung nicht ganz optimal gelöst. Ich hätte den Titel dem Verlauf der Schlange folgen lassen, auch wenn er dann teilweise auf dem Kopf steht. So finde ich es etwas abgehackt. Inhalt Eventuelle Spoiler! Dem Inhalt des Buches konnte ich allerdings nicht allzu viel abgewinnen. Anfangs fand ich es noch ganz spannend in das Buch abzutauchen und die interessanten und teilweise auch genialen Einfälle des Autoren kennenzulernen. Auch wenn ich nicht genau wusste, was ich zu erwarten hatte, so hatte ich doch andere Anforderungen an das Buch. Nach den ersten Seiten ging es in Leemets Vergangenheit und großteils ist das Buch eine Nacherzählung seines Lebens. Ich hatte aber eher erwartet, dass sich das Buch den gegenwärtigen Problemen stellt, nämlich, dass es notwendig ist, dass viele die Schlangenworte beherrschen um den Nordlanddrachen zu wecken. Die Suche nach dem Nordlanddrachen stellte aber nur einen kleinen Aspekt dar, und wurde gegen Ende der Geschichte so nebenbei abgehandelt, was ich echt schade fand. Im Großen und Ganzen war die Geschichte eine Aneinanderreihung von willkürlichen und zufälligen Begebenheiten. Nie wusste ich, worauf die Geschichte hinaus will. Auch das Ende empfand ich als deprimierend und wenig versöhnlich. Neben skurrilen Szenen gab es auch einige sehr brutale und explizit grausam beschriebene Momente, auf die ich gerne verzichtet hätte. Wozu die ganze Brutalität schlussendlich gut war, erschließt sich mir überhaupt nicht. Auch habe ich den Humor des Autors (der mich oft an Arto Paasilinna erinnert hatte) ebenfalls nicht verstanden. Fazit:  Nordischer Humor ist nicht jedermanns Geschmack. Nachdem ich mehrere Wochen für die Lektüre gebraucht habe, werde ich mich dem Genre fürs Erste entsagen.

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  • Enttäuschend

    Der Mann, der mit Schlangen sprach
    thebookpassion

    thebookpassion

    22. June 2017 um 00:32

    Leemet und seine Familie leben zusammen im Wald. Sein Volk hat eine ganz besondere Bindung zum Wald und den Tieren und so beherrschen sie die Sprache der Schlangen. Doch Dorfbewohner und auch der Ackerbau bedrohen die magische Welt. Und so scheint es, dass nur noch der Nordlanddrachen Lemets Welt retten kann.Ich habe von vorneherein mit einem recht skurrilen Roman gerechnet und das ist „Der Mann, der mit Schlangen sprach“ definitiv. Oft konnte ich die Logik, die hinter den Ideen steckt, jedoch nicht nachvollziehen oder sie erschienen mir zu gewollt, sodass alles recht aufgesetzt wirkt. Lemmets Familie ist absolut Naturnahe und versucht die natürliche Ordnung der Welt zu ehren. Sie konsumieren jedoch nur Fleisch in rauen Mengen und verteufeln Obst und Gemüse. Ich habe einfach nicht verstanden, was mir der Autor damit sagen möchte. Auch die Bärenliebelei mit den menschlichen Frauen ging mir etwas zu weit und ich empfand die Szenen eher als abstoßend und nicht als unterhaltsam.Des Weiteren konnte ich nichts mit der Darstellung der Gesellschaftskritik anfangen, da diese mir einfach zu überspitzt dargestellt wird. Technik und das moderne Leben ist böse und man muss seine Wurzeln ehren, die immer mehr verfallen. Technik und Natur wurden dabei in gefühlt jedem zweiten Satz miteinander verglichen. Durch den Aberglauben ist Leemets Familie aber auch die Bauern absolut gelähmt, sodass die beiden Seiten nicht aufeinander zu gehen können.Die Sprache ist in dem Roman insgesamt sehr leicht und einfach gehalten, dies passt aber jedoch Perfekt zu dem Protagonisten Leemet und so hat mich dies keineswegs gestört. Komplexe Sätze hätten einfach nicht zu dem Leben der Figuren gepasst. Auch die Einbettung der Schlangensprache hat mir sehr gut gefallen und die Umsetzung ist durchaus gelungen.Insgesamt konnte mich der Roman leider nicht überzeugen. Die Figuren wirkten auf mich zu flach und handeln oft ziemlich emotionslos oder nicht nachvollziehbar. Aber auch die Konflikte sind für mich zu überspitzt dargestellt.(c) Thebookpassion- thebookpassion.blogspot.de

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  • Leserunde zu "Der Mann, der mit Schlangen sprach" von Andrus Kivirähk

