Andrzej Stasiuk

 3,6 Sterne bei 60 Bewertungen
Autor von Hinter der Blechwand, Die Welt hinter Dukla und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Andrzej Stasiuk

Andrzej Stasiuk wurde im September 1960 in Warschau geboren. Nachdem er während seines Dienstes beim Militär Fahnenflucht begangen hatte, musste er für anderthalb Jahre ins Gefängnis. Die Erlebnisse und Erfahrungen aus dieser Zeit verarbeitete er in seiner ersten Veröffentlichung, die im Jahr 2003 unter dem Titel "Mauern von Hebron" auch in Deutschland erschienen ist. Neben seiner Tätigkeit als Autor schreibt Stasiuk regelmäßig Aufsätze und Kritiken, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im Jahr 2005 wurde Andrzej Stasiuk für "Unterwegs nach Babadag " mit dem Nike-Preis für das beste polnische Buch ausgezeichnet.

Neue Bücher

Cover des Buches Grenzfahrt (ISBN: 9783518431269)

Grenzfahrt

Erscheint am 13.03.2023 als Gebundenes Buch bei Suhrkamp.

Alle Bücher von Andrzej Stasiuk

Cover des Buches Hinter der Blechwand (ISBN: 9783518464052)

Hinter der Blechwand

 (15)
Erschienen am 10.12.2012
Cover des Buches Die Welt hinter Dukla (ISBN: 9783866155138)

Die Welt hinter Dukla

 (13)
Erschienen am 23.06.2007
Cover des Buches Der Osten (ISBN: 9783518467619)

Der Osten

 (5)
Erschienen am 06.03.2017
Cover des Buches Mein Europa (ISBN: 9783518123706)

Mein Europa

 (4)
Erschienen am 26.04.2004
Cover des Buches Wie ich Schriftsteller wurde (ISBN: 9783518122365)

Wie ich Schriftsteller wurde

 (4)
Erschienen am 24.09.2001
Cover des Buches Der weiße Rabe (ISBN: 9783518462164)

Der weiße Rabe

 (4)
Erschienen am 20.02.2011
Cover des Buches Dojczland (ISBN: 9783518463161)

Dojczland

 (5)
Erschienen am 23.01.2012
Cover des Buches Unterwegs nach Babadag (ISBN: 9783518417270)

Unterwegs nach Babadag

 (3)
Erschienen am 15.08.2005

Neue Rezensionen zu Andrzej Stasiuk

Cover des Buches Hinter der Blechwand (ISBN: 9783518422540)
Stephanuss avatar

Rezension zu "Hinter der Blechwand" von Andrzej Stasiuk

Eine atemlose Geschichte aus der Nachwendezeit im Osten Polens
Stephanusvor 7 Monaten

Im östlichen Polen hat der Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs und damit des Ostblocks die Menschen unvorbereitet getroffen. Ohne Arbeit und Perspektive ist der Niedergang immer stärker. Der Ich-Erzähler mit seinem altersschwachen Lkw und sein Freund Wladek, der mit allem, mit dem sich Geld verdienen lässt, handelt, versuchen sich durch Altkleiderverkauf über Wasser zu halten. Die Geschäfte gehen immer schlechter, da massenweise Billigprodukte aus China den Markt überschwemmen, so dass diese zu immer weiteren Touren in noch entlegenere Gegenden Osteuropas aufbrechen. Sie träumen vom Glück, sind aber, wie viele Menschen, die dort verharren in einer Starre gefangen, die keinen Ausweg ermöglicht. 

Der Autor entwirft, in Form einer Road-Novel, ein Bild des Niedergangs Osteuropas nach dem Ende des Ostblocks und des Kommunismus. Er schildert präzise die Menschen und Figuren und einzelne Landschaften. Dabei wird die Perspektive der Menschen beleuchtet und deren Resignation. Durch zu viele Stationen und Personen sowie die Rückgriffe auf die unmittelbare Wendezeit in den Erinnerungen und Erlebnissen von Wladek fehlte für mich als Leser eine ordnende Struktur. Es entstand eine gewisse Langeweile, die auch die immer neuen Geschäftsversuche der Hauptfiguren nicht vertreiben konnte. Nach meiner Meinung wollte der Autor zu viel und auch zu viele Themen behandeln und verliert sich dabei dann leider.



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Cover des Buches Der weiße Rabe (ISBN: 9783518462164)
Stephanuss avatar

Rezension zu "Der weiße Rabe" von Andrzej Stasiuk

Abenteuer das zum Überlebenskampf wird und tödlich endet
Stephanusvor einem Jahr

Fünf Freunde Anfang dreißig sind desillusioniert von ihrem Leben als Familienväter und dem Zusammenbruch des Kommunismus in Polen. Sie stehen vor einer ungewissen Zukunft und beschließen ein Abenteuer, zwei Wochen fernab der Zivilisation zu wagen. Sie fahren im Winter in die Grenzregion zwischen Polen und der Slowakei und wollen durch die verschneite Landschaft gehen und sich selbst finden. Als dann einer aus der Gruppe einen Grenzbeamten erschlägt und der Winter mit Schnee und Kälte immer stärker wird, kippt das Abenteuer und wird zu einem Überlebenskampf. Sie müssen gegen die Naturgewalten kämpfen und überschreiten ihre Grenzen bis hin zum Tod und Überlebenskampf für alle, den diese zum Teil verlieren.

