Anja Rützel

 4.3 Sterne bei 8 Bewertungen
Autorin von Saturday Night Biber, Trash-TV - 100 Seiten und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Anja Rützel

Anja Rützel wurde 1973 geboren, ist Journalistin und arbeitet als freie Autorin für verschiedene Magazine. Ihre Kolumne bei Spiegel Online beschäftigt sich mit den neuen Trash-Perlen des Fernsehens, beim SZ-Magazin schreibt sie über Stars und Sternchen und bei Spex führt sie die Kolumne "Taxi für Rützel". Rützel lebt in Berlin gemeinsam mit ihrem Hund.

Neue Bücher

Lieber allein als gar keine Freunde

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Neu erschienen am 26.09.2018 als Taschenbuch bei FISCHER Taschenbuch.

Alle Bücher von Anja Rützel

Saturday Night Biber

Saturday Night Biber

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Erschienen am 24.05.2017
Trash-TV - 100 Seiten

Trash-TV - 100 Seiten

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Erschienen am 17.03.2017
Lieber allein als gar keine Freunde

Lieber allein als gar keine Freunde

 (1)
Erschienen am 26.09.2018

Neue Rezensionen zu Anja Rützel

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oh_no_cats avatar

Rezension zu "Lieber allein als gar keine Freunde" von Anja Rützel

Anja Rützel über das Alleinsamsein
oh_no_catvor 2 Monaten

 Es brauche Geduld und Übung, die Zeit mit sich selbst schätzen zu lernen. Wie das genau aussieht, berichtet Anja Rützel in ihrem Buch „Lieber allein als gar keine Freunde“. 


Die Trash TV Expertin über ein Imageproblem

Rützel ist die, die Trash TV Formate wie Dschnugelcamp, Bachelor oder Das Sommerhaus der Stars mit Leidenschaft guckt und dann mit humorigen Unterton die Essenz einer jeden Folge zu einem Psychogram der Protagonisten und Zuschauer zusammenbastelt. Mit ihrem Talent für Sprache und Beobachtung schreibt sie nun also über das Alleinsein oder – wie sie es nennt – das Alleinsamsein. 

Zunächst ist für die Autorin offensichtlich, dass das Alleinsamsein und Imageproblem hat. Denn wer sagt, dass Menschen, die zu Zweit leben, nicht einsam sind? Der Unterschied ist nur, dass sie es alleine nicht aushalten. Und man stelle sich nur mal vor, man würde alleine den Atlantik überqueren – dann würde das niemand als negativ deuten. Aber ob Atlantiküberquerung oder Bingewatchen auf dem Sofa, das Alleinheitskontigent wäre bei beiden Aktivitäten dasselbe, nur der bemitleidende Blick, weil man niemand hat, der etwas mit einem unternimmt, bei Zweiteren wesentlich intensiver. 

Von Gesellschaft, Einsamkeit in Gesellschaft und Gesellschaft in der Einsamkeit

Trotzdem heißt das nicht, dass Rützel menschenscheu ist und sich vollkommen zurückzieht. Um neue Menschen kennenzulernen, macht sie Jodel- und Malkurse (in denen mit Kaffeesatz Porträts von David Bowie gezeichnet werden, selbst von den Teilnehmern, die Bowie gar nicht kennen), sie hat Hundebekanntschaften und geht auf Reisen ins Ausland. Und natürlich sind ihr Beziehungen wichtig, vor allem die zu ihrem Hund Juri, die sie vielleicht sogar klonen lassen würde, wenn Sie es sich leisten könnte. Wobei sie sich in ein paar Jahren auch einen Roboter als gute Gesellschaft vorstellen kann. 

Mit viel Sinn für Humor führt Rützel durch ihre Gedankenwelt, die man abstrus mal feinsinnig einen genauen Blick auf das Thema Einsamkeit wirfst. Und dabei führt sie dem Leser immer wieder vor Augen, dass es praktisch unmöglich sei, wirklich einsam zu sein, wenn man sich selbst Gesellschaft leistet. 

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A

Rezension zu "Saturday Night Biber" von Anja Rützel

Alles an diesem Buch ist schön
anneschuesslervor einem Jahr

Anja Rützel, eigentlich Expertin auf dem Gebiet des Trash-TV, offenbart in Saturday Night Biber ihr anderes kurioses Hobby: Absurde und weniger absurde Tierarten und die absurden Hobbys und Veranstaltungen, die es rund um diese Tiere gibt.

Anja Rützel steigt im Winter auf einen Berg, um zwischen Hirschen zu sitzen, kuschelt mit einer Kuh (50 Euro für eine halbe Stunde), hält sich Schaben als Haustiere, geht zum Kaninhop-Turnier, lernt, wie man Tiere ausstopft und verliebt sich in den Ameisenbären Ernst-Einar und reist ihm bis auf die Isle auf Wight hinterher. Sie lässt sich zum Biberberater ausbilden und lernt, wie man ein Alpaka fängt.