    Der Mann, der mit Schlangen sprach
    Klett-Cotta_Verlag

    Klett-Cotta_Verlag

    Vogelgezwitscher überall, farbenfrohe Blumen, die endlich erblühen und strahlender Sonnenschein – endlich ist er da, der Frühling! Was gibt es da schöneres, als mit einem guten Buch auf den Balkon zu sitzen oder es sich im Park gemütlich zu machen? Andrus Kivirähks »Der Mann, der mit Schlangen sprach« entführt die Leser und Leserinnen in eine magische Welt, in der Waldbewohner mit Schlangen sprechen, auf Wölfen reiten und mit Bären flirten. In dieser Leserunde bekommt ihr die Möglichkeit, Lemeet auf der Suche nach dem Nordlanddrachen zu begleiten! HIER GEHT ES ZUR LESEPROBE»Als ich einschlief, fühlte ich mich eher wie eine Schlange als ein Mensch«Inhalt:Der junge Leemet lebt mit seiner Familie und einem Clan von Jägern und Sammlern im Wald. Er ist der Letzte, der die Sprache der Schlangen beherrscht, in der er mit den Tieren reden kann. Kreuzritter, Dorfbewohner und christianisierte Ackerbauern bedrohen die alte magische Welt des Waldes. Aber Leemet und seine Freundin, eine Otter, setzen alles daran, sie zu retten. Lemeet und die Waldbewohner leben in einer fantastischen Welt, in der Frösche fliegen können, Läuse so groß sind, dass man auf ihnen reiten kann, und Bären eine Vorliebe dafür haben, Frauen zu verführen. Doch ihr zauberhafter Lebensraum ist bedroht: Die Menschen des Dorfes, die der Magie entsagt haben und stattdessen religiös geworden sind, dringen immer tiefer in den Wald ein. Um Lemeets Welt zu retten, müsste der Nordlanddrache, eine Gottheit für Wohlstand und Schutz, wiedererweckt werden – von einer ganzen Schar von Waldbewohnern, die die Schlangensprache sprechen. Und Leemet ist der Letzte, der diese Sprache beherrscht. Autor: Andrus Kivirähk, geboren 1970 in Tallinn, ist ein estnischer Schriftsteller. Neben Romanen und Novellen hat er auch Theaterstücke und Kinderbücher verfasst. Aus dem Estnischen von Cornelius Hasselblatt 1. Aufl. 2017, 462 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-608-98107-0 25,00€ Auch als E-Book verfügbar für 19,99€

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    • 159
    Lesebienchen

    Lesebienchen

    17. May 2017 um 14:12
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    thebookpassion schreibt Mir hat der dritte Leseabschnitt auch besser gefallen. Endlich passiert etwas und die Story plätschert nicht mehr so dahin. Dennoch kann ich mich mit den Figuren einfach nicht anfreunden und sie ...

    Dem kann ich mich mehr als anschließen. Auch nach längerer Zeit des Nachdenkens komme ich zu dem Schluss, dass die Idee wirklich toll ist, nur leider wurde sie erzählerisch zu schlecht ...

  • Schlangenworte

    Der Mann, der mit Schlangen sprach
    BuecherDanny

    BuecherDanny

    08. May 2017 um 11:12

    Leemet erzählt uns in diesem Buch seine Lebensgeschichte: Er lebt zusammen mit seiner Mutter, seiner Schwester und seinem Onkel Vootele  im Wald. Sein Vater ist vor längerer Zeit von einem Bären getötet worden. Vootele ist der letzte Mensch der die für die Waldbewohner so wichtigen Schlangenworte beherrscht und bringt sie Leemet bei. Die Schlangenworte geben Leemet Sicherheit sich im Wald frei zu bewegen. Er freundet sich mit einer Kreuzotter an und erlebt mit ihr und seinen menschlichen Freunden viele Abenteuer. Denn es leben auch sehr skurrile und nicht immer nur freundlich gesinnte Charaktere im Wald, wie zum Beispiel der Waldweise Ülgas. Er versucht die alten Traditionen zu bewahren auch wenn er dafür unschuldige Kreaturen opfern muss.   Ganz gegensätzlich zu den Waldmenschen leben die Dorfleute. Sie haben einen modernen, christlichen Glauben und halten die Waldmenschen für rückständig. Auch Leemets Mutter hat früher im Dorf gelebt und Leemet ist dort zur Welt gekommen. Er lebt in einer Welt der krassen Gegensätze. Immer mehr Familien ziehen aus dem Wald ins Dorf. Als auch Leemets bester Freund wegzieht, wird es sehr einsam für ihn im Wald. Er hofft immer noch den Nordlanddrachen zu finden, er denkt er könne ihm bei der Lösung seiner Probleme helfen.   Das Buch ist ungewöhnlich und ich habe etwas Zeit gebraucht, mich in die Geschichte einzulesen. Der Schreibstil ist sehr einfach, manchmal etwas holprig. Ich habe das aber nicht als störend empfunden, da der Erzähler Leemet ja auch ein einfaches Leben geführt hat. Ich konnte die Welt mit Leemets Augen sehen und habe gespannt seine Abenteuer verfolgt.Die skurrilen Charaktere haben mir gut gefallen und das Buch konnte mich fesseln. Auch das Ende hat mir gut gefallen, der Kreis hat sich geschlossen.  Für mich war es kein typischer Fantasyromen, da es viel um gesellschaftliche Konflikte geht, um Glauben, Fortschritt und Macht. Das Buch hat mich zum schmunzeln und Nachdenken gebracht und ich habe es trotz kleiner Schwächen sehr gerne gelesen.    

