Angelika Hager

 3,1 Sterne bei 30 Bewertungen

Lebenslauf

Die Wiener Journalistin Angelika Hager erfand vor 30 Jahren mit ihrem gleichnamigen Kolumnen-Pseudonym die Kunstfigur Polly Adler. Inzwischen gibt es eine TV-Serie, diverse Kolumnen-Bände und eine Bühnenshow rund um Polly Adler. Ihre Schöpferin arbeitet im echten Leben beim Nachrichtenmagazin »profil« und kuratiert das Literaturfestival »Schwimmender Salon«. Das ist ihr erster Polly Adler Krimi.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Angelika Hager

Cover des Buches Schneewittchen-Fieber (ISBN: 9783218009287)

Schneewittchen-Fieber

(17)
Erschienen am 01.09.2014

Neue Rezensionen zu Angelika Hager

Wortwitz zum Quadrat

Die Journalistin Angelika Hager hat ihren ersten Krimi vorgelegt und hat ihn nach ihrem Lieblings-Alter Ego Polly Adler benannt. Schon allein der Titel "Pardon, aber da schwimmt eine Leiche in der Schokolade" lässt Vielversprechendes  ahnen und man wird nicht enttäuscht. 


Polly Adler, die Journalistin eines Societymagazins, hat ihren Job verloren und findet sich sich nach dem Opernball, auf dem Bienenangriff stattgefunden hat, beim Würstelstand wieder.  Sie bedauert sehr, darüber nicht schreiben zu können, daher keimt in ihr die Sehnsucht nach einer heißen Schokolade auf, die sie sich bei ihrer Freundin Iris Kranzler gönnen möchte. Allerdings findet sich in der Schokolade eine Leiche, die kurz zuvor am Opernball noch sehr lebendig war. 


Die Interimskanzlerin Sissy Kogelnik kann ihren schweren Alltag  nur mit Hilfe eines Callboys meistern und muss ein Pressestatement zum Bienenangriff abgeben, den auch die Opernballdame Gucki Trampusch entsetzlich findet.  Keiner weiß wer das gemacht hat, und der ermittelnde Kommissar Gerry Sturz, der auch zum Mordfall herangezogen wird, ist ein Verflossener von Polly und so begegnen sie sich wieder. Ihr journalistischer Spürsinn und seine kriminalistische Erfahrung finden sich und gemeinsam schaffen sie es , alle Verwicklungen zu lösen. 


Wer Angelika Hager mag, ist hier bestens bedient. Ein Wortwitz jagt den anderen, wobei die flotte Handlung rasant an Fahrt aufnimmt. Milieugerecht und stilsicher tritt Polly auf. Wien, seine Bezirke und Örtlichkeiten kommen einem schnell bekannt vor und wer persifliert wird, ebenso. Die österreichische Politik der letzten Jahre ist eine zusätzliche, gute Grundlage des Romanes, und wird auch ordentlich durch den Kakao, pardon Schokolade gezogen, was echt köstlich zu lesen ist. Die vielen wienerischen Ausdrücke als auch dazugehörige Anglizismen, die in der heutigen Sprache  Platz gefunden haben,  werden in Fußnoten erklärt, hindern aber nicht den Lesefluss, der einfach ein reines Vergnügen ist. 


Ich bewundere immer wieder, was Angelika Hager alles einfällt und kann diesen Roman daher uneingeschränkt empfehlen und würde mich sehr über eine Verfilmung, am besten mit Petra Morzé als Polly, freuen.   



In die männliche Psyche im Kinderschwimmbecken abgetaucht

Versteht mich nicht falsch, ich habe es durchaus genossen, dieses Buch zu lesen, es behandelt das Thema Mann ein bisschen an der Oberfläche, locker und flockig, aber es scheitert meiner Meinung nach an den hohen Ansprüchen, die es sich selbst und den Leser*innen-Erwartungen im Untertitel gesetzt hat. An der auf dem Cover angekündigten Safari durch die männliche Psyche habe zumindest ich nicht teilgenommen, beziehungsweise wurden mir nur ein paar seichte Tümpel mit ein paar Erdhörnchen gezeigt, die big five der männlichen Probleme blieben mir aber weitgehend verborgen.