Über das alles schreibt sie mit dem Blick eines Menschen, der zwar Menschen okay, Tiere aber grundsätzlich und in wirklich fast allen Farben, Formen und Eigenheiten um Längen besser findet. Diese Liebe fürs Tier spricht aus jedem Satz und aus jeder detailgefütterten Fußnote, die einem alle wichtigen Fun und Not-so-fun Facts über Biber, Tapire, Ameisenbären, Kühe oder Kaninchen verrät. Man lernt also auch dauernd etwas, es ist kaum auszuhalten. Außerdem ist es witzig und originell geschrieben, es gibt also keinen, wirklich keinen einzigen Grund, dieses Buch nicht zu lesen.

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ralluss avatar

Rezension zu "Trash-TV - 100 Seiten" von Anja Rützel

Emotionale Kniesehnenreflexe
rallusvor 2 Jahren

Eigentlich schaue ich ja nur Arte, Der Untergang des Abendlandes, Fremdschämen

Das sind alles Dinge die uns einfallen, wenn wir an die Shows des Privatfernsehens denken. Woher kommen diese unsäglichen, voyeuristischen, primitiv anmutenden Fernsehshows, die sicher jeder in unserer westlichen Zivilisation einmal eingeschaltet hat – zumindestens um seine Meinung zu zementieren, dass dies ausgemachter Schwachsinn ist.

Anja Rützel eine bekannte Feuilletonistin von Spiegel Online, Zeit Online, FAZ oder TAZ (um nur einige bekannte zu nennen) hat sich im Format 100 Seiten von Reclam, dieses Themas angenommen. Dieses Format bietet quer durch alle Bereiche ein buntes Spektrum von Stammtischgeplauder bis hin zu ernsthaften Essays. Das Thema Superhelden wurde bereits gewohnt eloquent, hier vorgetragen.

Die Bücher der Reihe sind etwas größer als ein übliches Reclam Heft und für zwischendurch eine durchaus sättigende und unterhaltsame Kost. Trash-TV hat mich gereizt, um meine Vorurteile bestätigt zu wissen und auch um ein wenig wissenswertes zu lesen und vielleicht, den ein oder anderen schönen Hetz-Satz mitzubekommen, den ich den Jüngern der diversen Shows mitgeben kann. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Anja Rützel geht in ihren 100 Seiten erst auf die frühen Anfänge der Shows ein. Sie beleuchtet das, anfangs böse genannte, Unterschichtenfernsehen und wie es zu den heutigen Formaten kam. Welche erfolgreich sind und wie es in anderen Ländern aussieht. Es gibt zusammengefasst, Casting-Shows, Doku-Soaps und den Doku-Wettstreit. Alles mit Personen wie Du und ich, oder wie im Dschungelcamp, das von sogenannten C-Promis bevölkert wird. Mehr oder weniger gute Spielleiter moderieren die Shows. Eine mir persönlich besonders entnervende Person, wurde redegewandt von Roger Willemsen auseinander gepflückt:

„Eine unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil bringt kleine Mädchen zum Weinen, indem sie ihre orthodox, hochgerüstete Belanglosigkeit zum Maßstab humaner Seinserfüllung hochschwindelt, über ‚Persönlichkeit‘ redet, sich aber kaum mehr erinnern kann, was das ist, und sollte diese je zum Vorschein kommen, sie mit Rauswurf bestraft. Der Exzess der Nichtigkeit aber erreicht seinen Höhepunkt, wo Heidi Nazionale mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, in der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre gestrenge ‚Entscheidung‘ mitteilt, und wertes von unwertem Leben scheidet. Da möchte man dann elegant und stilsicher, wie der Dichter sagt, sechs Sorten Scheiße aus ihr rausprügeln – wenn es bloß nicht so frauenfeindlich wäre.“

Junge Leute wenden sich schon länger dem Fernsehen ab und dem Netz zu, wo es andere Trash-Formate gibt, wie Schräge Challenges oder Daily Vlogs (stumpfsinnige Alltagstristesse). Doch immer noch haben Trash-Shows im Privatfernsehen ihre Zuschauer. Was bewegt die Leute, ein Format wie Goodbye Deutschland! Die Auswanderer zu schauen, Menschen die sich im Ausland eine Existenz aufbauen wollen, bei denen man das Gefühl hat, dass sie selbst beim Wechseln der Klopapierrolle versagen würden. Wie jetzt! Andere haben auch ein Restaurant auf Mallorca? Wie, das Finanzamt will jetzt auch noch Geld? das habe ich gar nicht so geplant!