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  • Eine Geschichte, auf die man sich einlassen sollte - es lohnt sich!

    Der Mann, der mit Schlangen sprach
    PMelittaM

    PMelittaM

    06. May 2017 um 17:04

    Früher lebten alle Esten im Wald und konnten die Sprache der Schlangen sprechen. Doch dann kamen Fremde und brachten neben einer neuen Religion auch neue Gepflogenheiten und fortschrittliche Möglichkeiten. Jetzt leben viele Esten im Dorf und säen und nutzen moderne Gerätschaften. Die Waldbewohner sterben aus und schließlich ist Leemet der Letzte, der das alte Wissen besitzt. Bereits optisch gefällt mir das Buch sehr, die Farbe, das Motiv, der Titel haben mich sofort angesprochen und nach dem Lesen der Leseprobe wollte ich einfach nur weiterlesen. Bereits nach wenigen Seiten fragte ich mich, inwieweit der Roman einen realen historischen Hintergrund hat – und tatsächlich, Estlands Geschichte kann man hier wiederfinden. Es handelt sich aber nicht um einen historischen Roman, sondern um eine phantastische Erzählung, Vieles wird überspitzt dargestellt, es gibt eine Reihe phantastischer Elemente. Der Roman wird zwar Genre Fantasy zugeordnet, ist aber keinem Subgenre direkt zurechenbar, sondern ist etwas Einzigartiges, Besonderes. Das führt dazu, dass man sich auf den Roman auch einlassen muss, um ihn verstehen und mögen zu können. Der Autor lässt Leemet selbst seine Geschichte rückblickend erzählen, und zwar sehr anschaulich. Charaktere, Tiere und Landschaft kann ich mir sehr gut vorstellen, ebenso kann ich mich gut in Leemet hineinversetzen, der nach und nach alles verliert und nicht verstehen kann, wieso seine bisherigen Werte nichts mehr wert sein sollen, ja sogar seine Art zu leben als schlecht dargestellt wird. Das „neue“ Leben erscheint ihm so gar nicht reizvoll, und doch ziehen immer mehr Waldbewohner ins Dorf. Dieser Konflikt zwischen Althergebrachtem und Neuem ist gut herausgearbeitet und zwar so, dass keine Seite nur Vor- oder Nachteile aufweist. Der Autor erzählt in einfacher Sprache, eben so, wie Leemet erzählen würde. Die Geschichte ist bei aller Tragik auch voller, nicht nur schwarzem, Humor. Neben Leemet entwirft der Autor eine ganze Reihe weiterer, mehr oder weniger liebenswürdiger, teilweise sehr skurriler Charaktere, mit teilweise fast absurden Hintergründen, so gibt es z. B. liebestolle Bären, die nichts lieber tun als menschliche Frauen zu verführen, Urmenschen, die möglichst große Läuse züchten möchten, und einen Waldweisen, der gerne blutige Rituale vollzieht. Das Geschehen selbst ist zum Teil ähnlich absurd, wobei sich die Absurdität im Laufe des Geschehens immer mehr steigert. Das Ende hat mir gut gefallen, mich aber auch überrascht – und sämtliche Fäden sind verknüpft. Wenn man den Autor goggelt, sieht man, dass er auf skurrile Charaktere und absurde Geschichten abonniert ist. Andrus Kivirähk ist ein bekannter estnischer Autor, der bereits viele Preise in seiner Heimat bekommen haben und dessen Bücher auch in anderen Länder veröffentlicht werden. „Der Mann, der mit Schlangen sprach“ erschien im Original bereits 2007, wie schön, dass wir ihn nun auch auf Deutsch lesen können. Mir hat der Roman sehr gut gefallen und Lust auf weitere Werke des Autors gemacht. Wer sich auf den Roman einlässt, erhält eine ganz besondere, einzigartige Geschichte, die womöglich lange nachwirkt.  

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    • 6
  • Schlangenflüsterer

