Anja Goerz Der Osten ist ein Gefühl - Über die Mauer im Kopf

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Inhaltsangabe zu „Der Osten ist ein Gefühl - Über die Mauer im Kopf“ von Anja Goerz

Auch heute noch ist die Mauer in den Köpfen der Menschen nicht verschwunden. Das erfährt Anja Goerz in ihrer täglichen Rundfunkarbeit. Deshalb wollte sie es genauer wissen: Warum fühlen sich im Osten sozialisierte Menschen oft so ungerecht behandelt? Stimmen die Behauptungen über das Verdrängen der Ossis von den Spitzen der Universitäten, Gerichte und Kliniken? Waren die Ossifrauen wirklich so viel emanzipierter? Haben die Wessis einfach alles plattgemacht und nach ihren Regeln umgebaut? Anja Goerz stellt ganz unterschiedliche Menschen aus der ehemaligen DDR vor. In die Porträts ist viel Biografisches eingeflossen, erzählt wird aber auch von Motivationen und Haltungen, Verletzungen und Chancen. Und es gibt auch den umgekehrten Blick von West nach Ost. So unterschiedlich die Erinnerungen sind, so haben sie doch die DDR-Herkunft als starkes Identitätsmerkmal gemein. »Ossi-Sein«, so zeigt sich, ist keine Generationen-Frage und keine Frage des Berufes, sehr wohl aber eine des Gefühls.

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    Der Osten ist ein Gefühl - Über die Mauer im Kopf
    VeraHoehne

