„feel“ verspricht im Untertitel „Gedanken und Gebete für jede Emotion“ und hat mich mit diesem Versprechen sofort angesprochen! Denn wie oft sind wir überfordert mit unseren Emotionen – und auch damit, sie zu Gott zu bringen?! Daher fand ich diese Verbindung auf Anhieb spannend und hatte große Erwartungen an dieses Buch.
Nach ausgiebigem, mehrwöchigen Testen kann ich sagen: „feel“ bietet vielleicht nicht Gedanken und Gebete für JEDE Emotion, aber doch für bestimmt 90% unseres Gefühlslebens. Das Konzept ist genial: Es gibt eine wirklich (!) kurze Einleitung und dann sechs Oberkapitel zu den Hauptgefühlen „Überraschung“, „Angst“, „Wut“, „Glück“, „Ekel“ und „Traurigkeit“. Darunter stehen jeweils zwischen 8 und 16 Gefühle, die man problemlos und schnell im Inhaltsverzeichnis nachschlagen kann.
Die einzelnen Abschnitte zu den Gefühlen sind vom Aufbau her alle gleich: Es gibt eine kurze Beschreibung des Gefühls, dann einen längeren Abschnitt, der dieses Gefühl aus dem Erleben der Autorin beschreibt (oft sehr bildlich und konkret beschrieben, sodass man sich gut einfühlen kann). Danach folgt das Herzstück: eine „Andacht“, die eigentlich eher den Titel „Gebet“ verdient hätte. Anjuli Paschall betet sich in das beschriebene Gefühl hinein und leiht so dem Leser ihre Worte. Das klingt für manche vielleicht wenig attraktiv („es sind ja nicht meine Worte!“), aber indem man ihr beim Beten „zuliest“, fängt man selbst fast automatisch an, mit Gott ins Gespräch über seine eigenen Gefühle zu kommen. Manchmal sprachen mir die Worte der Autorin aus der Seele, manchmal auch nicht. Aber immer hat mich die Beschäftigung mit diesem Buch in die Begegnung mit Gott geführt.
Ganz am Ende jedes Abschnitts gibt es unter der Überschrift „Lebendiges Wort“ noch einen ausgewählten Bibelvers oder kürzeren Bibelabschnitt, passend zum Gefühl.
Mich hat „feel“ sehr angesprochen und abgeholt. Es ist kein Buch, das man von vorn bis hinten durchliest, aber immer wieder mal zur Hand nimmt, wenn einem die Worte für die eigenen Gefühle fehlen. Der Leser ist zu Beginn herausgefordert, sein Gefühl möglichst klar zu benennen – das sah bei mir so aus, dass ich mich manchmal in mehrere Abschnitte einlas, bis es passte. In seltenen Fällen fand ich nicht das Gefühl im Buch, das ich suchte, z. B. „enttäuscht“. Aber es gibt genügend artverwandte Gefühle in „feel“, sodass ich dieses Buch von Herzen gern empfehle. Es ist eine wertvolle Hilfe für alle, die den Umgang mit ihren eigenen Gefühlen nachtrainieren oder Menschen in Beratung und Seelsorge bei ebendieser Aufgabe helfen möchten.