    Der Mann, der mit Schlangen sprach
    SABO

    SABO

    05. May 2017 um 15:20

    Andrus Kivirähk - Der Mann, der mit den Schlangen sprach - Klett-CottaEstlandVor langer, langer Zeit brachten die urzeitlichen Schlangenkönige Lemeets Vorfahren die Schlangenworte bei.Generationsbedingt verlor sich die komplizierte Verständigungstechnik zwischen Mensch und Tier.Die Waldmenschen zogen ins Dorf und hatten es Dank, technischer Errungenschaften, nicht mehr nötig, den Tieren magische Worte zuzuzischeln, damit diese ihnen ihre Kehle darboten. Eine Elchkuh zB sicherte die Nahrung für einen langen kalten Winter.Sie mussten keine wilden Wölfe beruhigen, um ihre Milch zu trinken und kein Mensch plauderte mehr mit Kreuzottern. So verloren auch die Tiere des Waldes, die Fähigkeit die alte Sprache zu deuten.Lemeet lernte die uralten Laute unter Schmerzen, denn sein Onkel war ein unerbittlicher Lehrer und malträtierte seine Zunge."Ich werde Lemeet die Schlangenworte so gründlich beibringen, dass er selbst nicht mehr weiß, ob er ein Mensch ist, oder eine Schlange!"Und so geschah es..Es war auch die Zeit in der Bären charmant waren und die Frauen verführten, nicht selten fand ein Mann in seinem Ehebett, Bärenhaare vor. Dies wurde Lemeets Vater zum Verhängnis, in seiner Schlafstatt lag ein ganzer Bär..Die übriggebliebene Familie zog zurück in den Wald. Lemeets Mutter hasste das "fortschrittliche" Dorf, auf Lemeet übte es eine unermessliche Anziehungskraft aus.Nicht selten schlichen Lemeet und sein Freund Pärtel sich heimlich in die kleine Siedlung, um zu staunen. Der Schlangendrache, der einst diesen Ort beschützt hat, liegt in einem tiefen Schlaf.Es bräuchte 10000 Männer, die ihn mit starken Zischlauten einer vergessenen Sprache, aus dem Reich der Träume erlösen würden. Lemeet lernt vom letzten Lehrer, seinem Onkel. Seine Generation soll die Chance haben, schlafende Drachen zu wecken..Wenn auch das erste Kapitel gleich ziemlich schockierend ist, so habe ich doch schon im 2. Kapitel sehr gelacht. Blutrünstiger als die Wikinger und die Nibelungen zusammen. Wer dieses Buch liest, steigt hinab in die Tiefe eines estnischen Märchenlandes..Es hat eine einfache und verlockende Sprache, die, zu lesen, von der einen auf die nächste Seite verführt.Wer gute Nerven hat und einen starken Magen, wird diese "Epic-Fantasy" lieben.

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  • Der Mann, der mit Schlangen sprach

    Der Mann, der mit Schlangen sprach
    Lesebienchen

    Lesebienchen

    05. May 2017 um 11:05

    Was bedeutet es der Letzte zu sein? Der Letzte, der die alten Traditionen noch lebt? Der Letzte, der sich gegen eine „neue Welt“ behaupten muss?  Der aktuelle Roman des Esten Andrus Kivirähk entführt den Leser in eine mystische Vorzeit, die sich jedoch langsam ihrem Ende entgegenneigt. Erzählt wird die Geschichte von Lemeet, der mit seiner Familie im Wald lebt. Dieser Wald ist bevölkert von allerlei merkwürdig und magisch anmutenden Geschöpfen, fliegenden Fröschen, riesigen Läusen und sprechenden Menschenaffen. Doch auch die Waldbewohner selbst verfügen über ein fantastisches Talent, dem Gebrauch der Schlangensprache, mit deren Hilfe sie mit den Waldtieren kommunizieren können. Dies mutet alles sehr wunderbar an, doch der idyllische Schein trügt, denn die Waldgemeinschaft ist im Auflösen begriffen, steht doch mit dem christianisierten Dorf am Rande des Waldes der vermeintliche Fortschritt buchstäblich vor der Tür, zu dem sich immer mehr Clanmitglieder hingezogen fühlen. Der Wald beginnt sich zu lichten und am Ende ist es Leemet als Letzter, der die Schlangensprache erlernt und der sich aufmacht, den sagenumwobenen Nordlanddrachen zu suchen, um sein Volk und seine Gebräuche vor dem Vergessen zu bewahren.  Andrus Kivirähk erzählt mit der Geschichte von Lemeet über den altbekannten Kampf zwischen Tradition und Fortschritt, Magie und Religion, Aberglaube und Glauben. Er versteht es durchaus, die Geschichte durch verschiedene, z.T. recht schrullige Einfälle wie den Menschenaffen Rääk und Pirre, die sich in ihrem Lebensstil als absolute Traditionalisten im prähistorischen Sinne erweisen, oder auch den überdimensionierten Läusen  unterhaltsam zu gestalten. Auch Figuren wie der weise Onkel Vootele oder der sich nur kriechend vorwärts bewegende Meeme, ein alter Krieger, tragen zur Verlebendigung des Romans mit bei. Der Konflikt  zwischen den alten Traditionen der Waldgemeinschaft und dem Fortschrittsglauben des Dorfes spiegelt sich in der Entwicklung Lemeets wider, der sich im Laufe seines Lebens immer wieder mit den neuen Entwicklungen konfontiert sieht, sich diesen zuwendet, aber schließlich immer wieder zu der Frage zurückkehrt, wo sein eigentlicher Platz im Leben ist. Leider durchzieht den gesamten Roman ein sehr naiver Erzählstil, der möglicherweise so intendiert ist, da die Erlebnisse aus Lemeets Sicht von der Kindheit an geschildert werden. Dennoch erschwert dieser Stil, der sich oftmals in Klischees und plakativen Darstellungen, wie den ignoranten christianisierten Dorfbewohnern und den freiheitsliebenden Waldbewohnern, verliert, den Lesefluss bzw. die Lesebeisterung. Auch die Skurrilität, die zu einem großen Teil zur Belustigung während des Lesens beiträgt, hat in den Schilderungen von Liebesbeziehungen zwischen Bären und Frauen aus dem Wald, die zwar nicht zu detailliert ausfallen, dennoch eine deutliche Grenze des guten Geschmacks überschritten. Die Figuren an sich, allen voran Lemeet, bleiben leider sehr schablonenhaft und wirken oft sehr unemotional und somit unplausibel in ihren Handlungsweisen.  Insgesamt stellt „Der Mann, der mit Schlangen sprach“ einen soliden Roman dar, der in eine ungewöhnliche Welt voll schrulliger Gestalten entführt. Kivirähks Geschichte beinhaltet ein großes inhaltliches Potential, das der Autor zwar nicht durchgehend, vor allem sprachlich, nicht ausschöpft. Dennoch ist ihm Roman gelungen, der mit keinem anderen verglichen werden kann und im Leser noch lange nachhallt.

