Anita Brookner

 4,3 Sterne bei 45 Bewertungen
Autorin von Hotel du Lac, Ein Start ins Leben und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Anita Brookner

Besitzerin des britischen Verdienstordens und Herrin der Düsternis: Die britische Schriftstellerin und Kunsthistorikerin mit polnischen Wurzeln wurde 1928 in London geboren. Ihre Eltern Newson Bruckner und Maud Schiska flohen vor den Pogromen nach London und begannen dort ein neues Leben. Nach ihrem Schulabschluss am James Allen's Girls' School in Dulwich, studierte Anita Brookner Kunstgeschichte am King’s College London, aber promovierte an Courtauld Institute of Art der Universität London. Sie lehrte mehrere Jahre an verschiedenen Universitäten die französische Kunst des 18. und 19. Jahrhundert. Als erste Frau hatte sie die Slade-Professur der schönen Künste an der University of Cambridge im Jahre 1967 inne. Sie veröffentlichte mehrere Biografien zu Künstlern, wie zum Beispiel zu Jean-Auguste-Dominique Ingres, Antoine Watteau, Jean-Baptiste Greuze und Jacques-Louis David. Ihre schriftstellerische Karriere begann zwar mit ihrem Debütroman "A Start in Life", aber ihr bekanntestes Werk ist "Hotel du Lac", welches sie 1984 veröffentlichte und für ihr Werk mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde. Die Autorin verfasste viele weitere Romane und lebte bis zu ihrem Tode am 10. März 2016 in London.

Neue Bücher

Cover des Buches Hotel du Lac (ISBN: 9783961611072)

Hotel du Lac

 (21)
Neu erschienen am 31.05.2021 als Taschenbuch bei Eisele Verlag.

Alle Bücher von Anita Brookner

Cover des Buches Hotel du Lac (ISBN: 9783961611072)

Hotel du Lac

 (21)
Erschienen am 31.05.2021
Cover des Buches Ein Start ins Leben (ISBN: 9783961610716)

Ein Start ins Leben

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Erschienen am 27.09.2019
Cover des Buches Vergangenheit ist ein anderes Land (ISBN: 9783552042223)

Vergangenheit ist ein anderes Land

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Erschienen am 03.10.1990
Cover des Buches Eine Mesalliance (ISBN: 9783961611188)

Eine Mesalliance

 (0)
Erscheint am 01.11.2021
Cover des Buches Kurzes Leben (ISBN: 9783423121712)

Kurzes Leben

 (0)
Erschienen am 01.05.1996
Cover des Buches Hotel du Lac (ISBN: 9783423113656)

Hotel du Lac

 (1)
Erschienen am 29.09.2016
Cover des Buches Hotel du Lac (English Edition) (ISBN: 9780141935850)

Hotel du Lac (English Edition)

 (1)
Erschienen am 27.05.1999

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Neue Rezensionen zu Anita Brookner

Cover des Buches Hotel du Lac (ISBN: 9783961611072)Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Hotel du Lac" von Anita Brookner

Muss Frau verheiratet sein? Und wenn ja, mit wem und warum?
Gwhynwhyfarvor 6 Monaten

Der Anfang: «Nur eine zurückweichende Fläche Grau war vom Fenster aus zu sehen. Hinter dem grauen Garten, in dem nichts außer einer steifblättrigen, unbekannten Pflanze zu wachsen schien, musste der große graue See liegen und sich in lautloser Ode zum unsichtbaren anderen Ufer hin erstrecken; und dahinter konnte man sich trotz der Bestätigung durch den Prospekt nur in der kühnsten Fantasien den Gipfel der Dent d’Oche vorstellen, auf dem vielleicht schon still und leicht der Schnee fiel.»


Ende September, Nachsaison am Genfer See in der Schweiz. Edith, Ende dreißig, bezieht ihr Hotelzimmer: Neben der Tristesse des nebligen Ausblicks, ist sämtliches Interieur ihres Zimmers in der Farbe von gekochtem Kalbfleisch gehalten. Man hatte sie gebeten, sich eine Auszeit von London zu nehmen, denn die Schriftstellerin hat etwas angestellt – etwas, das Frau nicht tun darf … in der Mitte des Romans erfahren wir, was sie «falsch» gemacht hat. 1984 erhielt Anita Brookner (1928 – 2016) für «Hotel du Lac» den Booker-Preis. Und der Roman liest sich auch noch heute wunderbar. Hier in der «Besserungsaufenthalt» beobachtet Edith die Hotelgäste, im Wiederholenden der Rituale tagein, tagaus. 


«Ich bin so kleinlaut, deswegen beachtet kein Mensch ihre Ansprüche. Oder – noch einfacher – ich stelle vielleicht gar keine. Weil es mir gegen die Ehre geht. Aber mit der Ehre ist es wie mit einer kaputten Wasserspülung, würde David sagen. Kein Mensch scheint es zu merken, wenn sie weg ist.»


