Angelika Klüssendorf Das Mädchen

(74)

Lovelybooks Bewertung

  • 69 Bibliotheken
  • 3 Follower
  • 0 Leser
  • 14 Rezensionen
(23)
(31)
(16)
(1)
(3)

Inhaltsangabe zu „Das Mädchen“ von Angelika Klüssendorf

Die Mutter terrorisiert ihre Kinder, der Vater trinkt – wenn er überhaupt da ist. Aber ›das Mädchen‹ arbeitet sich mit Mut und unbeugsamem Lebenswillen durch die niederdrückenden Verhältnisse einer Jugend und rettet sich in 'Brehms Tierleben' und Grimms Märchen. Schon am Anfang scheint hier alles zu Ende zu sein, aber ist das Ende doch ein Anfang? Mit ihrer klaren, knappen, präzisen Prosa, großer Lakonie und trockenem Humor versetzt Angelika Klüssendorf den Leser in eine Kindheitswelt, die das Kindsein kaum zulässt – und in der sich ›das Mädchen‹ dennoch behauptet.

Eine traurige Kindheit und Jugend - warum nur gibt es solche Eltern?

— BLINDI
BLINDI

Tolles Buch, über ein Mädchen in Zeiten der ex DDR

— Anna-Katharina
Anna-Katharina

Sprachlich hervorragend geschrieben; eine Geschichte, die traurig stimmt, auch wenn man weiss, dass es sowas auch heute noch bei uns geht

— TheBook
TheBook

Unglaublich packende Geschichte mit 'denkanstoß'. Unbedingt mal ansehen.

— reba
reba

Stöbern in Romane

Heimkehren

Ein grandioses Debüt! Sehr empfehlenswert!

Blubb0butterfly

Denunziation

Sehen eindringliche Kurzgeschichten über das Leben in Nordkorea. Für mich als Europäerin kaum vorstellbar, so zu leben. Sehr empfehlenswert!

Anne42

Die Tänzerin von Paris

Ein steter Bilder- und Gefühlsrausch!

Monika58097

Underground Railroad

Eine fesselnde Geschichte, welche die Railroad leider nur fiktiv beschreibt. Wer historischen Background erwartet, ist vielleicht enttäuscht

jewi

Sonntags in Trondheim

Ein ungewöhnliches Buch, der Schreibstil, die Familie, einfach alles ist seltsam, interessant, faszienierend und einfach ungewöhnlich.

Lesezeichenfee

Kukolka

Ergreifend und mit einer sympathischen Hauptfigur!

Daniel_Allertseder

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Namenlos

    Das Mädchen
    gst

    gst

    Dieses Buch beschreibt wahrlich vieles - aber keine heile Welt. Obwohl das namenlose Mädchen davon träumt. Nicht nur, wenn sie auf ihren kleinen Bruder aufpasst oder versucht, in der Schule ihr bestes zu geben. Dürr und ohne Rundungen fühlt sie sich nicht nur als Außenseiterin, die meiste Zeit ihrer Jugend ist sie auch eine. Vier Jahre dürfen wir Leser das Mädchen durch ihre Höhen und Tiefen begleiten und in ihre innere Zerrissenheit schauen. Wir lernen die launenhafte Mutter des Mädchens kennen, erfahren vom übermäßigen Bierkonsum des Vaters und bemitleiden den blondgelockten Bruder, den Liebling der Mutter. Trotz des tristen Umfelds des Mädchens reißt dieser Roman mit. Dass die Autorin ihr Handwerk beherrscht ist unverkennbar. Zwar spielt das Buch zu Zeiten der DDR, doch nicht nur dort gab es verwahrlost aufwachsende Kinder. Die Geschichte könnte sich in ganz Deutschland abgespielt haben - auch wenn man keinem einzigen Menschen eine solche Kindheit wünscht. Mit „April“ kam Angelika Klüssendorf 2014 auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis. So wurde ich auf sie aufmerksam. Doch bevor ich mich an „April“ machte, wurde mir ans Herz gelegt, erst „Das Mädchen“ zu lesen. Ich habe die Lektüre nicht bereut, auch wenn sie mich sehr oft den Kopf schütteln ließ. Nun bin ich umso neugieriger darauf, wie das Mädchen sein weiteres Leben in den Griff bekommt. 

