Anita Brookner

 4.2 Sterne bei 24 Bewertungen
Autorin von Ein Start ins Leben, Hotel du Lac und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Anita Brookner

Besitzerin des britischen Verdienstordens und Herrin der Düsternis: Die britische Schriftstellerin und Kunsthistorikerin mit polnischen Wurzeln wurde 1928 in London geboren. Ihre Eltern Newson Bruckner und Maud Schiska flohen vor den Pogromen nach London und begannen dort ein neues Leben. Nach ihrem Schulabschluss am James Allen's Girls' School in Dulwich, studierte Anita Brookner Kunstgeschichte am King’s College London, aber promovierte an Courtauld Institute of Art der Universität London. Sie lehrte mehrere Jahre an verschiedenen Universitäten die französische Kunst des 18. und 19. Jahrhundert. Als erste Frau hatte sie die Slade-Professur der schönen Künste an der University of Cambridge im Jahre 1967 inne. Sie veröffentlichte mehrere Biografien zu Künstlern, wie zum Beispiel zu Jean-Auguste-Dominique Ingres, Antoine Watteau, Jean-Baptiste Greuze und Jacques-Louis David. Ihre schriftstellerische Karriere begann zwar mit ihrem Debütroman "A Start in Life", aber ihr bekanntestes Werk ist "Hotel du Lac", welches sie 1984 veröffentlichte und für ihr Werk mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde. Die Autorin verfasste viele weitere Romane und lebte bis zu ihrem Tode am 10. März 2016 in London.

Neue Bücher

Hotel du Lac

 (2)
Erscheint am 02.06.2020 als Hardcover bei Eisele Verlag.

Alle Bücher von Anita Brookner

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Cover des Buches Ein Start ins Leben9783961610716

Ein Start ins Leben

 (17)
Erschienen am 27.09.2019
Cover des Buches Hotel du Lac9783961610792

Hotel du Lac

 (2)
Erscheint am 02.06.2020
Cover des Buches Vergangenheit ist ein anderes Land9783552042223

Vergangenheit ist ein anderes Land

 (0)
Erschienen am 03.10.1990
Cover des Buches Kurzes Leben9783423121712

Kurzes Leben

 (0)
Erschienen am 01.05.1996
Cover des Buches Hotel du Lac (English Edition)9780141935850

Hotel du Lac (English Edition)

 (1)
Erschienen am 27.05.1999
Cover des Buches Lewis Percy9780241977798

Lewis Percy

 (1)
Erschienen am 02.06.2016
Cover des Buches Hotel du Lac9783423113656

Hotel du Lac

 (1)
Erschienen am 29.09.2016

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Neue Rezensionen zu Anita Brookner

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Rezension zu "Ein Start ins Leben" von Anita Brookner

Balzac und die Fahrt nach Paris
schokoloko29vor 16 Tagen

Ruth lebt mit ihren Eltern in London. Helen, ihre Mutter ist eine sehr schöne Schauspielerin, die sich nur um sich und um ihr Aussehen kümmert. Sie möchte von allen bewundert werden. Und wenn sie keine Vorstellung im Theater oder Film hat liegt sie im Bett trinkt Alkohol und möchte, dass andere Menschen sich um sie kümmern und preisen. George, ihr Vater ist ganz vernarrt in seine Frau. Helen ist das Zentrum dieser Familie, die Glamour, aber auch Unbeständigkeit hineinbringt. Ganz anders ist da die Mutter von George (Helens Schwiegermutter), sie kümmert sich um Ruth. Die Schwiegermutter gibt den Alltag eine Struktur, hält die Wohnung sauber und versucht Ruth so eine gewisse Nestwärme und Nähe zu geben.

Dies alles ändert sich als die Großmutter von Ruth stirbt. Sie bekommen eine neue Haushälterin Mrs. Cuttler. Diese ist eher beschäftigt Helen mit Drinks und Zigaretten zu versorgen und sich um sie zu kümmern. Die Wohnung wird immer mehr vernachlässigt. Es finden keine geregelten Essenszeiten mehr statt. Stattdessen wird das Essen (aufgewärmte Tütensuppen) auf Tabletts serviert, die Helen und George auf dem Bett konsumieren. Ruth wird schnell erwachsen. Sie lernt sich selbst zu versorgen. Ansonsten vergräbt sie sich in ihr Zimmer liest Balzac und lernt Französich.

