Angela Steidele

 4,4 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor von Anne Lister, Rosenstengel und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Angela Steidele

Wissenschaftlich recherchieren – literarisch schreiben ist Angela Steideles Markenzeichen in Werken wie Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens (2010), Anne Lister. Eine erotische Biographie (2017), Zeitreisen (2018) sowie Poetik der Biographie (2019). Für ihren Roman Rosenstengel (2015) erhielt sie den Bayerischen Buchpreis. Die Autorin, geb. 1968, lebt in Köln. Wie das passieren konnte, weiß sie allerdings nicht.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Angela Steidele

Cover des Buches Anne Lister (ISBN: 9783957576477)

Anne Lister

 (4)
Erschienen am 31.08.2018
Cover des Buches Rosenstengel (ISBN: 9783442715190)

Rosenstengel

 (3)
Erschienen am 10.04.2017
Cover des Buches Goethe Männer Knaben (ISBN: 9783458175421)

Goethe Männer Knaben

 (2)
Erschienen am 13.08.2012
Cover des Buches In Männerkleidern (ISBN: 9783458179450)

In Männerkleidern

 (0)
Erscheint am 01.11.2021
Cover des Buches Poetik der Biographie (ISBN: 9783957578037)

Poetik der Biographie

 (0)
Erschienen am 30.08.2019
Cover des Buches Zeitreisen (ISBN: 9783957576354)

Zeitreisen

 (0)
Erschienen am 31.08.2018

Neue Rezensionen zu Angela Steidele

Cover des Buches Rosenstengel (ISBN: 9783442715190)Daeny_Levis avatar

Rezension zu "Rosenstengel" von Angela Steidele

Queerness im 18. und 19. Jahrhundert
Daeny_Levivor 5 Monaten

Ich habe das Buch für meinen Unikurs Queere Literaturwissenschaft gelesen und obwohl ich es nicht mag, "Bücher aufgedrückt zu bekommen", hat mich die Handlung sehr fesseln können.

Die Geschichte wird als Briefroman in zwei Zeitsträngen (einer im 17. Jh., der andere im 18.) erzählt. Dadurch gibt es keine beschriebenen Handlungen, man erfährt über die Figuren nur anhand ihrer eigenen Schriftstücke und Aussagen, was man über sie wissen muss. Angela Steidele hat die Charakterzüge ihrer Figuren wirklich gelungen darstellen können.

Man bekommt einen guten Einblick auf die partiell sehr homophoben und misogynen Denkweisen der Wissenschaften im 19. Jahrhundert. Ich finde es sehr gut, dass man allerdings auch ein paar Figuren hat, die diese Meinungen nicht teilen und gegen sie arbeiten.

Alles in allem ist es eine gut erzählte Geschichte, die durch Konflikte und Wendungen ihre Handlung voranbringt. Die Figuren lösen Emotionen in einem aus; man leidet mit ihnen oder hasst sie.

Am Anfang hat mir der Schreibstil, der sich den jeweiligen Zeiten anpasst, etwas Probleme gemacht. Aber gerade an den Stil des 19. Jahrhunderts konnte ich mich recht schnell gewöhnen.

Ein weiterer Pluspunkt ist für mich das Personenregister am Ende des Buches, der einen guten Überblick bietet, gerade wenn man sich mit den historischen Vorlagen der Buchfiguren nicht auskennt. 

Besonders sympathisch war mir die Darstellung der Figur der Kaiserin Elisabeth und auch Müller ist wirklich interessant und vielschichtig geschrieben.

Ich bin sehr froh, dass ich im Rahmen meines Kurses auf dieses Buch gestoßen bin.

