Andrzej Stasiuk

 3.6 Sterne bei 49 Bewertungen
Autor von Die Welt hinter Dukla, Hinter der Blechwand und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Andrzej Stasiuk

Andrzej Stasiuk wurde im September 1960 in Warschau geboren. Nachdem er während seines Dienstes beim Militär Fahnenflucht begangen hatte, musste er für anderthalb Jahre ins Gefängnis. Die Erlebnisse und Erfahrungen aus dieser Zeit verarbeitete er in seiner ersten Veröffentlichung, die im Jahr 2003 unter dem Titel "Mauern von Hebron" auch in Deutschland erschienen ist. Neben seiner Tätigkeit als Autor schreibt Stasiuk regelmäßig Aufsätze und Kritiken, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im Jahr 2005 wurde Andrzej Stasiuk für "Unterwegs nach Babadag " mit dem Nike-Preis für das beste polnische Buch ausgezeichnet.

Alle Bücher von Andrzej Stasiuk

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Hinter der Blechwand

Hinter der Blechwand

 (12)
Erschienen am 19.09.2011
Die Welt hinter Dukla

Die Welt hinter Dukla

 (13)
Erschienen am 24.06.2002
Wie ich Schriftsteller wurde

Wie ich Schriftsteller wurde

 (4)
Erschienen am 24.09.2001
Unterwegs nach Babadag

Unterwegs nach Babadag

 (3)
Erschienen am 15.08.2005
Der Osten

Der Osten

 (3)
Erschienen am 08.02.2016
Der weiße Rabe

Der weiße Rabe

 (3)
Erschienen am 20.02.2011
Dojczland

Dojczland

 (3)
Erschienen am 18.08.2008
Über den Fluß

Über den Fluß

 (2)
Erschienen am 29.11.2004

Neue Rezensionen zu Andrzej Stasiuk

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Rezension zu "Der Osten" von Andrzej Stasiuk

Ostalgie und Reisereportage
evaczykvor 2 Monaten

Dieses Buch ist Ostalgie pur – und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Andrzej Stasiuks Reiseroman “Der Osten” ist nicht nur eine Reise in den äußersten Osten Europas und darüber hinaus, sie ist auch eine Suche nach der nicht mehr existierenden Welt von Stasiuks Kindheit im kommunistischen Polen, den Gerüchen und Gesichtern der ostpolnischen Dörfer, die mittlerweile mit EU-Strukturmittels aufgehübscht wurden, nach einem verlorenen Lebensgefühl, das in der verwestlichten Gesellschaft mit Glitzerfassaden, Konsumtempeln und Wolkenkratzern abhanden gekommen ist.

Doch Stasiuk, der in seinen vorangegangenen Büchern die Welt jenseits des Karpatendorfs Dukla beschrieben hatte, der in der Bukowina, in Galizien oder Moldawien unterwegs war – er vermisst die ehrliche Tristesse, die Ereignislosigkeit der von Mangel geprägten Zeiten, den philosophischen Gleichmut, den die Menschen an den Tag legen mussten, die sich in ihrer kleinen Welt eingerichtet hatten, weil sie ja doch nichts ändern konnten.

Nach Russland, in die Mongolei und bis nach China führt die Reise des Erzählers, doch immer wieder ist auch die polnische Vergangenheit ganz vielschichtig mit dabei. Fast trotzig zeigt er westlichen Reisezielen die kalte Schulter, verweigert sich dem Trend, zu den Großstadtlichtern von New york oder Paris zu reisen. Statt dessen: “Ich musste dorthin fahren, weil das Bild einer realisierten Utopie in der Endlosigkeit der Steppe und der erstarrten Geschichte unwiderstehliche Kraft besaß. Schließlich hatte ich mein halbes Leben lang von asiatischen Horden gehört, die in unser europäisches Land eingefallen waren. Es war eine Reise in den Kern der Metapher”, schreibt Stasiuk.

Episch und sprachgewaltig verwebt Stasiuk Kindheitserinnerungen, Kriegs- und Nachkriegsgeschichte, Nachdenken über alte und neue Völkerwanderungen mit seinen Beschreibungen von trostlosen Plattenbau-Siedlungen, Steppe und Staub. Wieder einmal sucht Stasiuk die Grenzen, die Peripherie des einstigen Imperiums, das in Moskau oder Petrsburg schön längst sein altes Geischt verändert hatte. Doch schließlich wollte er sehen, “wie das Land endet, das ich seit meiner Kindheit kannte. … Es erhob sich am Horizont wie ein hochkant gestellter Kasten, wie der Bruchteil eines Kontinents, in die Erde gerammt wie ein Grabstein.”