In dem feinen Hotel logieren wohlsituierte Frauen und langsam entstehen erste Kontakte zu den anderen Gästen. Die betagte englische Witwe Madame Pusey und ihre Tochter, die noch unter die Haube zu bringen ist, frönen dem Shoppingrausch der feinen Geschäfte in Genf. Für sie ein jährliches Ritual. Eine demente Comtesse verweilt hier wohlumsorgt von Frühjahr bis Herbst, während der gesamten Öffnungszeit abgestellt, sitzt irgendwo auf einem Stuhl und füttert ihr Hündchen, das gleich darauf alles wieder auskotzt. Einmal pro Monat besucht sie der Sohn mit Frau für eine Stunde. Die magersüchtige Gattin eines englischen Adeligen verbringt hier ihre Zeit mit Luftveränderung, um hoffentlich hernach schwanger zu werden; die Magersüchtige muss Kuchen vertilgen, um Figur zu bekommen. Gleichzeitig hält sie Ausschau nach einem wohlhabenden Mann, denn ihr Ehemann hat ihr bereits angedroht, sie auf die Straße zu setzen, solle ihm nicht baldigst ein Erben geboren werden – dann müsse er sich anderweitig umsehen. Hübsche Frauen findet man überall. Edith schreibt an einem ihrer Liebesromane und Briefe an ihren verheirateten Geliebten, die sie nie abschicken wird. Dann erscheint Philip Neville, ein Geschäftsmann, sogleich von der Damenwelt umschwärmt. Nur Edith interessiert sich nicht für ihn. Er wird ihr später ein Angebot offerieren … Glücklicherweise lese ich lange Vorworte gar nicht oder hinterher. Das hätte mich Lesevergnügen gekostet – denn hier ist bereits der ganze Inhalt samt Bewertung aufgeblättert. Bitte solche Texte bitte hinten ansetzen, lieber Eisele Verlag! Ein stilistisch wundervoller Roman, einer, der über das Selbstbild und den Selbstwert von Frauen resümiert, trotz aller Altertümlichkeit aktuell.


«Es war der Umgang mit dem eigenen Geschlecht, überlegte Edith, der viele Frauen in die Ehe trieb. So war es bei ihr gewesen.»


Anita Brookner, 1928 in London geboren, studierte Kunstgeschichte am King’s College und absolvierte ein postgraduales Studium an der Universität von Paris. Brookner wurde Expertin für französische Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts und übernahm 1967 als erste Frau die Slade-Professur der Schönen Künste in Cambridge. 1981 erschien ihr literarisches Debüt Ein Start ins Leben. Ihr Roman Hotel du Lac wurde 1984 mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Obwohl Anita Brookner erst in ihren Fünfzigern literarisch zu schreiben begann, verfasste sie bis zu ihrem Tod 2016 in London insgesamt 24 Romane. Sie gilt als meisterhafte Stilistin.


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Cover des Buches Hotel du Lac (ISBN: 9783961610792)SternchenBlaus avatar

Rezension zu "Hotel du Lac" von Anita Brookner

Ruhig erzählt ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile.
SternchenBlauvor 9 Monaten

In diesem Hotel habe ich mich wie in einer zeitlosen Blase gefühlt, als wäre es aus der Zeit gefallen. Gleichzeitig ist die zentrale behandelte Frage sehr modern: Was fängt eine Frau mit ihrem Leben an – bei all den gesellschaftlichen Erwartungen, derer sie sich gegenüber sieht?

„Das Ergebnis von alledem war, dass Edith sich wieder von Neuem die Frage stellte, welches Verhalten einer Frau am angemessensten sei, die Frage, um die es in fast allen ihren Romanen ging, die Frage, die sie mit Harold Webb zu diskutieren versucht, die sie nicht zu beantworten gewusst hatte und die sie nun als geradezu lebenswichtig erkannte.“

Anita Brooker bedient sich eines Kunstgriffes, indem sie diesen zeitlosen, stellenweise antiquierten Raum des Hotels erschafft. Was die Protagonist:innen sagen und denken und wie sie sich verhalten, entspricht nicht ihrer Haltung. Gerade weil die Figuren wie aus antiquierten Zeiten entstiegen sind, war ich manchmal am Grübeln, wie ich das Buch als Feministin einordnen soll. Vor allem, wenn Frauensolidarität hinterfragt wird.