    Mehr
    • 3
  • Mochte Nachfolgeband "April" lieber

    Das Mädchen
    ekoepping

    ekoepping

    04. March 2015 um 19:54

    Ich hab es durchaus gerne gelesen, aber im Nachfolgeroman "April" gelingt es Angelika Klüssendorf noch besser, ein interessantes psychologisches Profil zu zeichnen, so dass ich zugebe, dass ich April doch lieber mochte.

  • Schwierige Jugend

    Das Mädchen
    UteSeiberth

    UteSeiberth

    05. June 2014 um 11:38

    Ich habe dieses Buch abgebrochen, weil mir die Umstände für das Mädchen zu hart waren.

  • Das Mädchen – Angelika Klüssendorf

    Das Mädchen
    Herbstrose

    Herbstrose

    16. May 2013 um 23:54

    Das Mädchen ist zwölf Jahre alt als es, wie schon öfters zuvor geschehen, tagelang mit ihrem sechsjährigen Bruder allein in der Wohnung eingeschlossen ist. Die Beiden sind ohne Nahrung und haben keine Möglichkeit die Toilette aufzusuchen, da die sich im Mietshaus eine halbe Etage tiefer befindet. Die Mutter ist wieder mal auf Tour mit einem ihrer zahllosen Liebhaber. Der Vater erscheint auch nur ab und an, um dann gleich wieder zu verschwinden, nicht aber ohne die Mutter noch vorher zu verprügeln. Angelika Klüssendorf erzählt die Geschichte einer schrecklichen Kindheit und Jugend. Der Überlebenskampf eines starken Mädchens, das seine ganz eigenen Rituale entwickelt. Man muss sich holen was man braucht, ist ihre Devise. Das Mädchen scheint nach außen hin unverwundbar, es erwartet von niemandem Hilfe. So kommt es zwangsläufig dazu, dass sie beim Ladendiebstahl erwischt wird und im Heim landet. Dort endlich bessert sich ihre Lage, erste Freundschaften entstehen, Hoffnung keimt auf und ihre Zukunft sieht nicht mehr ganz so düster aus wie zuvor …   Ein empfehlenswertes Meisterwerk moderner Literatur!

    Mehr
  • Rezension zu "Das Mädchen" von Angelika Klüssendorf

    Das Mädchen
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    14. September 2012 um 11:33

    Angelika Klüssendorfs Roman "Das Mädchen" ist ein ganz starkes Stück Literatur, das von der spannenden Symbiose einer tragischen Geschichte und einer nüchternen, extrem zurückgenommenen und genauen Prosa lebt, die dem Text glücklicherweise jegliches Pathos entzieht. Fast distanziert wird die in der DDR handelnde Geschichte des zu Beginn wahrscheinlich an die zehn Jahre alten Mädchens erzählt. Schon die ersten beeindruckenden Seiten zeigen, in welcher Hölle die Protagonistin lebt, wie stark und fast fatalistisch sie die Gewalt gegen sich und ihren Bruder zur Kenntnis nimmt, darunter leidet, aber akzeptiert, dass es halt so ist, wie es ist, weil es wahrscheinlich so sein muss... Die Mutter neigt, je nach Alkoholpegel, prinzipiell zur eklatanten Gewaltbereitschaft. Dadurch ist natürlich ein sehr bestimmender Moment für ihre eigene Entwicklung zur jungen Erwachsenen gegeben. Von der Mutter und diversen Männern der Mutter gequält, abgestoßen, dann eine Zeit beim Vater, überall muss sie sich neu behaupten. Die Gefühle der scheinschwangeren neuen Frau des Vaters für sie empfindet sie, da ihr Gefühle für sie unbekannt und daher suspekt sind, als lästig. Letztendlich im Heim gelandet, muss sie sich auch hier gegenüber den MitschülerInnen behaupten. Nicht nur, dass niemand da ist, der dem Mädchen auch nur annähernd das bieten könnte, was man Liebe und Geborgenheit nennt, muss sie sich auch noch gegen die sozialistische Bürokratie quälen. Eine bürokratische Gesellschaftsordnung, in der für die Protagonistin, die eigentlich nur ein ganz normales Mädchen sein möchte, auch kein Platz vorgesehen ist. Ein relativ kurzes, aber eindringliches Buch über ein starkes junges Mädchen, das sich gegen ihre direkte Umgebung und gegen den Staatsapparat wehren muss und dies auch auf beeindruckende Weise tut. Angelika Klüssendorfs glasklare, eindringliche und überzeugend glaubhafte Prosa machen diesen Text zu einem ganz starken Werk, das man nach nicht einmal 180 Seiten mitgenommen zur Seite legt.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Mädchen" von Angelika Klüssendorf

