Anja Reich

 3.9 Sterne bei 39 Bewertungen

Alle Bücher von Anja Reich

Wo warst Du?

Wo warst Du?

 (29)
Erschienen am 13.08.2013
Der Fall Scholl

Der Fall Scholl

 (10)
Erschienen am 08.06.2015

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buchjunkies avatar

Rezension zu "Wo warst Du?" von Anja Reich

Ein Septembertag in New York
buchjunkievor 3 Jahren

„Es gibt die Geschichte eines Mannes, der beschreibt, wie er sich irgendwo auf der Welt ein Bad einließ, als das World Trade Center zusammenfiel......
Man kann nicht sagen, ob der Mann in seinem Badezimmer den Tag intensiver erlebte als wir. Man kann nur sagen, dass wir am 11. September 2001 in New York waren.
Wir lebten damals in der Stadt. Eine Frau, ein Mann, ihre zwei kleinen Kinder.
Eine deutsche Familie in Amerika. Es war zunächst ein Tag wie jeder andere..... Dann schlugen die Flugzeuge ins World Trade Center, und unser Leben verlor seinen Rhythmus.“

Alexander Osang war damals Spiegel-Korrespondent und erzählt von seiner Odyssee durch das geschockte New York, auf der Suche nach „seiner“ Geschichte.
Seine Frau Anja Reich sieht die schwarzen Wolken aus Manhattan auf ihr Haus in Brooklyn zukommen.
 Sie erlebt diesen Tag ganz anders- zusammen mit ihren Kindern und ihren Nachbarn. Und ohne Nachricht von ihrem Mann.
In diesem Buch erzählt jeder seine Geschichte über den längsten Tag in New York.

Dieses Buch wurde von zwei Reportern geschrieben, das merkt man und es lässt sich sehr gut lesen. Die einzelnen Erzählstränge unterscheiden sich durch die Schrift.
Unaufgeregt erzählt jeder von seinen Erlebnissen an diesem Tag, sehr ehrlich und offen.
Spannung braucht dieses Buch nicht, jeder kennt die Geschehnisse des 11.September.

Ich fand diese verschiedenen Sichtweisen des Ehepaares sehr interessant.
Auch scheinbare Banalitäten gehören dazu. Aber so ist das „echte“ Leben eben!

Mir hat dieses Buch gut gefallen, mich bewegt und auch daran erinnert, was ich an diesem denkwürdigen Tag gemacht habe.

Wer sich für die Geschichte dieses schrecklichen Tages aus anderer Sicht interessiert, dem sei dieses Buch empfohlen!

Kommentare: 7
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Igelmanu66s avatar

Rezension zu "Wo warst Du?" von Anja Reich

Es sollte ein schöner Tag werden…
Igelmanu66vor 3 Jahren

»Es soll ein schöner Tag werden, sagt die Wetterseite der Times, nicht mehr so schwül wie gestern, 79 Degree Fahrenheit und sonnig. Die Küche ist bereits in dieses wundervolle New Yorker Spätsommerlicht getaucht, klar und kühl und scharf wie ein Pfefferminzbonbon. Crisp, nennen sie das. Ein Skilicht, ein Winteralpenlicht.«

 

Alexander Osang, Spiegel-Korrespondent, lebt seinen Traum: Er wohnt und arbeitet in New York, in der Stadt, zu der es ihn schon immer hinzog. Anja Reich, seine Frau, ist eigentlich auch Journalistin, derzeit aber wegen der Betreuung der gemeinsamen Kinder meistens zuhause. Jeder weiß, was aus diesem schönen Tag wurde, aus diesem 11. September 2001. Dieses Buch erzählt, wie ein ganz normales Paar in New York diesen Tag erlebte.

 

Interessant ist schon die wechselnde Erzählperspektive. Alexander und Anja berichten immer abwechselnd, man folgt ihnen als Leser durch den Tag und erlebt mit, wie sich die Geschehnisse auf sie auswirkten, was sie mit ihnen als Paar machten.

 

Bereits zu Beginn des Tages nimmt man die Spannungen zwischen den Eheleuten wahr. Alexander ist eigentlich rundum glücklich, er liebt seinen Beruf und die Möglichkeit, ihn am Ort seiner Träume auszuüben. Und er liebt seine Familie, die immer da ist, wenn er von einer seiner vielen Reisen zurückkehrt. Anja fühlt sich im Grunde ebenfalls in New York wohl, liebt auch ihre Kinder, leidet aber unter ihrem erzwungenen Hausfrauendasein.

»Kerstin sagt, da ist ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen«, sage ich. »Ein kleines.«

Für Alexander ist klar: Da gibt es eine Geschichte, er ist Korrespondent und wird diese Geschichte erzählen. Von ihrem Haus in Brooklyn aus kann man nur eine Rauchwolke sehen, daher macht er sich auf nach Manhattan. Anja wäre so gerne mitgefahren, bleibt aber zuhause, hütet die Kinder und wartet auf Nachrichten von ihrem Mann. Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch keiner von ihnen, welche Katastrophe heraufzieht…

 

Wenn man heute die Geschichte liest, weiß man natürlich, was weiter geschah. Man fiebert mit, wenn Alex – ganz Journalist – sich durch Absperrungen hindurchkämpft, um möglichst nah ans World Trade Center heranzukommen. Und ist dabei, wenn Alex und Anja erleben, wie sich dieser Tag verändert. 