    VeraHoehne

    02. December 2014 um 15:19

    Autor: Anja Goerz wurde am 22.04.1968 in Niebüll/Nordfriesland – in unmittelbarer Nähe zur wunderschönen Nordsee-Insel Sylt – geboren. Ihr künstlerisches Können bewies sie schon früh, indem sie eine Ausbildung zur Fotografin absolvierte. Aber anstatt hinter ein Objektiv zog es sie 1989 dann doch mehr hinter ein Mikrofon: Sie begann ein Hörfunk-Praktikum bei Radio Schleswig-Holstein in Kiel (R.S.H.), wo sie zur Redakteurin und Moderatorin ausgebildet wurde. Es folgten diverse Moderationsjobs bei verschiedene Radio-Sendern im Norden Deutschlands sowie 1998 eine leitende Position in der Abteilung Radio-Promotion und -Marketing bei SAT 1. Die Liebe zum Hörfunk blieb immer bestehen, so dass sie 2004 zurück zum Radio wechselte. Neben mehreren Sendungen im Radio Eins des RBB moderiert sie seit Januar 2014 auch beim Nordwestradio von Radio Bremen. Neben ihrer Tätigkeit als Hörfunkjournalistin ist sie eine erfolgreiche Autorin von Frauen-Romanen (“Herz auf Sendung”, “Mein Leben in 80B”) und eBooks (“Der Ball ist rosa”, ein Roman der sich zeitkritisch mit Homosexualität unter Profi-Fußballern auseinandersetzt – sowie “Liebe, Latex, Landlust”). Mit “Der Osten ist ein Gefühl – Über die Mauer im Kopf” legte sie ihr erstes Sachbuch vor. Handlung: Auch nach 25 Jahren deutsch-deutscher Einheit gibt es im Kopf vieler Menschen  noch immer eine Mauer. Anja Goerz, die im Rahmen ihrer Rundfunkarbeit oft damit konfrontiert wurde, hat die diverse Personen und Persönlichkeiten ostdeutscher Herkunft für dieses Buch befragt, was ihrer Meinung nach typisch ostdeutsch ist, welche Erinnerungen sie an die Zeit vor der Wende nicht missen möchten und warum die deutsche Einheit mancherorts immer noch nicht “angekommen” ist. Hier kommen sowohl Prominente zu Wort, aber auch ansonsten ein großer Querschnitt an Personen aus unterschiedlichsten Berufsschichten und verschiedensten Generationen. Fazit: Das Cover mit einer alten schwarz-weißen Familienfotografie von einem Ostsee-Urlaub, finde ich nicht so wahnsinnig gelungen – hier hätte ich mir irgendwie eher eine Collage mit typisch ostdeutschen Dingen vorstellen können (positiv wie negativ), aber das ist reine Geschmackssache. Das Buch hat zwar Taschenbuchformat, ist allerdings, um dem Preis von 14,90€ gerecht zu werden, sehr hochwertig aufgemacht: Doppel-Umschlag, Bebilderungen, hochwertiges Papier und eine sehr angenehme Gestaltung und ein harmonisches Zusammenspiel von Schrift-/Druckbild, Texten, Kapitellänge und Foto-Illustration, wodurch das Buch sehr angenehm und kurzweilig zu lesen ist. Da die Berichte in sich abgeschlossen sind, eignet sich das Buch ideal, um es zwischendurch bzw. nebenher neben einem weiteren Buch zu lesen. Ich habe ja schon öfter berichtet, dass ich sehr gerne Biographien und Erfahrungsberichte lese. Dadurch, dass dieses Buch gleich mehrere solche von ganz unterschiedlichen Personen in sich vereint, ist es umso interessanter. Anja Goerz hat mit viel Sachverstand und hohem Einfühlungsvermögen berühmte und nicht berühmte Persönlichkeiten mit ostdeutschem Background über ihre Vergangenheit, ihre Erinnerungen und ihr Leben vor und nach der Wendezeit befragt und teilweise überraschende und auch emotionale Statements erhalten. Leser, die keinen Bezug zur ehemaligen DDR haben, können hier noch viel über das Leben dort damals erfahren und können nach der Lektüre vielleicht auch das ein oder andere, was sie nur vom Hörensagen kennen, viel besser verstehen und einordnen. Einige Aussagen kann ich durchaus sehr gut nachvollziehen: Ich habe selbst DDR-Bezug, weil mein Vater aus Templin/Uckermark stammte, ich lange Zeit Brieffreundschaften dorthin hatte und 1988 und 1989 mehrfach bei Freunden und Verwandten dort zu Besuch sein durfte und dadurch auch viel über das Leben dort und die Sorgen und Nöte der Bevölkerung erfahren habe. Ich bin aber ehrlich gesagt sehr froh, dass ich genau zu jenem Zeitpunkt in der DDR sein durfte, wo ich schon die nötige geistige Reife hatte, um dort mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und für manche Dinge auch das entsprechende Verständnis aufbringen konnte. Ich weiß noch, dass mich damals sehr beeindruckt hat, dass dort ein enormes Zusammengehörigkeitsgefühl herrschte, wie ich es aus meiner westdeutschen Heimat überhaupt nicht kannte. Ebenso war ich äußerst beeindruckt davon, dass die Menschen (vor Allem, diejenigen, die nicht ausgereist sind und für bessere Lebensumstände auf die Straße demonstrieren gegangen sind)  immer versucht haben, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Ein weiterer Punkt, der in diesem Buch thematisiert wird, ist die Namensproblematik, denn den Generationen, die vor und nach der Wendezeit geboren wurden, erkennt man oft an ihre amerikanisch klingenden Namen, Namen aus Ländern, deren Besuch seinerzeit unmöglich war – sogenannte Sehnsuchtsnamen. Was ich immer sehr gut fand, ist, dass es im Osten Deutschlands immer vollkommen normal war, dass Mütter relativ kurze Zeit nach der Geburt wieder ihrem Beruf nachgegangen sind, weil die für die Betreuung der Kinder gesorgt war. Hier werden Mütter heute noch gerne als Rabenmütter bezeichnet, wenn sie Wunsch äußern, schnellstmöglich in ihren Beruf zurückzukehren, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ich muss sagen, dass es den ostdeutschen Kindern, die ich kennengelernt habe, nicht geschadet hat, dass beide Elternteile berufstätig waren und die Kinder so früher selbstständig wurden. Es scheint immer noch ein bundesdeutsches Phänomen zu sein, dass es Frauen gibt, für die ein Kind oft der bewusste Ausstieg aus dem Arbeitsleben für die mindestens nächsten 18 Jahre oder gar den Rest ihres Lebens bedeutet. Dieses Buch hat mich auch an die Diskussionen erinnert, die ich selbst mit meinem Mann sehr häufig hatte – gerade in der letzten Zeit zum 25. Jahrestag der Maueröffnung: Ab wann ist es noch Ostalgie oder Erinnerungen an ein Vorleben in einer Zeit, die es so nie wieder geben wird und ab wann ist es Verherrlichung eines Unrechtsstaates?! Für mich war dieses Buch ganz toll zu lesen und ich empfehle es vor Allem Personen, die bisher nicht so viel über die ehem. DDR wissen, damit sie überhaupt mal ein Bild vom Leben dort damals bekommen und zwar direkt von Personen, die diese Leben dort selbst geführt haben. Wofür ich niemals Verständnis haben werde, ist jedoch die Ausländerfeindlichkeit, die im ehem. Osten Deutschlands noch so häufig vertreten ist – und zwar sehr häufig in der Generation der Anfang bis Mieter 80er Jahre Geborenen, die bei der Wende oft noch keine 10 Jahre alt waren! Mich hat die Aussage einer Bekannten seinerzeit sehr geschockt, dass sie in Berlin Stadtteile wie Kreuzberg aufgrund der hohen Ausländerdichte meidet, sich aber in Stadtteilen, in denen häufig Rechtsradikale demonstrieren, sehr sicher fühlt. Sowas finde ich unglaublich traurig. Die Einzige kleine Kritik die ich an diesem Buch habe, ist, dass vielleicht auch Westdeutsche (z. B. solche, die bis heute noch nicht in Ostdeutschland waren und immer noch den Begriff “Dunkeldeutschland” benutzen) auch mal zu ihrer persönlichen “Mauer im Kopf” hätten befragt werden sollen. Das ist nämlich ein Punkt, der mich genauso schockiert, dass Menschen über etwas urteilen, was sie gar nicht kennen. Die wissen meiner Meinung nach nicht, was ihnen alles entgeht. Von mir gibt es hierfür 5 von 5 Punkten und eine glatte Leseempfehlung :-)

