Angela Steidele Rosenstengel

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Inhaltsangabe zu „Rosenstengel“ von Angela Steidele

Preußische Soldaten jagen einen Deserteur. Als sie ihn überwältigen, staunen sie nicht schlecht: Der Flüchtige gibt sich als Frau zu erkennen. Der historisch verbürgte Fall interessiert 160 Jahre später den Bayernkönig Ludwig II sehr, ebenso wie seinen gut aussehenden Arzt Carl Müller. Während Ludwig die Entmachtung droht, erforschen die beiden das ungeheuerliche Leben des Anastasius Rosenstengel - mit wahrem Namen Catharina Link, die für ihr erfundenes Leben zum Tode verurteilt wurde.
»Zwei Menschen mit Doppelleben bilden das Gerüst des Debütromans von Angela Steidele: Catharina Linck, die sich als Anastasius Rosenstengel Anfang des 18. Jahrhunderts in Männerkleidern durchs Leben schlug, und Ludwig II., der sich aus der Politik in die Welt der Kunst flüchtete.« SZ

Ein raffiniert angelegter und meisterhauft ausgearbeiteter Briefroman auf zwei Zeitebenen

— Klusi

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    Rosenstengel

    Klusi

    13. March 2018 um 23:11

    Dieser Roman ist außergewöhnlich, schon was die äußere Gestaltung angeht. Das pinkfarbene Cover mit einem Bild und Schriftzügen in kupfer-metallic fällt sofort ins Auge. Auf den inneren Buchdeckeln findet man Karten der Schauplätze, vorne zur Handlung im 19. Jahrhundert und hinten zu den dokumentierten Ereignissen im 18. Jahrhundert. Es ist ein Briefroman, bestehend aus den Korrespondenzen der involvierten Personen, die im übrigen wirklich existierten. Der guten Übersicht halber sind die Briefe zur Zeit des Anastasius Rosenstengel in braun gedruckt, ebenso wie die dazu gehörende Landkarte. Die Korrespondenz zur Zeit Ludwigs II. und auch hier die passende Karte sind in blau gedruckt. Diese schöne Ordnung setzt sich auch im Anhang, bei der Bibliographie und den Kurzbiographien fort. Eine Übersicht aller 252 Briefe ist hier ebenfalls vorhanden, und auch da kann man genau sehen, welches Schreiben zu welchem Handlungsstrang gehört.Es ist nicht einfach zu lesen, denn die Briefe sind sprachlich den entsprechenden Zeiten angepasst, in denen sie geschrieben wurden. Man benötigt etwas Geduld, um sich in die verschiedenen Sprachstile der beiden Zeitebenen hinein zu finden, und es ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Handlung erschließt sich dem Leser ausschließlich durch die Briefe, die zwischen den Persönlichkeiten hin und her gehen. Den Rahmen des Romans bilden die letzten zwanzig Monate im Leben Ludwigs II., bis zu seinem mysteriösen Tod im Starnberger See. Ludwig ist einerseits fasziniert von den Forschungen seines Arztes Franz Müller, der sich mit dem Schicksal der Catharina Linck befasst, die unter dem Namen Anastasius Rosenstengel ein Leben als Mann führte. Durch den Briefwechsel wird einem auch bald klar, dass sich König Ludwig in seinen Arzt verliebt hat. Seine Briefe sprechen klare Worte, und auch Müller ist gefangen in dem Verhältnis zu seinem König und Geliebten. Schnell wird deutlich, dass dem König die Entmachtung droht, denn sein Streben nach Schönheit und Kunst, dem er immer wieder im Bauen teurer Schlösser nachgibt, ist einigen Staatsmännern ein Dorn im Auge. Was an den Briefen der Realität entspricht und was die Autorin erfunden hat, ist nie so ganz zu durchschauen. Auf jeden Fall sind Wahrheit und Fiktion hier sehr geschickt und raffiniert miteinander verschmolzen. Einiges klärt die Autorin in den Kurzbiographien auf, anderes muss man eben einfach so stehen lassen, denn auch wenn die Protagonisten allesamt historische Persönlichkeiten waren, so ist die Handlung, trotz vieler realer Details, im Gesamten doch erfunden.Die verschiedenen Briefwechsel geben tiefe Einblicke in die Sichtweise der Menschen zur damaligen Zeit. Zwischen den Schicksalen der Protagonisten auf beiden Zeitebenen gibt es gewisse Parallelen, so waren beispielsweise sowohl Catharina Linck als auch Ludwig II. homosexuell veranlagt, was in früheren Jahrhunderten als krankhaft galt. Die Einstellung der damaligen Ärzte Dr. Gudden und Dr. Westphal zu diesem Thema hat mir des öfteren eine Gänsehaut beschert. Auch die Behandlungsmethoden, die zum Teil in den Briefen thematisiert werden, lassen uns heute gruseln.Wie gesagt, die 252 Briefe, die sich hier zu einem Ganzen fügen, lassen sich nicht einfach schnell nebenher lesen. Man sollte sich wirklich Zeit nehmen, um in die Handlung einzutauchen. Es lohnt sich auf jeden Fall. In den 384 Seiten dieses Buches steckt eine enorme Recherchearbeit und sehr viel Fingerspitzengefühl, denn die Art und Weise, wie hier schriftliche Fragmente zu einem harmonischen und verständlichen Ganzen zusammengefügt wurden, ist ein wahres Meisterstück.Dass Angela Steideles Debütroman mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet wurde, kommt nicht von ungefähr!

