Ein Start ins Leben

von Anita Brookner 
4,5 Sterne bei10 Bewertungen
Ein Start ins Leben
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Wunderbarer präziser Schreibstil mit der richtigen Portion schwarzem Humor!

N

Wann ist ein Leben sinnvoll?

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Inhaltsangabe zu "Ein Start ins Leben"

MIT VIERZIG WURDE DR. WEISS KLAR, DASS DIE LITERATUR IHR LEBEN RUINIERT HATTE.

Das meisterhafte Debüt der Booker-Preisträgerin erstmals auf Deutsch

Die 'letzte große Autorin des 20. Jahrhunderts'. Daily Telegraph

'Ein Vergnügen! Unterhaltsam und wunderbar geschrieben.' The Times

Dr. Ruth Weiss ist schön, intelligent – und einsam. Bei Balzacs Heldinnen sucht sie Antworten auf die Fragen des Lebens und der Liebe und sinnt darüber nach, wo in ihrer Kindheit und Jugend die Ursachen für ihre einzelgängerische Existenz liegen. Dabei schien doch anfangs alles so hoffnungsvoll, als sie als junge Frau in Paris ein neues Leben begann … Schon Anita Brookners Debüt ist ein vollendetes Stück Literatur. Tessa Hadley zählte Ein Start ins Leben im Guardian zu einem ihrer besten Romane und nannte ihn 'schwarzhumorig, düster, und sehr, sehr witzig.'

'Die längst überfällige Wiederentdeckung 'einer der großen Autorinnen der Gegenwartsliteratur.' Literary Review'Wunderbar geschrieben!' Für Sie'Ein durch und durch britischer Roman, voller skurriler Charaktere, kleiner und großer Weisheiten, den es endlich zu entdecken gibt.' BRIGITTE

'Wie Virginia Woolf betrachtet Brookner ihre Charaktere nicht von allen Seiten, sondern taucht ein in die Tiefen ihrer psychologischen Wirklichkeit.' The Times

'Die Erzähltechnik dieser Autorin ist so sicher und auf so leise Art bewunderungswürdig.' Hilary Mantel

'Eine außerordentlich kluge, einfühlsame und stellenweise sehr witzige Tragikomödie.' Financial Times

'Wie kann etwas so komisch und gleichzeitig so traurig sein? Jeder Satz eine Lehrstunde in Esprit und Verdichtung.' Tessa Hadley

'Herausragend und brilliant gezeichnet.' Sunday Times

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783961610112
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:Eisele Verlag
Erscheinungsdatum:07.09.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Nadezhdavor einem Monat
    Kurzmeinung: Wann ist ein Leben sinnvoll?
    Wann ist ein Leben sinnvoll?

    Ich habe diesen Roman über eine junge (und dann etwas ältere) Frau im Literaturbetrieb gern gelesen, obwohl ich ihn unterm Strich als ziemlich düster wahrgenommen habe. Ohne jetzt weitere Details über den Inhalt verraten zu wollen, muss ich sagen, dass ich beim Lesen viel über die Fragen nachgedacht habe, was ein Leben erfüllt und erfüllend macht, wann ein Leben als „gelebt“ bezeichnet werden darf oder wann es einfach in den Startlöchern steckengeblieben ist (und wessen Schuld das dann ggf. ist) und in welcher Hinsicht dies Ansichtssache sein kann oder nicht. Was hat Ruth selbst in der Hand, wo ist sie in Umständen gefangen oder von anderen Menschen getrieben? Welche Anforderungen im Leben kann oder muss man annehmen, welchen darf man sich verweigern – und was ist für wen sinnvoll oder eben nicht? Diese Themen werden mir noch eine Weile nachgehen…

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    maritavor einem Monat
    Was das Leben bereithält

    Ich habe ein wenig gebraucht um in das Buch einzutauchen, v.a. wegen dem ausführlichen "Vorwort".

     

    Als dann letztendlich die Lebensgeschichte von Ruth Weiß erzählt wird, fand ich das Buch wunderbar. Ruth erzählt von ihrer Kindheit, ihren Eltern, von der Literatur. Lt. Kurzbeschreibung habe ich eine biedere junge, ganz unselbständige Dame erwartet. Glücklicherweise entpuppte sich Ruth nicht ganz so schlicht.

     

    Sie findet Kontakt  zum männlichen Geschlecht, wenn auch vlt jeder so seine Macken hat und nicht immer alles nach Vorstellung läuft.

