Andrzej Szczypiorski

 3.8 Sterne bei 117 Bewertungen

Lebenslauf von Andrzej Szczypiorski

Andrzej Szczypiorski war ein polnischer Schriftsteller. Er wurde 1924 in Warschau geboren, wo er im Jahre 2000 auch verstarb. Er studierte an einer Untergrunduniversität, die sein Vater mitaufgebaut hatte, und kam 1944 nach der Teilnahme am Warschauer Aufstand ins KZ Sachsenhausen. Nach dem Krieg arbeitete er 10 Jahre lang als Journalist, bevor er sich dem Schreiben von Kriminalromanen und mit seinen Erlebnissen verbundenen, in seiner Heimatstadt Warschau spielenden Werken widmete. Szczypiorski war im polnischen Parlament tätig und auch sonst politisch sehr engagiert, vorallem gegenüber der dritten Politik Polens.

Alle Bücher von Andrzej Szczypiorski

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Cover des Buches Eine Messe für die Stadt Arras9783257224146

Eine Messe für die Stadt Arras

 (15)
Erschienen am 01.01.1991
Cover des Buches Feuerspiele9783257233278

Feuerspiele

 (6)
Erschienen am 01.04.2002
Cover des Buches Den Schatten fangen9783257227895

Den Schatten fangen

 (5)
Erschienen am 01.07.2000
Cover des Buches Amerikanischer Whiskey9783257224153

Amerikanischer Whiskey

 (3)
Erschienen am 01.08.2000
Cover des Buches Der Teufel im Graben9783257227390

Der Teufel im Graben

 (3)
Erschienen am 01.01.1995
Cover des Buches Europa ist unterwegs9783257061239

Europa ist unterwegs

 (1)
Erschienen am 01.11.1996

Neue Rezensionen zu Andrzej Szczypiorski

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Rezension zu "Amerikanischer Whiskey. Erzählungen. Aus dem Polnischen von Klaus Staemmler. (Mit Vorwort des Autors zur deutschen Ausgabe)." von Andrzej Szczypiorski

Geschichten von intensiver Ausstrahlungskraft und tiefer Weisheit
Beustvor einem Jahr

Die 1990er Jahre in Berlin waren eine tolle Zeit – vieles bewegte sich, war im Umbruch, nachdem der Eiserne Vorhang gefallen war, und Berlin wurde zu einer Drehscheibe zwischen West und Ost, ein Ort der Begegnungen zwischen Deutschen und den Menschen aus dem Osten, nicht nur aus der ehemaligen DDR, sondern auch aus Polen, Ungarn, Tschechien und den russischen Staaten. In diesen Jahren berührten sich auf einmal die vergangenen Jahrzehnte, die durch die Mauer und den Kalten Krieg getrennt waren. Alte Wunden brachen auf, vor allem jene, die die Deutschen während den Völkern im Osten während der Nazidiktatur und dem Zweiten Weltkrieg zugefügt haben.

Es war ein großes Glück für mich, in dieser Zeit mit erwachtem Bewusstsein an diesem Ort der Begegnung sein und so viele interessante und bereichernde Menschen treffen zu können. Eine dieser Begegnungen fand am Gendarmenmarkt statt, als Andrzej Szczypiorski und Györgi Konrad aus ihren Werken lasen, ihre Erinnerungen erzählten und mit jedem Satz die Weisheit der Erfahrenen in das Gespräch mit uns jungen Leuten trugen. Seitdem habe ich das Wissen um diesen klugen, ja weisen polnischen Autoren mit mir herumgetragen, tief beeindruckt von der persönlichen Begegnung und dem offenen und uneitlen Dialog. Und dennoch hat es über zwanzig Jahre gedauert, bis ich endlich mehr als einen Zeitungsbeitrag Szczypiorskis gelesen habe.

„Amerikanischer Whiskey“ versammelt zwölf Geschichten aus der Erfahrungswelt Andzrej Szczypiorskis, der 1928 in Warschau geboren wurde und die Repressionen durch die deutschen Besetzer und später durch die kommunistischen Ideologen erlebte und erlitt. Mit einer knappen und äußerst präzisen Sprache charakterisiert er Schauplätze, Personen und Situationen mit einer Exaktheit, die kein Wort vermissen lässt und keine Auslassung mehr vertrüge. Mit großer Sympathie selbst für die Täter, stets auf der Suche nach den Grautönen, aus denen die Menschen viel mehr bestehen als aus den Farbtönen Schwarz und Weiß, erzählt Szczypiorski etwa in „Der Weg zum Himmel“ oder „Der Engel der Vorsehung“ aus der Zeit der deutschen Okkupation, der Judenverfolgung und der polnischen Herzensverfassung zu jener Zeit. 

Gerade im Angesicht der heutigen Gesetzgebung in Polen, die nachträglich juristisch jede Beteiligung Polens an der Shoa und den deutschen Verbrechen ausradieren möchte, sind die Kurzgeschichten aus der Kriegszeit wichtige Beiträge eines Zeitgenossen, der besser weiß, dass die Verantwortung in der Geschichte ebenfalls tiefgrau gefärbt ist und keine Unbeteiligten kennt. Gegen das Vergessen ist auch „Der reservierte Tisch“ geschrieben und offenbart gleichzeitig Szczypiorskis Kenntnis Deutschlands wie seine Sympathie für dieses Land. Die namensgebende Geschichte des Bandes weist in die Nachkriegszeit und die Lasten der anderen totalitären Ideologie, die sich auf Polen legte, nachdem der Terror der Deutschen verschwunden war.