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Cover des Buches Anne Lister (ISBN: 9783957576477)Hilde1945s avatar

Rezension zu "Anne Lister" von Angela Steidele

Lesbisch leben im 19. Jahrhundert - Anne Lister scherte sich kaum um Konventionen
Hilde1945vor einem Jahr

Anne Lister war eine Landadelige im England des 19. Jahrhunderts, die einen völlig anderen Lebensweg ging, als dies von jungen Frauen der besseren Gesellschaft damals erwartet wurde: sie heiratete nicht (im konventionellen Sinn). Sie setzte durch, für den Familienlandsitz verantwortlich zu sein. Sie kümmerte sich um die finanziellen Angelegenheiten. Sie blieb Zeit ihres Lebens unabhängig von einen Mann und sogenanntem Haushaltsvorstand. Denn Anne Lister war lesbisch, und sie dachte nicht daran, dass keusche Leben einer Nonne zu führen und an diesem Umstand zu verzweifeln. Im Gegenteil: sie führte ein Liebes - und Sexleben, dass manche Lesbe des 21. Jahrhunderts regelrecht vor Neid erblassen lassen dürfte.

Durch den Film "The Diaries of Anne Lister" hörte ich zum ersten Mal von dieser an sich bemerkenswerten Person und nutzte die Chance, durch Angela Steideles Buch mehr über sie zu erfahren. Das Ergebnis war ernüchternd. Während Anne Lister im Film noch liebenswerte Züge hatte und mir auch manchmal bei ihrer Suche nach einer Gefährtin leid tat, verlor ich anhand Steideles Zusammenfassung, die ja auf den Originalaufzeichnungen von Listers Tagebüchern beruht und deren eigene Gedanken widergibt, jegliche Sympathie für diese Person. Anne Lister war narzisstisch und egozentrisch, hatte wenig Mitgefühl für andere und jonglierte mit den Frauen, die sie durch astreine Manipulation in ihren Bann zog., wie mit Schachfiguren. Ihr ganzes Bestreben: Sex, Geld und Macht. Sie wählte die Frauen aufgrund von gesellschaftlicher Stellung und finanziellem Hintergrund aus; persönliche Zuneigung war zeitweise wirklich sekundär. Erstaunlich viele ließen sich auf sexuelle Abenteuer mit ihr ein, heirateten aber doch einen Mann. 

Die vermeintlich reiche Erbin Ann Walker bildete da eine Ausnahme. Während Ann im oben erwähnten Film als ziemlich naiv dargestellt wird, war sie es (wie den Tagebuchaufzeichnungen zu entnehmen ist) nicht in diesem extremen Ausmaß. Sie wusste zum Großteil, auf wen und was sie sich da einließ, als sie sich Anne Lister ins Bett holte. Trotzdem verzweifelte sie in den wenigen Jahren, die sie mit ihr verbrachte, wurde depressiv und landete nach Listers Tod sogar für einige Jahre in einer Irrenanstalt, was nicht weiter verwundert, wenn man mitverfolgt, wie Anne Lister auch diese Frau manipulierte, mit ihr spielte und jonglierte - und dies von Anfang an mit dem klaren Ziel, an ihr Vermögen zu kommen. Da Ann Walker nicht so dumm war, wie im Film dargestellt, muss sie das durchschaut haben und ist daran womöglich auch verzweifelt. Denn sie hatte auch noch Gefühle für Anne, was umgekehrt nicht ganz so klar ist.

Angela Steidele hat mir Anne Lister durch die Aufarbeitung ihrer Tagebücher näher gebracht und dabei sämtliche Illusionen zerstört, was aber nicht negativ gemeint ist. Die Tagebücher sind einfach ein Zeitdokument; der Film ist einfach das beschönigende Machwerk. Im Übrigen: wenn die Autorin darauf verweist, dass die Tagebücher insgesamt eine recht langweilige Lektüre sind, glaube ich das sofort. Denn abgesehen von der Anzahl ihrer Orgasmen ("Kisses") hat Anne Lister auch finanzielle Angelegenheiten, tagtägliche Geschäftsvorgänge rund um den Landsitz und allerlei anderes akribisch festgehalten, was nicht unbedingt nach spannender Lektüre klingt....




