Anka Muhlstein

 4.3 Sterne bei 31 Bewertungen
Autor von Die Gefahren der Ehe, Die Austern des Monsieur Balzac und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Anka Muhlstein

Die Gefahren der Ehe

Die Gefahren der Ehe

 (20)
Erschienen am 23.03.2009
Der Brand von Moskau

Der Brand von Moskau

 (5)
Erschienen am 16.11.2009
Königinnen auf Zeit

Königinnen auf Zeit

 (1)
Erschienen am 03.10.2005
Die Bibliothek des Monsieur Proust

Die Bibliothek des Monsieur Proust

 (0)
Erschienen am 21.10.2013
Mit Feder und Pinsel

Mit Feder und Pinsel

 (0)
Erschienen am 13.11.2017
Die Austern des Monsieur Balzac

Die Austern des Monsieur Balzac

 (5)
Erschienen am 17.01.2011
LA Salle

LA Salle

 (0)
Erschienen am 25.05.1995

Neue Rezensionen zu Anka Muhlstein

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Kopf-Kinos avatar

Rezension zu "Die Gefahren der Ehe" von Anka Muhlstein

„Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt“
Kopf-Kinovor 2 Jahren

Unterschiedlicher hätten die zwei Cousinen Elisabeth I. (1533 - 1603), Königin von England, und Maria Stuart (1542 - 1587), Königin von Schottland, kaum sein können. Obgleich sie beide der direkten Tudor-Linie entstammten, trennte sie einiges: ihre Religion – die eine war Protestantin, die andere Katholikin -, ihre Ansichten, Ambitionen, Charaktereigenschaften und vor allem ihr privates Leben. Dennoch kreuzten sich ihre Wege, was einen weitreichenden Präzedenzfall zur Folge hatte. Bereits der Titel lässt erahnen, dass das Thema Ehe, mit dem sich beide Regentinnen auf unterschiedliche Art und Weise konfrontiert sahen, hintergründig als roter Faden dient.

Anka Muhlstein gelang meiner Meinung nach eine lebendige Doppelbiographie, in der sie die Gegenüberstellung zweier Rivalinnen anhand der Unterschiede und Gemeinsamkeiten verständlich darstellt und somit die gesellschaftliche Position adliger Frauen zu jener Zeit gut durchleuchtet.

Bereits den Einstieg fand ich gelungen, da hier in Kürze die Rosenkriege und das Leben Heinrichs VIII zusammengefasst werden. Danach konzentriert sich die Autorin zunächst einmal auf Elisabeth und berichtet von deren Kindheits- und Jugendjahren bis zur Krönung, um sich anschließend Maria Stuarts Lebensweg zu widmen. Ist der Anfang noch chronologisch gehalten, springen dann die Zeitgeschehnisse ein wenig hin und her, um auf die bereits erwähnten Gegenüberstellungen zu sprechen zu kommen und dann wieder chronologisch zu erfolgen. Unübersichtlich wird es hierbei an keinster Stelle, wie ich finde. Aufgrund der guten Leserlichkeit konnte ich der Autorin jederzeit durch die verworrenen Intrigen, die um beiden Frauen gesponnen wurden, folgen.

Besonders gut gefiel mir, dass Muhlstein sich beiden Persönlichkeiten eher faktisch und weitgehend neutral nähert, ohne jedoch deren geschichtsträchtigen „Glanz“ zu trüben. Die Autorin erwähnt die Meinungen anderer Historiker, was ich positiv hervorheben möchte, da sie dem Leser somit genügend Raum für eigene Interpretationen zulässt. Ihre Schlüsse wiederum zieht die Autorin aus dem Gesamtkontext und erläutert gekonnt mögliche Zusammenhänge einzelner Begebenheiten, wie beispielsweise in dieser Textstelle:

„Der Brief wirkt erschütternd, denn die im allgemeinen so regelmäßige Schrift Elisabeths sieht unsicher aus, und die zahlreichen, bei ihr so ungewöhnlichen Grammatikfehler beweisen, von welcher Erregung und Angst sie erfaßt war.“

Psychologisches Feingefühl beweist Muhlstein vor allem dann, wenn es um das „Hauptthema“ geht. Besonders um Elisabeths Weigerung, eine Ehe zu schließen, rankten sich zeitlebens viele Interpretationen, die die Autorin allesamt zu Wort kommen lässt. Muhlsteins Schlussfolgerung geht davon aus, dass Elisabeth sich weder auf emotionaler noch auf geistiger Ebene beherrschen lassen wollte und somit bewies, dass Autorität keinem Geschlechterunterschied unterliegen muss.