Geschichten von intensiver Ausstrahlungskraft und tiefer Weisheit – zeitlos und absolut empfehlenswert!

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Rezension zu "Die schöne Frau Seidenman" von Andrzej Szczypiorski

Rezension zu "Die schöne Frau Seidenman" von Andrzej Szczypiorski
Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Jahren

Grundsätzlich ist Die schöne Frau Seidenman ein wirklich bewegendes Buch mit einer bewegenden Hintergrundgeschichte. Praktisch aber reicht es für mich nicht an die Geschichte heran, die der Klappentext verspricht. Von Irma Seidenmans Geschichte erfährt man im Grunde nur nebenbei. Es gibt einige Passagen, in denen sie wirklich prägnant ist, ansonsten dreht sich alles rund um den zweiten Weltkrieg und Polen/Warschau. Teilweise gibt es Seitenlange Sätze (der längste der mir begegnet ist, ging über eine gesamte Seite), sodass man wirklich mehrmals lesen muss, um die gesamten Zusammenhänge zu verstehen, außerdem handelt das Buch von reichlich Theorie um die Deutschen und die Polen, sowie deren Verhältnisse mit Juden und dergleichen. Ein ziemlich heikles Thema, das natürlich in einer Menge Theorie verpackt werden muss, mir aber war das viel zu viel Theorie sodass ich kaum noch einen Überblick hatte, wann jetzt was passiert war, für mich hat es die ganze Geschichte ziemlich verwirrend gemacht. 3 Sterne gibt es einerseits für die gut durchdachte Geschichte und dem Thema, zwei Abzug für die überfüllte Theorie.

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Rezension zu "Die schöne Frau Seidenman" von Andrzej Szczypiorski

Rezension zu "Die schöne Frau Seidenman" von Andrzej Szczypiorski
Crimekingvor 10 Jahren

"Die schöne Frau Seidenman" spielt in Warschau zur Zeit des 2. Weltkrieges, besetzt von den Nazis. Interessant ist zunächst das man als Leser ausschließlich die Sichtweise der polnischen und jüdischen Warschauer erfährt.

Das Buch ist bei Erscheinen damals (es gab noch den Ostblock und die Mauer 1988) in einem Untergrundverlag erschienen, da der Autor Zensur befürchtete, handelt es doch bis in die 1969er Jahre.

Szczypiorski beschreibt seine polnischen Landsleute; wo viele den Juden helfen und beiseite stehen, aber auch denunzieren, vielfach gegen Geld oder einfach um ihr eigenes Leben zu retten. Die eigentliche Überraschung ist: es kommt ein Deutscher vor, welcher herzensgut ist und sich voll und ganz für verfolgte Juden einsetzt. Und dieses Buch ist keine fiktive Geschichte sondern quasi die Autobiografie - ein Rückblick seiner Erlebnisse als Warschauer und bei Erscheinen des Buches 64jährigen Autors.

Mit fast jedem Kapitel werden neue Personen und Situationen erzählt, teils grausam, teils aber auch heiter und sogar positiv, trotz dieser schrecklichen und grausamen Zeit. Mit jedem weiteren Abschnitt erfahren wir auch direkt die Zukunft der handelnden Personen. Spannung will der Autor nicht erzeugen und kann natürlich auch nicht der Sinn solch eines Werkes sein.

Er schafft es - und hat es auch höchstpersönlich so bekundet - über die Grausamkeit der damaligen Zeit (Judenverfolgung,drittes Reich, Ghetto) fast plaudernd und leicht zu schreiben, ohne zu beschönigen oder Dinge klein zu reden.

Die einzelnen Kapitel repräsentieren die damaligen Schichten in der Bevölkerung und die Verhältnisse werden wahrheitsgemäß und detailliert beschrieben. Der Autor hält dem Leser vor Augen wie verführbar das Individium in einem totalitären Staat ist. Er wählt die Nazi-Zeit in Polen, aber diese Verführbarkeit könnte auch in anderen totalitären Staaten genauso ablaufen.

Ein Roman auch, der gegen nationale Vorurteile kämpft, dies kommt besonders gut heraus, wenn man bedenkt wer Frau Seidenman aus den Händen der Gestapo befreit. Einmal wird der Autor ganz deutlich, bringt seine Botschaft klar auf den Punkt: er sagt das die Polen ohne ihre Juden nicht mehr dieselben sind, sehr berührend und sehr bewegend wie auch traurig. Der Autor - als Pole und Zeitzeuge - nimmt sich das Recht und klagt seine eigenen Landsleute an.

Diesen Roman, auch nach über 20 Jahren des Erscheinens, muss man gelesen haben. Er ist traurig, realistisch und hart. So wie die damalige Zeit. Es zeigt eine Zeit in Warschau die man wohl nur so schildern kann, wenn man ein Teil derselbigen war.
Dennoch wird der Leser in Form einer leichten aber intelligenten Erzählweise mit der schweren Zeit konfrontiert und lernt den Überlebenskampf, die Taten und Gedanken der Polen und der verfolgten Juden im besetzten Warschau kennen.

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Andrzej Szczypiorski wurde am 03. Februar 1924 in Warschau (Polen) geboren.

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