Angelika Schrobsdorff

 4.1 Sterne bei 117 Bewertungen

Alle Bücher von Angelika Schrobsdorff

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"Du bist nicht so wie andre Mütter"

"Du bist nicht so wie andre Mütter"

 (50)
Erschienen am 11.11.2016
Die Herren

Die Herren

 (9)
Erschienen am 01.05.1988
Jerusalem war immer eine schwere Adresse

Jerusalem war immer eine schwere Adresse

 (9)
Erschienen am 01.08.1991
Die Reise nach Sofia

Die Reise nach Sofia

 (9)
Erschienen am 01.03.1986
Der Geliebte

Der Geliebte

 (5)
Erschienen am 01.06.1992
Die kurze Stunde zwischen Tag und Nacht

Die kurze Stunde zwischen Tag und Nacht

 (5)
Erschienen am 01.06.1993
Grandhotel Bulgaria

Grandhotel Bulgaria

 (3)
Erschienen am 01.05.2002
Jericho

Jericho

 (4)
Erschienen am 01.07.1999

Neue Rezensionen zu Angelika Schrobsdorff

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AnjaLG87s avatar

Rezension zu ""Du bist nicht so wie andre Mütter"" von Angelika Schrobsdorff

Interessanter Einblick in vergangene Zeiten, aber zu eindimensional
AnjaLG87vor 2 Monaten

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen: 

Die Einblicke in das Leben der Familie 
Schrobsdorff und dessen Höhen und Tiefen 
von den Goldenen Zwanzigern über die 
Schrecken des Krieges bis hin zur Nachkriegszeit 
sind gut lesbar, verständlich und sehr 
interessant geschrieben. Zwei Dinge haben
mich aber sehr gestört: Zum einen stammt 
das Buch von der Tochter Angelika ,die zum 
einen aus der Ich-Perspektive schreibt, jedoch 
gleichzeitig auch in der dritten Person auftaucht. 
Das fand ich mitunter etwas verwirrend und 
nicht stringent. Zweitens hat mich das Verhalten
der Eltern, vor allem der Mutter Else, häufig 
eher wütend gemacht und ich hatte wenig 
Verständnis für ihr Leiden und ihre Sorgen.
Ist es gerechtfertigt, ein Buch über eine Frau 
zu schreiben, die einerseits als Vertreterin
der verfolgten Juden und der Kriegsgeneration
in diesem Buch der Öffentlichkeit präsentiert 
wird, wenn diese doch andererseits völlig
die Augen vor der Wahrheit verschlossen und
sich zunächst wenig um die Rettung ihres 
Lebens und ihrer Familie geschert hat? Die 
Judenverfolgung in Berlin ist im vollen Gange, 
aber Else zieht eben einfach aufs Land und 
feiert dort weiter. Als sie endlich den Ernst 
der Lage begreift und nach Bulgarien flieht, 
wird die Verschlechterung der Lebensumstände 
damit beschrieben, dass die Familie in der
Kutsche durch Sofia und in den Urlaub ans 
Meer fäh rt. Da hat mir einfach der Blick fürs 
Reale und für die viel tiefgründigeren, existentiellen
Fragen dieser Zeit gefehlt: Was macht diese 
Entwurzelung aus uns, was passiert mit den 
Menschen, die wir zurücklassen mussten oder
die für uns in diesem Krieg ihr Leben lassen, 
womit identifiziere ich mich nach dem Krieg und 
wie kann ich mich als Jüdin neu "verwurzeln"? 
Elses Einsichten kommen viel zu spät und 
konzentrieren sich ohnehin lediglich auf ihre 
möglichen Fehler und Versäumnisse als Mutter, 
das war mir, in Anbetracht des vielschichtigen
Themas, doch zu wenig für ein wirklich gutes und
in allen Belangen gelungenes Buch. Deshalb gibt
es von mir nur 3/5 Sternen für die wirklich interessante
Themensetzung und gute Lesbarkeit.

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M

Rezension zu "Die Reise nach Sofia" von Angelika Schrobsdorff

Rezension: DIe Reise nach Sofia
mandyswonderworldvor 3 Monaten

Das Buch besteht aus drei kleinen Geschichten. Die erste beschreibt die Anreise Angelikas von Paris nach Sofia, bei der es Schwierigkeiten mit dem Flug gibt, so dass sie mit dem Zug quer durch Bulgarien fahren muss. Sie selbst hat ihre Kindheit und Jugend in Sofia verbracht und möchte eine alte Schulfreundin besuchen. In der zweiten Geschichte ist sie dort angekommen. Die dritte Geschichte spielt dann in Paris. Angelika bekommt Besuch von ihrer bulgarischen Freundin, die zum ersten Mal im Westen ist. 

Wie immer bei diesem Thema, fühle ich mich unbehaglich und irgendwie schuldig: schuldig, daß ich im Westen lebte, schuldig, daß ich herumreisen konnte, schuldig, weil meine Strümpfe keine Laufmaschen hatten, schuldig, weil ich meine Zigarette nur halb aufgeraucht ausdrückte.