Während Maria Stuart über Jahrhunderte bevorzugt als schillernde Person  und Elisabeth als „Monster“ dargestellt wurde, sieht Muhlstein in Elisabeth eine kühle Taktikerin, die ihr Handeln stets in Einklang mit den Interessen ihres Landes zu vereinen versuchte. Besonders interessant finde ich, wie Muhlstein im Nachwort erklärt, wie es beispielsweise zur Verehrung Marias kam. Hingegen dazu entmystifiziert sie Maria Stuart quasi und schreibt über diese unter anderem:

„Sie wollte als Märtyrerin der katholischen Religion sterben. Das war die klügste Tat einer Königin, der aller politischer Verstand fehlte.“

Obgleich der gewählte Schreibton keinesfalls überschwänglich daherkommt, findet die Autorin stellenweise ergreifende Worte und wählt ab und an gute und eindringliche Bilder, die dem Ganzen eine angenehm erzählende Note verleihen. Die Befürchtung, dass Biographien und geschichtliche Darstellungen „staubig“ verfasst seien, kann hiermit wunderbar widerlegt werden.

„Nun mußte sie den Kelch der bitteren und absoluten Einsamkeit des Herrschers bis zur Neige auskosten und mit ihrer Gewissenslast, ihren Gefühlen und der unvermeidlichen Grausamkeit ihres Vorgehens fertig werden.“

Die gekennzeichneten Quellen und Randnotizen sprechen für eine geleistete Recherchearbeit; die eingearbeitete Zitate aus Briefen, die u.a. etwas modernisiert übersetzt wurden, da diese - laut Autorin – teilweise in einem allzu archaischen Französisch verfasst seien, fügen sich gut ein. Ein Personenregister, ein paar Bilder und eine übersichtliche Chronologie sowie ein (verkürzter) Stammbaum runden das Gesamtbild stimmig ab.

Anlass zu Kritik gibt mir der inkonsequenter Umgang mit Namen: Während einige Name ins Deutsche übertragen, wie beispielsweise 'Anne Boleyn' in 'Anna Boleyn' (warum?), oder deren Spitznamen geändert wurden (Katherine Champernowne wird hier „Kate“ statt „Kat“ gerufen usw.), blieb anderen Personen der gebürtige Name samt Anrede (u.a. Lady Bryan) erhalten. Mich störte dieses Hin und Her, aber das mag vielleicht eine Frage des Geschmacks sein.

Schade fand ich außerdem, dass in diesem Buch nicht näher auf die literarischen Aktivitäten der zwei Frauen eingegangen wurde, was mich besonders interessiert hätte. Das eine oder andere erwähnte Sonett bot die Chance, dem nachzugehen – dafür wurden jedoch anderen, in meinen Augen eher weniger interessanten Details den Vorrang gegeben. In der Hinsicht war ich etwas enttäuscht.

Zusammenfassend kann ich dieses Buch jedem historisch Interessierten, der einen ersten Einblick in das Leben beider Frauen sucht, empfehlen. Ich zumindest las es gerne.

Kommentare: 10
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wandablues avatar

Rezension zu "Die Gefahren der Ehe" von Anka Muhlstein

Ambitionen: Entweder hat man Köpfchen oder man verliert es.
wandabluevor 4 Jahren

Entweder hat man Köpfchen oder man verliert es.
Im Rahmen der Biografie-Challenge 2015 „Durch die Jahrhunderte“ widme ich mich bezüglich des 16. Jahrhunderts England, wo die Erbfolge bwz. Regentschaft nach dem Tod des heiratswütigen Heinrich VIII, nach einigen Wirren, schliesslich auf Elisabeth I (1533-1603) überging und über 40 Jahre lang in deren Händen ruhte. Na ja ruhte ..., es gab genug Bestrebungen Elisabeth aus dem Weg zu räumen, es brauchte eine Menge Diplomatie und Energie, um sich gegen die Tätlichkeiten anderer Königreiche allen voran Spanien und Frankreich zur Wehr zu setzen, z.B. um sich die dreiste spanische Armada vom Hals zu schaffen.

Am bekanntesten ist die begehrliche Hand Maria Stuarts, die ihr törichtes Streben nach dem englischen Thron mit dem Leben bezahlen musste, nachdem sie sich auf der Flucht vor den eigenen schottischen Untertanen unter den Schutz und auf das Terrain Elisabeths I begeben hatte, die sie damit in eine äusserst prekäre politische Lage brachte.

