ANITA BLASBERG: DER VERLUST
Warum nicht nur meiner Mutter das Vertrauen in unser Land abhandenkam
INHALT:
Immer weniger Deutsche vertrauen noch den Institutionen dieses Landes – weder den Parteien noch den Medien, noch nicht einmal der Wissenschaft. Doch kann eine Demokratie so noch funktionieren? Anita Blasberg, preisgekrönte Journalistin, ergründet eine der dringlichsten Fragen unserer Zeit: den Vertrauensverlust in den eigenen Staat. Packend und schonungslos rekonstruiert sie die schrittweise Erosion des Vertrauens in den letzten dreißig Jahren – am Beispiel ihrer eigenen Mutter und entlang historischer Bruchstellen und Protagonisten. Da ist ein Uni-Absolvent, der achtzig ostdeutsche Betriebe in zwei Jahren verkauft; da ist eine Klinikärztin, die ihre Patienten schneller entlassen soll, als ihr lieb ist; da sind Politiker, die nach der Finanzkrise ihre eigene Ohnmacht bestaunen und dann fast alles beim Alten belassen.
Die Autorin stellt fest: Viele Menschen trauen den Regierenden gar nicht mehr zu, Probleme wirklich lösen zu können oder zu wollen. So wie ihre Mutter. Durch die Gespräche mit ihr wird das Buch persönlich. Doch vor allem zeichnet es ein nachhaltiges Bild der jüngeren deutschen Geschichte – es offenbart die tiefer liegenden Gründe für die Entfremdung vieler Bürger von der Politik.
MEINE MEINUNG:
So viele Deutsche haben das Vertrauen in diesen Staat verloren – Anita Blasberg versucht an der Geschichte ihrer Mutter zu ergründen, warum – und wann das begonnen hat.
So beginnt sie mit dem Ausverkauf des Ostens nach der Wiedervereinigung und berichtet vieles, was ich nicht gewusst habe, vielleicht nicht wissen konnte, aber vielleicht auch, weil ich einfach zu beschäftigt war und alles so weit weg war…
Am Ende schließt sich der Kreis zum Krieg in der Ukraine – und wie dort die meisten unserer Politiker uns sehenden Auges in die Abhängigkeit von russischem Gas und damit auch vom Zar geführt haben.
Bei jedem Thema habe ich meine Einstellung hinterfragt – und: Ja, auch ich habe mein Vertrauen verloren: nicht in die Demokratie, die ich noch immer für das beste System halte, das ich kenne, aber in die allermeisten unserer Politiker. Ebenso in die Banken/Banker, in manche Medien (in die Bild hatte ich nie Vertrauen!), in unser Gesundheitssystem (nicht in das medizinische Personal, die unglaublichen Zwängen und großem Druck ausgesetzt sind) und so weiter.
Für mich hat es angefangen mit Franz Müntefering. Ich sah im TV, wie ein Reporter ihm nach einer Wahl hinterherlief, und Herr Müntefering sich furchtbar aufregt hat, daß es eine Unverschämtheit sei, ihn auf das festzunageln, was er vor der Wahl gesagt habe. Das machte mir klar: vor der Wahl = alles Lüge…..
Aber die Politiker von heute sind zum größten Teil auch nicht Vertrauen erweckend, allen voran die meisten Regierungsmitglieder der FDP, die AfD nenne ich hier bewusst nicht, das sind für mich keine richtigen Politiker!
Am Schluß fragt Anita Blasberg ihre Mutter, womit denn ihr Vertrauen wieder zurück gewonnen werden könnte…. (hier spoiler ich nicht)
…. Leider halte ich es für unwahrscheinlich, daß das passieren wird, solange Politiker wie auch Manager nicht langfristig denken und planen, sondern nur auf ihren eigenen, schnellen, Erfolg aus sind. Und solange wir von den Lobbys und Wirtschaftsunternehmen regiert werden.
Ein tolles Buch – bitte lest es!


