Rabenfrauen

von Anja Jonuleit 
4,4 Sterne bei53 Bewertungen
Rabenfrauen
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Positiv (47):
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Ein tolles Buch über zwei Freundinnen, deren Leben sich durch den Kontakt zur Sekte "Colonia Dignidad" komplett verändert. Unbedingt lesen!

Kritisch (2):
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mir war es zu zäh

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Inhaltsangabe zu "Rabenfrauen"

»Doch das Allerschlimmste war der Verrat.«
Jahrhundertsommer 1959 in Grösitz: Die Freundinnen Ruth und Christa genießen die letzten Ferien vor dem Abitur. Eines Abends lernen sie beim Baden im nahe gelegenen Bach Erich kennen, der zu einer Gruppe freikirchlicher Christen gehört, die dort ihre Zelte aufgeschlagen hat. Eine willkommene Abwechslung für die Mädchen, die fortan viel Zeit im Zeltlager verbringen. Aber dann verlieben sich alle beide in Erich. Und das Schicksal der Freundinnen ändert sich für immer – auf dramatische Weise.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423217538
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:400 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:31.08.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Franzip86s avatar
    Franzip86vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Interessantes Thema und tolles Diskussionsthema!
    Diskussionsstoff...

    Dieses Buch durfte ich durch eine private Leserunde kennen lernen. Ansonsten hätte ich es wahrscheinlich nicht gelesen. Aber ich bin froh darüber es gelesen zu haben.

    In diesem Buch wird die Sekte "Colonia Dignidad" thematisiert. Dies war eine Sekte die Ende 1950 gegründet wurde und ab 1961 in Chile fortgesetzt wurde. Sein Ende fand es erst richtig um 2005 rum.

    Inhalt: Das Buch wird aus 3 verschiedenen Sichtweisen beschrieben.

    Die Sicht von Ruth, in der Ich-Form geschrieben, behandelt vorwiegend den Beginn der Sekte und gegen Ende dann ein paar Jahre später.

    Die Sicht von Christa, kursiv, ist wie eine Art Tagebucheintrag geschrieben. Von 1961, Ankunft in Chile bis in die 1980er Jahre rein.

    Die dritte Sicht, ist aus der Sicht von Anne (Ruths Tochter) geschrieben, fette Schrift. Sie spielt in der Gegenwart. Sie lernt eine Familie die der Sekte angeschlossen waren kennen und dadurch verändert sich ihr Leben....

    Fazit: Anfangs hatte ich etwas Angst, ob ich persönlich mit der Geschichte zurechtkommen werde. Aber sie hat mich gefesselt und es war sehr gut geschieben und sehr gut recherchiert. Man kann sehr gut über dieses Buch diskutieren und man kann auch sehr gut darüber nachdenken, was da überhaupt passiert ist.

    Daher vergebe ich für das Buch 5 von 5 Sternen und kann es definitiv weiter empfehlen.

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    ElkeKs avatar
    ElkeKvor 6 Monaten
    Rezension zu "Rabenfrauen"

    Inhaltsangabe:

    Sommer 2010: Annes Lebensgefährte Maximilian ist unerwartet in der Heide verstorben. Sie kehrt in die „Baracke“ zurück, um sich um sein Vermächtnis zu kümmern und lernt gleich schon zu Beginn ihre neuen Nachbarn kennen.

    Renate und Horst sind sehr nette, aber scheinbar recht einfältige Menschen. Sie erzählen Anne von ihrem bisherigen Leben in einer Sekte in Chile. Unter dem Deckmantel der Urchristlichkeit frönten sie ein tristes Dasein in ständiger Angst und ohne menschliche Nähe und Vertrauen. Gewalt, Misstrauen und harte Arbeit begleiteten sie Tag für Tag.

    1959: Ruth und Christa sind Freundinnen fürs Leben. Noch ein Jahr bis zum Abitur haben sie und im Sommer bessern sie ihr Taschengeld mit Käfersammeln auf. Dann entdecken sie ein Zeltlager, vom Prediger Paul Schäfer organisiert. Beide Mädchen verlieben sich in Erich, der stets in „Onkel Pauls“ Nähe ist. Während Christa immer mehr in den Sumpf der urchristlichen Gemeinde gezogen wird, versucht Ruth alles, um die Freundschaft und somit auch Christa zu retten. Aber der Einfluss von Onkel Paul und seiner Gemeinde wird immer größer und bringt nicht nur ihre Freundschaft ins Wanken.

    Mein Fazit:

    Das Schicksal der Menschen in der Colonia Dignidad (zu Deutsch: Kolonie der Würde) wurde erst in den letzten Jahren so richtig bekannt, nicht zuletzt auch durch den Film mit Daniel Brühl und Emma Watson.

    Dieses Buch handelt von drei Frauen, die alle in irgendeiner Form mit dieser Sekte in Berührung gekommen sind. In wechselnden Abschnitten – Anne, Ruth und Christa – hat die Autorin veranschaulicht, was mit den Menschen passierte, die sich dem Einfluss von „Onkel Paul“ nicht mehr entziehen konnten. Zwar sind die Schicksale der drei Frauen erfunden, stehen aber für viele Menschen, die tatsächlich dort gelebt haben. Wobei man dazu sagen muss, dass nur Christa tatsächlich in der Sekte lebte. Ruth und Anne sind auf andere Weise davon betroffen.