Angelika Schrobsdorff – Die Reise nach Sofia

Das Buch hat mir gut gefallen. Es lässt sich einfach lesen und gerade dadurch, dass ich momentan selbst seit wenigen Wochen in Sofia lebe, macht es die ganze Thematik noch interessanter. In dem Buch wird der Unterschied zwischen Westen und Ostern sehr deutlich – die unterschiedlichen Lebensumstände, Werte, Sorgen und Gedanken. Wie stark das heutzutage immer noch so ist, kann ich nicht beurteilen, aber es ist auf jeden Fall noch so und regt auf jeden Fall dazu an, über seine eigenen Privilegien nachzudenken.

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Rezension zu "Der Geliebte" von Angelika Schrobsdorff

Auf der Suche nach dem Glück
Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren

“Was suchen Sie eigentlich?” fragte er in ungeduldigem Ton.”Das Glück”, sagte ich.                              

Eine schwierige Liebesgeschichte. Zwei Menschen von gänzlich verschiedener Lebensauffassung suchen nach einer Perspektive für ihre Beziehung. Während er sich energisch bemüht, eine dunkle Vergangenheit zu vergessen, weiß sie, dass die einfachen Lösungen nicht für sie taugen.                                                                                         

Judith, die Protagonistin, lernt in Berlin Paul Hellmann kennen, als sie dort für zwei Wochen zu Besuch ist. Dieser hat das Atelier ihrer Freundin und Stiefmutter Dora gemietet, das sich neben dem Haus von Dora selbst befindet. Dora verehrt Paul abgöttisch und schwärmt in den höchsten Tönen von ihm, wohingegen Judith eher weniger begeistert ist – sei es “seine aufgeblasene Pose, sein harte[r], arrogante[r] Blick, sein himmelblaue[r] Mercedes.” Ihre Abneigung zueinander beruht auf Gegenseitigkeit. Paul und Judith sind beide (unglücklich) verheiratet und obwohl Judith anfangs noch neugierig ist, verwandelt sich dies im ersten Kapitel in Desinteresse. Nach ihrer Abreise glaubt Judith, Paul Hellmann nie wieder zu sehen.

Judith lässt sich einige Zeit später von ihrem Mann, den sie “nie geliebt hat” scheiden, und kümmert sich, nach Absprache mit diesem, alleine um ihren Sohn Andy. Ihr Leben hat sich grundlegend verändert – sie findet morgens keinen vernünftigen Grund mehr aufzustehen; sie schläft möglichst lange, damit die Stunden des Tages schneller verstreichen und kann es nicht erwarten, abends ins Bett zu fallen und eine hohe Dosis Schlaftabletten zu sich zu nehmen. Ihr Leben ist ihr vollkommen gleichgültig.

Eines Tages trifft sie in der Stadt erneut auf Paul Hellmann. Sie gehen in ein Lokal, verbringen den Nachmittag und auch ein paar weitere Tage zusammen. Gleichzeitig der Beginn und das vorläufige Ende ihrer Beziehung. Paul ist nur für ein paar Tage in Berlin, fliegt danach wieder in seinen Wohnort Zürich und möchte dann nach Amerika auswandern, um dort als Arzt arbeiten. Der arrogante Paul ist anscheinend Schnee von gestern und hat sein Leben insgesamt erfolgreich umgekrempelt. Judith nimmt dies als Anlass und arbeitet in den folgenden drei Jahren an der stetigen Verbesserung ihres eigenen Lebens – Paul Hellmann, ihr Vorbild, dabei immer im Hinterkopf.

Als sie eines Tages gebeten wird geschäftlich für sechs Wochen nach New York zu reisen, kann Judith es kaum erwarten. Sie möchte Paul von ihrer neuen Persönlichkeit überzeugen und hofft auf eine erneute Chance für ihre Beziehung. In Amerika angekommen, kann Judith Paul tatsächlich ausfindig machen und sie kommen sich erneut näher. Von Anfang an realisiert Judith, dass sich etwas verändert hat, dass sich vor allem Paul verändert hat. Dennoch schluckt sie ihren Stolz herunter und nimmt Pauls Heiratsantrag an.

Wieder zurück in Berlin beginnt Judith an der Beziehung zu zweifeln. Der Paul von einst, der Paul mit der dunklen Vergangenheit, der arrogante Paul, der Paul in den sie sich verliebt hatte, war nicht mehr vorhanden. Beim Schreiben eines Briefes an Paul fällt es ihr schwer zu schreiben, dass sie sich wünscht er wäre bei ihr. Judith entzieht sich weiter, hat eine flüchtige Affäre, schreibt unregelmäßig Briefe, trennt sich aber nicht von Paul. Am Heiligabend besucht Paul sie kurzfristig und die Spannung in der Beziehung wird deutlich. Paul gibt an, in Amerika schon gemerkt zu haben, dass Judith sich ihm gegenüber in den Briefen anders verhalten hat, hofft aber inständig, dass sie wieder zueinander finden und eine glückliche Beziehung führen können. Judith, die schon längst den Glauben an ihre Liebe verloren hat, kann Paul, der die Realität nicht wahrhaben möchte, überzeugen die Beziehung zu beenden.

