Anja Hirsch

 2,8 Sterne bei 29 Bewertungen
Autorenbild von Anja Hirsch (©Frank Wierke)

Lebenslauf von Anja Hirsch

Anja Hirsch, geboren 1969 in Frankfurt am Main, studierte in Freiburg im Breisgau, Kanada und Bielefeld und wurde in Germanistik promoviert. Sie arbeitet als freie Journalistin für überregionale Medien (u.a. Deutschlandfunk, FAZ, WDR), war Mitglied in Fachjurys (Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium, Hotlistpreis der Unabhängigen Verlage) und lebt in Unna. »Was von Dora blieb« ist ihr Debüt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Anja Hirsch

Cover des Buches Was von Dora blieb (ISBN: 9783570103968)

Was von Dora blieb

 (29)
Erschienen am 15.03.2021

Neue Rezensionen zu Anja Hirsch

Cover des Buches Was von Dora blieb (ISBN: 9783570103968)tinstamps avatar

Rezension zu "Was von Dora blieb" von Anja Hirsch

Das war leider so gar nicht meins - schade!
tinstampvor 6 Tagen

Dieser Roman, der sich unter anderen mit der Geschichte der Kriegsenkel beschäftigt, war mir bereits in der Vorschau aufgefallen und ist sofort auf meine Wunschliste gewandert. Bei Lovelybooks hatte ich Glück und durfte den Roman in einer Leserunde lesen.
Leider fand ich schon zu Beginn kaum in die Geschichte, was ich sehr bedaure, weil das Buch eigentlich genau in mein Genre passt. 

Überhaupt nicht identifizieren konnte ich mich mit Isa, der Enkelin, die sich auf Spurensuche macht. Isa erzählt aus ihrer Sicht in der Ich-Form. Sie hat sich vor kurzem von ihrem Mann getrennt und steckt in einer Sinnkrise. Bei einem Besuch bei ihrer Mutter am Bodensee händigt ihr diese einen Koffer mit alten Briefen und Tagebüchern ihrer Großmutter aus. Dabei ist ihr Gustav, ein etwas dubioser Mann, den sie kennenlernt, eine Hilfe. Warum diese Figur in die Geschichte eingeführt wurde und was er bezweckte, ist mir noch immer nicht klar, außer dass er Isa einige Tipps betreffend der Nachforschungen gab.
Der Gegenwartsstrang konnte mich so überhaupt nicht überzeugen. Isa blieb mir völlig fremd und die Erzählung ihrer Suche war unglaublich langweilig.

Der Vergangenheitsstrang, der in der dritten Person erzählt wird, gefiel mir wesentlich besser, konnte mich aber auch nicht überzeugen. Besonders hervorgehoben wurde die Kinder- und Jugendzeit von Dora, als sie die extravagante Maritz kennenlernt. Gemeinsm mit Frantek, Doras Freund aus Kindertagen, beginnen die drei ein Kunststudium am Bauhaus des Ruhrgebietes in den 1920iger Jahren. Die Zeitsprünge sind groß, denn die nächsten Szenen aus Doras Leben befassen sich mit dem Kennenlernen mit dem wesentlich älteren Max, den sie nach einer unglüchlichen Liebe heiratet. Er ist Verwaltungsdirektor der I.G. Farben. In den folgenden Szenen erfahren wir mehr über Doras Sohne Rudolf und Gottfried, Isas Vater, der später an einer der berüchtigten Napola Schulen unterrichtet wird. Aus Gottfrieds Zeit bei der Napola und danach erzählt der dritte Abschnitt des Romans, den ich am spannendsten fand.
Während man diese Fragmente aus Doras Leben erfährt, bleibt der Bezug zum Naziregime komplett unklar. Als Leser erhält man nur Bruchteile. Dabei verliert sich die Autorin oftmals in Kleinigkeiten, erzählt bis ins Detail von Nichtigkeiten, lässt jedoch das Wichtigste außen vor. Man erhält keinerlei Einblicke in Doras Denken und Fühlen während des Kriegens. Dabei schickten Max und Dora ihren Sohn in eine Napola Schule und die I.G. Farben hatte ebenfalls einiges mit den Nazis zu tun. Gerade der Bezug zum Zweiten Weltkrieg und die Folgen für die Kinder und Enkelkinder wären für mich das Interessanteste am Roman gewesen. Oder wollte die Autorin damit die Sprachlosigkeit dieser Generation aufzeigen? Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht.