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht
    GrOtEsQuE

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 18.08.2017: _Jassi                                           ---  73 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   208,5 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   81 Punkte Bellis-Perennis                          ---  564 Punkte Beust                                          ---   260 Punkte Bibliomania                               ---   184 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  350 Punkte ChattysBuecherblog                --- 210 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   103,5 Punkte Code-between-lines                ---  127 Punkte eilatan123                                 ---   46 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   109 Punkte Frenx51                                     ---  72,5 Punkte glanzente                                  ---   75 Punkte GrOtEsQuE                               ---   78 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   135 Punkte Hortensia13                             ---   113 Punkte Igelchen                                    ---   21 Punkte Igelmanu66                              ---  151 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    79 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   105 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte katha_strophe                        ---   53 Punkte Kattii                                         ---   77 Punkte Katykate                                  ---   94 Punkte Kerdie                                      ---   190 Punkte Kleine1984                              ---   130 Punkte Kuhni77                                   ---   105 Punkte KymLuca                                  ---   100 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   211 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   190 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   82 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  52 Punkte mistellor                                   ---   149 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  115 Punkte Nelebooks                               ---  183 Punkte niknak                                       ----  268 Punkte nordfrau                                   ---   97 Punkte PMelittaM                                 ---   180 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   93 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   48 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 57 PunkteSandkuchen                              ---   172 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   153 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   245 Punkte SomeBody                                ---   157,5 Punkte Sommerleser                           ---   168 Punkte StefanieFreigericht                  ---   190,5 Punkte tlow                                            ---   135 Punkte Veritas666                                 ---   117 Punkteverruecktnachbuechern         ---   34 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   64 Punkte Wolly                                          ---   163 Punkte Yolande                                       --   150 Punkte