 

Mit einer außergewöhnlichen Sprache gelingt dem Autor eine Beschreibung eines besonderen Lebensgefühls mit einer extremen Grenzerfahrung. Das Leben mit all seine Facetten und die Naturgewalten, die dieses bedrohen werden exzellent beschrieben. Ebenso das Scheitern und die Endlichkeit des menschlichen Daseins. Ein exzellentes, aber auch betrübendes Buch, das aber dennoch eine Leseempfehlung ist.

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Cover des Buches Der Osten (ISBN: 9783518467619)
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Rezension zu "Der Osten" von Andrzej Stasiuk

Ostalgie und Reisereportage
evaczykvor 4 Jahren

Dieses Buch ist Ostalgie pur – und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Andrzej Stasiuks Reiseroman “Der Osten” ist nicht nur eine Reise in den äußersten Osten Europas und darüber hinaus, sie ist auch eine Suche nach der nicht mehr existierenden Welt von Stasiuks Kindheit im kommunistischen Polen, den Gerüchen und Gesichtern der ostpolnischen Dörfer, die mittlerweile mit EU-Strukturmittels aufgehübscht wurden, nach einem verlorenen Lebensgefühl, das in der verwestlichten Gesellschaft mit Glitzerfassaden, Konsumtempeln und Wolkenkratzern abhanden gekommen ist.

Doch Stasiuk, der in seinen vorangegangenen Büchern die Welt jenseits des Karpatendorfs Dukla beschrieben hatte, der in der Bukowina, in Galizien oder Moldawien unterwegs war – er vermisst die ehrliche Tristesse, die Ereignislosigkeit der von Mangel geprägten Zeiten, den philosophischen Gleichmut, den die Menschen an den Tag legen mussten, die sich in ihrer kleinen Welt eingerichtet hatten, weil sie ja doch nichts ändern konnten.

Nach Russland, in die Mongolei und bis nach China führt die Reise des Erzählers, doch immer wieder ist auch die polnische Vergangenheit ganz vielschichtig mit dabei. Fast trotzig zeigt er westlichen Reisezielen die kalte Schulter, verweigert sich dem Trend, zu den Großstadtlichtern von New york oder Paris zu reisen. Statt dessen: “Ich musste dorthin fahren, weil das Bild einer realisierten Utopie in der Endlosigkeit der Steppe und der erstarrten Geschichte unwiderstehliche Kraft besaß. Schließlich hatte ich mein halbes Leben lang von asiatischen Horden gehört, die in unser europäisches Land eingefallen waren. Es war eine Reise in den Kern der Metapher”, schreibt Stasiuk.

Episch und sprachgewaltig verwebt Stasiuk Kindheitserinnerungen, Kriegs- und Nachkriegsgeschichte, Nachdenken über alte und neue Völkerwanderungen mit seinen Beschreibungen von trostlosen Plattenbau-Siedlungen, Steppe und Staub. Wieder einmal sucht Stasiuk die Grenzen, die Peripherie des einstigen Imperiums, das in Moskau oder Petrsburg schön längst sein altes Geischt verändert hatte. Doch schließlich wollte er sehen, “wie das Land endet, das ich seit meiner Kindheit kannte. … Es erhob sich am Horizont wie ein hochkant gestellter Kasten, wie der Bruchteil eines Kontinents, in die Erde gerammt wie ein Grabstein.”

Mitunter zerreißen die Zeit- und Ortssprünge den Erzählfluss und zerhacken Gedankenläufe. Gerade am Ende des Buches wirkt es mitunter, als wollte der Autor nur noch zum Schluss kommen und bleibt dabei ein wenig zusammenhanglos. Doch am stärksten ist “der Osten” dort, wo Stasiuk Reisebericht und literarische Reportage verwebt, wo er in kleinen Skizzen Stimmungen und Orte beschreibt, dass der Leser meint, die Mischung aus Staub und Reinigungsmitteln der Sowjetzeit zu riechen, die unendliche Langsamkeit des Lebens an einem Außenposten in der Mongolei oder dem tiefsten Sibieren zu spüren.

Stasiuk nimmt seine Leser mit auf eine Reise, wo der Weg das Ziel ist und wo sich Vergangenheit und Gegenwart verweben. Stasiuks Sehnsuchtsorte sind ein Zustand, ein Gefühl. Für den Leser ist es nicht nur eine Begegnung mit dem bereisten Osten, sondern auch mit dem Warschau der 70-er und 80-er Jahre. Wer jemals den Stadtteil Praga vor seinem Wandel zum In-Stadtteil kannte, oder den wilden Basar auf dem Gelände des heutigen Nationalstadions kannte, wird es mit einem Gefühl der Nostalgie lesen.

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Zusätzliche Informationen

Andrzej Stasiuk wurde am 25. September 1960 in Warschau (Polen) geboren.

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