Angelika Waldis Marktplatz der Heimlichkeiten

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Inhaltsangabe zu „Marktplatz der Heimlichkeiten“ von Angelika Waldis

Das Medienhaus eines Schweizer Verlages ist ein Marktplatz, hier werden Geschichten verkauft über alles, was draußen läuft in der Welt. Was drinnen läuft, in den Menschen, die hier arbeiten, bleibt jedoch täglich ungesagt: Sven hat einen falschen Titel, Josette ein Verhältnis mit mit dem Chef, Iris kokst, Annakatharina treibt ab, Stevie klaut seltsame Dinge, Walter hört Stimmen, und Postino von der Hauspost leidet an Weltweh. Angelika Waldis deckt behutsam die Geheimnisse auf und bewirkt, dass man zum Schluss auch das boshafte Ekel und die dumme Schnepfe irgendwie ins Herz schließt. 

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  • Leserunde zu "Marktplatz der Heimlichkeiten" von Angelika Waldis

    Marktplatz der Heimlichkeiten
    Europa_Verlag

    Europa_Verlag

    Angelika Waldis "Marktplatz der Heimlichkeiten" steckt voller Geschichten und Heimlichkeiten. Wir freuen uns sehr, wenn ihr gemeinsam die Geheimnisse lüftet und am Ende eine Rezension über das Buch schreibt. Vielen Dank und viel Spaß beim Lesen! Zum Buch: "Menschen wie Medien in diesem Roman sind erfunden. Aber erfunden ist nicht gelogen. Das Medienhaus ist ein Marktplatz, hier werden Geschichten verkauft, möglichst frisch. Über alles, was läuft, draußen in der Welt. Was drinnen läuft, in den Menschen, die hier arbeiten, bleibt ungesagt. Sie verwahren ihre Heimlichkeiten voreinander. In diesem Buch werden sie aufgedeckt, an ein paar Sommertagen und ein paar Wintertagen im Jahre 2012. Erstaunliches kommt zum Vorschein. Die Volontärin, die durch alle Kapitel mitgeht, ahnt es erst zum Schluss." Angelika Waldis Informationen zur Autorin:  www.angelikawaldis.ch

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  • Rezension zu "Marktplatz der Heimlichkeiten" von Angelika Waldis

    Marktplatz der Heimlichkeiten
    dorli

    dorli

    01. September 2015 um 10:33

    Juni/Dezember 2012 – ein Medienhaus in der Schweiz. Hier tummeln sich tagtäglich unter einen Dach viele Menschen, die ihrer Arbeit nachgehen – miteinander oder auch gegeneinander. Sie alle haben ihre Eigenarten und Geheimnisse, die hier nach und nach von Angelika Waldis aufgedeckt und präsentiert werden. In „Marktplatz der Heimlichkeiten“ begibt man sich auf eine Wanderung durch das Medienhaus, öffnet die Türen zu den verschiedenen Ressorts und lernt 27 ganz unterschiedliche Mitarbeiter kennen. 26 Akteure von der Verträgerin bis zum Chef, die dem Leser nacheinander einen kurzen, aber sehr intensiven Einblick in ihr derzeitiges Leben und Denken gewähren – gerade jetzt, wo Worte wie Umstrukturierung und Massenentlassung durch die Korridore geistern; 26 Menschen, die ihre Ängste und Sorgen, ihre Vorlieben und Abneigungen, ihre Angewohnheiten, Geheimnisse, Wünsche und Träume offenbaren. Und mittendrin die Volontärin, die immer wieder durch Zwischenrufe in Erscheinung tritt und scharfzüngig das Leben und Treiben um sich herum kommentiert. In den insgesamt 28 Episoden bringt Angelika Waldis Erstaunliches, Absurdes, Dramatisches und Bewegendes ans Tageslicht – mir haben diese kleinen Geschichten sehr gut gefallen. Das Buch steckt voller interessanter Begebenheiten. Manche zum Schmunzeln. Viele zum Nachdenken. Einige zum Kopfschütteln. Die Autorin hat eine angenehme Art, dem Leser die Gedanken und Geheimnisse der unterschiedlichen Mitarbeiter näherzubringen. Schnörkellos und mit treffenden Formulierungen. Besonders gut haben mir die bissigen Kommentare der Volontärin gefallen – eine Aneinanderreihung von Gedankensplittern, die das jeweilige Geschehen exakt auf den Punkt bringen. Ein außergewöhnliches Buch über die ungesagten Geschichten im Arbeitsalltag. Absolute Leseempfehlung.