    Was für ein Grauen offenbart sich da dem Leser? Und immer wieder stellt man sich die Frage, warum die Menschen sich das alles gefallen ließen? Wie konnte ein Mann mit einer zweifelhaften Moral nur so etwas über Jahrzehnte bewerkstelligen? Was für mich eigentlich noch schlimmer ist: Er hat nicht nur die Menschen in der Kolonie zu 100% kontrolliert, sondern auch die hiesige ortsansässige Politik auf seine Seite gezogen. Selbst die Deutsche Botschaft unterstützte ihn. Es wurde gequält, gefoltert, gemordet und abgrundtiefes Misstrauen und Verachtung gegenüber anderen erzeugt! Flucht war praktisch unmöglich und doch haben es wohl einige geschafft.

    Die Autorin hat nach Recherche von Zeugenberichten und anderen Dokumenten dieses Buch geschrieben, auch hat sie mit einigen Opfern persönlich gesprochen. Es ist fesselnd und bewegend zugleich, auch wenn mich vieles fassungslos machte. Eindringlich werden die Vorgänge in der Kolonie geschildert, dass ich manchmal den Atem anhielt!

    Fünf Sterne vergebe ich für dieses Zeitzeugnis und spreche eine klare Lese-Empfehlung aus!

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    Buchperlenblogs avatar
    Buchperlenblogvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Schweres Thema, wirkungsvoll umgesetzt!
    Schweres Thema, wirkungsvoll umgesetzt!

    Lange Zeit habe ich geglaubt, dass Erich an allem schuld war. Dass all das ohne ihn niemals geschehen wäre. Ich habe meinen Hass auf ihn genährt, und erst jetzt, da ich kurz vor meiner großen Reise stehe, frage ich mich manchmal, ob nicht auch er ein Opfer war. Wie Christa und all die anderen, die wie die Lemminge auf den Abgrund zusteuerten. Obwohl es mir schwerfällt, die mit den Knüppeln als Opfer zu sehen.

    (S.9)

    Inhalt

    Deutschland, Sommer 1959. Christa und Ruth lernen beim Baden den gutaussehenden, hünenhaften Erich kennen, der mit einigen anderen Freikirchlern auf der Wiese in der Heide kampiert. Von ihm magisch angezogen, folgen beide Mädchen dem jungen Mann in den Kreis der Gläubigen, folgen ihm in die Umarmung Paul Schäfers. Der einen gelingt es noch rechtzeitig, die Reißleine zu ziehen, doch für die andere wird sich von diesem Moment an ihr Leben verändern. Ein Leben, gelebt in Chile, gelebt in der Colonia Dignidad.

    Rezension

    Es ist eine deutsche Wahrheit, eine Sekte, die viele Jahre ihr grausames Spiel spielen konnte, unbehelligt von Behörden, Anwälten, Staaten. Es ist eine Wahrheit, die trotz aller Grausamkeiten nur wenig Platz in den Köpfen der Menschen einnimmt. Die Colonia Dignidad, ein totalitär regiertes Stückchen Land mitten in Chile.

    Rabenfrauen beschäftigt sich mit dem Schicksal zweier junger Frauen, die mit der Sekte in Berührung kamen. Ruth konnte sich gegen den Sog wehren, den diese Glaubensgemeinschaft ausübte, doch Christa war ihr erlegen. Sie bricht Stück für Stück ihr altes Leben ab, sie verschanzt sich hinter den immer höher werdenden Zäunen der Freikirchler. Als sie nach Chile auswandern, tut sie es aus freien Stücken. Zumindest zum Teil. Denn die Gemeinschaft übt Druck auf ihre Mitglieder aus, lässt sie von Sonnenaufgang bis Mitternacht arbeiten, beichten wird zum Muss. Niemand darf etwas geheim halten, alles wird der Gemeinschaft erzählt. Es folgen Bespitzelung und Denunzierung der Mitglieder, Vertrauensbrüche und Isolation. Fleischespest, so nennt Onkel Paul die Anziehung zwischen Mann und Frau. Er trennt Familien, Frauen von ihren Männern, Kinder von ihren Eltern. Doch selbst vergeht er sich Abend für Abend an den kleinen Jungen, die in dem Lager leben. An Flucht ist nicht zu denken, denn der chilenische Staat steht hinter der Kolonie der Würde.

    Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt, die sich durch unterschiedliche Schriftarten gut voneinander absetzen. Christa erlebt mit uns zusammen die Jahre in der Sekte, jede Qual und jeden Hoffnungsschimmer. Ruth erzählt rückblickend vom Sommer 1959 und allen Ereignissen, die danach folgten. Von ihrem Versuch Christa zurückzuholen. Und Anne weiß von alldem nichts, ahnt nicht, wie Ruth – ihre Mutter – in allem verstrickt ist. Erst als sie auf Renate und Horst trifft, zwei ehemalige Sektenmitglieder, die ein neues Leben in Deutschland beginnen, erfährt sie von der Vergangenheit. Von ihrer Vergangenheit.

    Die Geschichte hat mich sehr berührt. Da es keine eigentlichen Kapitel gab, las man ohne Unterbrechung Abschnitt um Abschnitt, geriet selbst in die Sekte und sah kein Entkommen mehr. Details wurden von den verschiedenen Erzählern aufgegriffen und vertieft, Fragen wurden gestellt und von jemand anderem beantwortet. Das machte das Lesen zu einem wahren Fluss, der mich unaufhaltsam mit sich zog.

