Anita Augustin

 3.5 Sterne bei 48 Bewertungen
Autor von Der Zwerg reinigt den Kittel, Alles Amok und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Anita Augustin

Der Zwerg reinigt den Kittel

Der Zwerg reinigt den Kittel

 (39)
Erschienen am 02.12.2013
Alles Amok

Alles Amok

 (6)
Erschienen am 30.11.2015
Der Zwerg reinigt den Kittel

Der Zwerg reinigt den Kittel

 (3)
Erschienen am 23.08.2012
Der Zwerg reinigt den Kittel

Der Zwerg reinigt den Kittel

 (0)
Erschienen am 23.08.2012

Neue Rezensionen zu Anita Augustin

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Duffys avatar

Rezension zu "Alles Amok" von Anita Augustin

Halb und halb
Duffyvor 3 Monaten

Jakob ist eigentlich gar nicht so verdreht. Nicht gerade ins Glück gefasst, hangelt sich von Job zu Job, sein Problem ist auch die demente Mutter, die er gerne tot sehen würde und deren Heim er finanzieren muss. Seine sozialen Kontakte sind schwierig und so langsam liest man sich hinter seine Kulisse und merkt, da ist doch noch was. Einen großen Schnitt gibt es, als er im "Paradies" anheuert, einem Vergnügungspark der großen und ganz besonderen Art.

Ein etwas eigenartiges, teilweise verwirrendes Buch. Während man sich in der ersten Hälfte noch über den Stil der Autorin freut, der frisch und teilweise etwas schnodderig daherkommt, kann man sich mit ihrem Jakob noch ganz gut identifizieren, denn die Ansätze eines beschissenen Lebens kennen wir ja alle irgendwie. Im zweiten Teil wird es ziemlich mystisch. Erst spät merken wir, dass die Mutter noch aus einem ganz anderen Grund gehasst wird und dann nimmt die Autorin Fahrt auf, wer nicht aufpasst, wird ratlos das Buch zuklappen.
"Alles Amok" ist dann doch nicht so ganz einfach, es hat Anspruch. Doch man wird das Gefühl nicht los, dass die Autorin diesen Anspruch nicht ganz erfüllt, weil sie Stil und Aufbau dieser inhaltlichen Vorgabe vorzieht. Das führt zu Irritationen beim Leser, zumal die Stringenz im zweiten Teil ein wenig verlorengeht.
Man kann nicht sagen, ob das Buch nun gut oder schlecht ist, man muss vielleicht neutral das ziemlich nichtssagende "interessant" bemühen, aber das trifft es ganz gut. Es fordert die Bereitschaft des Lesers, den Hintergrund erfahren zu wollen. Der Titel könnte da in die falsche Richtung führen. Ausprobieren.

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Babschas avatar

Rezension zu "Der Zwerg reinigt den Kittel" von Anita Augustin

Humorvoll verpackter Pflegehorror
Babschavor einem Jahr


Almut Block wird Rentnerin. Außer jahrzehntelangen Schlafstörungen, Depressionen, Gewaltphantasien, Einsamkeit und gepflegter Nikotinabhängigkeit hat ihr Leben weder vorher noch nachher sonderlich viel zu bieten. Das ändert sich, als nach einiger Zeit ihre drei gleichaltrigen und gleichgelagerten Jugendfreundinnen Karlotta, Marlen und Suzanna zu ihr Kontakt aufnehmen. Aus Langeweile und um mal zu testen, wie weit man in unserer Gesellschaft so gehen kann, starten die vier ein Projekt: Jede versieht sich mit irgendeiner Behinderung von beginnender Demenz bis dauerhafter Bettlägerigkeit. Alle bitten um Aufnahme ins Pflegeheim "Residenz" und beantragen Pflegestufe 2. Nach 10 Tagen soll dann eine entsprechende Begutachtung durch Sachverständige erfolgen. Aber natürlich läuft die ganze Sache voll aus dem Ruder.



