Was passiert, wenn eine 85-Jährige mit den Erlebnissen ihrer Kindheit konfrontiert wird? Dieser Situation wird sich Inge stellen müssen, wenn sie einer Einladung zum einen Klassentreffen in der Lüneburger Heide folgen wird. Ihre Enkelin Nora überredet sie dazu hinzufahren und Inge ahnt, dass ihr diese Zeit viel abverlangen wird. Dort angekommen, trifft sie auf Willi, ihren besten Freund aus Kindertagen. Er gibt ihr Tagebuchaufzeichnungen aus dem Jahr 1946 zu lesen, verfasst von Helga von Borcke. Inges Erinnerungen kommen zurück: mit ihrer Mutter, die als Ärztin praktizierte, musste sie während des Krieges von Hamburg in die Lüneburger Heide fliehen. Dort verbringt sie die letzten Kriegsmonate und die ersten Nachkriegsjahre. Sie hat eine schöne Kindheit und darf sogar Geige spielen lernen. Bergen-Belsen ist nah, doch mit acht Jahren, kann sie die Geschehnisse noch nicht einordnen. Helga von Borcke ist eine arbeitslose Journalistin, die an einer Chronik schreibt, um das Leben für die Nachwelt festzuhalten. Während ihren Recherchen kommen Wahrheiten ans Licht, die die Gräueltaten des NS-Regimes aufzeigen, Helga verlangt Aufarbeitung und Gerechtigkeit, doch ihre Anklagen verlaufen im Sand. 77 Jahre später sind es Inge und Willi, die nun damit leben müssen, was sie als Kinder in ihrer Naivität nicht einordnen konnten. Der Roman hat somit zwei Handlungsstränge: Gegenwart und Vergangenheit, die geschickt miteinander vermischt werden. Die Hörbuchfassung wurde von drei Sprecherinnen eingelesen. Die unterschiedlichen Stimmen helfen, die zeitlichen Ebenen besser zu erkennen. Auch in ihrem neuen Roman, greift Anja Jonuleit wieder auf historische Fakten zurück, welche sie in einem fiktiven Rahmen eingebettet hat. So wird Geschichte lebendig und nahbar. Die Perspektivwechsel in der Erzählweise der Vergangenheitsebene halten den Spannungsbogen hoch. Der Roman klärt auf und zeigt uns, dass nach Kriegsende Teile der Bevölkerung um Aufklärung der Nazi-Taten bemüht waren, die Dominanz der Täterschaft es jedoch zu verhindern wusste und sie noch viele Jahre unbehelligt weiterleben konnten. Ein sehr berührender Roman, der noch lange in mir nachhallen wird. Bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben, die die schlimmste Zeit Deutschlands miterlebt haben. Umso wichtiger ist es, die Erinnerung wach zu erhalten und alles dafür zu tun, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt.
Anja Jonuleit