    Fazit

    Ein düsteres Kapitel Menschheitsgeschichte, dem es sich lohnt nachzugehen. Die Geschichte der Colonia Dignidad wird sehr bildlich dargestellt. Im Anhang findet man zudem noch eine Zusammenfassung der tatsächlichen Geschehnisse. Ein schweres Thema, dass jedoch sehr angenehm umgesetzt wurde. Lesehighlight!

    Bewertung im Detail

    Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

    Handlung ★★★★★ ( 5 / 5 )

    Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )

    Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

    Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )

    = 4.8 ★★★★★

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    Annabeth_Books avatar
    Annabeth_Bookvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Buch mit einem bewegenden Thema und ich kann es euch nur ans Herz legen.
    Rabenfrauen

    Klappentext:


    "Lange Zeit habe ich geglaubt, dass Erich an allem schuld war. Und erst jetzt frage ich mich, ob nicht auch er ein Opfer war, wie Christa und all die anderen. Obwohl es mir schwerfällt, die mit den Knüppeln als Opfer zu sehen"


    Jahrhundertsommer 1959. Die Freundinnen Ruth und Christa genießen die letzten Ferien vor dem Abitur. Beim Baden am Fluss lernen sie Erich kenne, der zu einer Gruppe freikirchlicher Christen gehört. Beide verlieben sich in den jungen Mann- und das Schicksal der Freundinnen verändert sich für immer...


    Die berührende Geschichte zweiter Frauen unter dem Einfluss der Colonia Dignidad.


    Autorin:


    Anja Jonuleit wurde in Bonn geboren und lebte für einige Jahre im Ausland. Sie arbeitete als Übersetzerin und als Dolmetscherin, bis sie anfing Romane zu schreibe. Mit ihren beiden Romane " Herbstvergessene" und "Der Apfersammler"hat sie sich eine große Fangemeinde erobert. Heute lebt sie mit ihrer Familie in der Nähe von Friedrichshafen.


    Inhalt:


    Ruth und Christa sind unzertrennlich, beide gehen zusammen in eine Klasse und beide stehen kurz vor dem Abitur. Doch dann zieht die Gruppe der freikirchlichen Christen in die Nähe ihrer Ortschaft. Während Ruth die Gruppe immer komischer vorkommt, fühlt sie Christa magisch von dieser Gruppe angezogen. Bis sie aufeinmal zusammen mit der Gruppe nach Chile verschwindet.


    Erster Satz:


    RUTH.


    Meine Meinung:


    Auf dieses Buch von ich in unserer Bücherei aufmerksam geworden, da es ein interessantes Thema hat und zwar Colonia Dignidad.
    Da ich letztes Jahr in dem Kinofilm Colonia Dignidad war (den ich nur empfehlen kann), war mir klar das ich dieses Buch lesen muss.
    Nun aber als erstes zum Cover:
    Ich finde das Cover sehr passend gewählt, es zeigt zwei Frauen die vermutlich Ruth und Christa darstellen sollen. Im Hintergrund sieht man Raben fliegen.
    Aber nun zum Inhalt:
    Das Buch wird aus drei verschiedenen Sichten erzählt einmal aus der von Ruth, dann aus der Sicht von Christa und dann aus der Sicht von Anne die Tochter von Ruth.
    Am Anfang musste ich mich zuerst mal zurecht finden wer, jetzt erzählt, den außer bei Ruth ist bei keiner anderen Person was gekennzeichnet, man erkennt es nur an den verschiedenen Schrifte.
    Was besonders ist, die Sicht von Ruth und Christa wird aus dem Jahre 1959, während die Sicht von Anne 50 Jahre später erzählt wird.
    Das Buch ist sehr interessant und fesselnd geschrieben, sodass ich es gar nicht mehr aus der Hand legen wollte, und das die Seiten nur so dahin geflogen sind.
    Da es bei allen drei Personen aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, kann man sich gut in die jeweilige Person hinein versetzten.


    Ruth: Die am Anfang nur zu der Gruppe geht, weil sie heimlich in Erich verliebt ist, doch nach und nach bekommt sie ein ungutes Gefühl und fängt an sich von der Gruppe zu distanzieren und merkt dabei auch wie sie mehr und mehr ihre beste Freundin dabei verliert.


    Christa: Fühlt sich in der Gruppe endlich angekommen, nach dem Selbstmord ihrer Mutter fühlt sie sich endlich wieder wie daheim. Doch nachdem sie einem folgenschweren Entschluss gefasst hat, mit der Gruppe nach Chile zu gehen, merkt sie nach und nach das Gruppe gar nicht so fromm ist, wie sie es am Anfang gedacht hat.


    Anne: Durch Zufall, trifft sie auf die alter Geschichte und versteht am Anfang nicht warum ihre Mutter darüber nicht reden will. Als sie nach und nah die Geschichte aufdeckt, stößt sie auf ein Geheimnis, das sie nie erfahren sollte.


    Ich fand es sehr spannend, zu lesen wie die drei verschiedenen Frauen immer mit der Situation umgingen.
    Vor allem Christa tat mir leid, da sie endlich dachte ein Zuhause gefunden zu haben, und dann in Colonia Dignidad auf unzumutbaren Wohnungen, Arbeit und Folter stößt, woraus es kein Entkommen gab.
    Im Allgemeinen finde ich das Thema Colonia Dignidad ein spannendes und faszinierendes Thema oftmals hätte man viel Leid ersparen können wenn sich die Regierung damals nicht erkaufen lassen hätte und vor allem die Augen nicht verschlossen hätte.
    Ich kann das Buch wirklich nur empfehlen und ich hoffe das es auch mehr Aufmerksamkeit bekommt.

