Anita Augustin

 3,5 Sterne bei 61 Bewertungen
Autor*in von Der Zwerg reinigt den Kittel, Alles Amok und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Anita Augustin, geboren 1970 in Klagenfurt, studierte Philosophie und Theaterwissenschaft an der Universität Wien und absolvierte eine Ausbildung zur diplomierten Barkeeperin. Sie arbeitet seit 25 Jahren als Dramaturgin in der freien Szene, an Stadt- und Staatstheatern sowie bei Festivals (u. a. Deutsches Theater Berlin, Schauspiel Hannover, Schauspiel Frankfurt, Volkstheater Wien, Salzburger Festspiele). Als Autorin schreibt sie Stücke, Libretti, Live-Hörspiele und Augmented-Reality-Games für die Bühne, ihre Romane „Der Zwerg reinigt den Kittel“ und „Alles Amok“ sind im Ullstein Verlag erschienen. Augustin lehrt als Dozentin an der Freien Universität Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Anita Augustin

Cover des Buches Der Zwerg reinigt den Kittel (ISBN: 9783548285788)

Der Zwerg reinigt den Kittel

 (42)
Erschienen am 02.12.2013
Cover des Buches Alles Amok (ISBN: 9783548287836)

Alles Amok

 (12)
Erschienen am 30.11.2015
Cover des Buches Der Zwerg reinigt den Kittel (ISBN: 9783844906332)

Der Zwerg reinigt den Kittel

 (3)
Erschienen am 23.08.2012

Neue Rezensionen zu Anita Augustin

Cover des Buches Wie ähnlich ist uns der Zackenbarsch, dieses äußerst hässliche Tier (ISBN: 9783701182695)
awogflis avatar

Rezension zu "Wie ähnlich ist uns der Zackenbarsch, dieses äußerst hässliche Tier" von Anita Augustin

Pädophilie: Ächtung, Rache und Therapie - ein aufwühlendes Thema
awogflivor einem Jahr

Schon wieder habe ich zu einem sehr kontroversen Roman gegriffen, aber scheinbar ist heuer ein ganz schön großer Teil aller österreichischen Neuveröffentlichungen mit einer Triggerwarnung zu versehen. Nichtsdestotrotz fand ich den Roman gut geschrieben und interessant aufgebaut.


Diesmal geht es um das heikle Thema Pädophilie vor allem aus therapeutischer Täterarbeit beleuchtet, und vom Rachegedanken einer betroffenen Mutter getragen, also kein Inhalt, der locker flockig daherkommt.


Ich habe mich gleich auf den ersten Seiten gewundert, denn Autorin Augustin schreibt schon zu Beginn, dass sie ihren Humor verloren hat und nimmt das sehr ernst. Kannte ich bisher ihre augenzwinkernden bitterbösen schwarzhumorigen Geschichten, wie Der Zwerg reinigt den Kittel oder Amok (Die beiden Bücher sind an die Rezi drangehängt), die ich zwar fies, aber brüllend komisch gefunden habe, so geht es nun tatsächlich um ein todernstes Thema.


Ein dreizehnjähriges Mädchen wird vermisst, nicht kurzfristig, sondern mehr als Jahr, die Polizei hat mittlerweile aufgegeben, die alleinerziehende berufstätige Mutter ist im Fegefeuer, völlig verzweifelt, sie ermittelt selbst und ist überrascht, was sie über ihre Tochter rausfindet. Irgendeinen Ansatz fördert sie letztendlich zu Tage. Der Teenager war in einem Industriegebiet mit den Jungs Fußballspielen und ein älterer erwachsener Mann, wahrscheinlich ein Pädophiler hat sie beobachtet, angesprochen und mitgenommen.


Auch wenn Augustin nicht mehr humoristisch schreibt, sind die Figuren noch genauso abgedreht wie in ihren bisherigen Romanen. Die Mutter der entführten Tochter lässt sich im Anschluss als Geliebte auf eine zehnjährige Beziehung mit dem einzigen Psychiater der Region ein, der Pädophile betreut und bespricht mit ihm seine Arbeit, um irgendwann den Täter zu identifizieren. Die Gruppe der betreuten Pädophilen in der Therapie ist richtig schrecklich bis verstörend, sie werden aus psychologischer Sicht sehr genau mit ihren Problemen, Ängsten, Neigungen, Vermeidungsstrategien und Rückfällen geschildert. Das ist extrem sachlich, intensiv, furchtbar und gut, wie die Mutter, sie nennt sich Karl, im Rachemodus ihrem verheirateten Freund Dr. Frank (was für ein Name, da gabs doch mal eine Fernsehserie: Dr. Frank dem die Frauen vertrauen) endlich die Gelegenheit gibt, intensiv über seine Arbeit zu sprechen, was er mit seiner Ehefrau nicht machen kann. Dabei fällt Frank gar nicht auf, dass er nicht nur im Plaudern seine Schweigepflicht verletzt, sondern dass ihn seine Geliebte regelrecht aushorcht.