Dabei fand ich das Konzept, eine Frau tiefer in die männliche Psyche eintauchen zu lassen, und uns dieses fremde Wesen dann empathisch möglichst aus Männerpositionen zu erklären, ursprünglich gar nicht so dumm, denn mit Gefühlsdingen und Selbstanalyse sind unsere maskulinen Vertreter ja nicht ganz so familiär und reagieren oft außerordentlich wortkarg verschwiegen. Da schien Angelika Hager, die unter dem Pseudonym Polly Adler schon sehr viele witzige Kolumnen bezüglich menschlicher Schwächen geschrieben hat, durchaus eine Person zu sein, die diesen Spagat schaffen könnte.

Leider funktionierte das nicht, denn Angelika Hager konnte sich nie von der weiblichen Sicht von außen auf den Mann lösen. Eine Frau ist ausgezogen, uns den Mann in seiner ganzen Tiefe inwendig zu erklären und beschrieb dennoch nur eine oberflächliche Sicht wie sich Frau ungefähr den Mann vorstellt. Da kann ich dann auch gleich selbst herum dilettieren – als langjährige Ehefrau und Hobbypsychologin.

Die inhaltliche Auseinandersetzung beginnt ausgerechnet mit #metoo und einer doch sehr feministischen Sicht des Problems, in dem über Männer nur am Spielfeldrand geurteilt wird. Dann wird viel über männliche Teenager und ihre durchaus nicht uninteressanten Schwierigkeiten bezüglich Sexualerziehung in der heutigen Welt wie Pornos, Tinder etc. geschrieben, aber eben über keine Typologie oder tiefere psychologische Einblicke in das Wesen der modernen Männer. Im lockeren Plauderton wird dann auch noch über Erektionsstörungen und Paarprobleme parliert, gemixt schon wieder mit viel zu vielen Frauensichten und –positionen.

Da bin ich schon bei einer weiteren Schwierigkeit, die ich mit der generellen Tonalität des Sachbuchs hatte. In ihren wöchentlichen Kolumnen kommt die locker-flockige amüsante Plauderei, die die Autorin gezielt einsetzt, immer außerordentlich gut rüber, sie macht die kurzen Artikel witzig und spannend. Wenn wir aber in einem Sachbuch über das ernste Problem der toxischen Männlichkeit reden müssen und auch darüber, was solche eingelernten Verhaltensmuster der Kindheit – wie niemals um Hilfe bitten zu dürfen, weil ein Mann das nicht macht – in den männlichen Seelen anrichtet, dann ist diese leichte Auseinandersetzung richtiggehend kontraproduktiv.

Strukturell fehlt mir auch eine logisch aufgebaute umfassende Männertypologisierung, denn DEN MANN als einzigen Prototyp gibt es ja auch nicht. Zum Beispiel wäre schon schön gewesen, mal zu lesen, wie sich der moderne Hipster und Frauenversteher eigentlich an die Anforderungen der neuen Zeit angepasst hat, beziehungsweise in welchen Bereichen noch immer sein Steinzeitprogramm abläuft. Das hätte ich unbedingt einmal wissen wollen.

Am Ende des Sachbuchs kommen dann doch noch ein paar sinnvolle ernsthafte tiefere Auseinandersetzungen mit Depression, Gewalt und deren Zusammenhänge gerade bei Männern, aber leider auch nur ganz wenige und zu wenig konkrete Lösungsansätze dazu. Da ich ja sehr oft ein Thema gleichzeitig mit mehreren Büchern abdecke, habe ich einen ganz kurzen extrem konstruktiven Artikel über Bubenarbeit in der Schule in einem Buch des ÖGB Verlags zum Thema Jugend- und Familienarbeit, das ich wahrscheinlich auch bald auf diesem Blog besprechen werde, weit erhellender als Wegweiser zu langfristigen Lösungsstrategien gefunden.

