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Dreamland

vor 3 Jahren

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Kapitel 16
Eine eingerostete Single-Frau

 Ok, du Naturtalent hast jetzt mal kurz Pause!

* * *

Ein heftiger plötzlicher Schauer kühlt den heißen Sommertag herunter und ein wundervoller Regenbogen zeichnet sich in schillernden Pastellfarben am azurblauen Himmel ab. Die Sonne erstrahlt schon wieder mit ungebrochener Kraft und trocknet die Wege. Alles ist still und langsam beginnen die Vögel in den Bäumen wieder mit ihrem erfrischenden, hochsommerlichen Konzert. Genau so, wie sie es meist in den frühen Morgenstunden tun.

Die Abkühlung weckt auch die Lebensgeister meiner 10-jährigen Nichte Julia.

Mit Rollerblades an den Füßen, sehe ich sie durch den Garten flitzen. In mir wächst der Wunsch, es ihr gleichzutun. Schon ziehe ich mir die von meiner Schwägerin geliehenen Rollerblades an. Candy glotzt mich verdattert an: Frauchen ist ein Riese, denkt er wohl, und geht mir lieber aus dem Weg.

Nach ein paar Testrunden im Garten stelle ich zufrieden fest, das Rollschuhlaufen wohl doch noch nicht ganz verlernt zu haben, was meinen Kampfgeist für eine Fahrt in der Öffentlichkeit weckt.

Während Julia schon den Gehweg nach rechts hinunter düst, taste ich mich vorsichtig aus dem Garten. Wohin nun? Meine Entscheidung fällt auf die entgegengesetzte Richtung und schon fahr’ ich los.

Ein wunderbar schwebendes Gefühl! Losgelassen von allen Sorgen gleite ich dahin und fühle mich recht professionell. An der nächsten Straßenecke, so vereinbare ich mit mir selbst, werde ich einen Stopp einlegen, um von dort aus die Rücktour anzutreten.

Gleich schon bin ich an der Ecke. Wie war das mit dem Bremsen? Ah, vorne der Stopper, fällt mir ein. Doch die Rollschuhe der Neuzeit haben diese anscheinend nicht an derselben Stelle wie die von damals. Also schieße ich ungebremst weiter auf die Straßenecke zu und vermeide es lieber, noch einmal Schwung zu holen.

Eine gute Entscheidung!

Die Stopper an Rollerblades sind ja hinten, schießt es mir durch den Kopf. Den rechten Fuß zur Hacke aufstellend, bemerke ich die Bremskraft und verlangsame mein Tempo tatsächlich, sodass ich eine Wendung langsam einleiten kann. »Doch huch«, da verliere ich schon das Gleichgewichtig und gehe mit Krachen zu Boden.


Das Blut schießt mir gleich aus zwei Gründen in den Kopf: Zum einen ereilte mich soeben eine sehr unsanfte Landung auf hartem Asphalt, zum anderen der freundliche Spaziergänger, der mit seinem Dackel an mir vorübergeht, um mich mit seinem breiten Grinsen zu bemitleiden. Oder war es Schadenfreude, was aus seinen Augen blitzte? Egal was es ist, ich lächle gequält zurück und erkläre ihm, dass so etwas eben geschehen könne.

Mehr als peinlich berührt, versuche ich also wieder auf die Beine zu kommen. Doch es ist unglaublich schwer! Wenn ich einen Fuß aufstelle, rollt der einfach weg und verhindert das Dazustellen des anderen. So also nicht!

Ich überlege und komme zu dem Entschluss, dass mir nichts anderes übrig bleibt, als mich in den Vierfüßlerstand zu begeben. Nun sitze ich - ebenfalls wie ein Hund - auf dem Fußweg, aber es gelingt mir nicht aufzustehen.
Eine aussichtslose Lage! Während meiner noch erfolglosen Versuche, mich von der Erdanziehungskraft zu lösen, sehe ich mich bereits im Geiste, die Rollerblades ausziehen und auf Socken nach Hause laufen. Habe mich jetzt innerlich schon etwas mit meinem Schicksal abgefunden und überlege ruhig, zu welchem Gartenzaun ich kriechen und mich an ihm hochziehen könnte. Doch bevor ich einen geeigneten entdecke, stelle ich fest, dass sich in der Straße die Autos stauen.

Es ist sechzehn Uhr dreißig:
Berufsverkehr!

Fühle mich wie im Theater! Die Hauptdarstellerin beobachtend und sichtlich amüsiert, glotzen mich fünf Augenpaare einer in einem Jeep sitzenden Familie an; eine Autolänge weiter vorn, ein Lastwagenfahrer, dessen Grinsen sich einmal mehr um sein gesamtes Gesicht zu ziehen scheint und eine Autolänge weiter hinten, ein sich kaputt lachender, wahrscheinlich vor wenigen Minuten noch vom Stau gestresster Typ, der durch meine akrobatischen Künste seinen Ärger auf wundersame Weise vergessen hat.

Das Sinnbild der drei Affen erscheint vor meinem geistigen Auge: Ich mag »Nichts sehen, nichts hören und nichts sagen«!

Ich wende meinen Blick von der Straße ab und bewege mich krauchend zum nächstgelegenen Gartentor.

Endlich wieder auf den Beinen, eile ich, so schnell es geht, an den drei Beschatter-Mobilen vorbei, in Richtung Heimat. Wieder auf Höhe mit dem Spaziergänger und seinem Dackel, reißt es mich fast wieder von den Rollen. Denn genau im Moment des Überholens greift mich unerwartet, böse bellend und Zähne fletschend dieser Dackel an. Ihn an der Leine zart zurückzerrend erklärt mir dessen Herrchen, dass ich vorhin wohl eher einem Hund geähnelt hätte, doch Fridolin (so der Name des Dackels) habe leider ein großes Problem mit Rädern aller Art; sprich eben auch mit meinen Rollerblades!

Während das Dackel-Herrchen noch zu mir spricht gleite ich schwebend an ihm vorbei und muss einen erneuten Sturz abwenden, um nicht zuletzt den noch übrigen die Straße hinunter stehenden Autofahrern ebenfalls eine Kostprobe meines komödiantischen Talents darzubieten.

Julia erwartet mich bereits an unserem Eingang. Sie war schon vier Mal unbeschadet hin und her gefahren und Candy bellte aus entsprechend sicherer Entfernung den unberechenbaren Dackel aus.

Richtig so, mein Schatzl. Immer schön das Frauchen verteidigen und aufpassen, dass uns nichts passiert!

Autor: Angela Dreamland
Buch: Single mit Hund sucht ...

kleinemaus2013

vor 3 Jahren

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Die Nichte heißt Julia

sommerlese

vor 3 Jahren

Bewerbung/Ich möchte mitlesen

Pünktlich vor Ostern hat mich das süße Buch erreicht. Vielen Dank, ich werde die Tage sicher Zeit haben und lesen. Was ist besonders witzig finde, meine Freundin hatte mal einen Yorkshire Terrier, der ebenfalls Candy hieß.

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