    Das Mädchen
    Linda-Odd

    Linda-Odd

    12. June 2012 um 14:47

    Gute Prosa. Leicht zu lesen.

  • Rezension zu "Das Mädchen" von Angelika Klüssendorf

    Das Mädchen
    awogfli

    awogfli

    07. March 2012 um 13:58

    Kein Wunder, dass dieser Roman für den Deutschen Buchpreis nominiert war. In eindrucksvollen Sprachbildern wird ein traumatisches, verkorkstes Leben beschrieben, das durch physische und psychische Gewalt bzw. Vernachlässigung geprägt ist. Die permanente latente Bedrohung und die spontanen Gewaltausbrüche der Eltern erfordern vom Mädchen ständiges auf der Hut sein und es entwickelt durch diese Anspannungen auch vielerlei Ablenkungs- und Überlebensstrategien. Ein wunderbarer, eindringlicher sehr realistischer Blick in eine gequälte Kinderseele, der ausnahmsweise weniger das Drama beschreibend, sondern sehr in der Innenansicht des Mädchens mit ihren Gefühlen, Motiven, und Sehnsüchten geschildert wird. Was folgt ist schon fast zwangsläufig die Spirale abwärts, bedingt durch Heimaufenthalte, Ausreissen, Diebstahl und Gewalt gegen andere. Grandios! Lediglich für das Ende des Romans muss ich einen Punkt abziehen, denn er endet so aprupt, als wäre die Autorin nur kurz aufgestanden, um eben mal nur etwas zu trinken zu holen. Ich verlange ja kein positives Ende mit Perspektiven, oder ein furioses Gewaltfinale aber auf jeden Fall irgendein Ende und nicht, dass die Autorin mitten in der Geschichte einfach den "Bleistift" fallen läßt. Fazit sehr lesenswert - wenn die Autorin noch auf 10 zusätzlichen Seiten oder in 10 Sätzen irgendein Ende zusammengebracht hätte, wäre der Roman sogar fantastisch.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Mädchen" von Angelika Klüssendorf

    Das Mädchen
    Gruenente

    Gruenente

    01. March 2012 um 11:37

    Schrecklich, traurig, realistisch.
    Wieviel kann ein Mädchen ertragen. Sie wird von der Mutter geschlagen, vom Vater ignoriert, kann sich nicht anvertrauen. Niemand hilft ihr, bis sie wird wie ihre Mutter.
    Spiel in der DDR, aber das ist nebensächlich, das könnte genauso in der BRD passiert sein.
    Der Teufelskreis der familiären Misshandlung wird nachvollziehbar beschrieben.
    Echt erschütternd.