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Neue Rezensionen zu Anja Jonuleit
Das Lesevergnügen musste ich mir zu Beginn etwas erarbeiten. Zum einen gab es eine Fülle von Namen und zum anderen wechselt die Autorin ohne Vorwarnung die Zeitebenen. Nach kurzer Eingewöhnungsphase nahm mich die Handlung dann gefangen.
Die über 80jährige Inge erhält eine Einladung zu einem Klassentreffen in die alte Heimat, nahe Celle. Ein Anlass zu freudigen Aufregung sollte man meinen. Bei Inge weckt es Erinnerungen, die mit Unbehagen und Schuldgefühlen gepaart sind. Dabei sind die ersten Eindrücke in meinen Augen durchaus schön - eine Kindheit, die ein wenig an Bullerbü erinnert. Inge wächst mir ihrer alleinerziehenden , einer Ärztin, in einem kleinen Weiler auf. Es ist zudem die Zeit kurz nach dem 2. Weltkrieg, in der alle nur das Geschehene vergessen wollen und sich nicht verantwortlich fühlen. Helga, eine Journalistin, soll eine Chronik über die Kriegsereignisse in der Region schreiben und erfährt in ihren einfühlsamen Gesprächen mit der Bevölkerung vieles, das ihr Beklemmung bereitet. Warum wurden die Täter, die heute noch das Sagen haben, nicht bestraft ? Welches Geheimnis hat Inges Mutter, deren Arzthelferin ermordet wurde ? Die alten Seilschaften funktionieren noch. Die Schuldigen leben fröhlich weiter.
Als Inge doch zum Klassentreffen fährt, erhält sie Einblick in Helgas Nachforschungen und plötzlich fallen Puzzleteile an ihren Platz. Viele positive Erinnerungen bekommen Flecken. Inge muss sich der Frage stellen, Schweigen oder die Wahrheit in die Welt tragen .
Mich hat beeindruckt, wie die Autorin es schafft , die Idylle von damals immer mehr zu einem Ort des Schreckens werden zu lassen. Dieses Schweigen und Verdrängen damals hat mich wütend gemacht und auch fassungslos., weil es zu weiterem Unrecht geführt hat. Vor allem Inge tat mir leid. Ihre kindliche Sicherheit wird nachträglich zerstört. Helga habe ich bewundert, weil sie den Mut hatte, das richtige zu tun und Unrecht als solches zu benennen. Und das obwohl ihr Leben bedroht wurde. Wer nun glaubt, die Autorin habe sich das alles nur ausgedacht , wird im Anhang eines besseren belehrt. Hier nennt die Autorin die historisch belegten Namen und Ereignisse, die im Roman ihren Niederschlag gefunden haben. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, das auf unterhaltsame und informative Weise einen weiteren Aspekt des Dritten Reiches beleuchtet.
Dies ist mein erster Roman von Anja Jonuleit. Ich bin begeistert von dem Thema und den feinen Recherchen. Der Roman spielt in zwei Zeitebenen und in der Lüneburger Heide. Anfänglich hatte ich bisschen zu tun mit den Sprüngen zurecht zukommen, aber das hat sich schnell gegeben. Die Geschichte lässt mich nachdenken, wieviele Menschen machen die Augen zu und sehen weg, bei dem was alles so passiert ist! Ich verstehe nicht wie man so abgestumpft sein kann. Es ist fast wie heute, wenns unbequem wird, schauen viele weg. Am meisten hat mich die Rolle der Ärtztin Dr. Magarete Sundermann bewegt. Sie war voller Überzeugung Mitverantwortliche bei Kindermorden. Alle haben „ja nur“ ihre Befehle befolgt. Was mir fehlt ist das Gewissen, die eigene Grenze, des wie weit geh ich? So gewissenlos, für den „guten Zweck“. Ich finde es stark das es auch Menschen gab wie die Journalistin Helga, die für ihre Chronik Dingen auf die Spur kam, wo sie hinterfragt hat. Und alles anders sah. Sie wollte alles aufdecken. Ich stelle mir die Frage, wie wäre es wenn wir aktuell in dieser Zeit lebten. Wie muss es gewesen sein so viele Anhänger, von einer Ideologie zu überzeugen, damit alle wie eine Schafherde hörig hinterher rennen. Ohne Moral und ohne Skrupel. Die Protagonistin Inge erleben wir in dem Roman einmal als Kind und einmal als alte Frau. Sie wichs damals in dieser Zeit so unbedarft auf, neben ihrer Mutti, die Ärztin, und hat von alle dem nichts geahnt. Später, als sie die Notizbücher von Helgas Recherchen las, kam alles zum Vorschein. Diese Zeiten im Krieg haben geprägt und anschliessend merkt man so richtig wie die alten Generationen versucht haben zu leben als wäre nix geschehen. Vielleicht doch auch aus Scham?! Das Buch ist eine klare Leseempfehlung.
Gespräche aus der Community

Eine Einladung in die Lüneburger Heide reißt alte Wunden auf. Jahrzehnte nach Kriegsende stößt Inge auf längst verdrängte Verbrechen und Aufzeichnungen. Wo Vergangenheit und Gegenwart aufeinanderprallen, wird klar: Manche Schuld vergeht nie.
Lust auf ein erschütternden Roman über verdrängte Wahrheit und den Mut, nicht zu schweigen? Dann bewirb dich für eines von 20 Printexemplaren!
Eine Einladung in die Lüneburger Heide reißt alte Wunden auf. Jahrzehnte nach Kriegsende stößt Inge auf längst verdrängte Verbrechen und Aufzeichnungen. Wo Vergangenheit und Gegenwart aufeinanderprallen, wird klar: Manche Schuld vergeht nie.
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Ein zufällig entdecktes altes Phantombild lässt Schriftstellerin Eva auf ein altes Familiengeheimnis stoßen und plötzlich weiß sie nicht mehr, wer ihre Mutter eigentlich wirklich ist. In diesem packenden Roman, der historische Elemente mit der Spannung eines Thrillers verbindet, erzählt Anja Jonuleit eine wahre Geschichte aus den 1970er Jahren. Verpackt in einer fiktiven Handlung begeben wir uns gemeinsam mit Eva auf eine spannende Spurensuche ...
Ein zufällig entdecktes altes Phantombild lässt Schriftstellerin Eva auf ein altes Familiengeheimnis stoßen und plötzlich weiß sie nicht mehr, wer ihre Mutter eigentlich wirklich ist. In diesem packenden Roman, der historische Elemente mit der Spannung eines Thrillers verbindet, erzählt Anja Jonuleit eine wahre Geschichte aus den 1970er Jahren. Verpackt in einer fiktiven Handlung begeben wir uns gemeinsam mit Eva auf eine spannende Spurensuche ...

Zusätzliche Informationen
Anja Jonuleit wurde am 04. Dezember 1965 in Bonn (Deutschland) geboren.
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