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    Rosenstengel

    Giselle74

    16. December 2017 um 13:04

    Um mit dem Einfachen zu beginnen: „Rosenstengel“ ist ein sehr sorgfältig aufgemachtes Buch. Auf rosanem Einband glänzt gülden ein Bild des Anastasius Rosenstengel, innen liegend finden sich Karten des Königreichs Bayern zu Zeiten Ludwigs II und der Gegenden, in denen Rosenstengels Geschichte um 1700 herum spielt. Im hinteren Teil befinden sich diverse Kurzbiographien der handelnden Personen und eine Bibliographie. Man nehme sich Zeit, viel Zeit für dieses Buch. Zu lesen sind nämlich 252 Briefe. Und zwar geschrieben in der Sprache ihrer Zeit, des 18. und 19. Jahrhunderts. Das klingt dann in etwa so: “ Empfangen Hochehrwürden den hätzlischen Gruß unserer kleinen Lutherischen Gemeinde aus Cölln am Rhein, welcher Gott der Herr beliebet schwere Prüfungen auffzuerlegen. Da allhier der evangelische Gottesdienst strenge verboten, sind wir gezwungen, gantz geheim uns zu versammlen und entbehren bitterlich eines Pfarrherrn in unserer Mitten.“ (S.9) Arbeitet man sich aber geduldig durch all die Briefwechsel, wird man belohnt mit einer Geschichte, die große und heute immer noch wichtige Themen behandelt: die Würde und Freiheit des Einzelnen, Menschlichkeit versa Dogmen, Moral und Eigennutz. Der junge Irrenarzt Franz Carl Müller wird im Oktober 1884 als Leibarzt Prinz Ottos von Bayern nach Fürstenried bestellt. Dort beginnt eine Freundschaft zum regierenden Herrscher König Ludwig II, aus der schnell mehr wird. Unwissentlich spielen die Briefe Müllers an seinen Vorgesetzten von Gudden den Feinden des Königs in die Hände, die diesen für geistig unzurechnend erklären möchten, um die Krone zu übernehmen. Müller und der König forschen zeitgleich einer Geschichte nach, die sich ca 1710 zwischen Halle und Köln ereignet haben soll. Ein gewisser Anastasius Rosenstengel, Musketier, Prophet und Ehemann, wird als geborene Catharina Linck enttarnt und aufgrund seines Lebenswandels zum Tode verurteilt. Eine Frau, die Frauen liebt, das gilt als unnatürlich und verwerflich. Und während nun also Rosenstengels Werdegang Brief für Brief aufgeblättert wird, bis zu seinem Tod durch Ertränken, geht auch Ludwig Schritt für Schritt seinem bekannten Schicksal im Starnberger See entgegen. Und Brief für Brief schwillt der Zorn über so viel bornierte Ungerechtigkeit, über so unnütze Vorurteile. Mit welchem Recht, fragt man sich, maßen sich Menschen moralische Urteile dieser Größenordnung zu und vor allem, was kümmert es sie, wie andere ihr Glück finden, wenn sie denn dabei niemandem etwas zuleide tun? Und wie unfassbar entsetzlich ist es eigentlich, dass sich von 1700 bis heute gar nicht so viel getan hat in der Beurteilung von Homosexualität und dem Wert von Frauen im Vergleich zum Mann? Es gelingt der Autorin Angela Steidele, diese Fragen in den Raum zu werfen, ohne sie im Text zu stellen. Wir lesen nur die Briefe, Briefe von Pastoren, Gelehrten und Ärzten, die alle miteinander ihre persönliche Meinung mit erforschtem Wissen verwechseln, sich die Tatsachen passend zurecht biegen und skrupellos ihre Karrieren verfolgen. Und so fragt man sich am Schluß des Buches, wer den nun eigentlich wirklich irre und unzurechnungsfähig ist. Die Auszeichnung des Buches mit dem Bayerischen Buchpreis ist mehr als verdient. Es ist zu hoffen, dass es noch viele weitere Leser findet.   Ich danke dem btb Verlag für das Rezensionsexemplar. Die Titelzeile enstammt der Oper Parsifal von Richard Wagner, 1.Akt, 1.Szene.

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