Denn Königin Elisabeth hielt zwar das Gottesgnadentum der Regentschaften für unumstößlich, und doch war schon die blosse Anwesenheit der schottischen Königin ein Affront und eine ständige Gefahrenquelle für ihr Leben, weil sich die unzufriedenen katholischen Adeligen im Norden wie auch die Katholiken im Ausland nur all zu gerne der Schottin bedient hätten, um die protestantische Majestät Englands zu stürzen, wobei man auch vor Mord nicht zurückschreckte. „Was gibt es Nützlicheres für eine Opposition", schreibt die Autorin, "als ein unmittelbar verfügbarer Ersatzherrscher?“ Maria, in ihrer bodenlosen Dummheit und Borniertheit dagegen, erkannte den Ernst ihrer Lage nicht annähernd und führte einen regen, kompromittierenden und umstürzlerischen Briefwechsel mit Elisabeths Feinden.

Anka Muhlheim schreibt über Maria Stuart weiter: „Während ihrer ganzen Gefangenschaft hatte Maria Stuart einen verhängnisvollen Mangel an Wirklichkeitssinn bewiesen. Ihre Weigerung, zugunsten ihres Sohnes [Jakob I.] abzudanken oder wenigstens auf alle zwecklosen Komplotte zu verzichten – denn diese hatten ja dazu geführt, dass sie dem Herzog von Norfolk und sehr vielen jungen Anhängern den Tod brachte -, sollten sie schließlich in den Untergang reißen.“ Die Autorin spricht Maria Stuart weitgehend die Fähigkeit politischen Denkens und Handelns ab und ist bestrebt, ihr den Nimbus der unschuldigen Märtyrerin zu nehmen.

Anka Muhlstein versteht es sowie so, den Leser ohne großartige Umwege in das Herz des Geschehens und der besonderen Problematik des 16. Jahrhunderts zu führen. Sie leuchtet die großen Linien aus, aber es fallen auch manche interessanten Details ab, z.B. dass man Hygiene einfach dadurch hielt, dass man das Schloss wechselte, wenn der Gestank unerträglich wurde - oder dass auch die für eine Regentin wenig blutrünstige Königin Elisabeth der Meinungsfreiheit der „Journaille“ durch Abschlagen der rechten Hand strikte Grenzen setzte, wenn ihr deren Bekundungen gerade unliebsam waren.

Der Charakter Elisabeths kann nicht in vollem Umfang klar werden, da sie selbst nichts verlauten hat lassen von ihren wahren Gedanken und man sich deshalb auf das verlassen muss, was die nackten historischen Fakten und die Zeitzeugenberichte hergeben. So erscheint die Person Elisabeths im Persönlichen widersprüchlich. Fest steht, dass sie eine sportliche und eine sehr gebildete Frau war, die die Sprachen ihrer Zeit fliessend sprach, Latein, Griechisch, Französisch, Spanisch, Italienisch; einen analytisch geschulten Verstand hatte und schnell aus Erfahrungen lernte. Ihre privaten Interessen, sprich ihr weibliches Herz, hinderten sie niemals daran, knallharte, wohlüberlegte politische Entscheidungen zu treffen. Insofern war sie ein krasser Gegensatz zur Königin von Schottland, deren häufig törichtes Handeln sich durch Spontaneität und Impulsivität auszeichnete.

Sprachlich ist Anka Muhlsteins Roman gewandt und lehnt sich ein wenig an den Sprachgebrauch der alten Zeiten an und ist gleichzeitig doch frisch genug, um nicht eine Spur von Langeweile aufkommen zu lassen.

Fazit: Die Doppelbiografie „Die Gefahren der Ehe. Elisabeth von England und Maria Stuart“ ist rundum empfehlenswert.

Kategorie: Biografie
Verlag: Insel Verlag, 2005/2009

Kommentare: 8
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Sabine Buxbaums avatar

Rezension zu "Die Gefahren der Ehe" von Anka Muhlstein

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zweier Königinnen
Sabine Buxbaumvor 5 Jahren

Eine spannende und objektive Darstellung vom Leben zweier Frauen und ihrer Beziehungen zu Männern. Während die eine die geborene Politikerin darstellt, die den Kopf über das Herz herrschen lässt, gibt die andere dem Herz und der Leidenschaft den Vorzug. Beide agieren sie raffiniert, um ihren Willen durchzusetzen, aber in einem erbitterten Machtkampf unterliegt dann das Herz der einen dem Verstand der anderen.

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