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  • Klasse Idee - aber noch nicht ganz ausgereift

    Marktplatz der Heimlichkeiten
    -Lesemaus-

    -Lesemaus-

    26. August 2015 um 12:11

    Die Autorin zum Buch: "Menschen wie Medien in diesem Roman sind erfunden. Aber erfunden ist nicht gelogen. Das Medienhaus ist ein Marktplatz, hier werden Geschichten verkauft, möglichst frisch. Über alles, was läuft, draußen in der Welt. Was drinnen läuft, in den Menschen, die hier arbeiten, bleibt ungesagt. Sie verwahren ihre Heimlichkeiten voreinander. In diesem Buch werden sie aufgedeckt, an ein paar Sommertagen und ein paar Wintertagen im Jahre 2012. Erstaunliches kommt zum Vorschein. Die Volontärin, die durch alle Kapitel mitgeht, ahnt es erst zum Schluss." Angelika Waldis Meine Meinung: Als ich von der Idee dieses Buches gelesen habe, war ich fasziniert. Mehrere Geschichten, die sich all an ein und dem denselben Ort zusammenfinden klingt interessant und sehr raffiniert. Die Autorin gibt dem Leser Einblicke in die tiefsten Abgründe und Sehnsüchte der Mitarbeiter dieses Verlages - vom Mitarbeiter in der Briefzustellung bis hin zum Chef ist alles dabei. Diese Geschichten sind teils sehr bewegend und haben mich regelrecht deprimiert. Manchmal wäre ich am liebsten in das Buch eingetaucht und hätte versucht, die entsprechenden Personen wachzurütteln. Doch alles in allem hat mir für fünf Sterne etwas Gravierendes gefehlt: Auch wenn es immer wieder ganz kleine, fast unscheinbare Verbindungen gibt (so taucht zum Beispiel Postiono des Öfteren auf), ein rundum stimmiges Bild konnte Angelika Waldis leider nicht erzeugen. Nach mehreren Kapitel musste ich erst einmal pausieren, bevor ich weiterfortfahren konnte, da es anstrengend ist, sich ständig auf etwas Neues einstellen zu müssen. Wäre es am Ende zu einem grandiosen Finale gekommen, in dem sich alles zusammenfindet und einen Sinn ergibt, dann hätte ich diese "Mühen" gerne in Kauf genommen. So aber blieb ich etwas enttäuscht zurück. Schade.

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  • Kurzer Einblick in menschliche Schicksale

    Marktplatz der Heimlichkeiten
    Buchina

    Buchina

    13. August 2015 um 14:18

    Ein Roman, der wie eine Anthologie wirkt. Ort und Zeit des Geschehen verbindet die Geschichten. Erzählt werden die Geheimnisse verschiedenster MitarbeiterInnen eine schweizer Verlagshauses. Dabei geht es quer durch alle Alters- und Sozialschichten. Es gibt große und kleine Geheimnisse. Sei es eine ungewollte Schwangerschaft, Fremdgehen mit dem Chef, Depressionen, Schuldgefühle ect. Das Verlagshaus in Angelika Waldis Roman hat wirklich eine weite Bandbreite der alltäglichen Problem zu bieten. Die persönlichen Geschichten der MitarbeiterInnen werden einzeln und unabhänig betrachtet. Nur ab und zu gibt es Überschneidungen, z.B. bei den Festen des Verlagshauses. Deutlich wird immerwieder, dass es hinter der heilen Fassade viel Abgründe gibt, die Außenstehende kaum erahnen können. Der Schreibstil der Romans ist sehr angenehm, keine langen Beschreibungen und Schachtelsätze. Einzelne Worte sind aus dem Schwitzerdeutsch, was ich ganz süß fand, da es mich immer zum lächeln gebracht hat.Die einzelnen Kapitel sind nicht so lang und vollgestopft mit Informationen, so dass es nie langweilig wurde. Das führt natürlich auch dazu, dass man gerade in ein Schicksal hineingeschnuppert hat und die Person gleich wieder verlassen muss. Nur bei manchen Charakteren erfährt der Leser wie es bei der Person weitergeht. Insgesamt sind es eher traurige Schicksale, kaum gibt es ein positives Beispiel. Der Roman hat mir im enteffekt aber wieder gezeigt, dass ich kein Freund von Kurzgeschichten bin. Ich mag es einfach mich intensiver mit einem Charakter und seiner Geschichte auseinandersetzen. Und das ist auch in diesem Roman nicht wirklich möglich. Zuviele Geschichten bei denen man nur kurz zuschaut und sie zu schnell wieder verlassen muss. Für Leser, die das mögen, kann ich diesen Roman aber empfehlen, da er nie langweilig ist und sehr abwechslungsreich mit seinen Geschichten ist. Das der Handlungsort ein Verlagshaus ist, ist eher nebensächlich, diese Heimlichkeiten könnten auch in jeder anderen Firma spielen.