Das Buch hat zwei intelligent verschachtelte Handlungsebenen. Zum einen erfährt der Leser bis zur gut gemachten, teils überraschenden Auflösung scheibchenweise die ziemlich tragischen Hintergründe des Lebens von Almut und warum sie ist, wie sie ist. Daneben wird im Zuge der Story die teils schockierende Alltagsrealität in Pflegeheimen, von Sparzwängen über menschenunwürdigen Umgang mit den Bewohnern und Gleichgültigkeit bis zu betrügerischen Manipulationen exemplarisch, derb-deftig und sarkastisch bloßgestellt und angeprangert. Wenn es da wirklich wie beschrieben zugeht, dann doch lieber: Nein, Danke!



Augustin nimmt kein Blatt vor den Mund in ihrem Roman, in keiner Hinsicht. Wiederholter Frösteleffekt beim Lesen, allerdings mit gelungenen humoristischen Zwischentönen. Mal was anderes.

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awogflis avatar

Rezension zu "Der Zwerg reinigt den Kittel" von Anita Augustin

Einer flog über das Kuckucksnest in der Geriatriehölle
awogflivor 2 Jahren

Ein Paradebeispiel für innovative, österreichische Literatur abseits der großen Stars ist dieses Buch von Anita Augustin. Die Autorin und ihren schrägen übel-anarchischen Erzählstil lernte ich bereits vor drei Jahren auf der Buch-Wien kennen und lieben, als mir ein Verlagsmitarbeiter  Alles Amok regelrecht aufdrängte.

Diese Geschichte ist fast noch besser und bei weitem fürchterlicher. Es geht ums Altern - und zwar nicht dieses von der Werbung propagierte vor Fitness strotzende, Nordic-walkende, alle dritten Zähne inkludierende, geistig in Topform befindliche, mit sozialen Beziehungen ausgestattete Altern, das uns immer bilderbuchmäßig vorgegaukelt wird, sondern das einsame, Paranoia behaftete, sabbernde Altern, dahinsiechend in der Aufbewahrungsanstalt für geistig und körperlich nicht mehr brauchbaren Menschenschrott. Dabei wird von der Autorin aber kein mitleidheischender Problemroman konzipiert, sondern ein völlig groteskes anarchisches Stück à la „Einer flog über das Kuckucksnest“ in der Geriatriehölle, genannt RESIDENZ. Der wesentliche Unterschied zum erwähnten Film von Milos Forman ist aber, dass nicht nur das Pflegepersonal abgrundtief widerlich und böse ist, sondern auch die Senioreninsassen, die sich auch ausgiebig gegenseitig quälen.

„Der Krieg ist das einzig Existenzielle im Leben des Menschen. Ohne Krieg bist du kein Mensch, sondern etwas anderes, zum Beispiel ein Pazifist. Aber wenn du ein Mensch sein willst, dann musst du Krieg führen, und wenn gerade kein Krieg in der Gegend herumliegt, dann musst du dir einen suchen, und wenn du keinen findest, weil du keine Lust auf Fernreisen in irgendwelche Krisengebiete hast, dann musst du ihn dir selber machen.“ Das ist so in etwa das Motto der Senioren.

Die einzige Figur, mit der ich wirklich Mitleid hatte, war der 18-jährige unerfahrene Zivildienstleistende, der schon vier Mal bei seiner ersten Ganzkörperwäsche die Achselhöhle säubert, weil ihm vor dem alten Busen gar so graust und der dann auch noch von der Pflegeaufsicht zur Schnecke gemacht wird.

Manchmal hatte ich das Gefühl, sofort einen jungen unschuldigen Menschen zu verpflichten, er möge mir doch kurz und schmerzlos eine Kugel in den Kopf jagen, wenn es denn bei mir so weit ist, dann wieder hatte ich arge Aggressionen gegen dieses System und zum Schluss musste ich auch noch lachen. Was war das? Galgenhumor? Witzig ist das Buch übrigens nicht, sondern eher wie ein gemeiner schauderhafter Autounfall, bei dem man einfach nicht wegschauen kann.

Das Ende übertrifft übrigens die anarchische Bosheit des restlichen Romans noch – sowas habe ich nicht erwartet. Traumhaft!

Fazit: Absolute Leseempfehlung von mir mit meinem bösartigen morbiden Humor – aber bitte nicht für jedermann -  seid gewarnt :-)

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