»Vor unserem Haus ist es dunkel geworden. Die Sonne scheint nicht mehr. Der Himmel ist nicht mehr blau.«

 

Was machen die Geschehnisse mit den beiden? Alex muss nicht nur ums Überleben kämpfen, sondern denkt auch über das nach, was er eigentlich tut, stellt erstmals sein Handeln in Frage. Und Anja sorgt sich nicht nur um Alex, sie macht ihm auch Vorwürfe… 

»Warum ist er so? Warum muss er immer weiter? Warum ist er nicht auf der Brooklyn-Bridge umgekehrt, als der erste Turm zusammenbrach, zurück nach Park Slope, zu uns? Warum ist ihm die Geschichte wichtiger als seine Familie, als sein Leben?«

 

Der 11. September wurde in vielen Berichten verarbeitet, jeder hat zahlreiche Reportagen darüber gesehen oder gelesen. Man kennt die Bilder und wer diesen Tag schon bewusst erlebt hat, kann vermutlich genau erzählen, wie er das genau getan hat. Dieses Buch legt seinen Schwerpunkt nicht auf die Geschehnisse am Ground Zero, sondern es geht rein in den ganz normalen Alltag einer Familie. Wer an das Buch mit dem Gedanken herantritt, von der ersten bis zur letzten Seite von Tod, Zerstörung und Überlebenskampf zu lesen, wird enttäuscht werden. Hier geht es auch um ganz banale Dinge, um die vielen Kleinigkeiten, die eine Beziehung belasten können und das alltägliche Leben ausmachen. Ich fand gerade das besonders beeindruckend, da es mir die Protagonisten unheimlich nah brachte, mir noch mal zeigte, wie gänzlich unerwartet eine Katastrophe ins Leben eintreten kann. Hinzu kam noch ein Suspense-Effekt, wie man ihn aus Hitchcock-Filmen kennt: Man weiß schließlich als Leser, was passieren wird. Und mit diesem Wissen sieht man den Charakteren dabei zu, wenn sie ahnungslos ihren Alltag leben. Ich fand das hoch spannend!

 

Fazit: Die Geschichte eines ganz normalen Tages, an einem Dienstag in New York, der plötzlich gar kein normaler Tag mehr war.

 

»Another beautiful day in New York City«, sage ich, als ich mit meinen Kindern aus dem Haus trete. Wieder so ein schöner Tag.«

Kommentare: 10
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Alexandra_Luchss avatar

Rezension zu "Der Fall Scholl" von Anja Reich

Zu dünn für einen Tatsachenbericht
Alexandra_Luchsvor 4 Jahren

Heinrich Scholl war viele Jahre der Bürgermeister von Ludwigsfelde, Vorzeigebürger und Visionär. Er führte die Region nach der Wende zum wirtschaftlichen Aufschwung und gehörte zum gesellschaftlichen Zentrum der Stadt. Ein scheinbar nahezu perfektes Leben. Bis Heinrich Scholls Ehefrau im Wald erdrosselt aufgefunden wird und der Tatverdacht sehr schnell auf ihren Mann fällt. In einem spektakulären Indizienprozess wird Heinrich Scholl dann tatsächlich verurteilt.
In Ihrem Buch schreibt sich Anja Reich auf die Fahne, die Hintergründe des Falls und die Abläufe während des Prozesses näher zu beleuchten. Bei Beschreibungen wahrer Begebenheiten erwartet man sich als Leser dabei vermutlich gleichermaßen Sensation und sachliche Authentizität. Anfangs arbeitet die Autorin auch sehr detailliert und spannend geschrieben die Lebens- und Liebesgeschichte des Ehepaars Scholl heraus. Schnell wird dabei klar, dass die Beziehung des Paares eher eine Vernunft- denn eine Liebesehe darstellt. Die Schilderung der Lebensgeschichten von Heinrich Scholl und seiner Frau stellen eine gute Basis dar, um sich später in den Fall um das „tödliche Ende einer Ehe“ hineindenken zu können.
Leider haben die detaillierten Beschreibungen beziehungsweise Aufklärungen zum Gerichtsprozess im Fall Scholl dann auf sich warten lassen. Der angenehme Schreibstil hat es mir zwar leicht gemacht, mich auf die Handlung einzulassen, auf echte Fakten habe ich aber vergeblich gewartet. Eher wirkte es auf mich, als wäre die Berichterstattung der Medien noch einmal erzählerisch aufbereitet worden. Zusätzliche Informationen oder Deutungen sucht man vergebens.
Unterm Strich war das Buch für mich eher mäßig. Die Lebensgeschichte des Ehepaares hat mich bewegt und bedrückt, die Intention des Buches blieb mir aber bis zum Ende unklar. Für Leser, die dem Thema näher stehen, wird die Geschichte nicht viel Neues bieten. Für Leser wie mich, die es eher aus dem kriminalistischen Interesse heraus lesen, scheint es ebenfalls zu oberflächlich. Da dieses Buch mich also weder inhaltlich noch sprachlich sonderlich fesseln konnte und in meinen Augen die versprochenen Schilderungen fehlten, kann ich es nur mit 2 von 5 Sternen bewerten.

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