Ihr tristes Leben erfährt eine Veränderung als sie ihr Studium in Paris fortsetzt....

Eigene Meinung:

Dieses Buch ist sehr melancholisch und auch traurig. Die einzelnen Menschen sind sehr schrullig, was ich persönlich als sehr sympatisch finde. Es ist ein schönes Porträt von einer Frau, die versucht in Paris ein neues Leben zu starten. Ob ihr es gelingt werde ich nicht verraten....

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Rezension zu "Hotel du Lac" von Anita Brookner

Selbstreflexion
Dreamworxvor 3 Monaten

Als die englische Schriftstellerin Edith Hope, eine Frau in den besten Jahren, ihren Bräutigam am Tag ihrer Hochzeit sitzen lässt, überreden ihre engsten Freunde sie, sich in Genf in einem eleganten Seehotel einzunisten und auszuspannen, bis sich das Gerede um ihre Person gelegt hat. Edith erreicht das luxuriöse Hotel und startet ihre Selbstreflexion, während ihr so manch skurriler Hotelgast über den Weg läuft. Während dort am Ort so gar nichts mehr los ist, da die Touristensaison zuende ist, hat Edith genügend Zeit, die Gegend zu erkunden, die weiteren Gäste kennenzulernen und sich in einem Rückblick über ihren Faux pas Gedanken zu machen…

Anita Brookner hat mit „Hotel du Lac“ wohl ihren eindrucksvollsten Roman vorgelegt, die Booker-Prize-prämierte Geschichte gehört zu den sogenannten Klassikern der Literatur. Der Schreibstil ist flüssig, dabei anspruchsvoll und der Zeit angemessen. Brookner, die sich mit der Schriftstellerei auskennt, lässt ihre Protagonistin Edith ebenfalls Bücher schreiben, so bewegt sie sich in sicheren Bahnen und weiß um die Gedanken, der Suche nach Lösungen, der nötigen Phantasie und die Entwicklung von Geschichten. Jedoch lässt sie Edith eher lieblos und geringschätzig ihrer Berufung nachgehen, während sich die Gedanken von Edith immer nur um ihre eigene Person und ihre Handlungen kreisen, diese aber dann sehr detailliert und aus allen nur möglichen Blickwinkeln betrachtet. Dabei kommt auch Ediths Vergangenheit nach und nach an die Oberfläche und die Ereignisse, die dazu führten, dass Edith sich nun in ihrem Genfer Exil aufhält. Brookner gelingt es mit ihrer Detailbesessenheit und ihrer Sprache, die Zeit sprichwörtlich einzufangen und den Leser einen Blick in die Seele ihrer Protagonistin werfen zu lassen.

Die wenigen Charaktere sind allesamt ungewöhnlich und fein ziseliert. Ihr zufälliges Zusammentreffen im Hotel und ihr Interagieren miteinander ist eher von nebensächlicher Natur, hauptsächlich steht Edith im Vordergrund mit ihren Gedanken und Gefühlen. Sie ist eine Frau, die wahrscheinlich selbst noch über ihren Mut staunt, ihren Bräutigam sitzengelassen zu haben, doch im Inneren weiß sie, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Dies wird ihr erst bewusst, nachdem sie mit ihren Zufallsbekanntschaften (Madame de Bonneuil, Monica, Iris Pusey, Jennifer) unterhält, mehr von ihnen erfährt und Rückschlüsse auf ihre eigenen Taten zulässt.

Der Roman „Hotel du Lac“ lässt den Leser eine Woche in einem eleganten Hotel verbringen und Edith Hope bei ihrem eindrucksvollen Seelenstriptease Gesellschaft leisten. Tiefgründig und eindrucksvoll, jede Zeile wert!

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Rezension zu "Ein Start ins Leben" von Anita Brookner

Blaustrumpfs Blick zurück
Aspasiavor einem Jahr


„Im Alter von vierzig Jahren wurde Dr. Weiss klar, dass die Literatur ihr Leben ruiniert hatte.“

Ich liebe, liebe gute erste Sätze, das teile ich mit dem leider schon verstorbenen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki & dieser erste Satz hier, aus dem 2018 erstmals auf Deutsch erschienen Debutroman Ein Start ins Leben von der wirklichen fabelhaften Anita Brooks, ist einfach wunderbar geistreich. Was soll ich sagen, schon allein dafür „cheerleade“ ich dieses Buch.