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Cover des Buches Rosenstengel (ISBN: 9783442715190)Klusis avatar

Rezension zu "Rosenstengel" von Angela Steidele

Rosenstengel
Klusivor 3 Jahren

Dieser Roman ist außergewöhnlich, schon was die äußere Gestaltung angeht. Das pinkfarbene Cover mit einem Bild und Schriftzügen in kupfer-metallic fällt sofort ins Auge. Auf den inneren Buchdeckeln findet man Karten der Schauplätze, vorne zur Handlung im 19. Jahrhundert und hinten zu den dokumentierten Ereignissen im 18. Jahrhundert. Es ist ein Briefroman, bestehend aus den Korrespondenzen der involvierten Personen, die im übrigen wirklich existierten. Der guten Übersicht halber sind die Briefe zur Zeit des Anastasius Rosenstengel in braun gedruckt, ebenso wie die dazu gehörende Landkarte. Die Korrespondenz zur Zeit Ludwigs II. und auch hier die passende Karte sind in blau gedruckt. Diese schöne Ordnung setzt sich auch im Anhang, bei der Bibliographie und den Kurzbiographien fort. Eine Übersicht aller 252 Briefe ist hier ebenfalls vorhanden, und auch da kann man genau sehen, welches Schreiben zu welchem Handlungsstrang gehört.
Es ist nicht einfach zu lesen, denn die Briefe sind sprachlich den entsprechenden Zeiten angepasst, in denen sie geschrieben wurden. Man benötigt etwas Geduld, um sich in die verschiedenen Sprachstile der beiden Zeitebenen hinein zu finden, und es ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Handlung erschließt sich dem Leser ausschließlich durch die Briefe, die zwischen den Persönlichkeiten hin und her gehen.
Den Rahmen des Romans bilden die letzten zwanzig Monate im Leben Ludwigs II., bis zu seinem mysteriösen Tod im Starnberger See. Ludwig ist einerseits fasziniert von den Forschungen seines Arztes Franz Müller, der sich mit dem Schicksal der Catharina Linck befasst, die unter dem Namen Anastasius Rosenstengel ein Leben als Mann führte. Durch den Briefwechsel wird einem auch bald klar, dass sich König Ludwig in seinen Arzt verliebt hat. Seine Briefe sprechen klare Worte, und auch Müller ist gefangen in dem Verhältnis zu seinem König und Geliebten. Schnell wird deutlich, dass dem König die Entmachtung droht, denn sein Streben nach Schönheit und Kunst, dem er immer wieder im Bauen teurer Schlösser nachgibt, ist einigen Staatsmännern ein Dorn im Auge.
Was an den Briefen der Realität entspricht und was die Autorin erfunden hat, ist nie so ganz zu durchschauen. Auf jeden Fall sind Wahrheit und Fiktion hier sehr geschickt und raffiniert miteinander verschmolzen. Einiges klärt die Autorin in den Kurzbiographien auf, anderes muss man eben einfach so stehen lassen, denn auch wenn die Protagonisten allesamt historische Persönlichkeiten waren, so ist die Handlung, trotz vieler realer Details, im Gesamten doch erfunden.
Die verschiedenen Briefwechsel geben tiefe Einblicke in die Sichtweise der Menschen zur damaligen Zeit. Zwischen den Schicksalen der Protagonisten auf beiden Zeitebenen gibt es gewisse Parallelen, so waren beispielsweise sowohl Catharina Linck als auch Ludwig II. homosexuell veranlagt, was in früheren Jahrhunderten als krankhaft galt. Die Einstellung der damaligen Ärzte Dr. Gudden und Dr. Westphal zu diesem Thema hat mir des öfteren eine Gänsehaut beschert. Auch die Behandlungsmethoden, die zum Teil in den Briefen thematisiert werden, lassen uns heute gruseln.
Wie gesagt, die 252 Briefe, die sich hier zu einem Ganzen fügen, lassen sich nicht einfach schnell nebenher lesen. Man sollte sich wirklich Zeit nehmen, um in die Handlung einzutauchen. Es lohnt sich auf jeden Fall. In den 384 Seiten dieses Buches steckt eine enorme Recherchearbeit und sehr viel Fingerspitzengefühl, denn die Art und Weise, wie hier schriftliche Fragmente zu einem harmonischen und verständlichen Ganzen zusammengefügt wurden, ist ein wahres Meisterstück.
Dass Angela Steideles Debütroman mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet wurde, kommt nicht von ungefähr!

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