  • Rezension zu "Das Mädchen" von Angelika Klüssendorf

    Das Mädchen
    Ricardo Caeiro Pessoa

    Ricardo Caeiro Pessoa

    28. January 2012 um 12:31

    Ein stark erzählter Roman - über den Kreislauf aus Kampf und Scheitern eines heranwachsenden Mädchens in trostloser Lebenswelt „Scheiße fliegt durch die Luft, streift die Äste einer Linde, trifft das Dach eines vorbeifahrenden Busses, landet auf dem Strohhut einer jungen Frau, klatscht auf den Bürgersteig.“ Durch die Luft fliegende Exkremente? Haben wir es hier mit den Vorboten popliterarischer Ergüsse zu tun? Dünne Literatur, die mal wieder möchtegern-derbe auf die Pauke hauen will? Von wegen! Schon wenige Zeilen nach diesem fulminanten Auftakt von Angelika Klüssendorfs neuem Roman Das Mädchen zeichnet sich ab, aus welch einer zerrütteten Lebenswelt dieses Bild herrührt. Die zu Beginn des Romans 12-jährige Hauptfigur, stets nur „das Mädchen“ genannt, und ihr sechs Jahre alter Bruder Alex sind seit Tagen in ihrer Wohnung eingesperrt. Die alleinerziehende Mutter ist arbeiten, bei Mitropa. Da die Toiletten in den einfachen Mietshäusern ein halbes Stockwerk tiefer liegen, hat sich nun eine Menge Aussonderung im Eimer angesammelt. Mit einem gewissen Vergnügen lässt das Mädchen diese nun auf die Straße regnen, bevor es sich in Stöckelschuhen, BH und rotem Spitzenhöschen seiner Mutter am offenen Fenster mit ernstem Lächeln und seine jungen, knochigen Hüften drehend den pausierenden Fabrikarbeitern gegenüber präsentiert. Spätestens seit dem Erscheinen ihres Erzählbandes Aus allen Himmeln (Fischer 2005) ist die kindliche Lebenswelt bei Klüssendorf als das absolute Gegenteil eines behüteten Schutzraumes Heranwachsender bekannt. Die von Alkoholismus, Gewalt, Misshandlung und Arbeitslosigkeit geprägte Welt der Erwachsenen dringt in die kindliche ein bzw. lässt diese erst gar nicht zu. In Das Mädchen besteht diese Welt aus dem besoffenen, unberechenbaren Vater des Mädchens, der immer mal wieder auftaucht, sich einnistet und die Mutter schlägt, aus der stets sturzbetrunkenen Mutter, die ihre sadistische Neigung an den beiden Kindern auslässt, aus dem Mädchen, das seine Wut an dem jüngeren Bruder abreagiert und später Zerstückelungsphantasien gegenüber dem realsozialistischen Personal des Heimes entwickelt, in dem sie nach mehrmaligem Ausreißen untergebracht wird, und aus dem blond gelockten Alex, der am liebsten nur noch durch seinen Schnorchel Luft holen würde, da ihn der direkte Kontakt zur Welt zu ersticken droht. Die in der dritten Person erzählte Geschichte ist inhaltlich recht einfach gestrickt. Der Leser begleitet das Mädchen durch verschiedene Szenen und Stationen – Wohnung der Mutter, Neuanfang mit dem Vater, Versagen in der Schule, Leben auf der Straße, beim Ladendiebstahl, bei pubertären Spielereien und Unsicherheiten etc. –, bis zu seinem 18. Lebensjahr, in dem sie das Heim verlässt, eine Lehre als Melkerin bei der LPG („Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft“ in der DDR) antritt und diese letztlich wieder hinschmeißt. Die Stärke des Buchs liegt in erster Linie in der Art und Weise des Erzählens begründet. In trockenen und lakonischen Sätzen, die sich in einem unnachgiebigem Rhythmus durch den Roman ziehen. Szene an Szene reihend, schildert Klüssendorf in prägnanter, unpathetischer und nicht anklagender Weise ein soziales Milieu, das in der DDR offiziell nicht existierte. Zugleich fungiert die DDR nur als Schablone. Der ‚Fall‘ könnte ebenso gut heuer in der ‚Neuen Unterschicht‘ in den USA, in England, aber auch in Deutschland verortet werden. Mittels der eindringlichen, fast kommentarlosen Prosa wird die emotionale Kälte dieser Parallelwelt deutlicher als in statistisch überfrachteten Sozialstudien. Doch just dieser Vorzug des Romans gereicht ihm an jenen Stellen zum Nachteil, an denen repetitiv die sadistische „Zerstreuung“ der Mutter beschrieben wird: „Alex muss mit ausgestreckten Armen in jeder Hand ein Kopfkissen halten, lässt er die Arme sinken, knallt die Mutter ihm den Ledergürtel zwischen die Beine“. Solche Szenen gibt es zuhauf. Sie besitzen in der Tat etwas „Voyeuristisches“ (Uwe Stolzmann; Dradio) und lassen eine auf Fassungslosigkeit und Schockiertheit angelegte Konstruktion durchscheinen. Ein etwas sparsamerer Umgang mit derartigen Bildern wäre wünschenswert gewesen. Auch hätte dem Roman das Einsetzen eines Fluchtpunktes gut getan. Denn so rattert die Geschichte in inneren und äußeren Tiraden auf ein recht abruptes Ende zu, das im Gegensatz zu der sonst gut durchgearbeiteten Form eher schwach wirkt. Alles in allem hat Klüssendorf mit Das Mädchen aber einen stark erzählten Roman über die immer wieder versuchte Selbstbehauptung und den Kreislauf aus Kampf und Scheitern eines heranwachsenden Mädchens in trostloser Gesellschaft dargelegt, der sicherlich nicht zu Unrecht auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2011 gewählt wurde. Eine Sensation ist er allerdings nicht. (von Matthias Kremp) Die Autorin Angelika Klüssendorf, geboren 1958 in Ahrensburg, lebte von 1961 bis zu ihrer Übersiedlung 1985 in Leipzig; heute lebt sie in Berlin. Sie hat u.a. beim Fischer Verlag die Erzählungen Sehnsüchte und Anfall von Glück, den Roman Alle leben so, den Erzählungsband Aus allen Himmeln und den Erzählungsband Amateure veröffentlicht. Das Mädchen ist ihre erste Publikation bei KiWi.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Mädchen" von Angelika Klüssendorf