Dr. Ruth Weiss, Literaturwissenschaftlerin, die über Balzacs Heldinnenkosmos forscht (übrigens einer der ersten Schriftsteller, der sich der Frauenfigur ab 30 gewidmet hat), einziges Kind ihrer doch recht exzentrischen Eltern, hat schon früh gelernt sich selbst nicht so wichtig & die Nichtachtung ihrer naiven Eltern nicht all zu persönlich zu nehmen. Sie ist sich selbst genug. 

Als braves Mädchen laviert sie zwischen der kapriziösen Frau Mama, der ehemals begehrenswerten Helen, einer alternden, britischen Schauspielerin mit abnehmenden Rollenangebot & Appetit auf feste Nahrung, die ihre Familie aus dem Bett heraus traktiert & einem eitlen, dandyhaften Vater, Buchhändler qua Erbmasse, der seinen Charme lieber aushäusig versprüht & seine Frau, wie banal, mit seiner jungen Assistentin betrügt. So lange die deutsche Großmutter das ganze mit preußischem Habitus in ihrem gutshausähnlichem Mooreiche-Ambiente zusammenhält, kann Ruth ihr altkluges, zu frühes Kindererwachsenenleben leben & das Ganze mit einer Art amusierten Distanz beobachten, doch als nach ihrem Tod, die arbeitsunwillige Haushälterin zur Rasputin-gleichen Einflüstererin an Mamas Bett wird, gestaltet sich Ruths Leben immer komplizierter.

Und doch nutzt sie die Gelegenheit zum Studium nach Paris zu gehen & dort, wie es sich für eine junge, brave Ausländerin in der Stadt der Liebe nun einmal gehört, hat sie Affairen, mit einem verheirateten Mann, mit einem jungen & einem alten, keine rauschenden, aber etwas, was als Erinnerung taugt, eine Liebe mit einem Mann, der sie nicht zurückliebt, aber diese Frau hat jung gelernt, das das Leben so spielt, als das so etwas Banales sie umbringt.

Was bleibt ist der Zweifel. Warum ist für sie Paris kein Fest der Liebe? Wo ist der Herzschmerz, die Leidenschaft, wo die großen Gefühle? Wo die Schmetterlinge, die rosaroten Wolkenmacht? Was stimmt mit nicht mit ihr? 

Mit zunehmenden Alter, eine kluge, attraktive, erfolgreiche Frau, hinterfragt sie, ob ihre Lebensentscheidung, ein Leben als Blaustrumpf, wie ihre Mutter es wenig schmeichelhaft ausdrückte, ein Leben als anerkannte Balzac-Gelehrte es wert waren? Den Verzicht auf dieses andere Leben, das doch die meisten Frauen führen. Ein Ehemann, ein Heim Kinder, also ein Leben als Ehefrau, Hausfrau, Mutter? Sie weiß, dass das auch das Verzicht bedeutet hätte. 

Ihre kritische Selbstbefragung ist weit entfernt von selbstmitleidig, oder gar weinerlich, im Bewusstsein, dass sie sich rasant der „Hölle der Frauen“ nähert, wie Balzac es so charmant nennt, blickt sie zurück & rekapituliert, das tut sie immer mit dieser scharfzüngigen Selbstironie, dem Rettungsanker eines jeden klugen Menschen. 

Ein höchst emanzipierter, unsentimentaler Blick auf die Welt, den Anita Brooks (1928-2016), eine emeritierte Kunstgeschichtsprofessorin in Cambridge, mit ihrem Erstling 1985 vorlegte, auf den dann auch noch über 20 weitere Romane & die Auszeichnung ihrer literarischen Arbeit mit dem Booker Prize, den wichtigsten britischen Literaturpreis, folgten. 

Ein bitterböser, charmanter, amusanter Roman, der nie langweilt. Ruths Lebensgeschichte beweist, mit Literatur wird jedes Leben zu einem Fest.


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Anita Brookner wurde am 16. Juli 1928 in London (Großbritannien) geboren.

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