Beide Frauen entwickeln sich im Laufe der Geschichte kaum weiter und verharren in ihrem konventionellen Rollenbild, auch wenn Dora kurz versucht aus dieser Rolle zu schlüpfen.
Meine Gedanken schweiften beim Lesen immer wieder ab und ich begann teilweise Seiten zu überfliegen und hatte trotzdem nicht das Gefühl etwas zu verpassen. Die Sprache der Autorin ist sehr detailverliebt, die Formulieren sind oftmals sehr poetisch. Das hat mir gut gefallen - allerdings beschreibt sie Szenen, die total unwichtig sind, wie einen Waldspaziergang bis ins kleinste Detail, aber über die Gedanken und Gefühle von Dora während des Zweiten Weltkrieges erfährt man kaum etwas. Dora erschien mir als eine kalte Frau, die ihre Söhne ziemlich lieblos erzog. Genaueres kann ich aber zur Geschichte nicht wirklich sagen, denn die bleibt derartig an der Oberfläche, dass ich mich am Ende selbst frage, was eigentlich von Dora blieb? Mir fällt dazu nicht wirklich etwas ein...

Fazit:
Das war leider gar nicht meins! Sprachlich zwar teilweise sehr anspruchsvoll, aber inhaltlich bewegt sich dieser Roman nur an der Oberfläche. Man weiß am Ende nicht sehr viel mehr, als zu Beginn. Die Bilder von Dora ergeben kein Ganzes und bleiben Blitzlichter in einer doch so ereignisreichen Zeit. Die Story hätte so viel mehr Potenzial gehabt. Schade!

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Cover des Buches Was von Dora blieb (ISBN: 9783570103968)lielo99s avatar

Rezension zu "Was von Dora blieb" von Anja Hirsch

Ein schwieriges Thema, das gut umgesetzt wurde
lielo99vor 7 Tagen

Isa, so heißt die Hauptperson des Buches, gehört zu den „Kriegsenkeln“. Eine Vokabel, die es noch nicht so lange gibt und auch die Forschungen zum Thema sind relativ neu. Die junge Frau wurde von ihrem Ehemann hintergangen und flüchtet an das „Schwäbische Meer“. Hier erhofft sie sich Abstand und möchte gleichzeitig die Tagebücher ihrer Großmutter Dora lesen. Die ist ihr fremd und Isa will wissen, warum das so ist. Warum war sie so streng und unnahbar? Wie wirkte sich das auf ihren Vater und sie selbst aus?

Zunächst dauerte es eine Weile, bis ich mich an den Schreibstil der Autorin gewöhnte. Das Lesen erfordert hohe Konzentration, weil es immer wieder Wechsel in Zeiten und Orten gibt. Aber es gab etliche Fakten, die ich so nicht kannte. So zum Beispiel das „Bauhaus des Ruhrgebiets“ oder die Geschichte der BASF. Welche Rolle spielte diese IG Farben im Zweiten Weltkrieg und wurde von dort aus eventuelle sogar Gift in die Konzentrationslager geschickt?

Und dann die Beschreibung der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten, grausam, was den jungen Menschen dort angetan wurde. Es wundert mich so gar nicht mehr, warum diese Generation kaum Nähe ertrug. Also Umarmungen oder Gespräche über die eigenen Gedanken waren tabu. Nach Anfangsschwierigkeiten fand ich gut ins Buch und bin der Meinung, dass die Autorin dieses so schwierige Thema gut umsetzte. Gerade die Kälte der „Kriegsgeneration“ hat sie gut eingefangen. Obwohl, ist es wirklich „Kälte“ oder sind es nicht doch eher die Traumata des Krieges?

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Cover des Buches Was von Dora blieb (ISBN: 9783570103968)Fromme_Helenes avatar

Rezension zu "Was von Dora blieb" von Anja Hirsch

Eingemauerte Emotionen
Fromme_Helenevor 11 Tagen

Isa steckt in einer Ehekrise und flüchtet sich in die Spurensuche ihrer Großmutter Dora und der Kindheit ihres Vaters.

Anfangs war ich begeistert, der Einstieg gelang ganz leicht und die beiden Zeitebenen versprachen jede für sich einen Spannungsbogen. Die Erzählstimme ist flüssig und abwechslungsreich. Schnell entwickeln sich Parallelen zu Doras und Isas Kindheit, die beide eine besondere Beziehung zum Vater haben. Die Geschichte wirkt historisch sehr gut recherchiert und geizt nicht mit Hintergrundinformationen.

In der weiteren Entwicklung konnte mich Doras Geschichte mehr fesseln als Isas, die ihren Problemen auswich und immer um sachliche Contenance bemüht war, anstatt sich ihren Emotionen zu stellen. Auch bei Isas Experiment in Sachen Liebe schien sie immer ein Stück weit unbeteiligt zu bleiben. Einzig der psychische Aussetzer hauchte ihr Leben ein, doch den hat sie viel zu schnell wieder im Griff.