     

    Ihr Aufbruch nach Paris, wie sie dort lebt, wie sie sich in ihre Arbeit vertieft hat mir sehr gut gefallen.

     

    Das Leben zieht weiter, die Eltern werden älter, man hat eine gewisse Verantwortung. Das geht auch Ruth nicht anders.

     

    Einen Teil aus ihrer Biographie erfahren wir in "Ein Start ins Leben". Wer gerne  über den Werdegang von jungen Damen aus vergangenen Zeiten liest, findet hier ein tolles Buch. Man bedenke, dass das Original bereits 1981 erschienen ist.

     

    Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung.


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    yellowdogvor einem Monat
    zurückhaltend

    Ein Start ins Leben ist der erste Roman der britischen Autorin Anita Brookner. Diese Autorin hat wirklich Klasse, sie schreibt elegant und mit Understatement, ziemlich zurückhaltend. Dadurch hebt sie sich ab von anderen Schriftstellern.
    Bemerkenswert auch die lange Einleitung von Julian Barnes in das Buch, wobei er von seinen Begegnungen mit Anita Brookner und ihren Qualitäten berichtet.

    Wie der Stil der Autorin sind auch die Figuren, zurückhaltend, nicht ohne Emotionen, doch diese behalten sie größtenteils für sich. Diese inneren Konflikte sind das große Thema von Anita Brookner.

    Die Handlung erzählt von einer Frau, Ruth, wie sie aufwächst und schließlich als junge Frau nach Paris geht, doch die Erkrankungen ihrer Eltern zwingt sie zur Rückkehr nach England.
    Viele Spannungsmomente gibt es nicht, der Plot bleibt immer dicht an der Figur und ist realistisch geschildert.
    Man braucht Geduld und Ausdauer für den Roman, aber viele gute Beschreibungen und ausgearbeitet Details entschädigen dafür.

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    ulistuttgartvor 3 Monaten
    Leseempfehlung

    Ruth Weiss lebt mit ihren Eltern in England. Ihre Mutter ist eine in die Jahre gekommene Schauspielerin, die ihr Leben lang mit sich selbst beschäftigt ist. Ihr Vater, der Besitzer eines Buchladens, sucht Trost und einen normalen Alltag bei einer Geliebten. Ihre Tochter Ruth ist beiden nicht wichtig. 
    Nach dem Tod von Ruths Großmutter ist diese allein auf sich gestellt und fasziniert von der Literatur, insbesondere von Balzacs Heldinnen.
    Ruth zieht nach Paris und versucht dort ihr eigenes Leben aufzubauen. Doch ihre Eltern rufen sie zurück.
    Sie betreut und umsorgt nun ihre Eltern,  wie sie selbst es wohl gerne in ihrer Kindheit gehabt hätte. 

    Für mich war es ein Schock, wie egoistisch Eltern sein können und ich konnte nicht verstehen wie aufopfernd Ruth trotzdem alles für ihre Eltern getan hat.

    Sprachlich ist der Roman von Anita Brookner großartig und sehr ansprechend.   
    Verwunderlich ist, dass dieser tragische und zugleich vergnügliche Roman erst jetzt ins Deutsche übersetzt wurde. Ein Dank dafür an den Eisele Verlag. 

    Leseempfehlung und 4 Sterne

    Kommentare: 2
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    Sikals avatar
    Sikalvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Toll geschrieben, volle Leseempfehlung.
    Ein Start ins Leben

    Dr. Ruth Wess denkt über ihr bisheriges Leben nach, welches von der Literatur geprägt war. Seit vielen Jahren ist sie von Balzac fasziniert, sie sucht auf viele Fragen des Lebens in diesen Geschichten Antworten. Doch so einfach ist es nicht und das musste Ruth auch Zeit ihres Lebens erfahren.

     

    Ihre Mutter, eine ehemalige Schauspielerin trauert um das Ende Ihrer Karriere, zieht sich zurück – erst in die Wohnung, dann in ihr Bett, welches sie kaum noch verlässt. Ruths Vater George hatte eine Buchhandlung, ertrug die Launen seiner Frau mit Fassung – beide Elternteile hatten etwas gemeinsam: die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Tochter waren ihnen egal. Eine unfähige Haushälterin führte den Haushalt der kleinen Familie und man hat den Verdacht, dass sie eine Schmarotzerin ist und sich bei Ruths Familie nur eingenistet hat. Als Ruth sich aufrafft und endlich für ihre Studien sich nach Paris aufmacht, hofft man, dass sie endlich ihr eigenständiges Leben führen kann und dieser eigenartigen Familiensituation entkommt.