“EINE BEGIERDE”, SCHREIBEN SIE IN DEN “HERREN”, “POCHTE DUMPF UND EKELERREGEND IN MEINEM LEIB.”

Ja. Aber den Schritt von der Leidenschaft zur großen Liebe habe ich nie gewagt. Stattdessen habe ich mir Arroganz und Härte und Stolz antrainiert, beschlossen, nie etwas zu empfinden. Ich habe nie geliebt.

Auszug aus http://www.stern.de/kultur/buecher/angelika-schrobsdorff–ich-habe-nie-geliebt–3744010.html

Das obige Interview erlaubt einen kurzen Einblick in das Leben und die Gedanken der Autorin Angelika Schrobsdorff, die sich auch in ihrem Werk wiederspiegeln. Die Protagonistin Judith ist Angelika Schrobsdorff sehr ähnlich; das nicht nur, weil sie ebenfalls eine Zeit lang in Israel gelebt hat, sondern auch die Tatsache, dass Judith ihren Ex-Mann und Angelika einen Mann nie geliebt habe und beide Schwierigkeiten hätten, das Leben optimistisch zu sehen, zeigen die Ähnlichkeiten der beiden auf.

Das Buch an sich hat mir erst im Rückblick und nach langem Grübeln gut gefallen. Judith schildert die letzten zehn Jahre ihres Lebens,die mit Krisen und Höhepunkten gespickt waren, und füllt ihre Geschichte mit inneren Monologen aus. So erhält man einen umfangreichen Einblick in ihre Gedankenwelt und baut eine sehr nahe Beziehung zu dem Charakter auf, obwohl mir Judith nichts desto Trotz von der ersten Seite an unsympathisch blieb. Zu Anfang des Romans lernte ich sie besser kennen, dann hatte ich Mitleid, dann jammerte sie mir zusehr, dann hatte sie ihr Ziel endlich erreicht und sie war trotzdem noch unzufrieden. Ich habe dennoch mitgefiebert und mir kräftig gewünscht, dass sie und Paul zueinander finden.

Der persönliche Einblick der Judith duldete wiederum keinen Widerspruch. Man musste Paul arrogant, toll oder am Ende sogar ekelerregend finden. Das war mir persönlich doch zu ungerecht, ich verabscheute Judith langsam und schleichend immer mehr, da sie Paul anscheinend nicht so akzeptierte wie er war und Paul sich viel Mühe gab. Andersherum war es jedoch genauso: Judith hatte sich um einiges verändert und Paul zeigte dafür kein echtes Interesse. Sie waren aneinander vorbei gezogen und hatten es selber nur schleppend realisiert. Judith hatte wieder angefangen im Verlag zu arbeiten und ihr Leben in den Griff zu bekommen, während Paul seine Arroganz und seinen hart erarbeiteten Protz aufgab, um als Arzt in Amerika zu arbeiten. Judith stieg auf, Paul ab – zumindest aus Sicht der Protagonistin. Ob das wirklich so ist – davon man muss man sich selber überzeugen. Der Roman zeigt auf, wie sich Menschen im Laufe der Jahre verändern und sich aus dem Blick verlieren können, obwohl sie am Beispiel von Judith doch effektiv daran arbeiten dem Partner zu gefallen. Ich finde es schade, dass sie sich auseinander gelebt haben und hätte mir gewünscht, dass es hätte einfacher und besser verlaufen können. Das war wohl gerade das Gute – keine 0815 Kitschgeschichte, bei der immer ein Happy End zu erwarten ist.

Der Schreibstil der Autorin gefällt mir gut. Es lässt sich flüssig lesen, auch wenn ich vom Inhalt her nicht alle Passagen klar nachvollziehen kann – liegt das vielleicht am zeitlichen Unterschied? Der Roman spielt nach dem zweiten Weltkrieg und wurde 1964 veröffentlicht. Differenzen und Meinungsverschiedenheiten sind da zu erwarten. Desweiteren macht Frau Schrobsdorff die Gedanken von Judith klarer, indem sie zahlreiche Metapher benutzt – besonders gut gefallen mir dabei das Karussell und der weiß-rote Regenschirm. Zahlreiche Phrasen des Romans regen außerdem zum Nachdenken an, wobei mein Lieblingszitat folgendes ist:

“Solange du nicht begreifst, worauf es ankommt, nämlich allein auf dich und die Art, wie du die Dinge siehst, so lange wirst du abends drei Tabletten nehmen müssen, um einschlafen zu können.” (Paul Hellmann, Seite 148)

Judith und Pauls Worte enthalten viel Wahrheit und verleiten dazu, über sein eigenes Leben nachzudenken.

Allem in allem ist das Werk “Der Geliebte” sehr gelungen. Die sprachliche und stilistische Gestaltung des Romans unterstützen die Erzählungen der Protagonistin. Auch wenn die Geschichte an sich leider nicht gut ausgeht (worüber ich ehrlich traurig bin!), mag ich die Tiefgründig- und Ernsthaftigkeit des Romans. Man schließt das Buch sichtlich irritiert, doch sobald der Prozess des Verdauens angelaufen ist, kann man nicht aufhören über Paul & Judith nachzudenken.

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