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    Fleur91s avatar
    Fleur91vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein sehr spannendes Buch, das einen nicht mehr loslässt.
    Colonia Dignidad - die Foltersekte

    Ruth und Christa sind beste Freundinnen. Bis zu dem Tag, an dem beide Erich kennenlernen. Erich ist ein Freund von Paul Schäfer, einem Laienprediger, der schon einige Leute um sich gescharrt hat. Christa ist fasziniert von dieser Gemeinschaft und ehe sie sich versieht, ist sie auf dem Weg nach Chile um dort mit Paul Schäfers Anhängern in der Colonia Dignidad zu leben.
    Ruth versucht alles, um ihre Freundin aus den Fängen der Sekte zu befreien..

    Ich habe schon einiges über die Colonia Dignidad gelesen und gesehen und als ich auf dieses Buch gestoßen bin, musste ich es unbedingt lesen.
    Das Buch erzählt auf ergreifende Weise das Schicksal beider Frauen und man wird dieses Buch nicht so schnell vergessen.

    Das Buch wird aus der Sicht von drei Frauen erzählt. Die Erzählungen von Ruth und Christa spielen in der Vergangenheit und erzählen nach und nach was passiert ist.
    Dann gibt es noch die Kapitel aus Annes Sicht. Annes Geschichte spielt in der Gegenwart, im Jahre 2010. Anne ist die Tochter von Ruth.

    Ein unglaublich spannendes und ergreifendes Buch. Ich fand nur leider den Erzählstil teilweise etwas verwirrend. Aber am Ende ergibt alles ein rundes Bild und es bleiben keine Fragen offen. Dass es diese Sekte wirklich gegeben hat, macht das ganze Buch noch schockierender.

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    ConnyKathsBookss avatar
    ConnyKathsBooksvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Interessante und erschreckende Geschichte über die Colonia Dignidad mit leicht verwirrendem Schreibstil.
    Drei Frauen und die Colonia Dignidad

    "Ins Himmelreich gelangt nur der, der reinen Herzens ist. Und rein werden wir nur, indem wir alles Unreine rauslassen, sagt Onkel Paul." (S. 41)

    Sommer 1959: Das letzte Schuljahr steht bevor und die beiden Freundinnen Ruth und Christa träumen schon von einer gemeinsamen Ausbildungszeit. Doch dann tritt Erich in ihr Leben, der mit einer Kirchenfreizeit bei ihnen im Dorf Station macht. Dessen charismatisches Oberhaupt Paul Schäfer propagiert ein enthaltsames und reines Leben ohne Sünde und vor allem Christa gerät schnell in seinen Bann, ist sie doch in Erich verliebt und will mit ihm zusammen sein. Als Christa sich dann sogar entschließt, mit Paul mitzugehen, werden Ereignisse in Gang gesetzt, die bis in die Gegenwart ihre Schatten werfen.

    "Rabenfrauen" ist ein gelungener Roman von Anja Jonuleit über die christliche Sekte Colonia Dignidad, in dem sie gekonnt historische Fakten mit den fiktiven Schicksalen dreier Frauen verknüpft. Ruth, Christa und Anne, die enger miteinander verbunden sind, als gedacht.

    Alles beginnt im Jahr 1959 in einem kleinen Heidedorf namens Grösitz. Hier treffen Christa und Ruth eines Tages auf Erich und Paul Schäfer und dessen Gruppe von Freikirchlern. Da ahnen sie noch nicht, dass ihr Freundschaft bald auf eine harte Probe gestellt wird und sich ihr beider Leben unwiderruflich ändert. Denn während Ruth Pauls Gedankengut über Sünde und Verdammnis zunehmend in Frage stellt und sich davon distanziert, gerät Christa immer mehr unter Pauls Einfluss und geht mit ihm und 300 weiteren Anhängern nach Chile. In Parral, ca. 400 km südlich von Santiago, gründet Paul Schäfer 1961 die berüchtigte christliche Sekte Colonia Dignidad, auf Deutsch: Kolonie der Würde. Doch statt des ersehnten Paradieses erwartet Christa dort bald die Hölle. Ein regelrechter Ort des Grauens, denn was da so vor sich geht, ist erschreckend, erschütternd und kaum zu glauben. Ich hatte zwar schon von der Colonia Dignidad gehört, mich aber noch nicht intensiver damit beschäftigt. Man kann kaum verstehen, wie Menschen unter diesen entbehrungsreichen Bedingungen leben konnten, dazu meist freiwillig. Eine Welt geprägt von religiösem Fanatismus, von Gewalt, Folter, Gehirnwäsche, ständiger Überwachung, Verrat und schwerer täglicher Arbeit nach dem Motto "Arbeit ist Gottesdienst". Wo Frauen, Kinder und Männer getrennt lebten und jede noch so kleine Verfehlung beichten und büßen mussten. Wo jeder "Luxus" und jede Freude verboten war, selbst simple Sachen wie Schokolade oder Haarbänder. Und über allem thront der allmächtige Tío permanente, der "ewige Onkel" Paul. Einfach unfassbar.