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  • Gute Grundidee, schlechte Umsetzung...

    Der Osten ist ein Gefühl - Über die Mauer im Kopf
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    24. September 2014 um 09:19

    Anja Goerz hatte mit der Idee zu „Der Osten ist ein Gefühl“ einen tollen Grundgedanken. Mit Vorurteilen aufräumen, Verständnis schaffen. Doch leider hat diese Grundidee eine schlechte Umsetzung erfahren. „Der Osten ist ein Gefühl“ ist eine Anthologie, in der viele Prominente und einflussreiche Personen zu Wort, die in der DDR aufgewachsen sind, bzw. dort gelebt, geliebt und gearbeitet haben. Aber jene Prominente und höher gestellte Personen hatten sowieso Freiheiten, die der durchschnittliche DDR-Bürger nicht hatte. Leider spiegelt dieses Buch in keinster Weise das echte Lebens-“gefühl“ in Ostdeutschland zu DDR-Zeiten wider. Im Gegenteil, es vermittelt an manchen Stellen für Außenstehende sogar einen falschen Eindruck. Ich denke, es ist grundlegend falsch, als "Wessi" ein Buch über Ostdeutschland zu DDR-Zeiten schreiben zu wollen, da man einfach nicht so recht weiß, wovon man eigentlich spricht. Schade!

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  • 'Habt im Blick, was uns verbindet, sucht nicht, was uns trennt.'