Fazit: Kerls! erklärt uns den Mann nur so mittel, nicht schlecht, aber ohne Tiefgang. Liest sich sehr gut, ist teilweise sogar humorvoll aber oberflächlich, zu wenig Mann inwendig und überhaupt inside the book. Zudem wurde letztendlich zu seicht in die männliche Psyche und die Lösungsstrategien eingetaucht. Da müssen wir raus aus dem Kinderschwimmbecken, brauchen doch unbedingt ein paar Meter mehr Tauchgang und noch drei zusätzliche Sauerstofflaschen

Cover des Buches Kerls!: Eine Safari durch die männliche Psyche (ISBN: 9783218011266)
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Rezension zu "Kerls!: Eine Safari durch die männliche Psyche" von Angelika Hager

LiberteToujours
Wann ist ein Mann ein Mann?

Wie genau definiert man eigentlich männlich? Und was bewegt das starke Geschlecht? Haben Männer am Ende auch ganz normale Ängste, Sorgen und - man mag es gar nicht glauben - Gefühle? Angelika Hager geht all diesen Fragen auf den Grund.


Ich gebe zu, das war mal wieder ein Buch bei dem ich etwas Angst vor dem Lesen hatte. Da steckt einfach viel Raum für Fehler drin - Sexismus, eine Hasstirade auf den Mann von heute, da kann verdammt viel schief gehen.
Umso mehr hat es mich bereits am Anfang überrascht, wie gut die Autorin es schafft, eine ganz klar feministische Position zu beziehen ohne in eine gewünschte Unterdrückung des Mannes zu rutschen. 
Ganz generell hat Hager eine erstaunlich differenzierte, reflektierte Sicht auf eine doch hochkomplexe Thematik - und ihre Hausaufgaben hat sie auch gemacht. Alles ist mit Quellenangaben belegt und nicht nur so dahergeschwafelt. Erster Eindruck also : Verdammt gut! 

Auch vor schwierigen Themen wird hier nicht halt gemacht - besonders aufgefallen ist mir hier die #MeToo Debatte. Hier traut man sich ja schon fast nicht Position zu beziehen wenn man nicht voll und ganz hinter der Geschichte steht. Hager schafft aber auch hier weder den Spagat : Sie betont ausreichend, wie wichtig und brisant das Thema ist, wie viel verschwiegen wurde und wie verdammt notwendig diese globale Bewegung war - ohne zu verschweigen, dass es eben auch manchmal einen Schritt zu weit gegangen ist und geht. Und bei sowas möchte ich immer glücklich in die Hände klatschen. Ich kanns nur nochmal sagen - reflektiert, reflektiert. 

Mittendrin, leider auch noch in einem Kapitel auf das ich mich sehr gefreut hatte, hat das Buch leider ein bisschen geschwächelt. Der Teil über Liebe und Partnerschaft kam mir leider ein bisschen zu kurz. Das war eine Aneinanderreihung von Anekdoten und dann war der Spaß auch schon wieder vorbei. Schade. Und was man sich am Ende auch noch fragt - wo bleibt der schwule Mann? Eine Betrachtung der Männerwelt die bei den Heteros aufhört? Das finde ich zu kurz gedacht.

Aber gut. Letzten Endes empfand ich "Kerls!" doch definitiv als bereichernd. Und wichtig. Und nur ein bisschen zu kurz (gedacht). Hager hat ein Thema angeschnitten, dem wir uns stellen müssen wenn wir endlich die Gleichberechtigung erreichen wollen. Definitiv lesenswert!

Gespräche aus der Community

Autoren oder Titel-CoverEine Safari durch die männliche Psyche

Die weltweite #MeToo-Debatte hat den tiefen Fall vieler prominenter Männer ausgelöst. Das Image des Mannes ist lädiert, die Definition von Männlichkeit muss nach dem Diskurs neu gestaltet werden. Übrig bleiben viele Fragen:

• Wie viel Tier steckt im Mann? Gibt eine Erektion tatsächlich einen Weg vor?

• Wie erkläre ich meinem Sohn, wie ein Mann zu sein hat? Versauen viele Mütter ihre Söhne?

• Warum reden Männer anders als Frauen? Was sagt uns ihr Schweigen?

• Warum verschleppen Männer ihre Krankheiten und psychischen Probleme oft so lange?

• Wie sehen sie ihre Identität als Väter?

Dieses Buch ist kein Ratgeber, sondern ein Reiseführer. Angelika Hager hat mit Männerforschern, häuslichen Gewalttätern, Psychiatern, Bobo-Vätern, prekären Rechts-Wählern, Narzissmus-Forschern und Arbeitslosen gesprochen. Die langjährige profil-Journalistin und Autorin hinter dem Pseudonym Polly Adler zeichnet mit „Kerls!“ ein so spannendes wie konstruktives Psychogramm eines stark in Verruf geratenen Geschlechts.