Mitunter zerreißen die Zeit- und Ortssprünge den Erzählfluss und zerhacken Gedankenläufe. Gerade am Ende des Buches wirkt es mitunter, als wollte der Autor nur noch zum Schluss kommen und bleibt dabei ein wenig zusammenhanglos. Doch am stärksten ist “der Osten” dort, wo Stasiuk Reisebericht und literarische Reportage verwebt, wo er in kleinen Skizzen Stimmungen und Orte beschreibt, dass der Leser meint, die Mischung aus Staub und Reinigungsmitteln der Sowjetzeit zu riechen, die unendliche Langsamkeit des Lebens an einem Außenposten in der Mongolei oder dem tiefsten Sibieren zu spüren.

Stasiuk nimmt seine Leser mit auf eine Reise, wo der Weg das Ziel ist und wo sich Vergangenheit und Gegenwart verweben. Stasiuks Sehnsuchtsorte sind ein Zustand, ein Gefühl. Für den Leser ist es nicht nur eine Begegnung mit dem bereisten Osten, sondern auch mit dem Warschau der 70-er und 80-er Jahre. Wer jemals den Stadtteil Praga vor seinem Wandel zum In-Stadtteil kannte, oder den wilden Basar auf dem Gelände des heutigen Nationalstadions kannte, wird es mit einem Gefühl der Nostalgie lesen.

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Izabelle_Jardins avatar

Rezension zu "Der Osten" von Andrzej Stasiuk

Überwältigend!
Izabelle_Jardinvor einem Jahr

Kritiker haben diesen Roman bejubelt, andere haben ihn auseinandergenommen. Das muss jetzt nicht wiederholt werden. Manche haben den Vorwurf erhoben, dieses Buch komme mit der Bezeichnung "Roman" als Mogelpackung daher. Na und? Tatsächlich ist der rote Faden eher Stasiuks Geist, vielleicht auch noch die Reiseroute, auf der wir als Leser das Vergnügen haben, seinen Reflektionen zu folgen. In jedem Falle aber ist es ein schriftstellerisches Kleinod! Weit ab vom Gewöhnlichen und Gewohnten. Frei von den ermüdend normalen Üblichkeiten wie "gewollten" Spannungsbögen, psychologisch korrekten Figurenzeichnungen und derlei, die in ihrer ständig wiederkehrenden Einfältigkeit anderswo bisweilen so extrem nerven können.
Sprache! Wie eine Schachtel voll edler Pralinen. Dies zu übersetzen ist allein schon ein Meisterstück.
Überraschungen! Immer wieder Überraschungen! Ein wunderbares, besonderes Buch, auf das man sich offenen Herzens und wachen Verstandes einlassen sollte.

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Heldentenors avatar

Rezension zu "Der Osten" von Andrzej Stasiuk

Ein Buch vom Reisen und vom Verlorengehen.
Heldentenorvor 3 Jahren

Ein Buch, das vom Reisen handelt, aber kein klassischer Reisebericht ist. Auf seinen Reisen spürt der Autor dem Verlorengegangenen und dem Verschwundenen nach. Und spannt den Bogen von seiner Jugend in einem polnischen Dorf bis hin zu Begegnungen mit mongolischen Nomaden. Aufgewachsen ist er in einem Dorf im Osten Polen, dessen frühere Bewohner nach 1945 in die Sowjetunion umgesiedelt wurden. Vielleicht deshalb verspürt er schon als Kind, den Drang nach Osten zu gehen. Dorthin, wo die früheren Bewohner gingen, wo Armeen verschwanden. Endpunkt ist die Mongolei und überall, wo er sich aufhält, findet er Spuren, die kurz vor dem Verlöschen stehen. und am Ende vergeht auch die Erinnerung.

Eine zutiefst sentimentale und melancholische Lektüre. Aus einer ungewöhnlichen Perspektive und erhellend. 
 

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Andrzej Stasiuk wurde am 25. September 1960 in Warschau (Polen) geboren.

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