    Der Osten ist ein Gefühl - Über die Mauer im Kopf
    sabatayn76

    sabatayn76

    31. August 2014 um 22:43

    Inhalt: Anja Goerz erlebte das Aufeinanderprallen der ostdeutschen und der westdeutschen Mentalität im Job, wollte deshalb genauer wissen, was die 'ost-westlichen Befindlichkeiten und Denkweisen ausmacht' und hat dafür unterschiedliche Menschen aus der Ex-DDR zu ihrem Leben befragt. Sie hat zudem 'versucht, Menschen im Westen zu finden, die einige Fragen 'von der anderen Seite' beleuchten'. Mein Eindruck: Ich bin in der DDR aufgewachsen, war zur Zeit des Mauerfalls 13 Jahre alt und lebe bereits seit 20 Jahren im Westen Deutschlands. 'Der Osten ist ein Gefühl' enthält Lebensberichte von Promis und von ganz normalen Menschen, wobei mir letztere meist besser gefallen haben, weil sie mich eher an meine eigene Kindheit erinnerten und insgesamt lebensnaher waren. Ich hätte mir aus diesem Grunde mehr Geschichten von Alltagsmenschen gewünscht und lieber von ihrem Leben gelesen. Alles in allem habe ich mich oft an meine eigene Kindheit erinnert gefühlt, was ich sehr schön fand und was dafür gesorgt hat, dass einige Erinnerungen aufgefrischt wurden. Neben Bekanntem habe ich aber auch viel Neues gelesen, z.B. über Themen, mit denen ich mich bisher nicht auseinandergesetzt hatte und über die ich deshalb kaum etwas wusste (z.B. Besonderheiten bezüglich Ehe und Kindern etc.). Was ich vermisst habe, ist ein Resümee der Autorin. Zwar kommen viele Menschen zu Wort, aber ich hätte mir gewünscht, dass sie die angesprochenen Themen noch etwas zusammenfasst, denn auf 'die Mauer im Kopf' wird gar nicht explizit eingegangen - z.B. im Sinne einer umfassenden Analyse, was der Titel meiner Meinung nach verspricht. Mein Resümee: Spannende und weniger spannende Berichte über das Leben in der DDR. Ich hätte mir mehr Alltagsmenschen und Alltagserlebnisse sowie eine Zusammenfassung gewünscht.

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  • Notwendig,engagiertes Buch das nach mehr Qualität sucht.

    Der Osten ist ein Gefühl - Über die Mauer im Kopf
    Schwalbe71

    Schwalbe71

    Zum Anfang, es ist ein Buch. Die Arbeit der Autorin verdient Respekt, da Sie das Thema aufgreift und fleißig, kpnzentriert,aufmerksam beobachtet. Trotz inhaltlicher und struktureller Mängel kommt das Buch symphatisch daher und scheint alle Super-Illu Leser und ehemalige DDR Bürger in ihren Bann zu ziehen. Mich wundern die vielen positiven Stimmen zu dem Buch. Das Gute zu erst. Die Autorin macht ein Gefühl und die Geschichte dazu , die Erfahrungen und Erlebnisse der Menschen in der DDR  deutlich und zeigt auf, welche Wandlung die ehemaligen DDR Bürger teilweise durchmachen mussten. Das sind, auch nach 25 Jahren, wichtige Betrachtungen um zum Verständis für Ost und West beizutragen. Der Leser kann sich in das Thema einfühlen, sich Zeit nehmen den Osten zu entdecken und sich selber hinterfragen, wie ist das eigentlich bei mir und in meinem Lebensumfeld. Hier wird etwas klarer das daß Thema gesamtdeutsch nicht bewältigt wurde und somit viel Gesprächsstoff bietet. Ich selbst weiß von noch mehr Ossi Hass. Wie gerne das Buch gekauft wird, zeigt wohl auch wie groß das Bedürfnis der Leute ist, das jemand diesem Gefühl Ausdruck verleiht und das ist der Verdienst und dem Mut von Frau Anja Goertz zu verdanken!  Das Spektrum der Personen die zu Wort kommen ist breit und man begegnet beim Lesen vielen Erinnerungen wieder.Letztendlich eine runde Sache mit größeren Mängeln in "der Tiefe". Mir hat überhaupt nicht gefallen wer in dem Buch alles zu Wort kommt. Viel zu viele Prominente. Einige von Ihnen wurden im TV schon so oft "durcherzählt" . Andere haben so viel beruflichen Erfolg, "hüben wie drüben", nätürlich durch harte Arbeit, das man sich fragt wo bleibt der Normalbürger. Einfach zu viel Upper Class auf diesen Buchseiten,verkauft sich wohl besser. Gibt es da so wenige "Normalos" die für ein Buch erzählen können? An diesem Punkt wirkt das Buch mit zu heißer Nadel gestrickt, erfolgssicher. Dem Buch fehlt "der Dreck der Straße" und die Kritikfähigkeit von DDR Opportunisten o.ä. Ich habe schon Lust etwas mehr zu dem Thema zu lesen, aber viel konkreter,noch ehrlicher,emotionaler,deutlicher. Fazit: Es gibt schon einige wichtige Aussagen in dem Buch, aber es gibt auch Vieles das dem Buch fehlt. Egal wie, Irgendjemand hat gut daran verdient und vielen Menschen hat es gut getan es zu lesen.

