Anita Nair Gewaltkette

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Inhaltsangabe zu „Gewaltkette“ von Anita Nair

Inspector Gowda, Mordermittler in Indiens drittgrößter Stadt Bangalore, soll die vermisste Tochter seiner Haushaltshilfe suchen. Zugleich verlangt ein komplizierter Mordfall seine ganze Aufmerksamkeit: In einer gut bewachten Gated Community wurde ein reicher Anwalt erschlagen. Beide Aufgaben sind ihm wichtig, für beide braucht er reichlich Vitamin B. Inspector Gowda hadert täglich mit seiner Ohnmacht im Großen und seiner Inkonsequenz im Kleinen – wie dem Umstand, dass er ­seine Ehefrau betrügt, seiner Geliebten nicht gerecht wird, seinem Sohn entfremdet ist. Aber wenn es ums Ermitteln geht, macht Borei Gowda keinerlei Kompromisse …

Für »Gewaltkette« recherchierte Anita Nair zwei Jahre lang und arbeitete bei der Sozialarbeits-NGO BOSCO mit, was zu den härtesten Erfahrungen ihres Lebens beitrug. Nair packt mit ausgefuchsten Genre-Mitteln und starker, eindringlicher Prosa ein schreckliches Thema an – Kinder als Ware. Trotz tiefster Empathie bleibt ihre Schilderung konkreter Gewalt stets zurückhaltend, frei von Voyeurismus und Pathos. Das ist große Literatur, sinnlich und düster, ganz dicht am realen Leben, voll erzählerischer Wucht: Verwoben mit der Ermittlung rücken faszinierende Handlungsstränge ins Bild, Facetten einer hochmodernen, aber kolonial tradierten, auf ethnischen und Kastenvorurteilen aufgebauten Gesellschaft mit krassen Hierarchien, zutiefst patriarchalen Normen und blühendem Raubtierkapitalismus: das urbane Indien heute.

Indien mal anders - kein Bollywood, sondern Realität. Ein sehr starkes Buch!

— DunklesSchaf

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  • Indien mal anders - kein Bollywood, sondern Realität in "Gewaltkette" von Anita Nair

    Gewaltkette

    DunklesSchaf

    20. November 2017 um 20:08

    Deutschland, Skandinavien, England, Frankreich, USA… das sind so die Länder aus denen 90% der Krimis in unserer Krimilandschaft hierzulande stammen (ja, die Zahl ist nur meine Schätzung, doch ich denke, damit liege ich gar nicht so fern). So ist es immer wieder ein Erlebnis in die Krimikulturen anderer Länder reinzuschnuppern. Ferne Länder, andere Kulturen, Länder, die ich persönlich vielleicht nicht besuchen werde – na, seien wir ehrlich, vermutlich werde ich die meisten davon niemals sehen. Umso spannender ist es, diese Länder literarisch zu besuchen – und für die Krimi-Nerds unter Euch ist ja klar, dass es für mich auch immer ein Krimi sein muss, der diesen Besuch einleitet. So wie Anita Nairs Krimi um Inspector Borei Gowda aus Indien. 2 Ermittlungen Inspector Gowda hat zwei Probleme: der Mord an dem angesehenen Anwalt, Dr. Rathore, bereitet ihm und seinem Team Kopfzerbrechen und auch im privaten Umfeld sind seine Fähigkeiten gefragt, da Nandita, die Tochter seiner Haushälterin, verschwunden ist. Derweil es im Fall des Anwaltes erst mal keine Spur gibt und die Ermittlungen sich schwer gestalten, finden sie immerhin Anhaltspunkte im anderen Fall: Nandita wurde entführt. Der Moloch Bangalore – für mich eine Stadt, die ich mit Entwicklern und der IT-Branche verbinde. So ganz unrichtig ist das auch gar nicht, denn Bangalore stellt sich im Krimi als arbeitsame Stadt dar. Viele, vor allem Männer, strömen in die Stadt, um Arbeit zu suchen. Doch auch das ist nicht genügend, für die boomende Stadt. Arbeitskräfte werden gebraucht, aber auch Vergnügen, für die vielen Männer, die in die Stadt strömen. Was liegt da näher, als Kinder zu requirieren? Als Arbeitskräfte, als Huren. Je nach Bedarf werden die Kinder von den Straßen gelockt, fast schon gepflückt wie reife Äpfel. Menschenhandel, eigentlich Kinderhandel. Eine grausige Realität, die mich fragen lässt, wie indische Eltern sich überhaupt trauen, ihre Kinder aus dem Haus zu lassen. Die Gefahren sind allgegenwärtig und grausam. Die Polizei ist oft machtlos oder gar korrupt, die Verstrickungen reichen auch in wirtschaftliche und politische Kreise und sind umso schwerer an der Wurzel auszurupfen. „Überall in Bangalore wurden Bäume abgeholzt, Häuser schienen über Nacht aus dem Boden zu schießen wie Pilze nach einem Gewitter, auch das trug dazu bei. Klimaveränderung. Und nicht nur das Wetter änderte sich, auch das Verhalten der Menschen. In Bangalore tummelten sich über fünfhunderttausend Wanderarbeiter, die meisten davon Männer. Sie waren zu allem bereit, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen und ein Gefühl von Macht zu spüren, statt nur als bedeutungslose Spielfiguren der Gesellschaft dahinzuvegetieren.“ (S. 309) Type mit Bauchansatz Ein Kämpfer gegen diesen Moloch ist Inspector Gowda. Er ist schon eine Type, mit seiner Geliebten Urmila, die er relativ frei treffen kann, da seine Frau wegen dem Sohn in einer anderen Stadt weilt. Frau und Sohn sind ihm fremd, doch eben Familie. Seine Untergebenen sind ihm treu ergeben, auch wenn er bei den Ranghöheren nicht gerade beliebt ist. Seine unorthodoxen Methoden und seine Unbestechlichkeit machen ihn suspekt, doch auch wenn er es selbst mit der Moral nicht ganz so genau nimmt, so nimmt er doch die Gerechtigkeit sehr ernst. Und so brummt er mit seiner Royal Enfield durch Bangalores Straßen, durchstreift sein Netzwerk aus Informanten und müht sich Schritt für Schritt durch den Sumpf der Stadt. Ja, das mag für einen Ermittler nicht ungewöhnlich klingen, doch in Bangalore und mit vielen verschiedenen indischen Gerichten untermalt ist es doch wieder etwas Anderes, etwas Neues und Spannendes. Fazit: Indische Kultur ganz und gar nicht bezaubernd, sondern als Nährboden für Menschenhandel und Kinderprostitution zeigt der Krimi an Inspector Gowdas Ermittlungen in der Boomtown Bangalore, zwischen Tradition und Moderne. Sehr empfehlenswert!

