Alle Farben des Schnees

von Angelika Overath 
4,2 Sterne bei17 Bewertungen
Alle Farben des Schnees
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Inhaltsangabe zu "Alle Farben des Schnees"

Berührende Geschenke der besonderen Art

Geschenkausgabe im kleinen Format, bedrucktes Ganzleinen mit Lesebändchen.
Ferienorte sind flüchtige Heimat. Oft verbinden sie sich mit dem Wunsch, für immer bleiben zu können. Und doch reisen wir ab. In der Regel. Die Reporterin und Romanautorin Angelika Overath hat sich, zusammen mit ihre Mann und dem jüngsten Sohn, aufgemacht, aus einem Traum Realität werden zu lassen. Die Familie ist nach Sent ins Unterengadin gezogen. Ihr Buch erzählt, wie sich Wahrnehmungen und Lebensweise ändern, wenn das Feriendorf in den Bergen zum festen Wohnort wird.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442746965
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:288 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:14.10.2013

Rezensionen und Bewertungen

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    giuliannas avatar
    giuliannavor 7 Jahren
    Rezension zu "Alle Farben des Schnees" von Angelika Overath

    Mitte 2007 zog die Schriftstellerin Angelika Overath mit ihrem Mann und ihrem jüngsten Sohn Matthias von Tübingen nach Sent im Unterengadin. In tagebuchartigen Fragmenten schildert sie ihre Eindrücke des neuen Lebens und auch ihre Schwierigkeiten mit der romanischen Sprache, die in Sent überwiegend gesprochen wird. Ihr Sohn zeigt damit weniger Schwierigkeiten. Er blüht in der neuen Umgebung richtig auf und kann sich als erster mühelos verständigen. Angelika Overath hingegen versucht sich der Sprache über Gedichte oder durch ihre Mitgliedschaft im Chor zu nähern. Dennoch fällt es ihr schwer. Dafür schätzt sie die Natur, die Stille, die kleinen Feste, die die Senter ausrichten, den Lauf der Jahreszeiten und die Skipisten direkt hinterm Dorf. Sie führt uns damit ein in eine Welt fernab von städtischem Leben, mit einer Sprache, die auf uns sehr fremd wirkt und in einen Ort, den Ausländer sonst nur von ihren Ferien kennen. Angelika Overath jedoch hat sich entschieden mit ihrer Familie dort zu bleiben. Und so pendelt sie zwischen Terminen in aller Welt und ihrem abgeschiedenen Ort in der Schweiz hin und her und wirkt dabei nicht unglücklich. Ein schöner Einblick in eine Auswanderergeschichte, die zeigt, dass auch in der Nähe viel Fremdes zu finden ist, gleichzeitig aber auch wahre Schönheit.

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    WinfriedStanzickvor 7 Jahren
    Rezension zu "Alle Farben des Schnees" von Angelika Overath

    Wer kennt nicht das folgende Gefühl: man ist endlich dem hektischen Alltag entronnen, hat auch den langen Weg zum Ziel geduldig ertragen, und dann ist man dort – angekommen. Der Ferienort, den man sich ausgewählt hat als Oase für Ruhe und Erholung, für Bewegung und kulinarische Genüsse, für neue Eindrücke und anderes Leben – kurz: für ein anderes Lebensgefühl.

    Viele Menschen haben solche Orte, die ihnen immer wieder zur vorübergehenden Heimat werden, an die sie gerne manchmal sogar jährlich zurückkehren, wo sie vielleicht sogar jedes Mal die selben Menschen treffen, und zu ihren Gastgebern und deren Mitarbeitern oft ein außerordentlich herzliches Verhältnis entwickeln. Oft geht es ihnen auch so, wie unserem Sohn, wenn wir wieder in unser Hotel an den Bodensee fahren, wie jedes Jahr, seit er ein Jahr alt war. Er möchte immer länger bleiben, und hätte, wenn er dort ist, auch nichts gegen die Vorstellung einzuwenden, immer dort zu leben. Doch das sind meist nur flüchtige Gefühle und bald schon hat uns nach der Rückkehr der Alltag wieder.

    Die Reporterin, Romanautorin und Literaturkritikerin Angelika Overath, die zuletzt mit ihrem Buch „Flughafenfische“ die Kritiker zu überzeugen wusste, einem Roman voller Symbolik, dem es gelang, mit einfachen Worten "irritierende und berührende Innenräume" zu öffnen, hat sich, zusammen mit ihrem Mann und dem jüngsten Sohn, aufgemacht, aus einem Traum Realität werden zu lassen. Die Familie ist vom bisherigen Wohnort Tübingen nach Sent ins Unterengadin gezogen auf 1450 m Höhe. Ihr Buch erzählt, wie sich Wahrnehmungen und Lebensweise ändern, wenn das Feriendorf in den Bergen zum festen Wohnort wird.