     

    Die Autorin Anita Brookner erzählt in diesem Roman vom Leben einer jungen Frau, die durch ihre Familiensituation geprägt wird. Ihr Schreibstil ist ruhig, fesselnd und von einer feinen Brise Humor durchzogen. Parallel zu Ruth lesen wir immer wieder über Eugénie Grandet, wo sich etliche Ähnlichkeiten finden. Beide nehmen das Leben so an, wie es sich ihnen bietet – ein gefühlloses Elternhaus, kein Glück mit Liebesbeziehungen. Ganz selbstverständlich nimmt Ruth auch hin, ihre Eltern zu betreuen, sich um sie zu kümmern, wie sie selbst es wohl als Kind auch gerne gehabt hätte.

     

    Die Charaktere sind sehr vielschichtig und authentisch gezeichnet. Auch wenn man Ruths Handlungen manches Mal nicht unbedingt verstehen kann, erscheinen sie in der jeweiligen Situation als plausibel.

     

    Ein lesenswerter Roman, der nachdenklich stimmt. Großartig!

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    Buecherwurm1973vor 3 Monaten
    Ein Start ins Leben

    Die Protagonistin ist Dr. Ruth Weiss, die sich zu Beginn beklagt, dass die Literatur ihr Leben zerstört hat. Wie kam sie zu dieser Erkenntnis. Ruth wächst in einem seltsamen Elternhaus auf. Ihre Mutter ist eine berühmte Schauspielerin, die auch im Privatleben immer bereit für einen dramatischen Auftritt ist. Ihr Vater betreibt einen antiquarischen Buchladen und ist stets bestrebt seine Frau zu umschmeicheln. Ihr Kind Ruth ist einfach da und hat eigentlich in ihrem Leben keinen Platz. So bleibt Ruth nichts anderes übrig als Liebe und Geborgenheit zwischen den Buchdeckeln zu erhaschen. Es ist dann auch nicht weiter verwunderlich, dass Balzac ihr Leben auch als Erwachsene bestimmt. Sie schreibt ein Buch über die Frauen in seinen Büchern. Ihr Liebling, ja schon fast ihr Idol, ist Eugénie Grandet. Bei ihr sucht sie nach Ratschlägen, wenn sie nicht mehr weiter weiss. Um das Pariser Lebensgefühl kennenzulernen, geht sie nach Paris.

    Eigentlich erzählt Anita Brookner nur das Leben einer Frau mit einer ungewöhnlichen Kindheit und wie Bücher sie beeinflusst haben. Aber ihr Schreibstil hat mich gefesselt, Ruth lebendig werden lassen und die geistige Kinoleinwand angekurbelt. Ich bin förmlich ins Buch versunken. Allerdings kann ich nicht sagen, was ihr Schreibstil so besonders macht. Ich denke, Anita Brookner hat alle ihre Lebenserfahrung in den Roman verpackt. Beim Lesen begegnet man Figuren, die jedem schon im wahren Leben begegnet ist. Der britische Humor kommt auch nicht kurz und sorgt Unterhaltung.

    Vor dem Roman macht Julian Barnes einem Nachruf auf Anita Brookner. Er stellt eine Autorin vor, die im deutschen Sprachraum bisher nicht bekannt war. Unbedingt nach der Lektüre nochmals lesen, so manches im Roman wird klarer.

    Ich wünsche dem Buch ganz viele Leser.

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    Fornikavor 3 Monaten
    Schöner Roman

    In der Mitte ihres Lebens angekommen, sinniert Dr. Ruth Weiss über ihr bisheriges Leben nach. Einen Großteil dessen hat sie der Literatur gewidmet, schon als Kind die Nase ständig in ein Buch gesteckt. Hat sie deswegen etwas verpasst?

     Brookners Debüt hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel und ist trotzdem aktuell. Ruth wirkt einerseits etwas altbacken bzw. klassisch (ihre Figur hätte sicher auch einen Platz im 18. Jahrhundert gefunden), andererseits sind ihre Probleme zeitlos modern: sie ist intelligent und will doch ein Heim und einen Herd. Unabhängig sein und gleichzeitig ein intaktes Familienleben führen. Letzteres scheitert schon an ihren Eltern, die Mutter eine aus dem Beruf gealterte Schauspielerin, der Vater verschleißt beim Versuch eine „brave“ Frau zu finden zahlreiche Geliebte. Nach dem Tod der Großmutter zieht sich Ruth quasi selbst groß und findet großen Trost in der Literatur. Diese nimmt einen nicht ganz so großen Raum in der Geschichte ein wie ich es mir erwartet hatte. Zwar wird Ruths Begeisterung für Balzac deutlich, aber ansonsten tritt ihre bibliophile Neigung oft hinter den zwischenmenschlichen Konflikten zurück. Diese sind nachvollziehbar dargestellt, auch wenn gerade die Figur der Mutter mir doch oft unfreiwillig komisch vorkam. Sprachlich ist Brookners Roman mehr als ansprechend, eine sehr starke Sprache, die trotzdem leise Töne trifft. Mir hat er gefallen.