    50 Jahre später, im Jahr 2010, erfährt Ruths Tochter und Verhaltensforscherin Anne vom plötzlichen Tod ihres Lebensgefährtin Maximilian und reist in ihre Heimat nach Grösitz zurück, denn dort war Maximilian mit der Beobachtung von Raben beschäftigt. Ihr fällt sofort auf, dass das Alte Gut nach langer Zeit wieder vermietet ist. Doch dessen Bewohner Renate und Horst verhalten sich etwas merkwürdig und als kurz darauf ihre Mutter Ruth eintrifft, um Anne in ihrer Trauer beizustehen, kommen bislang verborgene Dinge ans Tageslicht. Was verschweigt ihre Mutter? Die Geschichte wird immer spannender, denn ein gut gehütetes und ungeheuerliches Geheimnis stellt Annes Welt bald auf den Kopf.

    Das Ganze spielt sich auf drei Zeitebenen ab, die sich immer abwechseln und zur besseren Unterscheidung auch durch verschiedene Schriftarten gekennzeichnet sind. Einmal Ruths Erzählstrang von 1959 bis 1963 in Grösitz; dann Christas Erlebnisse in der Colonia Dignidad von 1961 bis 1978 und als drittes Annes Geschichte im Jahr 2010. Leider kam ich hier trotzdem oft durcheinander, denn die Zeiten überschneiden sich teilweise, es geht vor und zurück und Ereignisse werden erwähnt, die erst danach erklärt werden. Für Verwirrung sorgen auch einige Ungereimtheiten, bis diese ihre überraschende Auflösung finden. Dennoch liest sich die Geschichte recht angenehm und ich konnte mit den Figuren mitfühlen. Sehr informativ fand ich auch den abschließenden Überblick über die Geschichte der Colonia Dignidad bzw. späteren Villa Baviera. Die Autorin hat sogar selbst vor Ort in Chile recherchiert. Dass seit 2012 dort sogar ein Hotel existiert, ist für mich aber schon sehr umstritten. Ich würde da auf keinen Fall übernachten wollen.

    Insgesamt kann ich daher "Rabenfrauen" sehr empfehlen. Wer etwas anspruchsvollere Frauenliteratur sucht und sich allgemein für die Sektenthematik insbesondere der Colonia Dignidad interessiert, dem kann ich dieses Buch ans Herz legen. 4 Sterne von mir.

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    Kleine8310s avatar
    Kleine8310vor 2 Jahren
    Rabenfrauen

    "Rabenfrauen" ist ein Roman der Autorin Anja Jonuleit. Auf dieses Buch bin ich durch das interessante Thema aufmerksam geworden. Ich hatte zuvor noch nicht viel über die "Colonia Dignidad" gelesen und daher war ich sehr neugierig auf diese Geschichte. 

     

    In diesem Buch geht es um die Protagonistinnen Ruth und Christa. Im Jahr 1959 in Grösitz genießen die beiden jungen Frauen, nach einem harten Tag auf dem Feld, die Erfrischung im nahegelegenen Bach. Als unweit ihrer Badestelle eines Tages eine Jugendfreizeit ihre Zelte aufschlägt ist dies eine willkommene Abwechslung. 


    Besonders der attraktive Erich hat es beiden Freundinnen angetan. Christa ist blind vor Liebe und verbringt fortan ihre meiste Zeit in den Zeltlager. Hinter dem Zeltlager verbirgt sich allerdings eine christliche Gemeinschaft, um einen gewissen Paul Schäfer. Ruth distanziert sich von den Leuten in dem Zeltlager und damit auch von Christa. Und kurze Zeit später fasst Christa den Entschluss mit Erich und Paul nach Chile auszuwandern, nichtsahnend was diese Entscheidung für Folgen haben wird ...

    Der Einstieg in diesen Roman ist mir sehr gut gelungen. Ich mochte den Schreibstil von Anja Jonuleit sehr gerne, besonders da die Autorin flüssig schreibt und ein besonderes Augenmerk auf die Emotionen legt. Emotionen gibt es in dieser Geschichte eine ganze Menge und ich habe das Buch als aufwühlend, aber im positiven Sinne, empfunden, alleine schon aufgrund der Thematik. 

     

    Durch die Freundschaft von Ruth und Christa bekommt man als Leser/Leserin nicht nur die Sichtweisen der beiden jungen Frauen geliefert, sondern auch von Anna, zu der ich hier nicht mehr verraten kann. Auf jeden Fall machen die verschiedenen Sichtweisen das Buch interessant und es geht auch unter die Haut. 

     

    Frau Jonuleit bringt die Dramatik und die Zerrissenheit, die mit "Colonia Dignidad" und auch anderen Formen von Sekten einhergeht wirklich gut rüber und das bedrückende Gefühl kam auch bei mir als Leserin an.

     

    Der Spannungsbogen wurde von der Autorin ebenfalls gut gehalten und ich habe die meiste Zeit in der Geschichte total mitgefiebert. Die Charaktere wurden detailliert ausgearbeitet und sie passten perfekt zur Geschichte. Mit den vielen verschiedenen Facetten werden viele Möglichkeiten und Wahlmöglichkeiten verdeutlicht, sodass man auch selbst als Leser/Leserin ins Nachdenken kommt.