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  • Marktplatz der Heimlichkeiten

    Marktplatz der Heimlichkeiten
    Julia2610

    Julia2610

    11. August 2015 um 21:17

    Klappentext Das Medienhaus ist ein Marktplatz, hier werden Geschichten verkauft über alles, was draußen läuft in der Welt. Was drinnen läuft, in den Menschen, die hier arbeiten, bleibt jedoch täglich ungesagt, alle verwahren sie ihre Heimlichkeiten voreinander. Leidenschaften und Machenschaften, Lust und Last halten sie geheim bis zum großen Jubiläumsfest. Angelika Waldis deckt behutsam auf und bewirkt, dass man zum Schluss auch das boshafte Ekel und die dumme Schnepfe irgendwie ins Herz schließt. Böse, zärtlich, witzig! Meine Meinung Irgendwie weiß ich nicht so recht wo ich anfangen soll. Ich habe nicht so richtig in das Buch hineingefunden. Die Art des Schreibens hat mich nicht gänzlich angesprochen und die Sprache ist teilweise sehr alt und auch das Schweizerdeutsche, das an einigen Stellen im Buch zu finden ist, war für mich als Norddeutsche etwas schwierig zu verstehen.Das Buch ist in insgesamt 28 Kapitel aufgeteilt. In jedem der Kapitel geht es um einen anderen Mitarbeiter des Verlages und seine eigene Geschichte, z.B. Affäre am Arbeitsplatz, Suizidgedanken, Unfälle, Liebeleien… Normalerweise mag ich es sehr gerne, wenn in einem Buch viele Charaktere Platz finden, aber hier sind es schlichtweg zu viele. Ich hatte wirklich Schwierigkeiten alle Personen zuzuordnen, sobald sie mit einem anderen Mitarbeiter in Kontakt standen. Einige der Kapitel waren wirklich sehr interessant, aber der Großteil hat mich einfach irgendwie nicht so richtig angesprochen. Da ich selbst in einem Verlag arbeite, habe ich mir sehr viel mehr von dem Buch erhofft, dass das wirkliche Treiben eines Verlages ein wenig besser beschreibt, als es hier der Fall ist. Für zwischendurch ist das Buch aber ganz nett.

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  • Arbeit ist das halbe Leben, Geheimnisse die andere Hälfte...

