Angelika Klüssendorf

 3,9 Sterne bei 173 Bewertungen
Autorin von Das Mädchen, April und weiteren Büchern.
Autorenbild von Angelika Klüssendorf (© Alex Reuter)

Lebenslauf von Angelika Klüssendorf

Egal ob Drama oder Prosa, ihre Worte berühren die Leser: Die deutsche Schriftstellerin Angelika Klüssendorf wird 1958 in Ahrensburg geboren, verbringt aber ihre Kindheit und Jugend ab 1961 in Leipzig. Sie macht eine Ausbildung zur Zootechnikerin und siedelt dann 1985 in die Bundesrepublik über. Heute lebt die Autorin in Berlin. 1989 nimmt sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teil, was den Beginn ihrer literarischen Karriere markiert. Ein Jahr später erscheint ihre erste Erzählung „Sehnsüchte“. Neben ihren erzählenden Werken veröffentlich sie Mitte der 90er Jahre auch ein Theaterstück. Ihr Buch „Das Mädchen“ und der Folgeband „April“ schaffen es beide auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises, zudem wird Klüssendorf 2014 mit dem Hermann-Hesse-Literaturpreis ausgezeichnet. In der Reihe zeichnet Klüssendorf mit scharfen aber unparteiischen Worten das einzigartige Leben eines jungen Mädchens nach, das sich aus einer schwierigen Kindheit zu befreien und ein eigenes Leben aufzubauen versucht. Mit "Jahre später", dem dritten Werk der Erzählungen über das Leben von April, schaffte sie es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2018.

Alle Bücher von Angelika Klüssendorf

Cover des Buches Das Mädchen (ISBN: 9783596194551)

Das Mädchen

 (89)
Erschienen am 20.06.2013
Cover des Buches April (ISBN: 9783596033164)

April

 (43)
Erschienen am 10.12.2015
Cover des Buches Jahre später (ISBN: 9783462047769)

Jahre später

 (22)
Erschienen am 29.01.2018
Cover des Buches Wer kann für böse Träume (ISBN: 9783981525205)

Wer kann für böse Träume

 (6)
Erschienen am 20.06.2012
Cover des Buches Amateure (ISBN: 9783100382030)

Amateure

 (6)
Erschienen am 12.02.2009
Cover des Buches Alle leben so (ISBN: 9783596151301)

Alle leben so

 (5)
Erschienen am 01.05.2003
Cover des Buches Aus allen Himmeln (ISBN: 9783100382023)

Aus allen Himmeln

 (2)
Erschienen am 24.03.2004
Cover des Buches April (ISBN: 9783492318525)

April

 (0)
Erscheint am 28.10.2021

Neue Rezensionen zu Angelika Klüssendorf

Cover des Buches Jahre später (ISBN: 9783462047769)beccariss avatar

Rezension zu "Jahre später" von Angelika Klüssendorf

Suche nach dem Lebensglück
beccarisvor einem Monat

Wie die beiden Vorgängerromane ist auch der dritte Teil äusserst lesenswert. Die Geschichte von April berührt auf eigentümliche Weise. Man möchte die junge Frau begleiten und hofft, dass sich in ihrem Leben doch noch alles zum Guten wendet. In sehr schwierigen sozialen Verhältnissen wächst das Mädchen auf, entwickelt ihre ganz eigenen Strategien, um glücklich zu werden. Auch als erwachsene Frau und Mutter zweifelt, verzweifelt und scheitert sie immer wieder, steht dann aber doch wieder auf und vermittelt dem Leser eine enorme Kraft und Zuversicht, das Leben doch noch zu bewältigen.


Mir gefällt besonders die klare, schnörkellose Sprache von Angelika Klüssendorf. Sie schreibt atmosphärisch dicht, ohne viel Geplänkel. Ich würde mir noch eine Fortsetzung wünschen.