     

    Positiv: 

    * die Handlung ist spannend und abwechslungsreich

    * tolle Mischung aus Fakten und Emotionen

    * vielschichtige Charaktere

     

    Negativ: 

    * Nichts

     

    "Rabenfrauen" ist ein Roman der mir mit seiner Mischung aus Fakten, Dramatik und Emotionen unter die Haut gegangen ist und den ich sehr gerne weiterempfehle!

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    Schnuffelchens avatar
    Schnuffelchenvor 2 Jahren
    3 Frauen, ein Geheimnis und die ganze Tragik eines Lebens

    Verlag:           DTV Premium
    Format:         Taschenbuch, EBook, Hörbuch
    Umfang:        400 Seiten
    Erschienen: 27. Mai 2016

    Inhalt:


    »Doch das Allerschlimmste war der Verrat.«
    1959: Sommer in Grösitz. Ruth und Christa sind beste Freundinnen ...

    Abends, nach der Arbeit auf dem Feld, genießen sie die Erfrischung im nahe gelegenen Bach. Unweit
    der Badestelle schlägt eines Tages eine Jugendfreizeit ihre Zelte auf.

    Eine willkommene Abwechslung für die Mädchen, die sich alsbald in den attraktiven Erich verlieben.
    Christa, blind vor Liebe, verbringt fortan viel Zeit in dem Zeltlager, hinter dem sich eine radikal christliche Gemeinschaft um einen gewissen Paul Schäfer verbirgt. Ruth hingegen zieht sich immer mehr zurück. Schließlich fasst Christa den Plan, mit »Onkel Paul« und Erich nach Chile auszuwandern. Ein folgenschwerer Entschluss.(Quelle: dtv.de)



    Meine Meinung:
    Dies ist die Geschichte von 2 Freundinnen, die bis zum Sommer 1959 unzertrennlich waren. Sie ist vermutlich nicht wirklich so passiert, doch sie hätte genau so geschehen können.

    Die Autorin Anja Jonuleit verbindet wahre Personen, wirkliche Begebenheiten mit einer fiktiven Geschichte um 2 Frauen, die sich erst durch einen Mann und dann durch eine Sekte verlieren. Sie schreibt eine Geschichte um Liebe, Verrat, Liebe und späte Wahrheiten und um ein großes Geheimnis - alles verknüpft mit der Colonia Dignidad.

    Es gibt 3 Erzählstränge: 
    zum einen Ruth, die 1959 mit ihrer Freundin Christa auf die Jugendfreizeit um Paul Schäfer trifft.

    zum anderen Christa, Ruths Freundin die 1961 mit Paul Schäfer und ihren Mann Erich nach Chile geht um die Colonia Dignidad auf zubauen.

    zum letzten ist das Anne, die mehr als 50 Jahre später, auf die zerbrochene Freundschaft, tiefe Verletzungen, verbrorgene Geheimnisse und Christas Tochter trifft. 

    Durch den Tod ihres Freundes in den Geburtsort ihrer Mutter gekommen, lernt Anne Renate kennen. Durch sie und ihren Mann erfährt sie von der Colonia Dignidad. Ihre Mutter reagiert merkwürdig distanziert und abweisend auf die Familie und ihre Vergangenheit. 

    3 Frauen und ihre Erfahrungen, ihre Erlebnisse um eine Sekte, die ihre Spuren in der deutschen und chilenischen Geschichte hinterlassen hat. Abwechselnd in kurzen Abschnitten, erzählen die 3 Frauen - 2 von ihren Erinnerungen, eine von ihrer Spurensuche - immer dichter zieht sich der Ring um die deutsche Kolonie zusammen, werden Geheimnisse an die Oberfläche gezerrt und am Ende wird sich das Leben von allen 3 Frauen verändern.

    Anja Jonuleit erzählt eine Geschichte voller Vertrauen und Verrat, voller Liebe und Missbrauch, voller Wut und Aufopferung und voller Widerstand. Das Leben von Menschen innerhalb der Mauern der Colonia, den Mensch die außen zurück gelassen wurden und was die Geheimnisse der Vergangenheit, der Zukunft antun kann. 

    Anja Jonuleits Erzählstil hat diese Geschichte in meine Herz und meine Augen (Tränen) getragen. Und mir ein deutsches Kapitel näher gebracht, das ich noch nie wirklich auf dem Schirm hatte. Sie hat keine Schuldigen gesucht, sondern Opfer gezeigt - Opfer, ihrer Gefühle - Opfer, ihrer Geschichte und Opfer, ihrer Verantwortung.

    Fazit: Rabenfrauen ist eine Puzzle, das gefühlvoll und gekonnt, 3 Geschichten erzählt. Sie gekonnt zu einer verwebt und nach viel Trauer, Wut und Verzweiflung, die Hoffnung auf Zukunft zurück lässt.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine intensive Familiengeschichte, die sich mit dem Thema Colonia Dignidad beschäftigt. Lesetipp!
    Anja Jonuleit - Rabenfrauen

    Kurzbeschreibung: 
    Abends, nach der Arbeit auf dem Feld, genießen sie die Erfrischung im nahe gelegenen Bach. Unweit 
    der Badestelle schlägt eines Tages eine Jugendfreizeit ihre Zelte auf.
    Eine willkommene Abwechslung für die Mädchen, die sich alsbald in den attraktiven Erich verlieben. 
    Christa, blind vor Liebe, verbringt fortan viel Zeit in dem Zeltlager, hinter dem sich eine radikal christliche Gemeinschaft um einen gewissen Paul Schäfer verbirgt. Ruth hingegen zieht sich immer mehr zurück. Schließlich fasst Christa den Plan, mit »Onkel Paul« und Erich nach Chile auszuwandern. Ein folgenschwerer Entschluss. *Quelle*

    Zur Autorin: 
    Anja Jonuleit wurde in Bonn geboren, lebte einige Jahre im Ausland und studierte Italienisch und Englisch. Sie arbeitete als Übersetzerin und Dolmetscherin, bis sie anfing, Romane und Geschichten zu schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Friedrichshafen.