Angelika Hager ist Journalistin und Autorin. Sie leitet das Gesellschaftsressort des Nachrichtenmagazins profil, wo sie sich seit vielen Jahren polemisch mit dem Geschlechterdiskurs auseinandersetzt. Unter dem Pseudonym Polly Adler schreibt sie die viel gelesene Kolumne „Chaos de Luxe“ im KURIER. Als Polly Adler verfasste sie auch Romane, Erzählungen und brachte mehrere Kolumnenbände heraus. Ihre Figur Polly Adler mutierte für den ORF zur chaotischen Heldin der gleichnamigen Serie, für die Hager auch die Drehbücher verfasste. Die Mutter einer Tochter schreibt außerdem für Kabarett und Theater. Zuletzt schrieb sie das Bühnenstück nach der Filmkomödie „Willkommen bei den Hartmanns“ für das Burgtheater. Bei Kremayr & Scheriau erschien 2014 „Schneewittchen-Fieber“.

***

Bewerbung zur Leserunde:
Wenn ihr mehr wissen wollt, dann sagt uns, was euch an diesem Buch interessiert und auf welchen Plattformen ihr eure Rezension veröffentlichen werdet. Eine baldige Beteiligung an der Leserunde sowie das Schreiben einer Rezension sind gewünscht!

Natürlich sind auch alle LeserInnen mit einem eigenen Exemplar herzlich eingeladen, an unserer Leserunde teilzunehmen.

Wir freuen uns auf eure Teilnahme! 

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LiberteToujourss avatar
Letzter Beitrag von  LiberteToujours
https://www.lovelybooks.de/autor/Angelika-Hager/Kerls-Eine-Safari-durch-die-m%C3%A4nnliche-Psyche-1759525035-w/rezension/1983731955/ Irgendwie hab ich mal wieder das Posten meiner Rezension verschludert, obwohl sie schon seit Ewigkeiten fertig ist. Dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen - vor allen Dingen weil mir das Buch wirklich gut gefallen hat!
Liebe Lovelybooks-LeserInnen,
wir verlosen 10 Bücher von "Schneewittchenfieber". Macht einfach mit bei unserem Psychotest auf Facebook:

http://bit.ly/Schneewittchenfieber

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Letzter Beitrag von  Almeri
dann war das wohl nichts!!!!

Feminismus im Koma

Worum geht's?

Ein längst verschwunden geglaubter Frauentypus geistert durch die Gesellschaft: das Retro-Weibchen. Jede zweite junge Frau kann sich heute vorstellen, zugunsten eines geordneten Familienlebens auf ihre Karriere zu verzichten. Sie stellen ihr Idylle-Konzept vor berufliche Unabhängigkeit und Freiheit, halten ihren Männern den Rücken frei und sich selbst im Zaum. Satirisch dargestellt ist dies auf dem Coverfoto des Buches aus der Serie „Life once removed“ der US-Konzeptkünstlerin Suzanne Heintz.

• Hat der neue Herdtrieb mit den dauererschöpften und emanzipierten Müttern zu tun?

• Haben die Frauen der 70er-Jahre ihre BHs einst ganz umsonst auf den Scheiterhaufen geworfen?

• Und wann und warum genau ist eigentlich der Feminismus dermaßen auf die Schnauze gefallen?

Angelika Hager, auch bekannt als Polly Adler, untersucht in ihrer Polemik „Schneewittchen-Fieber“ die Ursachen dieses neuen Phänomens, das in nachhaltigen Bobo-Kreisen genauso um sich greift wie im konservativen Lager und im linksliberalen Establishment. Und sie analysiert, welche Rollen die potenziellen Prinzen in diesem neuen gesellschaftlichen Klima spielen, das aus Großmutters Mottenkiste zu stammen scheint.