    Marktplatz der Heimlichkeiten
    BluevanMeer

    BluevanMeer

    09. August 2015 um 23:27

    Das Verlagshaus der NSZ funktioniert wie eine große Maschine. Für den Erfolg der Maschinerie sind viele kleine Rädchen verantwortlich, die den Laden am Laufen halten. Im Debütromroman der schweizerischen Autorin Angelika Waldis, der den verheißungsvollen Titel Marktplatz der Heimlichkeiten trägt, werden unterschiedliche Akteur*innen der Maschine vorgestellt. Chef des Verlags ist Ott, Spitzname Gott, Chefredakteur ist Zibung, Spitzname "Zi bumst". Die eine Hälfte des Romans spielt im Sommer, die andere im Winter - beide enden mit einem Knall auf einem Verlagsfest. Und beide Ereignisse haben es in sich. Doch bis zur totalen Eskalation ist es ein weiter Weg und bis dahin kann man sich noch genug Zeit nehmen, die Mitarbeiter*innen kennen zu lernen, von deren Geheimnissen Gott nichts ahnt. In den kurzen Episoden vor der Katastrophe kommen Tino von der Hauspost, Nadine aus der Kantine, Josette vom Department Human Ressources, die Redaktionssekretärin Lilli, die Fotografin Margit, Verwaltungsrat Albert oder Stevie von der Cleaning Group zu Wort. Insgesamt 26 unterschiedliche Charaktere liefern einen Einblick in ihren Arbeitsalltag, verraten ihre Geheimnisse, ihre Leidenschaften, ihre Laster, ihre Süchte, ihre Ängste. Und über Allem schweben Gerüchte, Geschichten, kleine und große Skandale, die der eine heimlich dem anderen erzählt. Während das Medienhaus zwar die Geheimnisse der Stars und Geschichten aus aller Welt lesefreundlich aufbereitet und organisiert, stellt sich das Privatleben der meisten Beschäftigten nicht weniger turbulent und aufregend dar. Süchte, Unfälle, Suizidgedanken, Geschwister im Gefängnis, alkoholkranke Mütter, verstorbene Ehepartner, xenophobe Ehepartner ein verzweifelter Kinderwunsch, eine heimliche Abtreibung und ein verrückter Stalker - niemand steht ohne überraschendes Geheimnis da. Und alle versammeln sich unter dem Dach eines Verlages, der zunehmend marktwirtschaftlich unter Druck gerät. Get good or get out Immer wieder ist von Stellenabbau die Rede und der Innovationszwang wird in jedem Ressort sichtbar. Der suizidale Tino von der Hauspost, genannt Postino, hat durch seine Aufgabe im Getriebe Kontakt zu fast allen Beteiligten. Vielleicht ist er das verbindende Element zwischen den unterschiedlichen Arbeitsbereichen, er fällt auf jeden Fall auf, zumindest dem Redakteur Luca, der viel lieber Schriftsteller wäre: Die Postinoaugen gäben was her für ein Haiku, aber hier drin ist nicht daran zu denken. Hier drin gilt einer als krank, wenn er nach Lyrik riecht. Hier drin sind fünfhundert Anschläge gefragt. (S. 36) Aber auch Nadine hat mir gefallen, die Köchin, die versucht Karriere und Kinder miteinander zu vereinbaren. Oder Aufsichtsrat Louville, von Haus aus Ethnologe, der nur als entfernter Neffe des Verlagsgründers in seine prominente Rolle gerutscht ist und zumindest versucht, den marktwirtschaftlichen Forderungen eine humanere Lösung entgegenzusetzen. Das macht ihn sympathisch, wenn auch seine Rettungsaktion ins hilflos Lächerliche rutscht. Ich habe eine Zeitlang in Burkino Faso gelebt, Herr Breuer. Die Stammesleute dort, die Wara von Niansogoni, haben ein Speisetabu. Sie jagen und essen den Büffel nicht, denn der Büffel hat ihr Land begehbar gemacht. Die NSZ ist unser Büffel, Herr Breuer. Louville sagt noch einmal alles auf, was er vor dem Verwaltungsrat gesagt. Er weiß noch jeden Satz. Im Stehen hat er gesprochen, die Hände in den Taschen des Jacketts, damit nicht zu sehen war, wie sie zitterten. (S.148) Angelika Waldis kleines Kunstwerk gefällt mir auch deshalb so gut, weil sie zwar scharfzüngig und mit einer großen Portion schwarzem Humor die Schicksale ihrer Protagonist*innen erzählt, sie aber nie der Lächerlichkeit preisgibt. Gerade die Volontärin sorgt mit ihren regelmäßigen Wortmeldungen für eine angenehm andere Perspektive, da sie noch nicht so lange im Betrieb arbeitet und vieles kritisch sieht: was hier so riecht, ist dünkel, ein mix aus bisschen schwarztee, bisschen leder, bisschen frischschweiß, bisschen gebügelt, ja so etwa - das wabert - wabert durch die Korridore, durch offene türen - am stärksten riecht's in kultur und ausland: ha! wir sind die mit dem durchblick! - die mit dem Scharfsinn! - die mit der echtoriginalität! - sprache: unsere keule! sprache: unsere streichelfinger! ha! - und was schaut raus? eine langweilige Zeitung. (S.45) Hintergründiger Humor prägt die Geschichten, gleichzeitig werden alltägliche Begebenheiten unerwartet tiefsinnig aufgeladen. Zum Beispiel wenn Postino, der gerade noch darüber sinnierte, wie leicht es wäre, sich mit einem Sud aus Eibenbuschbeeren zu vergiften ("[...] das ginge sogar hier in der Hauspost, mit dem Wasserkocher, den er seit Jahren im Schrank hat", S.15), im nächsten Moment bei Fred Hansemann im Büro sitzt und mit ihm gemeinsam Bilder von Grottenolmen ansieht. Der Materialeinkäufer hat nämlich einen Faible für ausgefallene Tierchen. Der lebe im Dunkeln, sagt er, in Tropfsteinhöhlen, möge ganz kaltes Wasser und einen lehmigen Gewässerboden zum sich Einwühlen. Weil sich Postino nicht gebührend entsetzt, sagt Hansemann noch, der Grottenolm habe funktionslose Augen, die seien unter der Haut verborgen. "Dann weiß er wenigstens nicht, wie er aussieht", sagt Postino, " ist doch immerhin etwas. Und sich Einwühlen ist auch nicht übel." "Das nennt man positiv denken", sagt Hansemann, "trotzdem: Möchtest du so leben?" Postino lacht. Er weiß nicht, wie er leben möchte. (S.18) Markplatz der Heimlichkeiten ist auf ganzer Linie gelungen. Der Text hat mir sehr viel Spaß gemacht, aber auch zum Nachdenken angeregt. Ich hätte liebend gerne gewusst, wie es mit den Figuren, mit ihrer Arbeit und mit dem Verlag weiter geht. Und auch das Ende wirft zumindest Fragen auf. Manche Szenen waren witzig, andere schwierig oder verstörend, häufig beiläufig böse und hinreißend gut erzählt. Manche Figuren sind sehr schräg, aber am Ende doch liebenswert. Wer sich darauf einlassen kann, 26 unterschiedliche Figuren kennen zu lernen, hat mit diesem Roman sicherlich eine ganze Menge Spaß.

