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Slatedfan

vor 11 Monaten

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2030 – Die Menschen haben die Erde an den Rand einer Katastrophe gebracht, doch jenseits unseres Sonnensystems ist diese Entwicklung nicht unbemerkt geblieben. Die Laurasier, entfernte Vorfahren der Menschen, starten eine verborgene Rettungsaktion, um den Fortbestand der menschlichen Spezies zu sichern: Freiwillige sollen auf dem erdähnlichen Planeten Zadeg einen Lebensweg im Einklang mit der Natur erlernen. Doch der Verantwortliche der Mission, der laurasische Heerführer und Telepath Alkatar, wird schon bald mit den Abgründen der menschlichen Natur konfrontiert. Als ein intergalaktischer Krieg Zadeg von der Außenwelt abschneidet, setzt sich eine dramatische Entwicklung in Gang ... (Beschreibung übernommen)

Ich habe mich nie allzu viel für Science Fiction interessiert und hatte meine Bedenken, so sehr ich mich auch für dieses Buch interessiert hatte. Tatsächlich viel es mir anfangs etwas schwer, in die Geschichte, die Charaktere und vor allem die Welt zu finden, doch nach ein paar Seiten war ich mittendrin.
Der Schreibstil war gut, ließ sich zwar nicht so flüssig lesen wie manch anderes Buch lesen, was hier aber eher an dem Anspruch und dem Genre liegt, immerhin ist das keine Geschichte, die einfach an einem vorbei fliegen soll.

Es gab zwei Hauptcharaktere. Als erstes lernte ich Alkatar, den männlichen Protagonisten kennen, ein Bewohner des Planeten Sumas. Im ersten Abschnitt des Buches, wo er der alleinige Protagonist war, konnte ich nicht so recht zu ihm finden, das wurde mit der Zeit allerdings besser, ab dem Mittelteil des Buches sogar richtig gut. Ich fand es erstaunlich, wie er mit so vielen Verlusten, die ihm sein Leben gebracht hatte, zurecht kam. Sehr interessant fand ich auch seine Beziehungen zu Frauen, wie er auf sie reagierte und  wie er, ein Mann, von ihnen benutzt wurde.
Stefa war die Protagonistin im zweiten teil (danach wurden die Kapitel abwechselnd aus zwei Sichten beschrieben) und ein Mensch von der Erde. Ich mochte sie sofort, konnte mich super in sie hineinversetzen und habe einige Ähnlichkeiten zwischen mir und ihr entdeckt. Was sie so interessant, besonders gemacht hat, war ihre Angst, hauptsächlich von Menschen und ihre anscheinend immer mehr wachsende Depression. manchmal war sie etwas zu naiv, hat es aber schnell bemerkt. Sie wirkte das ganze Buch über wie ein eher schwacher Charakter, da sie psychisch schließlich etwas angeknackst war und hat dennoch am Ende so viel Stärke bewiesen, der sie nochmal viel sympathischer machte.
Ich muss auch sagen, dass mir fast alle Nebencharaktere ausgesprochen gut gefallen haben. Ich konnte zu allen eine gewissen Nähe aufbauen, was ich sonst so gut wie nie in einem Buch tue, aber hier kamen sie mir alle so lebendig vor.
Zwei Nebencharaktere waren allerdings die Hölle und das sollten sie auch sein. Heinrich und Ulrike konnte ich von Anfang an nicht leiden und muss mich gerade sehr zurückhalten, um nicht zu spoilern.

Die Welten fand ich allesamt sehr faszinierend. Der Planet Sumas war am beeindruckensten, da die Gesellschaft dort völlig anders als unsere Schien, das merkte man allein an der übergeordneten Rolle der Frau. Ich hätte gern noch etwas länger über Sumas gelesen, doch das wollte Alkatar anscheinend nicht zulassen.
Die Zustände auf der Erde waren erschreckend, doch nicht unrealistisch und übertrieben dargestellt, so wie es viele Autoren immer zu tun pflegen. Allein das Bild, wie unser Land ohne jegliche Wälder, ohne jegliche Schönheit war eine grässliche Vorstellung.  Hier wurde sehr deutlich gemacht, in was für einer Welt wir eigentlich leben, wie wir Menschen und gegenseitig behandeln. Ich glaube, uns ist es gar nicht mehr möglich, ohne Klassengesellschaft zu leben, ohne dass sich eine Minderheit über alle stellt. Ich selber bin auch solcher Ansichten, wie sie im Buch beschrieben wurden und verabscheute die  Charaktere, die sich nicht anpassen wollten an die neue Gemeinschaft, doch selber bezweifle ich, ob ich ebenfalls so selbstlos im Minimalismus, immer auf meine Mitmenschen achtend auf ewig leben könnte.
Umso interessanter war es zu sehen, ob es den Menschen tatsächlich gelingt, sich in solch ein auf uns primitiv wirkendes System einzugliedern.

Insgesamt fand ich das Buch sehr gut, es hat mich wirklich überrascht. Gerade so viel Gesellschaftskritik hatte ich nicht erwartete, aber genau sowas mag ich. Ich habe lange überlegt, ob ich dem Buch nun 5 oder 4 Sterne geben soll, habe mich letztendlich doch für 4 entschieden, da mir für 5 Sterne noch das gewisse Etwas gefehlt hat. Ansonsten kann ich das Buch nur jedem ans Herz legen. Ich freue mich auf Fortsetzungen!

Autor: Anja Fahrner
Buch: Alkatar
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