„Es war der Umgang mit dem eigenen Geschlecht, überlegte Edith, der viele Frauen in die Ehe trieb. So war es bei ihr gewesen.“

Ein Mann bekommt eine Art feministischen Diskurs als Dialog:

„Ganz einfach dies. Ohne gewaltige Gefühlsbesetzung kann man tun, was immer einem gefällt. Man kann Entscheidungen treffen, es sich anders überlegen, seine Pläne ändern. Ohne die ängstliche Besorgnis, ob dieser andere Mensch auch alles hat, was er begehrt, ob er nicht unzufrieden, ärgerlich, unruhig, gelangweilt ist. Man kann so nett oder so grob sein, wie man will. Wenn man so weit ist, das Einzige tun zu können, was einem von frühester Kindheit an abgewöhnt wurde – einfach zu tun, was einem Spaß macht –, gibt es keinen Grund mehr, warum man je wieder unglücklich sein sollte.“

Es  ist die Summe der Teile und die Quintessenz, die Brookers Haltung zeigen.

Scheinbar passiert in diesem Buch sehr wenig, das liegt nicht allen Lesenden, darauf sollte man sich aber einstellen: Edith wird nach einem „Fehltritt“ von ihrem Umfeld für einige Wochen in ein Schweizer Hotel geschickt. Schon das Konzept dahinter wirkt antiquiert, so wurde mit höheren Töchtern verfahren, die in der Fremde dann ihre unehelichen Kinder entbunden haben, um dann von „der Schmach“ entbunden, wieder in ihre gesellschaftlichen Kreise zurückkehren konnten. Dieser Fakt schwingt für mich mit, auch, wenn der Roman viel später spielt. Erschienen ist er 1984, aber wenn ich ihn lese, verorte ich ihn vielleicht in die 1960er oder auch in die 1970er.

Wenn ich am Ende angekommen bin, weiß ich, dass viele Frauen sich auch heute noch erst vollständig fühlen, wenn sie „in den Hafen der Ehe“ eingelaufen sind. Wann der Roman also genau spielt, wurde für mich beim Lesen daher schnell zweitranig

Edith zweifelt an diesem Konzept der Ehe, dann aber auch wieder nicht. Sie sieht sich selber oftmals in der Rolle einer grauen Maus, obwohl sie sehr selbstbewusst und selbstbestimmt lebt. Sehr positiv fand ich ihre „Sex Possitivity“, obwohl das Thema Sex immer nur angeschrammt wurde. Die feministische Quintessenz fand ich letztendlich sehr gereift, ohne, dass ich das Ende spoilern möchte. Zwei, drei Sachen haben sich für mich nicht ganz gelöst, wie ich die Ereignisse interpretieren soll.

Dazu gefallen mir Brookers Beobachtungen sehr gut und ihr Blick für Details:

„Und als sie in ihr Schlafzimmer voranging, wies Mrs. Pusey mit einem Lächeln auf ein dicht mit Spitzen überkrustetes Négligé aus austernfarbenem Satin hin, das über eine Stuhllehne drapiert war.“

Und dazu Books feiner Witz:

„»Ach, meine Liebe, die mit den wirklichen Geschichten bin ich«, hörte sie gerade noch Penelope sagen. »Ich wundere mich, dass sie mich nicht in einem Buch verwendet.« Das habe ich doch, dachte Edith. Du hast dich nur nicht wiedererkannt.“

Was ich sehr schade fand, war das der Verlag dem Buch ein Vorwort voranstellt. Wenn es eine Kommentierung geben soll (die bei manchen Werken wirklich hilfreich sein können), möchte ich sie am Ende haben. So bin ich in die ersten Seiten von Elke Heidenreichs Vorwort hineingeworfen worden. Die fand ich nicht schlecht, habe mich dann aber entschieden, erst zum Roman überzugehen, weil ich mir vor dem Lesen ungern eine Interpretationsbrille aufsetzen lassen möchte. Und weil für mich die Reihenfolge vertauscht war, wollte ich dann nach der Lektüre nicht mehr zum Vorwort zurück. Weil ich meine ganz eigene Interpretation gefunden habe.

Fazit

Gefiel mir sehr gut, vor allem, da hier das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Eine Empfehlung für alle, die die Dynamik in etwas nur scheinbar Ereignislosem entdecken wollen. 4 von 5 Sternen.

Kommentare: 18
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Cover des Buches Hotel du Lac (ISBN: 9783961610792)S

Rezension zu "Hotel du Lac" von Anita Brookner

leider nicht meins
Streifivor 10 Monaten

Edith Hope ist in die Schweiz gereist und lebt da im Hotel du Lac. Ihre Umgebung war der Meinung, sie müsste eine Weile unsichtbar werden.
Ich muss sagen, ich bin mit dem Buch überhaupt nicht warm geworden. Der Schreibstil war durchaus gut und bildhaft, ich hatte das Szenario sofort vor Augen. Es hat mich nur überhaupt nicht interessiert, was passiert. Irgendwie hat es mich einfach nicht mitgenommen.

Für mich war das leider nichts. Schade, da ja viele so begeistert waren. Aber scheinbar ist das einfach nicht meine Art von Literatur.

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Anita Brookner wurde am 16. Juli 1928 in London (Großbritannien) geboren.

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