    Das Mädchen
    devildoll

    devildoll

    13. December 2011 um 21:43

    „Scheiße fliegt durch die Luft, streift die Äste einer Linde, trifft das Dach eines vorbeifahrenden Busses, landet auf dem Strohhut einer jungen Frau, klatscht auf den Bürgersteig.“ So beginnt der Roman „Das Mädchen“, der 1958 in Ahrensburg (in der ehemaligen DDR) geborenen Autorin Angelika Klüssendorf. Wer nach diesen ersten Zeilen jedoch ein Buch mit Ekelfaktor und Fäkalsprache à la Charlotte Roche erwartet, wird enttäuscht. Was den Leser erwartet ist ein sozialkritischer Roman über das Leben des Mädchens, der leise bleibt. Der es im weiteren Verlauf nicht nötig hat über reißerische Darstellung von Leid Aufmerksamkeit zu erhaschen. Vielmehr wird die Geschichte des Mädchens, das im gesamten Buch namenlos bleibt, fast sachlich, ja nüchtern erzählt. Dabei reiht sich eine Misshandlung, sowohl körperlicher, aber vor allem auch psychischer Art, an die nächste. Die erste Täterin, die den Lesern begegnet ist die trinkende und prügelnde Mutter, die unzufrieden mit ihrem Leben und ihrer eigenen Biographie ihre Wut wie „der Zorn Gottes“ am Mädchen und den Brüdern Alex und Elvis auslässt. Der ebenfalls trinkende Vater sitzt ihre gesamte Kindheit im Gefängnis. Seine Talente beschränken sich auf das Erzählen von Geschichten, zeichnen und darauf, dass er einen Schlag bei Frauen hat. Außerdem schafft er 30 Bier an einem Abend. Auch „sein Jähzorn hält stets Überraschungen bereit. Und dennoch kommt sein erneutes Auftauchen einem Hoffnungsschimmer, einer Versprechung eines besseren, eines anderen Lebens gleich. Doch wer es wagt zu hoffen wird enttäuscht. Für das Mädchen gibt es kein anderes Leben. Trost, Zuflucht und vielleicht auch so etwas wie Hoffnung findet sie nur in Büchern und in dem Traum vom Haus im Wald. Als sie zum wiederholten Mal bei Diebstählen erwischt wird, denn sie hat gelernt sich zu nehmen was sie braucht, landet sie im Heim, wo die Reihe der Demütigungen nahtlos durch den Heimleiter und die anderen Heiminsassen weitergehen. Doch sie behauptet sich, entwickelt Überlebensstrategien. Solche, die sie kennt. Die sie bei ihrer Mutter gesehen hat. Auch sie wird am Ende hier und da zum Täter. Über den Hintergrund der Geschichte erfährt der Leser nicht viel. Sie spielt in der DDR, jedoch bleibt unklar wo genau. Deutlich wird nur, dass der Sozialismus noch unangefochten regiert, Honecker an der Spitze des Landes steht, aber nur als Bild an der Wand auftaucht, dessen gleichmütiges Lächeln sich das Mädchen vorstellt. Doch diese Fakten sind eigentlich auch nicht wirklich bedeutend für das Leben des Mädchens. Warum der Roman in der ehemaligen DDR spielt bleibt für den Leser verborgen. Ein möglicher Erklärungsansatz wäre jedoch eine Zuspitzung der Dramatik der Geschichte, durch die nostalgische Vorstellung eines sozialistischen Staates, in dem alle zusammenhalten und keiner untergeht. Der eigentlich schwierige Stoff des physisch und psychisch misshandelten Mädchens, das ein sehr einsames Leben inmitten einer sozialistischen Gesellschaft führt, wird von Angelika Klüssendorf ohne Schnörkel und große Emotionen behandelt. Dass das Mädchen keinen Namen hat sorgt zum einen für Distanz zwischen dem Leser und der Protagonistin, zum anderen schafft es die Autorin gleichzeitig eine ungewohnte Nähe herzustellen, denn das Mädchen kann jeder sein. Die fehlenden Angaben über Ort und Zeit verstärken diesen paradoxen Effekt zusätzlich. Ohne rührselig zu werden schildert die Autorin das harte Leben des Mädchens in einer sachlichen Sprache, die den Leser zwar nicht emotional berührt und ihn doch fesselt. Sie schürt keine Hoffnung, lässt aber auch kein echtes Mitleid aufkommen. Unaufgeregt und klar ist die Sprache. Der eines 12-jährigen Mädchens angepasst, das den Leser für eine Weile an seinem Leben teilhaben lässt und ihn zum stummen Beobachter macht. Am Ende wird er von Frau Klüssendorf, die nicht zum ersten Mal eine Geschichte vom sozialen Rand der Gesellschaft schreibt, ohne Happy-End zurückgelassen. Die Geschichte endet einfach, was unbefriedigend ist, denn die Sehnsucht nach etwas Großem, Außergewöhnlichem wird nicht bedient. Und doch ist kein anderes Ende denkbar, dass diesem Adoleszensroman gerecht werden würde.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Mädchen" von Angelika Klüssendorf