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  • Fragefreitag und Buchverlosung zu "Der Osten ist ein Gefühl" von Anja Goerz

    Der Osten ist ein Gefühl - Über die Mauer im Kopf
    DieBuchkolumnistin

    DieBuchkolumnistin

    Anja Goerz hat bereits mehrere Romane veröffentlicht - heute steht sie Euch beim FrageFreitag Rede und Antwort zu ihrem soeben erschienenen Sachbuch "Der Osten ist ein Gefühl - Über die Mauer im Kopf" aus dem Deutschen Taschenbuch Verlag: Auch heute noch sind die Mauern in den Köpfen der Menschen nicht verschwunden. Das erfährt Anja Goerz in ihrer täglichen Rundfunkarbeit. Deshalb wollte sie es genauer wissen: Warum fühlen sich im Osten sozialisierte Menschen oft so ungerecht behandelt? Stimmen die Behauptungen über das Verdrängen der Ossis von den Spitzen der Universitäten, Gerichte und Kliniken? Waren die Ossifrauen wirklich so viel emanzipierter? Haben die Wessis einfach alles plattgemacht und nach ihren Regeln umgebaut? Anja Goerz stellt ganz unterschiedliche Menschen aus der ehemaligen DDR vor. In die Porträts ist viel Biografisches eingeflossen, erzählt wird aber auch von Motivationen und Haltungen, Verletzungen und Chancen. Und es gibt auch den umgekehrten Blick von West nach Ost. So unterschiedlich die Erinnerungen sind, so haben sie doch die DDRHerkunft als starkes Identitätsmerkmal gemein. »Ossi-Sein«, so zeigt sich, ist keine Generationen-Frage und keine Frage des Berufes, sehr wohl aber eine des Gefühls. Leseprobe Anja Goerz, geboren 1968, ist gelernte Fotografin und seit 1989 Radiomoderatorin. Sie ist auf dem nordfriesischen Festland nahe Sylt aufgewachsen. Heute arbeitet sie beim Radiosender radioeins/rbb. Sie lebt mit Mann und Sohn in Falkensee bei Berlin.  Anja Goerz online: Homepage + Fanpage + Twitter Anja steht Euch heute beim FrageFreitag Rede und Antwort und Ihr könnt mit etwas Glück eines von fünf Exemplaren von "Der Osten ist ein Gefühl" gewinnen! Viel Spaß!

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    • 94
  • Ein Buch für Ost- und Westdeutsche