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    PMelittaM

    PMelittaM

    02. May 2017 um 14:17
  • Noch einen gebratenen Elch gefällig?

    Der Mann, der mit Schlangen sprach
    Beust

    Beust

    28. April 2017 um 23:42

    Um es vorwegzunehmen: Andrus Kivirähks Roman „Der Mann, der mit Schlangen sprach“ hat mich nicht überzeugen können. Gar nicht. Außer einer originellen Idee, einer Reihe von skurrilen (und leider auch buchstäblich aufgereihten) Einfällen und bemerkenswerten Ideen sowie einer wirklich schicken Aufmachung durch die Hobbit-Presse des Klett-Cotta-Verlages kann ich dem Buch nichts abgewinnen. Worum geht es? Leemet stammt von den Waldleuten ab und lernt als Letzter die Schlangensprache, mittels der er die Tiere des Waldes kommandieren und mit den Schlangen kommunizieren kann. Das harte Leben der Waldleute aber ist bedroht durch das moderne Leben im Dorf, immer mehr wandern ab, um lieber Brot zu essen und Wollkleidung zu tragen, bis schließlich Leemet mit wenigen anderen allein ist im Wald. Diese Exposition einer mittelalterlichen Welt voller kleiner Facetten urtümlicher Magie nimmt die erste, handlungsarme Hälfte des Romans ein. In der zweiten Hälfte findet Leemet eine Frau, verliert sie wieder, findet eine neue, verliert auch diese, verliert seine Freunde, seine Verwandten, seinen Großvater, den Wald und gewinnt am Ende das hehre Amt des Wächters über den Nordlandwurm. Dieses mächtige Ungetüm beschützt die Waldleute, solange sie es mit kollektiver Schlangenzunge rufen konnten. Die Geschichte wird von Leemet selbst in der Ich-Perspektive in einem nicht endenden inneren Monolog referiert, der seine Denkweise und seine Sicht auf die sich wandelnde Welt darlegt. Leemet spricht mit sehr verhaltener Sentimentalität über den Niedergang seiner Kultur und über den Tod seiner Nächsten, wie er überhaupt wenig Emotionen mitbringt, erst recht nicht Mitleid mit den vielen Menschen und Tieren, die in diesem Roman zu Tode gebracht werden. Es ist dieser distanzierte, emotionslose Tonfall. die Distanz zwischen dem grausamen Geschehen und der lapidaren, ja bisweilen sarkastischen Kommentierung, die mich rätseln lässt, warum andere Leser hier Lesegenuss erleben. Ich muss mich also fragen, ob ich den Roman missverstanden habe? Handelt es sich um eine große Allegorie, in der Krieg, Kolonisierung, Religion und Verklärung der Vergangenheit durch Verzerrung an den Pranger gestellt werden? Sind die skurrilen Einfälle eigentlich satirische Geniestreiche, die mit schwarzem Humor das Allzumenschliche aufs Korn nehmen? Und Satire soll ja bekanntlich weh tun. Geht es hier vielleicht auch um die Frage, was es bedeutet, Letzter zu sein, allein zu sein? Möglich, dass ich alles missverstanden habe - aber nach meinem Dafürhalten könnte der Roman nur als intelligente Satire durchgehen, wenn er seine Welt konsistent und seine Charaktere glaubwürdig gestalten würde. Durch die Schlangensprache zerplatzende Rehe, sexuelle Beziehungen zwischen Mensch und Bär, billigste Klischees ignoranter Christen, einseitige Typen wie der Waldweise Ülgas oder der rabiate Tambet legen aber nahe, dass Kivirähk so viel Raffinesse nicht zuzutrauen ist. Wie der Großvater auf das Kennenlernen seines Enkels Leemet reagiert, wirkt komplett unglaubwürdig (S. 256 ff.). Wie über das Brotessen als Wurzel allen Übels der Degeneration gesprochen wird, ist dümmlich und in keiner Weise geeignet, den Prozess der Zivilisation satirisch darzustellen (S. 131 ff.). Die Mengen an Fleisch, die etwa Leemets Mutter täglich auf den Tisch wirft, sind nur durch blutigste Massaker an den Tieren des Waldes denkbar - und lassen den Leser sich gleichzeitig wundern, wie das unnötige Abmessern von so vielen Bambis eigentlich mit dem Lob des mit der Natur im Einklang stehenden Lebens vereinbar sein soll (z.B. S. 149). Überhaupt zeigt sich hier wie auch an sehr vielen anderen Stellen, wie wenig Ahnung Kivirähk von der Größe eines Elchs, von der Wirklichkeit des Pflügens oder von dem konkreten Vorgang des In-die-Kehle-Beißens hat. Es geht nicht darum, dass Details korrekt sein sollen, sondern darum, dass eine Geschichte nur funktioniert, wenn sie im Rahmen der von ihr selbst festgelegten Gesetzmäßigkeiten glaubwürdig ist. Sätze wie der folgende lassen überdies offen zu Tage treten, wie absurd Tonfall und Meinungsäußerung oft sind, ohne dass sie gleichzeitig als satirische Überhöhung durchgehen können: „Ein Pflug ist ein irres Gerät, damit kann man Pflügen, das ist echt klasse“. (S. 228) Selbst die begeistertsten Dörfler können sich nicht derartig über das schweißtreibende Pflügen äußern; es handelt sich schließlich nicht um einen Sportwagen.   Die Gespräche der Figuren untereinander wirken oft hölzern und knapp neben der Spur (S. 363): „Trotzdem musst  du ihn nicht so stark drücken“, sagte Andreas und nahm den Helm an sich. „Ist doch wirklich schön, Männer, da kann man nicht meckern. Weltniveau! Ach, diese Ritter haben echt tolle Sachen.“ „Allerdings stimmten alle im Chor zu. „das ist was anderes als unsere alten Mützen.“ „Wie könnt ihr überhaupt einen so feinen Helm mit einer alten Mütze vergleichen!“, rief Andreas. „Der glänzt doch und ist aus Metall. (…) Ich setze ihn mir auf und alle Frauen machen sofort die Beine breit.“ Solche Dialoge haben kein Weltniveau, sondern stammen eher aus dem Improvisationstheater einer Pennälerbude. Hier fehlen Witz und ein glaubwürdiger Tonfall. Womöglich ist auch die Übersetzung durch Cornelius Haselblatt schuld, die für das Rumpeln der Sätze verantwortlich sein mag. Punktuell liegt sie einfach daneben. Kostprobe? „Auch der Vogel, dem das Brüten misslingt, weil die Bäume ständig einstürzen, ist nicht schuld an seinem Schicksal.“ (S. 385) Bäume stürzen nicht ein, sie stürzen um. Es kommt dem immer mehr mit dem Boden verwachsenden, ja zum Humus zerfließenden Narren Meeme in einem seiner denkwürdigen Auftritte zu, den meines Erachtens letztgültigen Satz zu äußern, nämlich "alles ist sinnlos". (S. 454)

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  • Alles ändert sich - doch nicht immer zum Guten