    Das Mädchen
    Freakerike

    Freakerike

    Im Roman wird ein Mädchen gezeigt, dass sich trotz aller Widrigkeiten nicht zum Opfer machen lässt und sich nimmt, was sie braucht. Der Vater ein Säufer, der sich vor allem durch Abwesenheit auszeichnet, die Mutter lässt ihre unbändige Wut an ihren beiden Kindern aus. Im Suff werden daraus schon mal barbarische Folterspiele. Zum Kindsein ist in einer solchen Umgebung wenig Platz. Der kleine Bruder wird immer merkwürdiger, entwickelt Ticks. Das Mädchen erträgt die Demütigungen, verschlingt Romane, Märchen und Brehms Tierleben und träumt von einem Haus im Wald. In der Schule ist sie unbeliebt und für die Lehrer dient sie immer als Beispiel einer verwahrlosten Existenz. Sie reißt mehrmals aus und landet schlussendlich in einem Kinderheim, wo sie endlich ein Leben führen kann, was dem einer Heranwachsenden entspricht; sie macht ihre erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht und findet Freunde. Doch auch in ihr keimt die unkontrollierbare Wut der Mutter, die sie regelmäßig an ihren Heimkameradinnen auslässt. Die Sprache des Romans ist sehr trocken und schlicht, die Sätze kurz und ohne Ausschmückungen. Die Schrecklichkeiten, die dem Mädchen wiederfahren, werden wie nebenbei erzählt. Auf diese Weise wird das Mädchen nicht zur klischeehaften Opferfigur. Es wird kein Mitleid erzeugt, sondern das Bild einer Heranwachsenden, der man zutraut, dass sie ihren Weg finden wird. Ein ungewöhnlicher Roman.