    Meinung: 
    In 3 verschiedenen Perspektiven und 2 Zeitebenen erzählt Anja Jonuleit die Geschichte in ihrem Roman Rabenfrauen, der sich mit der berühmt-berüchtigten Colonia Dignidad beschäftigt.

    Beginnend im Jahr 1959 berichtet Ruth aus ihrer Sichtweise, wie sie und ihre damalige beste Freundin Christa eine Gruppe von Freikirchlern unter der Führung des charismatischen Paul Schäfer kennenlernen. Darunter ist auch Erich, in den sich beide junge Frauen, die kurz vor ihrem Abitur stehen, verlieben. Erich entscheidet sich für Christa, die damals noch recht naiv, gutgläubig und leicht zu manipulieren ist. Ruth hingegen hat immer mehr Vorbehalte der Gruppe gegenüber, die bald weiter nach Siegburg zieht. Auch Christa geht mit ihnen, heiratet Erich und ist bald schon schwanger.

    Die zweite Perspektive erzählt von Christa, die sich anfangs auf der Überfahrt nach Chile befindet und später dann vom Leben in der Colonia Dignidad (Kolonie der Würde) berichtet, das enthaltsam ist und immer mehr ins Gewalttätige abdriftet. Eltern werden von ihren Kindern und Frauen von ihren Männern getrennt, harte Arbeit steht täglich auf dem Programm, und die Kinder werden mit Elektroschocks zu vermeintlicher Räson gebracht.

    Die letzte Sichtweise wird aus Annes Blickwinkel erzählt. Sie ist Ruths Tochter und hat gerade ihren Lebensgefährten Maximilian durch einen Unfall verloren. Als sie in ihre alte Heimat zurückkehrt, lernt sie das Ehepaar Renate und Horst kennen, das gerade aus Südamerika nach Deutschland ausgewandert ist und sich etwas merkwürdig verhält.

    Anja Jonuleit hat mit Rabenfrauen eine intensive Familiengeschichte aufs Papier gebracht, die sich mit der Colonia Dignidad auseinandersetzt. Berührend und mitreißend erzählt sie die Geschichte der Freundinnen Ruth und Christa, die so ganz verschiedene Lebenswege einschlagen. Anschaulich wird dargestellt, wie schnell man sich in einer Art Sekte wiederfindet und wie leicht Menschen zu manipulieren sind.

    Christa, die zuerst Feuer und Flamme für das Leben in der Kolonie ist, was auch durch ihren Mann Erich ausgelöst wird, merkt zu spät, auf was sie sich eingelassen hat. Paul Schäfer, der charismatische Führer der Kolonie, entpuppt sich als ein religiöser Fanatiker mit dem Hang zu Gewalt und sexuellen Übergriffen.

    Die Auflösung an sich konnte mich zwar nicht sonderlich überraschen, da sich dies schon früh abzeichnete, aber die Geschichte ist trotzdem von Anfang bis Ende fesselnd und man fiebert mit den Charakteren, vor allem Christa, mit. Eine unbedingte Empfehlung für Leser, die sich für das Thema religiöse Sekte oder speziell für die Colonia Dignidad interessieren! Im Anhang finden sich desweiteren ein Überblick über die Kolonie und ein erläuterndes Nachwort der Autorin.

    Fazit: 
    Anja Jonuleit konnte mich nach Herbstvergessene auch mit ihrem neuen Roman wieder komplett überzeugen. Eine intensive Familiengeschichte, die sich mit dem Thema Colonia Dignidad beschäftigt, aber nicht durch eine reißerische Handlung, sondern durch leise Töne beeindruckt und unter die Haut geht. Unbedingte Leseempfehlung!

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    Betsys avatar
    Betsyvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine fesselnde Geschichte über das dunkle Thema Colonia Dignidad und wie diese Sekte das Leben zweier Freundinnen für immer verändert.
    2 Freundinnen und ihre bewegende Geschichte

    "Ich glaube nicht, dass die Welt je wird begreifen können, was dort geschehen ist."

    Die beiden Freundinnen Ruth und Christa treffen im Sommer 1959 in Grösitz auf den gutaussehenden Erich und verlieben sich in ihn. Erich ist Mitglied einer christlichen Glaubensgemeinschaft, welche vom Prediger Paul Schäfer, kurz Onkel Paul, gleitet wird und dort ihre Zelte aufgeschlagen hat. Beide werden durch ihn in diese Gemeinschaft eingeführt und während Christa immer mehr von deren Lebensweise fasziniert ist, lässt Ruth Begeisterung schnell nach, nachdem sie merkt was von den Mitgliedern verlangt wird. Christa, verblendet in ihrer Verliebtheit und glücklich in der Gemeinschaft, fasst den folgenschweren Entschluss mit dieser Gruppe weiterzuziehen, welche schließlich nach Chile auswandert und dort zur berühmt berüchtigten Colonia Dignidad (Kolonie der Würde) wird, wo Folter, Isolierung, Angst und Arbeiten bis zur völligen Erschöpfung den Alltag bestimmen.