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Cover des Buches Jahre später (ISBN: 9783462047769)skiaddict7s avatar

Rezension zu "Jahre später" von Angelika Klüssendorf

Die Anatomie einer toxischen Beziehung
skiaddict7vor einem Jahr

Ich habe „Jahre später“ gelesen, ohne die beiden Vorläuferbände zu kennen. Die dreißigjährige April ist Schriftstellerin und lebt mit ihrem pubertären Sohn Julius in Berlin. Auf einer Lesung lernt sie Ludwig kennen, einen Chirurgen aus Hamburg. Es entsteht eine Brieffreundschaft – und schließlich eine Beziehung. Diese basiert vor allem auf gegenseitiger Anziehung, eine richtige Liebe entsteht nicht zwischen den beiden. Die beiden Einzelgänger finden zueinander – April wird schwanger, sie heiraten, April zieht nach Hamburg. Durch dieses neue Leben scheint April Julius größtenteils zu vergessen und sich selbst zu überlassen. Auch schon vorher kümmert sie sich wenig um ihn – und so ist es nicht überraschend, dass dieser schließlich zum Vater zieht. Das Kind mit Ludwig, ein Sohn, wird von April mehr geliebt, diesmal kann sie sich in ihrer Rolle als Mutter mehr entfalten, da sie einen Mann an ihrer Seite hat, der sie finanziell unterstützt – doch auch diese Freude hält nicht lange an. Ludwig, der anfangs so erfolgreich und interessant schien, ist in erster Linie Narzisst und lügt seinen Weg durchs Leben. April musste vor allem als Kind sehr viel durchmachen und scheint dadurch sehr distanziert, wird im Buch mehrmals als „starke Frau“ beschrieben. Dies ist sie wohl, zumindest in der Hinsicht, dass sie sich nicht unterkriegen lässt.




Klüssendorf beschreibt sehr distanziert das Kennenlernen, die Beziehung und schließlich deren Zerbrechen und das Danach. Sie schreibt ruhig und flüssig, lässt genug Raum für den Leser, sich selbst etwas dazu zu denken, aber doch mit einer stillen Wucht. Da sie nicht wertend schreibt kann der Leser selbst seine Schlüsse dazu ziehen. Ein sehr lesenswerter Roman über zwischenmenschliche Beziehungen und über das Leben im Allgemeinen. Nach diesem Buch werde ich auch die beiden Vorgängerromane lesen.

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Cover des Buches Jahre später (ISBN: 9783462047769)Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Jahre später" von Angelika Klüssendorf

Ein berührender Stoff über eine toxische Beziehung, glasklar, komprimiert geschrieben,
Gwhynwhyfarvor 2 Jahren

Der erste Satz: »Trotz ihrer Unruhe fällt ihr der Mann auf, der sich einige Stuhlreihen vor ihr umgedreht hat und sie anstarrt, er beschirmt sogar die Augen mit der Hand.«

Die junge Autorin April wird auf einer Lesung von einem älteren Mann angestarrt, übergriffig angemacht. Es ist Ludwig, ein bekannter Chirurg. Der charismatische Mann lockt April: »Herr im Himmel, sagt Ludwig, Beckett sei auch sein Liebling, er habe ihn erst kürzlich besucht und könne, wann immer April wolle, ein Treffen für sie arrangieren«. Der penetrante Ludwig lässt sich nicht abwimmeln, manipuliert, wo er nur kann, überschüttet April mit seiner Liebe. Unendliche Liebe, der starke Mann, der sie beschützen will, April ist angezogen von seinem Ego. April heiratet Ludwig und sie bekommen ein Kind, ziehen in eine Hamburger Protzvilla. Doch diese Beziehung ist ein Vulkan. Zwei Individualisten, die ihren Weg gehen, nicht zusammenpassen, zwei Magnete, die sich anziehen, nicht loslassen können: eine zerstörerische Liebe. April, die Schriftstellerin, völlig in sich gekehrt, depressiv, the lonesome woolf, bezeichnet sich als »hässlich und heimatlos«, »der eigene Erfolg macht sie misstrauisch«, »sie spürt weder Freude noch Stolz«. Dagegen seine Wichtigkeit Ludwig, der Partylöwe, der geniale Chirurg, der sich selbst überschätzt, jeden versucht, zu manipulieren, und jeden mit Kraft niedertrampelt, der auch nur kritische Gedanken gegen ihn hegen könnte.