„Natürlich werden beim Reinschauen in diese Leben billigste Reflexe bedient: Wenn man den Auswanderern in der neuen Heimat beim – in den meisten Fällen – völlig absehbaren Schlingern, Straucheln und Scheitern zusieht, fühlen sich das eigene Den-Hintern-nicht-Hochkriegen, die eigenen vertanen Möglichkeiten und nicht gewagten Risiken – das Leben im Konjunktiv also – als richtiges, sicheres, wohliges Daseinskonzept an.“

Genüsslich zerpflückt Anja Rützel die einzelnen Formate, zeigt Erfolge und Misserfolge der einzelnen Shows, was mitunter auch durch schöne Grafiken aufgelockert wird. Viele C-Promis sind Dauergäste in den verschiedenen Formaten und im Prinzip sind diese auch nur so etwas wie Theater. Zwar wird dem Zuschauer vorgegaukelt, dass dies real sei und die Kamera ist nur wie zufällig dabei, doch viele Amateure bewegen sich schon recht sicher in der überwachten, gefilmten Welt. Und der Zuschauer? Ergötzt sich an der Not und Pein und greift zufrieden, dass er das da vorne nicht sein muss, nach der nächsten Chips Tüte:

„Süß, wenn auf hohen Wellen die Stürme die Weiten erregen, ist es, des anderen mächtige Not vom Lande zu schauen, nicht weil wohlige Wonne das ist, dass ein andrer sich abquält,

sondern zu merken, weil süß es ist, welcher Leiden du ledig.“

So bekommt jede Zivilisation das Fernsehen was sie verdient? Hat schon einst Cäsar gewusst, dass Brot und Spiele die Masse ruhig stellt, so ist das heutige Trash-Fernsehen nur eine technischere Version der Gladiator Kämpfe? Einen philosophischen Ansatz hat Frau Rützel auch noch:

„Sicher ist der Ausflug in die Sümpfe, wo ganz ernsthaft Sätze wie, ‚Penis und Arschloch esse ich nicht‘ ausgesprochen werden, für viele nur eine Versicherung der eigenen Position und des eigenen Status, ein bewusstes Absteigen vom kulturellen Hochsitz. Vielleicht dient das Cam mitunter auch als beruhigendes Korrektiv. So wie Disneyworld nach Ansicht des Philosophen Jean Baudrillard nur darum als scheinbare Phantasiewelt gebaut wurde, damit man die (vermeintlich echte) Welt drumherum im Kontrast für real hält.“

Am Ende schlägt sie aber dennoch versöhnliche Töne an. Im Prinzip ist doch alles nur ein Spiel und bei Spielen lernt man doch für das alltägliche Leben.

„Denn Trash-TV kann durchaus wie eine Volkshochschule (mit praktische Übungen im Sozialverhalten) funktionieren“. Laut Steven Johnson machen die diversen Sendungen  „ihre Zuschauer auch raffinierter und sozial-strategisch schlauer. Jedes Trash-Format habe seine Regeln und Einschränkungen, argumentiert er. Ein großer Teil des Vergnügens entstehe beim Zuschauen dabei, zu beobachten, wie die Kandidaten sich durch diese vorgegebene Umgebung bewegen – wie Molche in einem neuen Terrarium oder begabte Labormäuse in einer Hindernisparcours-Versuchsanordnung.[…] Sie spielen soziales Schach.“

Wie das Betrachten eines Aquariums, nur dass dieses keinen Ausgang hat? Dem kann ich persönlich nur bedingt zustimmen, das Leben dort draußen hat sicherlich seine eigenen (härteren) Regeln und nicht jede soziale Umgebung funktioniert nach den Trash-TV-Formaten. Sicherlich hat sie mit der Aussage recht dass

„Trash-TV ist nicht nur eine – zugegebenermaßen mit reichlich Sülze und Fettstücken gefüllte – Konservendose für uralte kulturelle Motive, sondern auch ein echter Werte-Imprägnator. Viele Formate sind in ihrer Grundaussage unglaublich konservativ; statt traditionelle Werte und Gesellschaftsbilder zu zerschlagen, werden diese im Gegenteil zementiert.“

Innovativ ist anders, siehe das Frauenbild beim Bachelor. Also Trash-TV als Vermittlung von konservativen Werten und ethischen Grundsätzen? Nun ja, auch hier besteht das Leben sicherlich aus bunteren und vielfältigeren Möglichkeiten und Schwarz-Weiß ist seit der Erfindung vom Farbfernsehen doch nicht mehr En Vogue. (Außer in Arthaus Produktionen, aber wer schaut denn (nur) so was??)

Trash-TV polarisiert sicherlich, die einen mögen es für den Untergang des Abendlandes halten, die anderen für einen unterhaltsamen Fernsehabend. Doch lassen wir Anja Rützel das sehr schöne Schlusswort halten, dem ich vollends beistimmen kann.

„Das ganze Leben ist ein Quiz, sang Hape Kerkeling in seiner Kitschshow-Verulkung Kein Pardon. Das ganze Leben ist ein Schiss, sagt der Trash, dieses ordinär bunte, aufgeblasene, zum Platzen überspannte Ding, manchmal nicht weniger als eine kleine Rettungsinsel im unendlichen Alltagsozean. Weil Trash in dieser überkomplexen Welt für eine kleine Weile an die schiere, lächerliche Banalität des Daseins erinnert. Und das kann wahnsinnig erleichternd sein.“ 

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Anja Rützel wurde am 01. Januar 1973 in Deutschland geboren.

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