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  • Jenseits von Bollywood und Taj Mahal

    Gewaltkette

    Havers

    13. November 2017 um 19:30

    Bangalore, drittgrößte Stadt Indiens, Technologie- und IT-Zentrum, auf den ersten Blick eine moderne Metropole, die stellvertretend für die Anstrengungen Indiens auf dem Weg in eine bessere Zukunft steht . Kratzt man jedoch an der Oberfläche, offenbart sich eine zutiefst zerissene Gesellschaft, die versucht, sich aus der Tradition zu lösen, aber noch nicht in der Moderne angekommen ist. Postkolonialismus und Kastenwesen prägen noch immer den Alltag, dazu kommen die negativen Auswüchse moderner Industriegesellschaften. Landflucht und Übervölkerung, bittere Armut und protzender Reichtum, Slums und Paläste, Kriminalität und Korruption. Hier ermittelt Inspektor Gowda, unterstützt von seinem Team. Und wie Bangalore vereint auch Gowda zahlreiche Widersprüche in sich. Beruflich kann man ihm nichts vorwerfen, er ist absolut professionell, integer, ein Mann mit Grundsätzen. Anders hingegen sieht es im Privaten aus, hier nimmt er es mit der gängigen Moral nicht so genau, hat außer seiner Ehefrau auch noch eine Geliebte und wird weder der einen noch der anderen gerecht. Aktuell arbeitet er an zwei Fällen. Zum einen ist da der bekannte Anwalts, wohnhaft in einer hochgesicherten Luxussiedlung, der dort mit eingeschlagenem Schädel aufgefunden wird, zum anderen ist die zwölfjährige Tochter seiner Haushaltshilfe spurlos verschwunden. Zuerst scheint es, als ob das eine mit dem anderen nichts zu tun hätte, aber im Laufe der Ermittlungen muss Gowda feststellen, dass zwischen beiden Ereignissen eine unheilvolle Verbindung besteht. Kinder als Ware, verschleppt, verkauft, misshandelt und prostituiert. Kinder, die den Reichen und Mächtigen zu Willen sein müssen - ein Thema, das an die Nieren geht. Aber Anita Nair entwickelt ihre Story behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl. Wo andere Autoren mit drastischen Szenen aufwarten macht sie Andeutungen und überlässt so vieles den Vorstellungen des Lesers. Und gerade das macht ihre Schilderungen umso eindringlicher. „Gewaltkette“ bietet einen ungeschönten Blick auf Indien, ein Land, das sich als Industrienation präsentiert, aber noch immer seine patriarchalische Prägung in einem Alltag lebt, in dem Frauen und Kinder ausgebeutet und ihnen jegliche Rechte verweigert werden. Lesen!

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