»April ist gerührt, mit welch kindlicher Verve er sich seine Stimulanzien aussucht; schreibt er an einem Vortrag über die Hypochondrie von Winston Churchill, trinkt er Whisky und versucht sich an einer Zigarre. Er trinkt auch Kräutertee, wenn es sein muss, verteilt Räucherstäbchen in seinem Zimmer, verspürt Lust auf ein Reisgericht, weil sein Protagonist es liebt. Er weckt sie mitten in der Nacht und liest ihr den fertigen Text vor. Sie weiß nicht, ob ihm ihre Meinung wichtig ist oder ob er sie als Publikum braucht.«

Ludwig steigt auf zum Chefarzt, wird immer reicher und er protzt auch gern mit dem, was er hat, erwartet von jedem um sich herum täglichen Applaus. April ist völlig abhängig von ihm. Ein Mann, bei dem man den Schalter zum Abstellen sucht, der nach langem OP-Tag nach Hause kommt, sich nicht ausruht oder schläft, stattdessen Horrorfilme anschaut oder Ballerspiele am PC spielt, sich dabei literweise Cola mit Schuss einpfeift.
Immer wieder überlegt April, ihren Mann zu verlassen, fragt sich, ob sie ihn liebt, je geliebt hat. Aber sie braucht Ludwig, der sie unendlich liebt, sie immer wieder aus ihren Tiefen herauszieht. Doch irgendwann ist sie ihn Leid, seine narzisstische Natur. Nun setzt die Angst ein. Sie trennt sich von ihrem Mann und ein Rosenkrieg beginnt.

»Du wirst schon sehen, wie das ist, wenn mein Glanz nicht mehr auf dich abstrahlt.« ... »Was Ludwig seinen Feinden antut, kann er auch seinen Freunden antun, er muss sie nur zu seinen Feinden erklären.«

Einige Stimmen behaupten, dies sei ein Schlüsselroman, eine Aufarbeitung der Ehe von Angelika Klüssendorf und Frank Schirrmacher. Sie war die erste Ehefrau des 2014 verstorbenen »FAZ«-Herausgebers und sie haben einen gemeinsamen Sohn. Und dieser Roman setzt mit der Hauptfigur April die autobiografische Geschichte der Autorin fort. Vorangegangen »Das Mädchen« (2011) und »April« (2014), Angelika Klüssendorf hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass diese Romane autobiografischen Background besitzen. Insofern kann man darauf schließen, dass es sich bei dieser Fortsetzung um die Ehejahre mit Frank Schirrmacher handelt.

»Die Tage haben keine Farben. Ihre Atemzüge fühlen sich bleiern an.«

Eine Frau, die eine lieblose Kindheit erlebte: Ein Vater, der eher dem Alkohol zugänglich war, eine gewalttätige Mutter, das machte aus April eine Selbstzweiflerin, intensiv beschrieben in den vorangegangenen Romanen. Angelika Klüssendorf schreibt komprimiert, nüchtern, immer auf den Punkt getroffen. Ihre klare Sprache der Essenz bewegt den Leser tief. Man möchte ihr von der ersten Seite an zurufen: Verbrenne dich nicht, dreh dich um und geh! Für mich ein hervorragender Roman, der in 157 Seiten berührend-beinhart und so erfassbare Bilder schafft, die 900 Seiten ausfüllen könnten.

»Doch die Kluft zwischen dem, was sie kann, und dem, was sie will, scheint ihr unüberwindbar.«

Angelika Klüssendorf ist 1958 in Ahrensburg geboren. Bis 1985 lebt sie in Leipzig, heute in der Nähe von Berlin. »Lebensprall und traurig, unsentimental und präzise, mit großer Lakonie: »Ein Meisterwerk«, so die Jury des Deutschen Buchpreises 2014 über Angelika Klüssendorfs »April« – der Roman stand auf der Longlist und mit diesem Roman »Jahre später« war sie ebenfalls für den Deutschen Buchpreis 2018 nominiert.

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Angelika Klüssendorf wurde am 26. Oktober 1958 in Ahrensburg (Deutschland) geboren.

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