Angelika Zöllner singen, ehe der Himmel fällt

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Inhaltsangabe zu „singen, ehe der Himmel fällt“ von Angelika Zöllner

Gedichtsammlung der Autorin Angelika Zöllner. Sie erschafft einen lyrischen Atlas innerer und äußerer Landschaften

Angelika Zöllner lotet Nähe und Ferne zwischen Menschen aus.

— Anjaliedtke
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    singen, ehe der Himmel fällt

    Anjaliedtke

    11. May 2017 um 15:09

    „singen, ehe der Himmel fällt“ Als das Fernsehen seinen Höhepunkt feierte, war Lyrik out. Es war neuer und bequemer, Bilder an sich vorbeiziehen, anstatt sie im Kopf entstehen zu lassen. Doch seit sich die Fernsehbilder und -stimmen als kommerziell und schematisch entlarven, steigt das Bedürfnis nach authentischen Stimmen und Bildern, die tatsächlich etwas zu erzählen haben. Angelika Zöllner ist so eine authentische Stimme, die etwas zu sagen weiß. Die Fotografin und Lyrikerin versteht es, die Dramen des Lebens in soziales Engagement und Kunst zu kanalisieren. Im Gedichtband „singen, ehe der Himmel fällt“ lotet Angelika Zöllner Nähe und Ferne zwischen Menschen aus. Und zwar nicht nur zwischen Liebenden und sich Entliebenden, sondern auch die Nähe und Ferne zu Menschen fremder Kulturkreise, die dem lyrischen Ich als Flüchtlinge begegnen oder denen das Ich als Tourist begegnet, oder zu Menschen unterschiedlicher Seelenzustände, wie zu Verwirrten, Verfolgten oder zum „Penner“. Diese Fremdlinge werden nicht nur vom Passanten neugierig beäugt, sondern angesprochen und befragt. Das macht aus ihnen Nahestehende, und immer stellt sich etwas Besonderes heraus: Der eine Penner stickt, der andere macht Urlaub in der Bundesbahn, der dritte hortet mehr Freiheit, als wir Beobachter besitzen. Die Autorin erfragt das Individuelle in den Menschengruppen. Das klingt nach einer Dichterin, die mit der Zeit geht. In anderen Gedichten gibt sie sich als eine, die aus der Zeit fällt. Das tut sie bedacht, um erstens von einer höheren menschlichen Warte aus über ihre Zeit(-zeugenschaft) zu berichten und um zweitens zu mahnen, das Menschsein überhaupt erst einmal zu erreichen, statt in naturferner Hetze und Alltäglichkeit unmenschlich zu werden. Beispielhaft hierfür steht „SO NETT SEPTEMBRIG“. Der Titel ist pure Ironie und hält nicht, was er verspricht. Vielmehr leiten die gehäuften Enjambements von einer Katastrophe zur nächsten, um in der Schlüsselstrophe zu münden: „wenn wir uns weiter schöpfung einverleiben/und aus den bäumen unsere lieder schneiden/so stürzt der himmel unserer kinder nieder“. Die Variation des Titelverses des Buches deutet auf eine der zentralen Aussagen des Bandes: Wir dürfen unsere Kultur nicht länger aus der Natur herausschneiden, andernfalls zerstören wir sie, vielmehr sind wir gehalten, sie im Einklang mit unserer menschlichen Natur und unserer natürlichen Umgebung zu gestalten. Die Autorin scheint sich mindestens sprachlich bereits auf einem guten Weg zu diesem Ziel zu befinden, so lassen sich ihre Wortverbindungen jedenfalls interpretieren, die das Menschliche und das Natürliche aufs Engste zusammensetzen wie in „baumsprache“ und „herzringen“ im Gedicht „BEZIEHUNGS-SEPTEMBER“. Diese Funktion der Wortverbindungen wird im Gedicht WINKEL/HAUPTSTRASSE (Sommer und Herbst) noch einmal gesteigert, bis komplexe Bilder entstehen: „festgestandnes haus“, „kinderkirschbaum“, „nie mehr nachgeschmeckten julifrüchten“, jahrhundertkühl der winzerlebenswein“, „der liebgegossene oleander“, „dem schweren leidensbündelkleid“, „auf der wartebank“. Angelika Zöllner ist eine, die den Blick für Mensch und Natur gleichermaßen hat und, wie die deutschen Romantiker zu sagen pflegten, die Chiffreschrift der Natur zu entziffern vermag. Wenn sie die Natur wieder als Ausdruck der Seele entdeckt, wirkt das keineswegs altmodisch oder gecovert, denn die „tiefgefrorenen gesichter“ bewegen sich stets in einer aktuellen Gesellschaft. Selbst wenn es sich um ein Wandererlied wie WINTERS ENDE handelt, spüren wir den aktuellen Zeitbezug in den Details: „wenn die winterhaare den rucksack entlangwachsen/ist es zeit zu gehen“. Die starken, klaren Bilder und die Witz evozierenden Stilmittel werden auch dem enttäuschten Fernsehzuschauer den Umstieg auf das lyrische Medium erleichtern und ihn zum Schmunzeln, Mitfreuen und Mitleiden verführen.

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