    Mehr
    • 2
  • Rezension zu "Das Mädchen" von Angelika Klüssendorf

    Das Mädchen
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    28. September 2011 um 09:13

    Am Anfang fliegt Scheiße aus dem Fenster. Sie landet auf dem Bürgersteig und auf dem Strohhut einer Passantin, der Briefträger kann sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Das zwölfjährige Mädchen, dessen Geschichte in diesem wunderbaren und bewegenden Buch erzählt wird, wirft die Scheiße aus dem Fenster einer Wohnung im dritten Stock, um auf sich aufmerksam machen, um zu zeigen, dass es sie noch gibt. Denn sie und ihr sechsjähriger Bruder Alex sind seit Tagen in der Wohnung eingeschlossen. Da sie die auf halber Treppe befindliche Toilette nicht erreichen können, verrichten sie ihre Notdurft in einen Eimer. Irgendwann kommt die Mutter wieder nach Hause, doch das ändert nichts. Denn die Geschichte der Kindheit und der Jugend dieses Mädchens, die Angelika Klüssendorf da mit durchaus autobiographischen Bezügen erzählt, ist traurig und furchtbar. Während er sich von der knappen und sehr präzisen Prosa Angelika Klüssendorfs immer mehr angezogen fühlt, wird der Leser von einer Katastrophe in die andere geführt. Denn mit jeder beschriebenen Episode aus dem Leben des Mädchens wird es schlimmer. Die Mutter des Mädchens arbeitet in einem Mitropa-Restaurant und ist auf eine Weise asozial und brutal, dass einen an manchen Stellen beim Lesen die nackte Wut packt. Doch das Mädchen ist stark, niemals ruft sie um Hilfe. Sie findet Trost in der Lektüre von Dumas’ „Der Graf von Monte Christo“, ein Buch, das sie einmal, um es ganz für sich behalten zu können, vollständig in mehrere Hefte abschreibt. Ihr bisheriges, von Prügel, Alkohol und fremden Männern im Bett der zunehmend verwahrlosenden Mutter hat sie hart gemacht. Sie lügt, sie stiehlt, schwänzt die Schule, und später, als sie vom Jugendamt in ein Heim gebracht wird, verprügelt sie auf brutale Weise wehrlose Kinder. Die Geschichte des Mädchens spielt in der DDR und zeigt, welches hässliche Gesicht dieser Staat auch hatte, welche Asozialität auch durch exzessiven Alkoholkonsum sich dort an den unteren Rändern einer Klassengesellschaft, die keine sein durfte, breit gemacht hatte. Doch diesen Teil der DDR zu zeigen, ist gar nicht das wesentliche Anliegen einer Autorin, die mit nüchternen Worten und ganz genau sich in die gequälten Seelen ihrer Figuren einfühlend, deren Ausweglosigkeit beschreibt. Doch „Das Mädchen“ sucht immer wieder Auswege, sie flieht aus dem Heim, wird wieder zurückgebracht, sie gibt auf ihre eigene Weise nicht auf. Mit dem Wort „Hoffnung“ wäre nicht ausreichend beschrieben, was sie treibt und nicht ruhen lässt. Es ist ein ihr selbst wohl erst später bewusst werdender Prozess der Selbstfindung mitten in einer absolut hoffnungslosen Existenz. Später im Heim ist es die Literatur, in der sie Halt und Trost findet. Regelrecht süchtig liest sie Bücher von Hemingway, Zola und Balzac. Man spürt schon bald, dass dieses Mädchen an dem, was ihr da widerfährt, an ihrem fruchtbaren Leben nicht zerbrechen wird. Man spürt, dass sie überleben wird. Angelika Klüssendorfs Roman ist eine bewegende und in seinem Ansatz sehr radikale Coming- of- Age-Geschichte, sprachlich auf höchstem Niveau und deshalb verdientermaßen auf der Short-List für den Deutschen Buchpreis 2011. Ein Buch, das einen mit Spannung auf Klüssendorfs nächstes warten lässt.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Mädchen" von Angelika Klüssendorf