Erscheinungstermin: 22. September 2014

Angelika Hager

ist Journalistin und Autorin. Sie leitet das Gesellschaftsressort des Nachrichtenmagazins „profil“, wo sie sich seit vielen Jahren polemisch mit dem Geschlechterdiskurs auseinandersetzt. Unter dem Pseudonym Polly Adler schreibt sie die viel gelesene Kolumne „Chaos de Luxe“ im „Kurier“. Als Polly Adler verfasste sie auch Romane, Erzählungen und brachte mehrere Kolumnenbände heraus. Ihre Figur Polly Adler mutierte für den ORF zur chaotischen Heldin der gleichnamigen Serie, für die Hager auch die Drehbücher verfasste. Die Mutter einer Tochter schreibt außerdem für Kabarett und Theater.

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Bewerbung zur Leserunde:


Wenn ihr erfahren wollt, was in der Emanzipation schief gelaufen ist, dann bewerbt euch bis einschließlich 15. September 2014 für eines von 15 Leseexemplaren von "Schneewittchen-Fieber". Sagt uns, warum gerade ihr dieses Buch lesen müsst und auf welchen Plattformen ihr eure Rezension veröffentlichen werdet.

Dafür könnt ihr gerne das Unterthema "Bewerbung" verwenden. Eine baldige Beteiligung an der Leserunde sowie das Schreiben einer Rezension sind gewünscht!

Natürlich sind auch alle LeserInnen mit einem eigenen Exemplar herzlich eingeladen, an unserer Leserunde teilzunehmen.

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Leseprobe:
Die Frau, die Sie auf dem Buchcover sehen, heißt Suzanne
Heintz und ist Ende dreißig. Für Frauen sind diese sogenannten
besten Jahre auch im 21. Jahrhundert noch immer ein Tretminenfeld
– vor allem, wenn sie unbemannt sind. Fräulein
Heintz hatte die Nase voll von der ewig gleichen Frage, die ihr
die Bekannten ihrer Eltern, ihre Putzfrau oder der Gemüsehändler
ihres Vertrauens stellten: »Suzanne, du bist ein so nettes
Mädchen, warum bist du eigentlich noch nicht verheiratet?«
Die Tatsache, dass Erfolg, Leidenschaft und Freunde in einem
Frauenleben auch im 21. Jahrhundert wertlos zu sein scheinen,
wenn man nicht dem traditionellen Gesellschaftskonzept entspricht
und nicht »mit einem Mann, zweieinhalb Kindern und
rundherum einem weißen Gartenzaun aufwarten kann«, animierte
Heintz zu ihrer Aktion »Life Once Removed« und dem
»Playing House Project«. Mit einem Schaufensterpuppen-Ehemann
und einem Töchterchen aus dem gleichen Kunststoffmaterial
inszenierte die in Denver lebende Konzeptkünstlerin
Paar- und Familienidyllen »in Kodak-Momenten« in romantischen
Höllen wie Paris, den Bergen von Colorado oder dem
amerikanischen Vorgarten. Ursprünglich wollte Heintz mit
diesen Zuckerguss-Szenarien den Absendern der in den USA
üblichen Weihnachtskarten, auf denen meist Kernfamilien in
bisweilen trügerischer Eintracht vor dem Kamin aufgefädelt stehen, den Mittelfinger zeigen. Doch das Projekt artete zum
Performance-Aktionismus aus, der sich auch in einem Filmprojekt
und einem Buch niederschlägt und weltweit von den
Medien aufgegriffen wurde.
Als ihre knallbunten Retro-Satiren vor ein paar Monaten auf
Facebook in Flächenbrand-Geschwindigkeit geteilt wurden,
stand bei Suzanne Heintz das Telefon nicht mehr still. Sie hatte
den Finger auf einen Zeit-Nerv gelegt. »Es ist doch wirklich
absurd«, schrieb Heintz, »ich habe heute als Frau alle Möglichkeiten,
um zur sogenannten Erfüllung zu finden. Doch am
Ende des Tages ist man nur dann ›perfekt‹, wenn man diesen
Traditionskonzepten auch entspricht. Eigentlich unbegreiflich.
Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert.«

147 BeiträgeVerlosung beendet
Lisbeth1985s avatar
Letzter Beitrag von  Lisbeth1985
Ich bin eine Karrierefurie :D Passt schon irgendwie, da ich tatsächlich meinen Job liebe :-) Würde mich sehr freuen, das Buch gewinnen zu können! :-)

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