Ich musste es unbedingt haben, nach dem ich Anjali und R. Sriram bei einer Lesung mit Tanz im Heidelberger Völkerkundemuseum erlebt hatte. Nach 30 Seiten legte ich es erst einmal weg, weil ich damals einfach nicht die Ruhe hatte, mich auf die melodische, bildreiche Sprache einzulassen.
Anjali Sriram erzählt in “Karmatanz” das südindische Epos Shilappatikaram nach. Erzählt ist ein viel zu schwaches Wort: sie dichtet es nach, sie erzeugt in unseren europäischen Ohren den Klang des Tamilischen. Sie erweckt die Illusion des mündlichen Vortrags; sie versetzt den Leser in eine indische Säulenhallen, wo er dem Prinzen und Dichter Ilango lauscht. So sollen die alten Epen eigentlich klingen!
Ganz besonderen Augenmerk legt Anjali Sriram, die selbst ausgebildete Tänzerin ist, auf die Figur der Tempeltänzerin und Kurtisane Madhavi. So ist die zweite ganz große Stärke des Buches, das darin indischer Tanz und klassische indische Musik lebendig und verständlich erklärt werden.
“Karmatanz” ist ein Buch für Liebhaber, was die diplomatische Umschreibung für “es hat sich nicht so wirklich gut verkauft” ist. Als Buch ist es nicht mehr erhältlich; aber sehr wohl als EBook. Das ist für mich die ganz große Stärke der EBooks – solche Perlen wie “Karmatanz” lieferbar zu halten, denn Dateien brauchen keinen teuren Lagerplatz.