Zwischendurch wäre die Liaison mit Karl, von der die Ehefrau auch weiß, fast zerbrochen, weil des Doktors Ehefrau Yvette plötzlich schwanger wird und Frank deshalb fokussiert in den Hafen der Ehe zurückkehren möchte. Doch die Schwangerschaft war nur eine Scheinschwangerschaft und so wird das bisher von allen akzeptierte Dreiecksverhältnis – montags bis samstags Ehe, am Sonntag Ausflug zur Geliebten – fortgeführt.


Nach zehn Jahren gibt es endlich einen Durchbruch und Karl hat tatsächlich eindeutig den Missbraucher ihrer Tochter mitsamt seinen pädophilen Neigungen anhand der Erzählungen von Dr. Frank ziemlich klar identifiziert. Karl hat mittlerweile unter ihrem richtigen Namen auch einen Job in der bevorzugten Apotheke des Therapeuten angenommen, in der die Gruppe der „Gentlemen“, wie sie Frank oft liebevoll und sehr verharmlosend beschreibt, ihre Medikamente abholen. So wanzt sie sich an den potenziellen Kinderschänder ihrer Tochter namens Viktor heran. Das funktioniert natürlich auch deshalb so gut, weil die Herren in der Therapie lernen, wie man mit Erwachsenen Frauen Beziehungen eingeht. Alles in allem eine Erfolgsgeschichte für Dr. Frank, Viktor und die gesamte Gruppe, die allesamt keine Ahnung haben, dass die Rachegöttin Nemesis im Anmarsch ist.


Im Plot legt Anita Augustin noch ein Schäuferl nach, denn Karl ist bei der Erzwingung eines Geständnisses von Viktor bereit, jegliche moralischen Schranken fallenzulassen. Mit welcher Methode sie das bewerkstelligen will, möchte ich nicht verraten, aber es ist so atemberaubend abgedreht. Im Endeffekt tut sie es aber dann trotzdem nicht.





„Was macht man mit einem sehr großen, sehr schweren Stein, der Vergangenheit heißt und sich nicht wälzen und sich nicht bewegen lässt? Soll man dagegentreten? Soll man versuchen ihn zu zerschlagen? Was macht man?“


„Man lässt ihn einfach liegen und geht davon.“



Das Thema ist heftig und wird sowohl differenziert als auch nicht verharmlosend in den Plot eingebaut, der wirklich sehr rasant konzipiert ist und mit einigen Überraschungen aufwartet. Die Reaktionen von Betroffenen und die Empörung der Gesellschaft im Gegensatz zum sachlich sezierenden Blick des Arztes werden von der Autorin auch immer wieder aufgenommen.





„Und wenn dir irgendjemand erzählen würde, wenn Dir irgendein rechtschaffener Therapeut erzählen würde, dass du falschliegst, dass du undifferenziert vorgehst, weil es nämlich feine Unterschiede gibt, die es zu berücksichtigen gilt, zum Beispiel den Unterschied zwischen Pädophilie und Pädokriminalität, den Unterschied zwischen Fantasie und Tat und nicht zu vergessen den Unterschied zwischen den Tätern, die sich voller Scham ihrer Schuld bewusst sind und jenen Tätern, die sich ihre Verbrechen schamlos schönreden, dann würdest Du ihn anbrüllen, ERZÄHL DAS MEINER TOCHTER!“



Fazit: Sicher eher ein Minderheitenprogramm, aber ich fand den Roman sehr spannend und gut gemacht. Wenn jemand sich dieses furchtbare Thema antun will und hinschauen kann, dann gebe ich sehrwohl eine Leseempfehlung ab.