    Der Mann, der mit Schlangen sprach
    MissErfolg

    MissErfolg

    19. April 2017 um 12:08

    Veränderungen und Fortschritt. Das sind die zwei Hauptmotive dieses neuen Fantasy-Romans aus Estland. Wobei die Genre-Einteilung irreführend ist. Meiner Meinung nach sollte man eher von einem estnischen Volksmärchen mit fantastischen Einflüssen sprechen. Viele Handlungselemente erwecken nämlich den Eindruck, aus alten Überlieferungen entnommen zu sein oder aus Geschichten, die sich das estnische Volk (eventuell) über frühere Zeiten erzählt. Andrus Kivirähk erzählt in „Der Mann, der mit Schlangen sprach“ die Geschichte seines Volkes. Er erzählt von der urtümlichen, naturverbundenen Lebensweise seiner Vorfahren und berichtet, wie das Leben in Estland aussah, bevor die Christen über das Meer gesegelt kamen und ihre Missionsarbeit aufnahmen. Im Zentrum dieser Geschichte steht Leemet, der nach und nach lernen muss, wie schwierig und schmerzhaft es ist, an alten Traditionen festzuhalten, während alle anderen nach Veränderungen und (vermeintlichem) Fortschritt streben. „Nichts kann entsetzlicher sein als wenn ein dir lang bekannter und liebgewordener Mensch sich plötzlich in einen Fremden verwandelt, den man nicht versteht.“ Leemet wächst inmitten einer krassen Phase des Umbruchs auf. Sein Volk, das lange Zeit ausschließlich im Wald gelebt hat, drängt mehr und mehr in die Dörfer. Die „Eisenmenschen“, die über das Meer angesegelt kamen und neben ihrer Religion auch den Fortschritt mitbrachten, zeigen den Esten wie es geht: Ackerbau, befestigte Häuser und ein gottesfürchtiges kultiviertes Leben. Die Wald- und die Dorfmenschen verstehen sich nicht sonderlich gut. Während die Waldmenschen es als Verrat an den alten Traditionen empfinden, dass mehr und mehr Angehörige ihres Volks in die Dörfer ziehen, betrachten die Dörfler die Waldmenschen als zurückgebliebene Primitivlinge. Leemet, der zu den letzten jungen Waldmenschen gehört, die noch die Schlangensprache gelernt haben, muss nach und nach dabei zusehen, wie seine Freunde und Verwandten dem Lockruf des Fortschritts erliegen. Dabei kann er nicht verstehen, warum man freiwillig die vielen Vorteile des Waldlebens aufgeben sollte. Die Dorfmenschen beherrschen ja nicht einmal mehr die Schlangensprache, die es möglich macht, mit Tieren zu kommunizieren und sie sich sogar untertan zu machen. Auf Wölfen zu reiten ist für Leemet ebenso wenig etwas Besonderes wie Rehe und Elche herbeizurufen, um sie in aller Seelenruhe schlachten zu können. Das Leben im Dorf ist wesentlich beschwerlicher und doch beginnt auch Leemet irgendwann den Sog der Gemeinschaft zu verspüren. Es ist anstrengend, immer nur „der Letzte“ zu sein. Der letzte Waldbewohner, der letzte Mensch, der die Schlangensprache spricht ... „Vermutlich hätte das Dorf auch mich in sich aufgesogen, hinuntergeschluckt wie eine riesige Schlange, ein fremder und feindlicher Nordlanddrache, und langsam verdaut. Und ich hätte mich ihm unterworfen, denn mein eigener Nordlanddrache, der mich hätte beschützen können, war verschwunden und niemand wusste, wo er schlief.“ Andrus Kivirähk erzählt keine neue Geschichte. Jedem von uns geht es regelmäßig wie Leemet. Veränderungen sind nicht immer leicht hinzunehmen und doch lassen sie sich nicht aufhalten, weil viele Menschen nach Fortschritt streben. Dabei ist es völlig egal, ob es um das Leben in einem befestigten Dorf (wie bei Leemet) oder bspw. um den zunehmenden Gebrauch technischer Geräte geht. Die Grundregel bleibt die gleiche: Veränderungen machen vielen Menschen Angst, aber der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten.Wie bereits erwähnt ist „Der Mann, der mit Schlagen sprach“ in meinen Augen keine klassische Fantasy – dessen sollte man sich vor der Lektüre bewusst sein. Andrus Kivirähk hat eine angenehme Erzählstimme, allerdings stolpert der Leser unweigerlich über einige skurrile Elemente, die selbst hartgesottene Fantasy-Fans noch überraschen können. Man muss sich auf dieses Buch und die Story wirklich einlassen – zumal die Handlung manchmal etwas in die Länge gezogen wirkt und ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen erfordert. Ich würde dieses Buch all jenen empfehlen, die mal „was anderes“ lesen möchten – fernab der klassischen High Fantasy. Der Klappentext wirkt meines Erachtens nach irreführend – erwartet also lieber etwas weniger Fantasy, sondern eher eine Art fantastisches Volksmärchen. Und wenn man mit diesen Erwartungen an die Story herangeht, dürfte man sicherlich großen Gefallen an Andrus Kivirähk finden!

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  • Ist es eine Ehre oder eine Last, der Letzte zu sein?

