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Tinalini

vor 5 Monaten

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Ich bin voreingenommen. Ich habe Anja ziemlich lange mit diesem Buch begleitet. Ich habe Korrektur gelesen, ich habe Plotholes gesucht (und hoffentlich alle gefunden) und ihr meine Meinung gegeigt.


Scheinbar habe ich in der Szene einen gewissen Ruf. Ich bin ehrlich. Wenn ich was doof finde, sag ich es. Ist das Buch schei schlecht, sag ich es auch.
Ihr glaubt mir nicht?


“Hatte nur teilweise das Gefühl ich hätte dir was getan, so aggressiv wie du kommentierst. Nicht ein Lob was gut gelungen ist oder so.”
(Zitat einer namentlich nicht genannten Autorin)


Na ja, war auch nichts gut gelungen.


Und nun dieses Buch.
“ich habe noch ein bisschen was in der Story verändert. Die Anmerkungen waren echt gut.”
(Zitat von Anja Stephan)


Ich mag das Buch. Da habe ich auch dran geschrieben, wenn’s gut war. Allerdings auch, wenn es nicht so gut war.


Wie ihr in der Beschreibung lesen könnt, sind Scott und Gwen unsere Protagonisten. Sie ist eine Vollblutelfe aus gutem Hause, quasi adlig und er ist nur ein Halbblut, allerdings aus ebenfalls gutem Hause. Nun ist es aber so, dass Halbelfen in etwa so viel wert sind wie Schlammblüter für die Malfoys und Voldemort (btw, kennt ihr den: Ich gründe eine Kindertagesstätte für Harry Potter-Fans und nenne sie “Voldehort”. Hahahahahahahaha!!). Also nicht so viel. Das merkt auch Scott, als er auf dieselbe Schule geht wie Gwendolyn. Er wird gemobbt, gehänselt und das am allermeisten von ihr.


Eines Tages, dort beginnt die Geschichte, sitzt er mit seinem Lehrling in der Pariser Metro und sieht Gwendolyn zum ersten Mal seit mehreren hundert Jahren. Zufall, aber nun denn. Und dann laufen sie sich immer wieder über den Weg und man denkt sich so: Nachtigall, ick hör dir trapsen!


Und es kommt noch schlimmer. Aufgrund eines Jahrhunderte alten Vertrags muss eine Frau aus Gwens Familie einen Mann aus Scotts Familie heiraten, Kinder bekommen und für immer (mehr oder weniger) glücklich zusammenleben. Als Gwendolyns Nichte ausgewählt wird, opfert sie sich, um dem Kind eine glückliche Ehe mit einem Partner seiner Wahl zu ermöglichen. Unter den heiratsfähigen Männern aus der Familie McKenzies, die in Gwens Alter sind, ist natürlich auch Scott dabei. Und, klar, die beiden müssen heiraten.
Beide nicht unbedingt glücklich darüber, hassen sie sich doch aus tiefstem Herzen. Es ist aber nun mal so gekommen und da muss man dann das Beste draus machen. Doch als Gwendolyn entdeckt, dass Scott kein Herz mehr hat, ist Ende Gelände. Er hat natürlich noch sein Organ, das Herz, das Blut durch seinen Körper pumpt, aber keine Gefühle mehr. Nur einen klitzekleinen Rest, denn ohne geht es nicht. Es reicht für eine lockere Freundschaft, aber nicht für Liebe. Leider hat er das Gefäß, in das er sein (fühlendes) Herz gesteckt hat, verloren.


Gwendolyn kann und will nicht mit jemandem verheiratet sein (und das für viiiiieeeeele Jahre), der keine Gefühle hat. Also müssen wir das Herz finden, da kann kommen, was will.


Was das ganze noch mit dem mysteriösen und magischen Bild auf sich hat, das Gwendolyn für den Louvre restaurieren soll, das müsst ihr schon selbst lesen.


Der Fantasyanteil in diesem Buch hält sich in Grenzen. Klar, es sind Elfen, die können auch ein bisschen zaubern, aber niemand rennt miteinem Zauberstab durch die Gegend und verhext alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Hier und da wird gezaubert, wir treffen übernatürliche Wesen und das magische Bild ist nunmal auch … nun ja … magisch, aber es ist wirklich moderat.


Es gibt keine schleimige Liebesgeschichte (wie auch, ohne Gefühle?) zwischen den Protagonisten, die ja sonst häufig der Lösung des Problems im Wege steht.


(Die Anja schreibt mir übrigens gerade etwas, was wieder zu meinem “Ruf” passt:
“Ich stell mir gerade deine Rezi vor… BEVOR Ich es überarbeitet habe, wars KACKE, jetzt isses ganz ok…”)


Ich fand die fehlende Liebesgeschichte irgendwie komisch, aber positiv erfrischend. Außerdem soll es noch einen weiteren Teil geben. Ich habe die Hoffnung also noch nicht aufgegeben.


Wir besuchen zusammen mit Gwen und Scott mehrfach Galerien und Museen, unter anderem den Louvre und auch Gwendolyns eigene Galerie. Anja erzählt hier einiges über die Bilder in den Ausstellungen. Ich habe absolut keine Ahnung von Kunst und habe jedes Bild gegoogelt, das sie erwähnt hat. Und eine gewisse Artistin auch. Welche? Lest das Buch 😉


Das Cover. Wunderwunderwunderschön. Aber: Es passt nicht zur Geschichte. Ich finde es wirklich toll, aber nicht für dieses Buch. Die Farbe Blau spielt eine so wichtige und dominante Rolle, dass es mich zutiefst betrübt, dass wir nix Blaues auf dem Cover haben.


Anjas Sprache ist manchmal sehr bildlich, ich glaube, das ist die verkappte Künstlerin in ihr. Ich bin ja eher direkt, daher habe ich mit so blumigen, bildlichen, absolut umschreibenden Sprachstilen manchmal meine Probleme. Ich habe versucht, einiges herauszunehmen, wo ich es unerträglich fand, ich denke, das ist mir ganz gut gelungen. Eigentlich sollte mein Name auf dem Titel stehen, nicht ihrer. (Kleiner Scherz!!)


Zusammenfassend kann man also sagen: Es ist ein fantastisch angehauchter, komödiantischer Dramakrimi ohne Schnulz.


Mir hat es sehr gefallen und ich habe mich gefreut, dass Anja ihr Baby mir und meiner harschen Kritik anvertraut hat.


Volle Kaufempfehlung. Ganz objektiv. Und subjektiv sowieso.

Autor: Anja Stephan
Buch: A Fairy Tale: Die Suche nach dem blauen Herz
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