Cover des Buches Wie ähnlich ist uns der Zackenbarsch, dieses äußerst hässliche Tier (ISBN: 9783701182695)
Normal-ist-langweiligs avatar

Rezension zu "Wie ähnlich ist uns der Zackenbarsch, dieses äußerst hässliche Tier" von Anita Augustin

ein absolut bemerkenswertes Buch!
Normal-ist-langweiligvor einem Jahr

Meine Meinung:

Ganz ehrlich: Ich bin im ersten Moment über die Aufmachung des Buches gestolpert: Es ist wie ein Unfall, man muss immer wieder hingucken und es letztendlich in die Hand nehmen. Das ist hoffentlich die Taktik, die hinter dieser Gestaltung steckt. Diese Farbe: nicht rot, nicht braun – dazu die pinke Schrift, die sich nur wenig lesbar vom Hintergrund abhebt und doch absolut in den Augen brennt. Die Schriftart, die mich an die Schrift erinnert, die im zweiten Weltkrieg von Hitler und seinen Schergen verwendet wurde, setzt dem ganzen die Krone auf… wobei diese Zackenbarsch-Giraffen-Musterung auf dem Buchschnitt und Buchrücken hat was, kann aber im ersten Moment auch dazu führen, dass man das Buch in eine falsche Kategorie einordnet. Und als letztes: Soll der Titel eine Frage sein? Wenn ja, wo ist das Fragezeichen hin?

„Schräge Figuren, böse Komik und bissig bis zum letzten Tabu: Dieser Roman handelt von Menschen und Monstern, die auch nur Menschen sind.“ = Das ist das, was mich gereizt hat, warum ich letztendlich zu diesem Buch gegriffen habe. Ich habe persönlich noch nie ein Buch gelesen, das so mit dem Leser spielt. Das Buch ist absolut provokant, dabei an vielen Stellen wirklich böse („Das hat sie jetzt nicht wirklich so geschrieben?“), aber dieser punktgenau gesetzte Humor und diese passende intelligente Sprache machen dieses Buch zu etwas Besonderem – zumindest in meiner Lesehistorie. 

Das Lesen fiel mir aufgrund der Besonderheit des Schreibstils jedoch nicht immer leicht und für mich waren die kleinen Wiederholungen, die immer wieder auftauchten, wichtig, da ich teilweise ein wenig durcheinanderkam. Die Tagebucheinträge in der Mitte des Buches empfand ich teilweise als zu ausführlich, sie nahmen der Geschichte ein wenig die Spannung. Das Ende ist ein Knüller in allen Belangen und zeigt erneut, dass sich der Mensch von Vorurteilen leiten lässt, vor allem bei diesem Tabuthema. 

Insgesamt schon schwere Kost, wie ich finde, aber definitiv etwas Besonderes. Zum Nachdenken über so viele verschiedene, wichtige Themen, zum Schmunzeln und letzten Endes zum Überdenken!

 (4 / 5)

Weitere Rezensionen bei zugetextet.com (definitiv lesenswert), bei Bibliomarie (mutiges Buch), bei Carinas Bücherwelt (absolut fasziniert) und bei Rezensurensohn1 (4,5/5). 

Cover des Buches Der Zwerg reinigt den Kittel (ISBN: 9783548285788)
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Rezension zu "Der Zwerg reinigt den Kittel" von Anita Augustin

Mädelsclique im Ruhestand
Zeitschneckevor 6 Jahren

Der Ruhestand naht und die ehemalige vierer Clique vereint sich wieder nach vielen Jahren. Der letzte gemeinsame Urlaub: 1983. Vier rüstigen Rentnerinnen haben Langeweile, sie wollen nicht nur alleine zu Hause rumsitzen und auf den Lebensabend warten. Daher beschließen sie Urlaub auf Staatskosten im Altenheim zu machen. Pflegestufe 2 ist schnell beantragt, mehrere Tage einen auf „senile, alte Frau“ machen scheint auch nicht so schwer zu sein. Es gilt: Die Bezuschussung zu erhalten und Urlaub bis ans Lebensende.
Die Realität im Altenheim sieht dann leider anders aus.

Anita Augustin schreibt mit viel Raffinesse. Sie springt in den Perspektiven, denen man aber gut folgen kann. Wer schwarzen Humor und eine unerwartete Wendung zu einer an sich schlüssigen Geschichte mag ist genau der richtige Leser für dieses Buch.
Ich musste mich am Anfang ein wenig überwinden, da Drehbücher nicht so meins sind, aber ich bin positiv überrascht worden von dem Buch.

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Community-Statistik

in 95 Bibliotheken

auf 11 Merkzettel

von 4 Leser*innen aktuell gelesen

von 3 Leser*innen gefolgt

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