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    Wedmavor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Feinhumorig, weit ab vom Mittelmaß, zum Nachdenken anregend, sehr lesenswert! Meinen Spaß hab ich damit gehabt.
    Humorig-ironisch, realistisch, großartig!

    „Ein Start ins Leben“ (1981), den Debütroman von Anita Brookner, habe ich sehr gern gelesen. Es ist ein großartiges literarisches Werk voller Witz, Ironie und Humor, sowie Überlegungen, was ein gelungenes Leben eigentlich ist, messerscharfen Beobachtungen des menschlichen Verhaltens uvm.


    Klappentext beschreibt den Kern des Romans treffend: „Die mittlerweile vierzigjährige Ruth Weiss ist schön, intelligent – und einsam. Die Literatursüchtige sucht bei Balzacs Heldinnen Antworten auf die Fragen des Lebens und der Liebe und sinnt darüber nach, wo in ihrer Kindheit und Jugend die Ursachen dafür liegen, dass sie zu einer so einzelgängerischen Existenz wurde. Dabei schien doch anfangs alles noch so hoffnungsvoll, als sie als junge Frau in Paris ein neues Leben begann …Schon Anita Brookners Romandebüt ist ein vollendetes Stück Literatur. Tessa Hadley zählte ihn im Guardian zu den fünf besten ihrer 24 Romane und nannte ihn ‚schwarzhumorig, düster, und sehr, sehr witzig.‘“


    Schwarzhumorig würde ich den Roman nicht nennen. Humorig-ironisch, recht realistisch sind die Beobachtungen der Autorin, die sie meisterhaft verpackt und dem Leser großartig, auf ihre besondere Art präsentiert.


    Viele Fragen gingen mir durch den Kopf: Ist es nicht die Ironie des Schicksals, dass Ruths Mutter, die einst erfolgsverwöhnte, allseits beliebte, schöne Helen so ein elendes, einsames Lebensende findet? Oder ist sie einfach selbst schuld, weil sie ihre prinzessenhafte Angst vor dem eigentlichen Leben nie abgelegt und keine andere Rolle für sich gefunden hatte? Ihr Mann George, der Helens Eskapaden stets sportlich nahm, sich davon aber weiter nicht beeindrucken ließ und eine Beziehung zu einer anderen Frau heimlich pflegte, die viel normaler war, ihn bekochte und sonst keine weiteren großen Ansprüche an ihn stellte, hatte offenbar ganz andere Vorstellungen vom gelungenen Leben. Sein Ende fiel aber ähnlich aus. Und Ruth, die eigentlich einen guten Start ins Leben in Paris hingelegt hatte, warum dann alles Retour und dieses Im-alten-Trott-versinken, wo sie doch schon so gut wie da raus war? Mit all diesen Fragen beschäftigt man sich noch länger, nach dem die letzte Seite umgeblättert wurde.


    Das Ende war zwar etwas abrupt, aber bei literarischen Werken finde ich es weiter nicht besonders störend. Das Wichtigste wurde ja bereits gesagt.


    Fazit: Ein sehr lesenswerter Roman, der etliche vergnügte und nachdenkliche Stunden seinen Lesern schenkt. Großartig geschrieben.


    Gern lese ich weitere Romane der Autorin, v.a. „Hotel du Lac“ mit dem Anita Brookner den Booker Prise 1984 gewann.


    Nachruf auf Anita Brookner, 2016, von ihrem einstigen Mitstreiter um den Booker Prise Julian Barnes, „Der Lärm der Zeit“, eine Art Romanbiographie von Dmitri Schostakowitsch aus seiner Feder habe ich im letzten Jahr kennengelernt, war auch sehr gut und hilfreich. Nach dem Roman las ich seine Zeilen nochmals. Dann kamen seine Ausführungen, wie Anita Brookner als Mensch war, da er sie persönlich kannte, und dass sie von der Presse in eine Schublade gesteckt wurde, in die sie eigentlich gar nicht passte, besser zur Geltung: „Es gab niemanden, der ihr auch nur ansatzweise vergleichbar gewesen wäre.“ Dies kann ich nun sehr gut nachvollziehen.