Akribisch arbeitet Isa sich durch Doras Vermächtnis und durch die Tagebücher ihres Vaters, scheut nicht, weitere Recherchen in Archiven zu betreiben, und entfernt sich damit immer weiter von den Menschen in ihrem Leben.

Doras Jugend wird sehr anschaulich und in vielen detailreichen Szenen erzählt. Ganz anders als Isa lässt die junge Dora mich emotional mitfiebern und bangen. Dann folgt ein großer Zeitsprung und ich verliere auch die Verbindung zu Dora.

Die erwachsene Dora kann die Verluste in ihrem jugendlichen Leben nicht kompensieren und wird nach außen hart und unnachgiebig. Als der Krieg ausbricht, hilft ihr das, die Situation zu überstehen – gleichzeitig ist sie emotional unerreichbar für ihre Kinder - mit fatalen Folgen. Auch ich kann die Bindung zu Dora nicht wiederherstellen. Ein Grund dafür ist, dass jetzt ihr Sohn (Isas Vater) im Vordergrund steht. Er wird mir durch seine Tagebucheinträge aus der Kindheit nah gebracht und verschwindet dann in seinem korrekten Beamtenleben.

Ich versuche gemeinsam mit Isa, die Gründe für ihr gestörtes Verhältnis zum Vater zu erarbeiten und daraus eine Lehre für ihre aktuellen Probleme zu ziehen. Doch die Quintessenz bleibt aus. Es bleibt bei einem Puzzle aus Traumata und Missverständnissen, denen Isa zwar ein erzählerisches Gewand gegeben hat, doch die am Ende die sättigende Auflösung vermissen lassen.

Der Roman zeigt sehr schön die Schwierigkeiten der Kriegskinder und Kriegsenkel auf und transportiert dies anschaulich in den beiden Frauenschicksalen, die mit der Sprachlosigkeit ihrer Eltern und den unsicheren Bindung zu kämpfen haben. Beide scheinen diese Sprachlosigkeit geerbt zu haben und verschanzen ihre Emotionen hinter massiven Schutzmauern, kaum fähig emotional zugewandte Beziehungen zu leben und ihre Erwartungen an das Leben zu formulieren.

Dieses Aufzeigen der Muster und die nicht abreißenden Erläuterungen der historischen Hintergrundfakten verhindern bei mir, mich den Protagonisten nah zu fühlen und so lesen sich zwei Drittel des Buches wie der Bericht eines Unbeteiligten. Am Ende vermisse ich Isas Entwicklungsschritt und damit den Sinn der Aufarbeitung.

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Gespräche aus der Community

Eine Dreiecksbeziehung in Künstlerkreisen der 1920er Jahre, eine bürgerliche Ehe zur Nazizeit, eine moderne Beziehungsgeschichte. Inspiriert von der eigenen Familiengeschichte erzählt Anja Hirsch in »Was von Dora bliebt« von drei Generationen und einem ganzen Jahrhundert in Deutschland. Bewirb Dich um eines von 25 Printexemplaren dieses berührenden Romans über die Liebe in bewegten Zeiten.

Zum Erscheinen des Debüts »Was von Dora blieb« von Anja Hirsch laden wir Dich zu unserer Leserunde ein. Anja Hirsch hat auf Grundlage von originalen Briefen, Tagebuchauszügen und Dokumenten einen Roman geschaffen, der die Frage nach Schuld und Versöhnung aus der Kriegsenkelperspektive beleuchtet.

Ein ergreifender Roman über die Schwierigkeit dieser Generation, sich im eigenen Leben zu verankern, und eine faszinierende Spurensuche, in der sich die Leserinnen und Leser immer wieder selbst begegnen.

Unter den nachstehenden Links haben wir Dir eine Buch-Info inkl. einem Interview mit der Autorin und eine Leseprobe bereit gestellt. 

Anja Hirsch nimmt ebenfalls an der Leserunde teil, freut sich auf Deine Leseeindrücke und beantwortet Dir gerne Deine Fragen.

Für die Leserunde verlosen wir vorab 25 Printexemplare. Wer ein Printexemplar gewinnen und aktiv an der Leserunde teilnehmen möchte (zeitnahe Rezension inklusive), beantwortet bitte folgende Frage:

Gibt es in deiner Familiengeschichte ebenfalls Personen, deren Leben genug Inspiration für einen Roman bieten? Wer wäre das?

Viel Spaß und Erfolg wünschen Dir,

Anja Hirsch und der C.Bertelsmann Verlag

342 BeiträgeVerlosung beendet
tinstamps avatar
Letzter Beitrag von  tinstampvor 3 Tagen

So schade...

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in 34 Bibliotheken

auf 4 Wunschzettel

von 18 Lesern aktuell gelesen

von 2 Lesern gefolgt

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