    Das Mädchen
    asita

    asita

    29. August 2011 um 18:30

    durch den ‘deutschen buchpreis‘ bin ich auf diesen roman aufmerksam geworden. die longlist kann nicht bunter und unterschiedlicher sein. ich stehe jeden tag vor den büchern und picke mir eins raus und lese ein bißchen rum. ein heftiges buch. die geschichte eines 12 jährigen mädchens in der zeit vor der wende in der DDR. schon der anfang des buches läßt einem den atem stocken: “ Scheiße fliegt durch die Luft, streift die Äste einer Linde, trifft das Dach eines vorbeifahrenden Busses, landet auf dem Strohhut einer jungen Frau, klatscht auf den Bürgersteig. Die Menschen auf der Straße bleiben stehen und schauen nach oben. Schwefelgelb brennt die Sonne, und es regnet Scheiße, doch vom Himmel fällt sie nicht. Der Briefträger entdeckt zuerst, woher sie kommt, und alle folgen mit überraschten und angeekelten Blicken seinem Zeigefinger, der auf ein Fenster im dritten Stock eines Mietshauses deutet. Das Haus unterscheidet sich nicht von den anderen Häusern in der Straße, Rußflecke, Einschusslöcher aus dem Krieg, abblätternder Putz. Im offenen Fenster ist der Kopf eines Mädchens zu sehen, ein dünner, weit ausholender Arm, und schon fliegt der nächste Batzen. Die Leute stellen sich in die Hauseingänge und verfolgen das Geschehen.” wir begleiten das mädchen bis zu ihrem siebzehnten lebensjahr. ihr vater ist säufer, die mutter kümmert sich nicht um sie und ihren bruder. sie kämpft gegen alles und jeden. sie steht immer am rand und keiner will sie. sie kommt ins heim, muss sich dort beweisen. einer ihrer spitznamen ist ‘gerippe’. sie schwankt zwischen tristesse und revolte.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Mädchen" von Angelika Klüssendorf

    Das Mädchen
    Clari

    Clari

    20. July 2011 um 23:29

    Sozialstudie von starker Ausdruckskraft. Schrecklich kann das Leben sein! Wie schrecklich, das erfahren wir in diesem Buch. Das namenlose Mädchen in dieser Erzählung stammt aus dem untersten Unterschichtmilieu. Der Vater ist nur selten anwesend und säuft, die Mutter ist ständig voller emotionaler Anspannung und Wut. Sie lässt ihre Gefühle mit voller Wucht an ihrer Tochter aus. Da gibt es Prügel, Hausarrest “....bis zu einem Jahr...“ und Einsperren im dunklen Keller. Der kleine Bruder Alex will von der Schwester versorgt werden, denn die Mutter scheint dazu nicht fähig. Es ist ein elendes Leben, das uns A.Klüssendorf hier präsentiert. Man schaut in die Abgründe menschlichen Seins und sieht eine brutale Wirklichkeit, in der eine Mutter nur den eigenen Trieben folgt und Kinder als unwerte Lebengefährten schikaniert. Das mag es geben, und hier wird es in Worte gefasst, die einen schaudern lassen. Wie erlebt und überlebt man eine solche Kindheit? Mit unermüdlicher Kraft versucht sich das namenlose Mädchen in einer desolaten Gesellschaft zu behaupten, immer auf der Suche nach dem wahren Glück. Sie kämpft sich durch’s Leben, betrügt, klaut und gibt sich brutal. Auch in den tiefsten Tiefen menschlichen Seins gibt es jedoch Kräfte, die, einmal mobilisiert, Strategien ermöglichen, mit denen man aus dem Keller in die luftigeren Höhen eines besseren Lebens aufzusteigen versucht. Wird es dem Mädchen gelingen? Hinter der rauen Fassade spürt man die Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Akzeptanz. Die Erzählung ist in der ehemaligen DDR angesiedelt. Dass es dort eine so verwahrloste Familie gab, ist nur schwer vorstellbar, denn das System bestand ja aus lauter Gleichen unter Gleichen. Asoziale Elemente wurden meines Wissens nicht geduldet. Angelika Klüssendorf hat hier jedoch eine feinfühlige soziale Studie verfasst. Ihre literarische Kompetenz ist unleugbar. Mit deutlichen Worten kann sie Gefühlsmomente von drastischer Ausdruckskraft zeichnen. Ihre Natur- und Landschaftsbeschreibungen sind fein, differenziert und zeigen hohes poetisches Gespür. Es bleibt eine traurige Geschichte, die an Stewart O’Nans dramatische Sozialstudien erinnern. Sie ist Angelika Klüssendorf gut gelungen.

    Mehr