    Eisele Verlag, ET 07.09.2018, 256 S.

     #NetGalleyDEChallenge

     

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein beeindruckender Roman einer völlig zu Unrecht vernachlässigten Autorin.
    Anita Brookner – Ein Start ins Leben

    Wenn doch das Leben nur so einfach wäre wie die Literatur – aber so sind die Dinge nun einmal nicht für Ruth Weiss. Ihre Mutter trauert immer noch der Schauspielkarriere nach, die sie aus Altergründen unfreiwillig aufgeben musste, der Vater war Buchhändler, hat sich aber auch zurückgezogen und Ruths ehemaliges Kindermädchen lässt sich auch eher durchfüttern als im Haushalt etwas zu erledigen. Doch trotz dieser aberwitzigen Familienverhältnisse gelingt es Ruth nicht, sich freizuschwimmen, ihre Männerbekanntschaften sind alle zum Scheitern verurteilt und auch ein halbherzig versuchter Umzug in eine eigene Wohnung gibt sie bald wieder auf. Nur der bereits lange gehegte Traum sich in Paris niederzulassen und die Lebensorte ihrer literarischen Heldinnen selbst zu erleben, erscheint ihr die Möglichkeit, endlich ihr eigenes Leben in Angriff zu nehmen.

    Anita Brookners Roman ist bereits 1981 erschienen und gilt als eines der Hauptwerke der 2016 verstorbenen Autorin. Sie war die erste Frau, die die Position des Slade Professor of Fine Art an der Universität von Cambridge innehatte. Schon ihr Debut behandelt die zentralen Themen der Autorin: die emotionalen Schwierigkeiten von intellektuellen Frauen den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen und mit den Enttäuschungen im Liebesleben zurechtzukommen.

    Genau hierunter leidet auch die Protagonistin Ruth. Letztlich akademisch erfolgreich bleibt ihr Privatleben doch eine Art offene Wunde, die völlige Zufriedenheit verhindert und sie immer wieder schmerzlich an ihr Versagen erinnert. Sie denkt zurück an ihre Kindheit und Jugend, das prägende Elternhaus und die ersten Liebesbeziehungen, die allesamt im Desaster endeten.

    Ruth wird dabei immer wieder an ihrer literarischen Lieblingsfigur Eugénie Grandet gespiegelt, die ebenfalls in einem lieblosen Elternhaus aufwächst und die Erfahrung macht als Tochter nur Mittel zum Zweck zu sein und die Erwartungen der Eltern erfüllen zu müssen. Zwar erkennt Ruth irgendwann, dass die Tugendhaftigkeit der Balzac’chen Frauen sie im Leben auch nicht weiterbringt und dennoch endet sie sehr vergleichbar mit Eugénie in einer lieblosen Ehe, die noch dazu von kurzer Dauer ist.

    Es ist faszinierend zu sehen, wie die Autorin einerseits eine klassische Geschichte einer jungen Frau erzählt, die in ähnlicher Weise auch im 18. oder 19. Jahrhundert hätte stattfinden können, und zugleich eine Frau mit modernen Ansprüchen zeigt, die 1981 ihrer Zeit schon voraus war. Dabei verleiht die ausdrucksstarke Sprache der Geschichte ein besonderes Gewicht; der bisweilen lakonische Stil, der wiederum auf den Punkt sitzt und Mitten ins Schwarze trifft, zeigt sich schon im ersten Satz, dem literarisch bekanntermaßen eine Schlüsselrolle zukommt und der bei großen Werken schon die ganze Dramatik des im folgenden dargebotenen Dramas in sich konzentriert:

    „Im Alter von vierzig Jahren wurde Dr. Weiss klar, dass die Literatur ihr Leben ruiniert hatte.“

    Dass dieser Roman erst jetzt in deutscher Übersetzung erscheint, ist eigentlich nicht zu glauben, ebenso, dass diese wunderbare Autorin fast in Vergessenheit geraten ist, der mit unglaublicher Leichtigkeit eine tragische und zugleich komische Geschichte gelungen ist.

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    Mikakos avatar
    Mikakovor einem Monat
    Kurzmeinung: Wunderbarer präziser Schreibstil mit der richtigen Portion schwarzem Humor!
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