Ann-Christin Wimber

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Ann-Christin WimberMeerglas - suchen, finden, bestimmen
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Meerglas - suchen, finden, bestimmen
Meerglas - suchen, finden, bestimmen
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Erschienen am 27.03.2013

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Rezension zu "Meerglas - suchen, finden, bestimmen" von Ann-Christin Wimber

Juwelen des Meeres, Kunstwerke der Natur
GesineSchulzvor 4 Jahren

In Irland bin ich zuerst auf sie aufmerksam geworden: grünes Schimmern im Sand, bernsteinfarben leuchtend zwischen Muscheln, Kieseln und Korallen: Juwelen des Meeres, Meerglas.

Auf Englisch heißt es Strand Glass, Beach Glass oder, poetisch, Mermaid’s Tears.
Deshalb nannte ich sie Nixentränen, die kleinen bis winzigen gläsernen Fundstücke mit den abgerundeten Rändern, nach denen Lucy in meinem Buch Eine Tüte grüner Wind den irischen Strand absucht. Lucy besucht in Irland ihre Tante Paula, eine Künstlerin. Auf ihre Treibholzspiegel setzt sie manchmal ein oder zwei dieser Nixentränen. Türkisfarbene. Rubinrote. Bergkristallweiße.

In der Geschichte kommen Nixentränen nur auf drei oder vier Seiten vor. Um so mehr Raum nehmen sie in der Vorstellung besonders der jüngeren Leserinnen und Leser ein. Am liebsten würden sie sofort los sausen und sich auf die Suche begeben.

Kann man Nixentränen auch an der Nordsee finden, werde ich per E-Mail gefragt. Wo an der Ostsee? Oder gibt es sie etwa nur in Irland?

Wenn ich bei einer Lesung zwei oder drei Handvoll Nixentränen aus dem grünen Samtbeutel auf den Tisch schütte, könnte die Aufregung nicht größer sein, wenn es Juwelen wären.
Die Farben und Formen werden betrachtet und kommentiert. Die Tränchen gegen das Licht gehalten, um – wie Lucy – die Muster zu bestaunen, die Wasser und Sand über Jahre und Jahrzehnte eingeschliffen haben. Muster wie winzige Wellen oder tanzende Federn. Fragen über die mögliche Herkunft, die ursprüngliche Form, die Reise durch die Ozeane entzünden die Fantasie.

Zur nächsten Lesung werde ich ein Buch mitnehmen können, das kürzlich erschienen ist. Höchste Zeit auch. Einen Nixentränen-Bestimmungsbuch, randvoll mit Informationen und über 150 farbigen Abbildungen:

Meerglas suchen, finden, bestimmen: Strandscherbenfunde an Nord- und Ostsee. Von Ann-Christin Wimber. 96 S.
Hardcover. 12,95 EUR ISBN 978-3-00-039243-6

Ann-Christin Wimber hat viele Fakten zusammengetragen und die Funde selbst fotografiert. An der Ostsee aufgewachsen, waren ihr alte Scherben im Sand von kleinauf so vertraut wie Muscheln. Von der Leidenschaft für die gläsernen Fragmente wurde sie später erfasst, und bei einem Glassammlertreffen in Plön “leckte sie Blut”.

Die Autorin verrät, an welcher Art von Stellen man am besten fündig werden kann; so im Spülsaum, zwischen Algen und Steinen, und bei Ebbe in Häfen, was natürlich nicht nur auf die Nord- und Ostsee zutrifft.

Wir erfahren, welche Farben beliebt sind, welche rar (z.B. kobaltblau, hellblau, limettengrün, schwarz), dass es in den USA professionelle Sammler gibt und auf Hawaii einen Strand mit Sammelbeschränkung. Wind und Wetter spielen mit beim Sammelglück.

Welche Rückschlüsse man aus den Farben oder der Glasstärke auf die Form des ursprünglichen Gegenstandes ziehen kann, wird erklärt. Manche Glasfarben gab es nur kurz oder nicht vor einer bestimmten Zeit. Interessant auch, welche Zutaten nötig waren, um eine bestimmte Farbe zu erzielen.
Schade, dass mein alter Chemielehrer seinen Unterricht nicht so belebt hat:

Durch Zusatz von Gold erhält man das sogenannte Goldrubinglas

oder – als Krimileserin hätte mich das wachgerüttelt:

Nach 1930 verwendeten die Glashersteller Arsen.

Das dritte Kapitel widmet sich der Bestimmung von Funden durch Flaschenmündungen, Verschlüsse, Flaschenböden, Glasmarken und mehr.

Von den alten Ägyptern über die Römer bis in die Gegenwart nach Bornholm – überall wurden und werden Glasflaschen und andere Formen geblasen oder gepresst. 1987 begann die PET-Flasche ihren weltweiten Siegeszug und – meine Assoziation – trägt seitdem zur Verschandelung der Landschaft, zur Vermüllung der Meere und zum Tod von Delfinen und Walen bei.
Scherben am Strand hingegen, schreibt Ann-Christin Wimber in ihrem Schlusswort,

sind etwas Natürliches. Sie kehren zu dem Element zurück, aus dem sie entstanden sind.

Das Buch liest sich unterhaltsam, lädt zum Blättern ein. Es ist ein Muss für alle, die Meerglas sammeln, aber auch Lehnstuhlreisende werden es genießen. Es gehört in Bücherregale von Pensionen und Hotels an Nord- und Ostsee, ganz zu schweigen von den Schaufenstern der Buchhandlungen in Meernähe.

Vielen Ferienreisenden, stelle ich mir vor, wäre eine zusätzliche Ausgabe als E-Book willkommen. Als Ergänzung für die Reisebibliothek auf dem Reader, die das Gepäck nicht belastet.

Weitere Informationen und Fotos von Fundstücken hat die Autorin auf Meerglas.info zusammengestellt. Dort auch ein Link zu ihrem Online-Shop.


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