    Der Mann, der mit Schlangen sprach
    BonniesBuchemotion

    BonniesBuchemotion

    18. April 2017 um 21:20

    Worum geht es?  Leemet lebt im Wald, zusammen mit seiner Mutter, seiner Schwester und seinem Onkel Voteele. Sein Onkel ist einer der letzten, die noch die Schlangenworte beherrschen und er bringt sie Leemet bei. Wir begleiten Leemet durch seine Kindheit und Jugend, lernen viel darüber, warum er an der Welt im Wald, an den Schlangenworten und an den Tieren so hängt. Die Menschen im Wald leben im Einklang mit der Natur, sie jagen, um zu essen und die Tiere ergeben sich ihnen freiwillig, weil sie niemals unnötig töten. Im Wald gibt es aber auch extreme Charaktere, die an die Waldgeister und die Rückkehr des Nordlanddrachen glauben, so zum Beispiel den Waldweisen Ülgas oder auch die Menschenaffen Pirre und Rääk. Diese Charaktere versuchen immerzu, am alten mit aller Macht festzuhalten und haben grausame Methoden, um an ihrem Glauben festzuhalten, wobei sie auch über Leichen gehen.Gleichzeitig gibt es die Welt im Dorf – wo Leemets Mutter früher gelebt hat. Die Waldmenschen verteufeln die Dorfmenschen regelrecht – und umgekehrt. Aus Sicht der Dorfmenschen sind die Waldmenschen rückständig, unzivilisiert und sie versuchen, sie zum Glauben an die Kirche zu bekehren. Die Steigerung dieser Dorfwelt ist die Welt der Ritter und der Mönche, die für Dorfmenschen unantastbar und fast schon heilig sind. Leemet wird also in dieser Welt der krassen Gegensätze erwachsen und muss seinen Platz finden in einer Gesellschaft, in der jeder der Überzeugung ist, auf dem einzig richtigen Weg zu sein und den Schlüssel für ein erfülltes Leben zu haben. Dabei lernt er von all diesen Welten aber auch die Schattenseiten kennen. Er erlebt Abenteuer in allen Teilen seiner Welt und kommt in jede der Versuchungen, mit denen der jeweilige Teil der Gesellschaft ihn zu locken versucht. Seine persönliche Lösung für alle Probleme ist dabei der Nordlanddrache, der früher alles Unheil aus der Welt beseitigt hat. Doch es schein unmöglich, ihn noch zu rufen, denn er hört nur die Schlangenworte und die spricht außer Leemet kaum noch jemand. Meine Meinung: Das Buch ist absolut neu und ungewöhnlich, die Geschichte hat mich sehr gepackt, auch wenn es aus meiner Sicht ein paar Schwächen hat. Dabei ist zu betonen, dass der gesellschaftskritische Teil im Kampf um Macht, Glauben und Überzeugung vor dem Fantasy-Anteil überwiegt. Vor Allem ab Mitte des Buches wird die Handlung zunehmend hektischer, die Konflikte spitzen sich zu und werden dann doch sehr brutal ausgetragen. Alle Charaktere sind sehr stark ausgearbeitet und werden im Kopf lebendig, wobei wenige altbekannte Stereotypen ausgegraben werden, sondern viel Fantasie im Spiel ist. Die Sprache ist einfach und gleichzeitig sehr deutlich, was vor Allem in den brutalen Teilen dann doch dazu führte, dass ich ab und an mein Kopfkino gerne ausschalten wollte. Gegen Ende habe ich mich dann tatsächlich kurz gefragt, ob der Autor die Lust am Buch verloren hat und daher relativ schnell mit allem abschließt, jedenfalls könnte dieser Eindruck durchaus entstehen. Auch wenn das Thema Nordlanddrache dann nochmal aufgegriffen wird, war mir das dann irgendwie zu holprig, als wäre es ihm am Ende noch eingefallen, dass da ja ein Nordlanddrache war und man den Faden der Geschichte noch zu Ende spinnen müsse. Aber auch hier zeigte sich für mich, dass der Fantasy-Anteil eben nicht die Hauptrolle spielte. "Der Mann, der mit Schlangen sprach", war mein erstes estnisches Fantasybuch. Anstatt eines klassischen Fantasyromans hatte es für mich vielmehr Züge einer romanhaften Fabel, was mich zu einem gewissen Abzug für den vernachlässigten Fantasyanteil führt, der durchaus beworben wurde und gerade auch unter dem Label Hobbit Presse eine Erwartungshaltung bei mir weckte, der das Buch dann schlussendlich nicht gerecht wurde. Unabhängig davon hat es mich mit vielen für mich neuen Ideen überrascht, hat mich mitgenommen in eine mir unbekannte Welt und mir gut gefallen, insbesondere auch einige wirklich tolle Zitatperlen waren enthalten. Vor Allem hat es mich zum Nachdenken gebracht, denn für mich spiegelt es tatsächlich viele Punkte der menschlichen Geschichte, aber auch des aktuellen Geschehens sehr gut wieder.  Mein Fazit: Das Buch hat mich in sich hineingezogen, ordentlich durchgekaut und am Ende völlig zerstört wieder ausgespuckt - an einer anderen Stelle als der, an der ich es vermutet hätte. Es hat mich gut unterhalten, konnte meinen Erwartungen jedoch nicht komplett gerecht werden, daher vergebe ich 4 von 5 Sternen PS: Danke an den Klett Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar.

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