    Der Osten ist ein Gefühl - Über die Mauer im Kopf
    Katzenpersonal_Kleeblatt

    Katzenpersonal_Kleeblatt

    30. March 2014 um 22:19

    Dieses Jahr im November jährt sich der Fall der Mauer zum 25. Mal.  Noch immer sind Worte wie Ossi und Wessi in aller Munde und so schnell werden die wohl auch nicht aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Anja Goerz, die Autorin dieses Buches, ist Radiomoderatorin beim rbb, wo die Besetzung des Senders sowohl mit Menschen aus dem Westen wie auch aus dem Osten besteht. Von dort kam auch der Anstoß, dieses Buch zu schreiben. Sie hat viele Prominente, aber auch "Otto-Normalverbraucher" befragt, wie sie rückwirkend gesehen, die Zeit in der DDR verbracht haben, welche Erinnerungen geblieben sind, was als gut und was als schlecht empfunden wurde. Unter den Prominenten befinden sich z.B. Sebastian Krumbiegel, Sänger der Prinzen, Achim Mentzel, Inka Bause, aber auch ein ehemaliger Direktor der Charité oder ein Polizist.  Einige von ihnen durften aufgrund ihres Berufes schon zu DDR-Zeiten ins westliche Ausland reisen, andere hatten sich in der DDR mit der Tatsache arrangiert, dass das erst mit Eintritt ins Rentenalter geschehen würde. Es gibt gute und schlechte Erinnerungen. Viele haben von ihrer Kindheit in der DDR gute Erinnerungen. Schlechte Erinnerungen gehen in die Richtung der unterschiedlichen Versorgungslage in der DDR. Berlin und Leipzig wurden als Vorzeigeobjekte für das westliche Ausland natürlich anders beliefert als der Rest der Republik. Ein großer Kritikpunkt geht an die Wessis, dass sie sich nicht für den Osten interessieren, für die Menschen im Osten. Während zu DDR-Zeiten bei vielen, wenn auch im Geheimen, Westfernsehen geguckt wurde, um zu erfahren, wie es im anderen Teil Deutschlands aussah, so stieß das Interesse nicht auf Gegenliebe. Auch heute noch kann man die Frage hören, was sie denn im Osten sollten. Jeden der Befragten bewegte etwas anderes, blieben andere Erinnerungen hängen. Einige kamen mir vertraut vor, andere konnte ich mit den Augen von den jeweiligen Personen sehen, die ich so nicht empfunden oder gewusst habe. Jeder der Befragten hat auch in seinem privaten Fotoalbum geblättert und für den Leser ein Foto hinterlassen. Bilder wie die mit Telefon im Kindergarten oder dem Löwenbaby im Tierpark finden sich auch in meinem Fotoalbum, die waren damals Standard. Viele Wahrheiten, die dem westlichen Leser sicher nicht geläufig sind, werden angesprochen. Nicht jeder ging in der DDR den einfachen Weg und lief im Trott mit. Einige eckten an, gingen dafür auch ins Gefängnis, anderen wurde nahegelegt, doch lieber die DDR zu verlassen, wieder andere wollten sie verlassen, konnten oder durften das jedoch nicht tun. Es ist eine interessante Zusammenstellung von Interviewpartnern, die sich Anja Goerz hier zusammengestellt hat. Nicht nur ehemalige "Ostler" kommen hier zu Wort, auch einige "Westler" wurden befragt. Für mich war dieses Buch zum Teil ein Blick in die Vergangenheit, denn auch ich bin in der DDR groß geworden und kann bei vielem, da Jahrgang 1958, mitreden. Einiges hatte ich schon wieder vergessen, anderes war noch so present wie damals. Drei Sachen möchte ich jedoch noch ansprechen, die ich anders in Erinnerung hatte. Das Rentenalter der Frauen lag bei 60 Jahren, nicht wie erwähnt bei 63.  Auch habe ich eine andere Erinnerung was die Zeit im Krankenhaus nach einer Geburt angeht. Wir sind damals im Schnitt nach 5 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden. Auch durften die Väter ihre Kinder auf den Arm nehmen und nicht nur hinter einer Scheibe bewundern. Wir Mütter hatten die Kinder nicht nur zum Stillen bei uns, sondern es gab dieses Rooming-in, wo wir die Babys den ganzen Tag bei uns hatten und versorgten und sie nur nachts auf der Säuglingsstation verbrachten. Das habe ich bereits 1983 bei meinem ersten Kind so erlebt, aber vielleicht ist das eine Sache, die in den Krankenhäusern unterschiedlich gehandhabt wurde. Auch traf in meinem Fall nicht zu, dass jeder Stipendium erhalten hat, unabhängig vom Verdienst der Eltern. Meine Eltern hatten scheinbar zuviel verdient, so dass ich kein Stipendium erhalten habe und sie zahlen mussten. Ich habe 1978 angefangen zu studieren, vielleicht wurde das später geändert, zu meiner Zeit jedoch noch nicht.  Anja Goerz legt mit diesem Buch ein Werk vor, das sowohl West- wie auch Ostdeutsche anspricht. Man kann der Autorin nur wünschen, dass ganz viele das Buch lesen werden, zum einen, um sich nochmal zu erinnern, zum anderen, um uns Ostdeutsche ein wenig kennenzulernen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

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