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  • Mehr Schein als Sein

    Marktplatz der Heimlichkeiten
    Buchstabenliebhaberin

    Buchstabenliebhaberin

    07. August 2015 um 22:12

    Jeder Mensch hat ein Geheimnis. Mal ist es klein und unbedeutend und kaum zu ahnen, mal groß und schwer und unübersehbar. Und manchmal denkt der Geheimnisträger, keine würde es ahnen ... Die Menschen verbringen mehr Zeit bei der Arbeit als zu Hause, doch wie verhalten sie sich am Arbeitsplatz? Sind sie extrovertiert oder zugeknöpft, baggern sie im Kollegenkreis? Affairen am Arbeitsplatz, heimliche Schwangerschaften, prügelnde Ehemänner und kriminelle Elemente, traurige Wittwer, obdachlose Exmitarbeiter, geheime Reiche und heimliche Drogenabhängige, alles vertreten, in Angelika Waldis "Marktplatz der Heimlichkeiten". Frau Waldis lässt uns an den Geheimnissen 27 ganz normaler Mitarbeiter in einem Verlag, der vor großen Umstrukturierungs-maßnahmen steht, teilnehmen. Von der Praktikantin bis zum Vorstandsvorsitzenden sind alle Positionen vertreten. Wobei nur die Volontärin regelmäßig ihren wunderbar gehässigen und überaus scharfsinnigen Senf abgeben darf. Doch es gibt Querverbindungen und zwei Feste. Freundschaften. Liebschaften. Konkurrenz. Intrigen. Regeln werden gebrochen. Und all diese Geschichten könnten sich genau so in jeder beliebigen Firma dieser Welt staffinden. Sie sind so alltäglich, so scharfsinnig, voller Herzenswärme und auch mit einer gewissen Melancholie. Mein Lielingszitat: "Aufregen. Fünffarbig. Pauken. Trompeten. So hat er sich das Leben mal vorgestellt. Aber es ist nur ein Blockflötenstück draus geworden, und keiner hört es sich an, ..." (S. 286). Mein Fazit: Die Idee des Buches ist genial, und die einzelnen Geschichten machen regelrecht süchtig. Danach geht man durchs Leben und sieht seine Kollegen mit neuen Augen: Welcher Geheimnis versteckt er/sie? Doch irgendwie hatte ich erwartet, noch etwas mehr von den einzelnen Personen zu erfahren. Nach dem ersten Kennenlernen verschwinden sie leider auch schon wieder in der Versenkung. Und mit über 20 Personen fällt der Überblick recht schwer. Namen tauchen auf, und es gilt: blättern. Wer war das gleich noch mal? Ich würde eine Forsetzung, in der ich mehr über genau diese Personen erfahre, sofort lesen! Die Sprache von Angelika Waldis ist wunderbar. Dieses Schweizerische (Redaktor, Verträgerin) ist sehr charmant, gemütlich. Ganz im Gegensatz zur harten Gangart, die den maroden Verlag wieder auf Kurs bringen soll. Entlassungen drohen. Und die Menschen zeigen ihr wahres Gesicht. Oder fahren die Ellenbogen aus. Während der alltägliche Wahnsinn seine Spuren in ihren Gesichtern und Leben hinterlässt. Super beschrieben. Ein ungewöhnliches Buch. Meine Leseempfehlung!

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