    Die Geschichte wird hier aus 3 Sichtweisen und in 3 Zeitebenen erzählt. Die Handlung beginnt in der Gegenwart im Jahre 2010 als Anne, Ruths erwachsene Tochter, nach einem Schickssalsschlag die Bekanntschaft eines sonderbaren Ehepaares macht, welche ehemalige Mitglieder von Colonia Dignidad sind. Weiters wird hier aus Ruth Sicht geschildert, wie sie und Christa auf die Glaubensgemeinschaft stoßen und dann erfährt der Leser auch noch aus Christas Sicht was nach ihrer Ankunft in Chile passiert ist und wie sehr sich das Leben dort immer mehr in eine Art Zwangslager verändert, wo jeder jeden bespitzelt, körperlich gezüchtigt wird, es zum Missbrauch kommt und es irgenwann kein Entkommen mehr gibt, weil alles überwacht wird.

    Obwohl die Figuren fiktiv sind, hat die Autorin hier sehr genau recherchiert und gibt einen erschütternden Einblick in die Geschichte von Colonia Dignidad unter der Herrschaft Paul Schäfers. Sie beschreibt hier nicht nur anhand von Ruth und Christa wie schnell man in so etwas hineinschlittern kann, sondern auch wie schwer es Freunden und Familie fällt, ein Mitglied aus dieser Sekte loszulösen. Ebenso erfährt man auch die Scham, die ehemalige Mitglieder haben, da sie ja alles scheinbar freiwillig mit sich machen ließen, und daher für viele auch selbst schuld sind, auch wenn irgendwann gar keine Flucht mehr aus der Colonia Dignidad möglich war, denn Paul Schäfers Einfluss erstreckte sich sehr viel weiter als gedacht.

    Annes Erzählung war phasenweise relativ langweilig, weil hier viel drumherum eingebaut wird, was in dem Außmaße vielleicht nicht notwendig gewesen wäre, während mich Ruth und Christa kaum mehr losließen mit ihrer Geschichte über diese Gemeinschaft und ihrer jeweiligen Erfahrungen damit.

    Am Ende der Geschichte bekommt man noch einen kurzen Überblick über die tatsächlichen Fakten und erfährt was mit Paul Schäfer passiert ist, was hier leider in der Handlung selbst übergangen wird, obwohl man erfährt was aus der Colonia Dignidad wurde.

    Fazit: Eine wirklich aufrüttelnde Geschichte, die zeigt wie bestimmte Menschen ihre Gabe andere zu erreichen ausnutzen, um ihre eigenen Bedürfnisse nach Macht zu stillen. Beeindruckend schildert hier die Autorin die Geschichte von 2 jungen Mädchen, die durch ihre Verliebtheit in den Bann einer anfänglich harmlosen christlichen Gemeinschaft geraten und wie unterschiedlich sie diese nach einer gewissen Zeit wahrnehmen. Streckenweise ist die Geschichte etwas langatmig, was vor allem an Anne liegt, während Ruth und Christa einen emotional wirklich gefangennehmen. Schade fand ich, dass Christas Geschichte viel früher aufhört als gedacht, da dieser Zeitpunkt noch lange nicht das Ende ihres Leidensweges war. Man erfährt in dieser Geschichte auch nicht was mit Paul Schäfer passiert, sondern erst im Anhang dank der Autorin. Ansonsten eine großartige Geschichte, die über diese Kolonie aufklärt und informiert, sowie für Unglauben und Erstaunen sorgt, wie so etwas möglich sein kann.

    Kommentare: 1
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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    dtv_Verlags avatar

    »Doch das Allerschlimmste war der Verrat.«

    1959: Sommer in Grösitz. Ruth und Christa sind beste Freundinnen ...

    Abends, nach der Arbeit auf dem Feld, genießen sie die Erfrischung im nahe gelegenen Bach. Unweit der Badestelle schlägt eines Tages eine Jugendfreizeit ihre Zelte auf.

    Eine willkommene Abwechslung für die Mädchen, die sich alsbald in den attraktiven Erich verlieben. Christa, blind vor Liebe, verbringt fortan viel Zeit in dem Zeltlager, hinter dem sich eine radikal christliche Gemeinschaft um einen gewissen Paul Schäfer verbirgt. Ruth hingegen zieht sich immer mehr zurück. Schließlich fasst Christa den Plan, mit »Onkel Paul« und Erich nach Chile auszuwandern. Ein folgenschwerer Entschluss.

    Zum Erscheinen von Anja Jonuleits neuem fesselnden Schicksalsroman um eine besondere Frauenfreundschaft möchten wir von euch wissen, ob ihr schon einmal von der Sekte Colonia Dignidad, in deren Fänge Christa gerät, gehört habt und warum ihr das Buch gerne lesen würdet. Wir freuen uns auf eure Bewerbungen!

    Mehr Infos zum Buch inklusive einem Interview mit der Autorin, Hintergrundinfos zur Colonia Didnidad und eine Leseprobe findet ihr auf unserem Webseitenspecial unter www.dtv.de/rabenfrauen
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