    Sie führt ein Tagebuch in den ersten Monaten des Aufenthalts, reflektiert den Wechsel und das seltsame Gefühl, jetzt zu sagen, man komme nach Hause. Sie beschreibt, wie ihr kleiner Sohn Matthias von allen den Wechsel (er muss in eine neuen Schule, braucht neue Freunde und muss sich mit einer für ihn fremden Sprache auseinandersetzen) den Wechsel eigentlich am besten verkraftet. Dennoch bleiben den Eltern Zweifel, ob sie mit dem Ortwechsel und dieser neuen Heimat für den Jungen das Beste taten.

    Faszinierend und auf eine den Leser regelrecht gefangennehmende poetische Weise beschreibt Angelika Overath, wie sie ihre neue Heimat wahrnimmt, sie lernt „alle Farben des Schnees“ kennen, versteht ihre Nachbarn und deren Kultur immer besser, und entwickelt mit jedem ihrer Tagebucheinträge mehr Zuversicht und Optimismus in das Leben, in ihr Leben und die große Veränderung, die sie mit Mann und Kind unternommen hat.

    Es wird beim Lesen deutlich: es ist immer möglich, sein Leben zu ändern. Und es ist möglich, an einem anderen Ort so etwas zu finden wie Heimat.

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    Mr. Railvor 8 Jahren
    Rezension zu "Alle Farben des Schnees" von Angelika Overath

    Es ist wieder die Schweiz – literarisch ein ganz klein wenig meine Schweiz, da ich durch viele Bücher der Autorin Margrit Schriber ein Empfinden dafür habe, wie die Menschen auch heute noch in einzelnen Regionen dieses angeblich so verträumten Ländchens der drei Sprachen leben und denken. Weit ab von allen Klischees liegt dieses Empfinden.

    Mehr als gespannt war ich deshalb auf das lange angekündigte „Ich bin dann mal weg – Buch“ der bekannten deutschen Schriftstellerin Angelika Overath, die mich schon mit ihrem Roman „Flughafenfische“ mehr als begeistern konnte.

    „Warum nicht dort leben, wo man sonst seinen Urlaub verbringt?“ Diese Frage beschäftigte sie und ihr Verleger antwortete nur kurz: „Warum nicht darüber schreiben, wie es ist, dort zu leben, wo man sonst seinen Urlaub verbringt?“

    Dem Traum der Autorin und Reporterin, mit „Kind und Kegel“ aus der flüchtigen Heimat eines Urlaubsortes eine neue Heimat zu machen, ihr alltägliches Leben in Deutschland konsequent zurückzulassen und dem verlegerischen Interesse verdanken wir ein Buch, das ganz harmlos als Erlebnisbericht daherkommt. Sehr harmlos sogar.

    In kurzen tagebuchartigen Einträgen finden sich zu Beginn die einfachen Überlegungen und Gedanken der Schriftstellerin zu diesem bedeutenden Schritt, von den einfachsten Banalitäten bis hin zu den allzu praktischen Überlegungen „wo wohnen, welches Haus, welche Schule für den jungen Sohn, was mit der studierenden Tochter, wie umziehen… usw.?“ Und es finden sich die Bilder des malerischen Sent im Schweizer Unterengadin. Des neuen Lebensmittelpunktes, umrahmt von prächtigen Bergen und bewohnt von Menschen, deren rätoromanische Sprache mehr als eine Grenze darstellen kann.

    Angelika Overath wäre jedoch nicht Angelika Overath, wenn „Alle Farben des Schnees“ eine sprachlich einfache, unverblümte Auseinandersetzung mit dem gar nicht so Alltäglichen bliebe. Der Sprung ins kalte Wasser - das große Wagnis, in der Abgelegenheit der Schweizer Berge ein ganz neues Leben zu beginnen – der große Schritt, Freunde und gewohnte Umgebung hinter sich zu lassen und Teil einer verschworenen dörflichen Gemeinschaft werden zu wollen öffnet ihr die Augen. Verliert die flüchtige Schönheit ihren Glanz, wenn man bleibt?

    Dieser Sprung öffnet alle Sinne – die Wahrnehmung des Schnees wird täglich präziser. Alle Nuancen der Farbe, das Lichterspiel des einfachen Weiß im Verlauf der Sonnenstrahlen werden zu einem roten Faden, der ihr neues Leben begleitet. Alles ändert sich. Das Hören vernimmt eine Sprache – nicht mehr nur lustig, solange man dort im Urlaub verweilt. Nein – eine Sprache die es zu beherrschen gilt, die man in sich aufzunehmen hat um sich dauerhaft verständlich zu machen. Das Fühlen der menschlichen Atmosphäre in ihrem neuen Umfeld, das spürbare Knistern in der Distanz gegenüber den NEUEN im Dorf ist eine Erfahrung für sich.

