Anna-Lena Lohmann Elite für die Diktatur: Nationalpolitische Erziehungsanstalten 1939-1945: Organisation, Intention und Umsetzung am Beispiel der Napola Naumburg

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Inhaltsangabe zu „Elite für die Diktatur: Nationalpolitische Erziehungsanstalten 1939-1945: Organisation, Intention und Umsetzung am Beispiel der Napola Naumburg“ von Anna-Lena Lohmann

Sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die frühere Deutsche Demokratische Republik (DDR) brachten eine Vielzahl von Persönlichkeiten hervor, die einst eine NS-Ausleseschule besuchten, später dann jedoch durchaus erfolgreiche Lebens- und Karrierewege verzeichneten. Neben vielen anderen ehemaligen Schülern ist hier beispielsweise der Schauspieler Hardy Krüger zu nennen, der bereits in jungen Jahren in die SS eintrat und später die Adolf-Hitler-Schule (AHS) in der Ordensburg Sonthofen besuchte. Auch viele Journalisten, wie der BILD-Zeitungs-Kolumnist Mainhardt Graf Nayhauß-Cormons, dessen eigener Vater bereits während des Krieges von den Nationalsozialisten ermordet wurde, besuchte die „Vorzeige-Napola“ Berlin-Spandau. Auch der bekannte deutsche Buchautor, Literaturkritiker und Professor für Theaterwissenschaft, Hellmuth Karasek, war Schüler auf der NPEA Loben (heute Lubliniec). Hans-Jochen Vogel, heutiger SPD-Politiker und zu NS-Zeiten Kulturbeauftragter der Hitler Jugend, bestand die Aufnahmeprüfung an der NPEA in Bensberg nicht, sodass er letztendlich sein Abitur auf dem Humanistischen Gymnasium in Gießen absolvierte. Martin Bormann Jr., einst NSDAP-Reichsschüler und Sohn eines prominenten Vaters, wurde katholischer Priester und einige Jahre später Missionar im Kongo. Wie Bormann verbrachte auch der deutsche Bankmanager und Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, einen Großteil seiner schulischen Laufbahn auf der „Reichsschule der NSDAP Feldafing“, die neben den NPEAs und Adolf-Hitler-Schulen (AHS) eine Einzelerscheinung darstellte, da das „Hauptamt Erzieher“ der NSDAP unter Leitung von Fritz Waechtler über die Aufsicht der Schule verfügte. Die offizielle Trägerschaft lag beim Reichsschatzmeister der NSDAP, Franz Xaver Schwarz. Feldafing, die sich selbst als Stätte der „wahren Umsetzung des Führerwillens“ in pädagogischen Fragen verstand, wurde in erster Linie durch Rudolph Heß, seit dem 21. April 1933 Hitlers persönlicher Stellvertreter der NSDAP, vor einer Einverleibung in den Verband der NPEAs bewahrt und ebenso vor einer Einflussnahme Baldur von Schirachs geschützt. Wirft man einen generellen Blick auf die Veröffentlichungen über das Dritte Reich, fällt eine offensichtliche Konzentration auf die Seite der Opfer ins Auge: Kommunisten und Sozialdemokraten, Juden, Sinti und Roma, Flüchtlinge und Vertriebene, Kranke und Behinderte. Als Verfolgte, Ausgebeutete, Terrorisierte, Eingesperrte und systematisch Getötete standen all jene Menschen auf der „Verliererseite“ der NS-Diktatur. Auf wissenschaftlicher Ebene fand diese „Ausgrenzung“ jedoch auch nach Kriegsende eine Fortsetzung. Politik, Wissenschaft, Journalismus aber auch das Alltagsbewusstsein der Menschen verhielten sich lange Zeit ignorant und desinteressiert gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus. Gerade deshalb war und ist es wichtig, die Leidensgeschichte dieser Menschen historisch detailliert aufzuarbeiten. Die Erfahrungen und Berichte eines ehemaligen Jungmannes der NPEA Naumburg (an der Saale) sollen dazu beitragen, den Geist in den Anstalten, die Faszination der Jungen, die persönlichen Vorzüge aber ebenso auch die enormen Nachteile des Schulbesuches für den weiteren Werdegang aufzuzeigen. Vorangestellt wird dieser Dokumentation ein Einleitungskapitel, in dem zunächst die Grundzüge der Organisation, die erzieherischen Zielsetzungen und ihre Umsetzung an den NPEAs dargestellt werden.

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