    Overaths Geschichte wird zu einem bedeutenden Erfahrungsbericht über Integration, Identität und Heimat. Kann man das Eine erreichen ohne das Andere zu verlieren? Passt man sich an oder verliebt man sich in sein neues Leben und kämpft darum Teil zu sein – aufgesaugt zu werden und den neuen, scharfen und unverbrauchten Blick in Richtung Literatur zu lenken und zu schreiben.

    „Alle Farben des Schnees“ haben Angelika Overath zu einer neuen Perspektive verholfen – ohne Illusion, ohne Klischee, ohne sich selbst zu verlieren. Ich denke, sie hat sich gewonnen und wir werden diese Erfahrungen und Gefühle in ihrem weiteren Schaffen sehen können.

    Ihre Worte strahlen.

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    Gospelsingervor 8 Jahren
    Rezension zu "Alle Farben des Schnees" von Angelika Overath

    Schnee, Schnee, wohin man sieht. In der Großstadt ist das eher lästig. Busse und Bahnen fahren nicht, die Wege sind nicht geräumt, und nach kurzer Zeit sieht der Schnee schmuddelig aus. Farben des Schnees? Davon ist nicht viel zu sehen.
    Anders in Sent im Engadin. Dort gibt es sechs Monate Schnee im Jahr. Und dorthin ist die Autorin Angelika Overath von Tübingen aus mit Kind und Kegel gezogen, nachdem die Familie schon jahrelang ihre Urlaube in Sent verbracht hat.
    Ein ganz schön großer Schritt. Ein Urlaubsort ist immer schön, aber bleibt das so, wenn man dort wohnt und der Alltag einkehrt? Ein Alltag, der überdies so ganz anders ist, als der gewohnte, der neue Fähigkeiten abverlangt. Wie gelingt es, sich in die enge Dorfgemeinschaft einzufügen?
    Dazu kommt noch das Sprachproblem. In Sent wird Rätoromanisch gesprochen, eine Sprache, die vom Aussterben bedroht ist. Die Autorin tut sich auch ziemlich schwer, die Sprache zu lernen.
    Für Matthias, den jüngsten Sohn, ist das kein Problem. Er hat gleich sein zweites Schuljahr in Sent begonnen, wo der gesamte Unterricht der Klassen eins bis sechs in Rätoromanisch stattfindet. Erst ab der vierten Klasse wird Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Gleich nach dem Umzug finanzierte die Gemeinde einen Rätoromanisch-Kurs für Matthias. Und er kannte seine zukünftigen Klassenkameraden vom Fußballspielen.
    Aber ist das gut für seine Zukunft? Sich überwiegend in einer Sprache auszudrücken, die kaum noch jemand spricht, in einer kleinen Schule unterrichtet zu werden? Ist das nicht intellektuell zu anspruchslos, wie Freunde der Familie befürchten? Denn im akademisch geprägten Tübingen sind die Anforderungen an die Kinder groß.
    „Fraglos galt, daß ein Kind vor allem optimal gefördert werden müsse. Es sollte etwas werden (Abitur war das Mindeste).“
    Ganz anders in der Dorfschule im Engadin:
    „Wir sind keine besonders ehrgeizigen Eltern. Aber irgendein heimlicher Druck fiel von Matthias ab. (…) Matthias ist (…) immer mit der überschaubaren Gruppe seiner Klassenkameraden zusammen. Und diese Gruppe, der Jahrgang, wird im Dorf als kleiner Sozialverband wahrgenommen und angesprochen, was wiederum ihren inneren Zusammenhalt verstärkt. Unter diesen Bedingungen kann Schulzeit leichter Gemeinschaft sein als zielgerichtete Karrierezeit.“
    Da stehen mir als Mutter, deren Kinder unter der Situation an Berliner Schulen leiden müssen, die Tränen in den Augen…
    Immer wieder wird im Buch deutlich, dass in Sent andere Dinge wichtig sind, dass das Leben ruhiger verläuft, tiefer. Das setzt sich auch in der poetischen Sprache des Buches fort. Die Ruhe des Engadins überträgt sich beim Lesen.
    Nebenbei erfährt man auch noch interessante Informationen über Sprache, Land und Leute.
    Neben Schneetage ist dies schon das zweite Buch über Schnee, das in meinem Lieblingsbuch-Regal landet. Dabei bin ich doch ein Sommerfan!

    Kommentare: 1
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    blancanievess avatar
    blancanievesvor 2 Monaten
    KaraMellis avatar
    KaraMellivor 9 Monaten
    Golondrinas avatar
    Golondrinavor 2 Jahren
    Blau80s avatar
    Blau80vor 3 Jahren
    P
    parolesvor 4 Jahren
    bücherelfes avatar
    bücherelfevor 5 Jahren

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