Anna-Nina Kroll

Lebenslauf

Rebecca Wait, 1988 geboren, schloss 2010 ihr Englischstudium an der Oxford Universität mit Bestnote ab. Dort wurde sie vom Lyriker und Romanautor Craig Raine unterrichtet. Sie schreibt seit ihrer Kindheit und hat zahlreiche Preise für ihre Kurzgeschichten und Theaterstücke gewonnen. Kopfüber zurück ist ihr erster Roman.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Anna-Nina Kroll

Cover des Buches Coast Road (ISBN: 9783423149662)
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Rezension zu "Coast Road" von Alan Murrin

Aischa
Bis dass der Tod uns scheide

Alan Murrin, geboren in Donegal, Irland, ist ein noch junger Autor, der mit Coast Road sein Romandebüt vorgelegt hat. Nach einem Studium des Creative Writing in Dublin und London lebt und arbeitet er heute in Großbritannien. Coast Road wurde vielfach als eindringliches Porträt einer irischen Gesellschaft am Wendepunkt beworben.


Der Roman spielt in einer fiktiven Kleinstadt an der irischen Küste, etwa ein Jahr vor dem historischen Referendum von 1995, das die Scheidung in Irland endlich legalisierte. Diese historische Tatsache allein zeigt schon, welch enormen Einfluss die katholische Kirche bis weit ins späte 20. Jahrhundert hinein auf das private und gesellschaftliche Leben Irlands hatte (und noch hat) – und genau dieses Spannungsfeld zwischen Tradition, Moral und individueller Freiheit bildet den Hintergrund des Romans.


Im Mittelpunkt steht Colette, eine Schriftstellerin, die ihren Ehemann verlässt, nachdem sie sich neu verliebt hat – ein Schritt, der in ihrer Umgebung als moralisches Vergehen betrachtet wird. Ihr Mann reagiert, indem er ihr den Kontakt zu den gemeinsamen Kindern verweigert. Parallel dazu zeichnet Murrin die Schicksale weiterer Frauen nach: Izzy, die unter der Selbstgefälligkeit ihres karrierebewussten Ehemanns leidet, und Dolores, die in einer lieblosen Ehe mit einem notorisch untreuen Mann gefangen ist.


So weit, so vielversprechend – der Stoff bietet tatsächlich alles, was ein kritischer Gesellschaftsroman braucht: Konflikte, emotionale Fallhöhe, gesellschaftliche Relevanz. Doch Murrin gelingt es nicht ganz, die Potenziale seines Themas auszuschöpfen. Die Sprache bleibt eher schlicht und konventionell, sie trägt die Geschichte, ohne je wirklich zu glänzen. Auch die Figuren, vor allem die Frauen, entwickeln keine innere Kraft, um sich gegen ihre Umstände zu behaupten. Sie bleiben in ihren Rollen gefangen, und ich habe mich am Ende gefragt, ob genau das die Absicht des Autors war – oder ob schlicht eine erzählerische Schärfe fehlt, um das Thema wirklich zum Brennen zu bringen.


Trotz dieser Schwächen liest sich Coast Road recht gut: Die Handlung ist klar strukturiert, die Atmosphäre der irischen Küste eindrucksvoll eingefangen. Besonders interessant ist, wie Murrin den Einfluss der katholischen Moralvorstellungen subtil, aber spürbar in den Alltag seiner Figuren einsickern lässt.


Fazit: Coast Road ist ein thematisch relevanter Roman über gesellschaftliche Zwänge, weibliche Ohnmacht und den schwierigen Weg zur Selbstbestimmung in einem von Religion geprägten Irland. Sprachlich kein Meisterwerk, erzählerisch solide – und vor allem ein Stück Literatur, das uns daran erinnert, wie jung manche Selbstverständlichkeiten unserer Gegenwart eigentlich sind.

Cover des Buches Die Königin von Dirt Island (ISBN: 9783257073584)
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Rezension zu "Die Königin von Dirt Island" von Donal Ryan

Lesebiene017
Familiengeschichte starker irischer Frauen

Am Anfang steht der tragische Unfalltod eines liebenden Familienvaters, dessen Töchterchen gerade erst geboren wurde. Fortan sind Mutter Eileen und Tochter Saoirse Aylward weitgehend auf sich selbst gestellt. Helfen tut nur die taffe Schwiegermutter Mary. Die Frauengemeinschaft ohne Mann im Haus wird im konservativ ländlichen Raum Irlands skeptisch beäugt. Nicht nur die vaterlose Saoirse wird im Laufe ihres Lebens mit Piesackereien und Diskriminierungen überzogen. Auch Eileen sieht sich ständiger Kontrolle ausgesetzt, gerne würde man sie in einer neuen Ehe bändigen. Zerbrechen tut an den äußeren Einflüssen zum Glück niemand. Im Gegenteil: Jegliche Einmischung scheint den Mut und die Chuzpe der Frauen anzuheizen.

Einst wurde Eileen aufgrund der frühen Schwangerschaft von ihrer reichen Farmersfamilie verstoßen, von Eltern und Bruder hat sie sich nicht nur deswegen entfremdet. Umso mehr ist es ein Schock, als auch Saoirse schwanger von einem Wochenendausflug zurückkehrt. Trotz ihrer 17 Jahre besteht kein Zweifel daran, dass sie das Kind bekommen will. Tochter Pearl wird geboren. Im Verlauf des Romans wird Familie Aylward mit weiteren schmerzhaften Schicksalsschlägen konfrontiert. Auch der Nordirlandkonflikt hält Einzug im Viergenerationenhaus, als Marys Sohn verhaftet wird. Das omnipräsente irische Patriarchat kommt insgesamt nicht gut weg, denn die sympathischste Männerfigur stirbt bereits auf den ersten Seiten.

Die Kapitel sind kurz. Dem Autor gelingt ein handlungsgetriebener Roman, der das Innenleben seiner Figuren zwar nicht ausführlich schildert, aber dennoch das Wesentliche empathisch herausarbeitet. Neben den starken Frauenfiguren wird insbesondere die heranwachsende Saoirse mit all ihren Zweifeln, Sehnsüchten und in ihrer Zerbrechlichkeit gezeigt. Ryans Ton ist ruhig, sachlich und klar. Dabei schwingt oftmals eine vielschichtige Poesie mit, die dem Text seine besondere, leicht melancholische Note verleiht.

Viele Sätze erzeugen Nachhall. Auch ohne Redezeichen wirken die Dialoge authentisch und lebensecht. Die Frauen besitzen eine positive Art von Humor, sie können mit den Eigenarten der anderen Kleinstadtbewohner sehr gut umgehen und wissen sich zu behaupten. Große Solidarität verbindet Mary, Eileen, Saoirse und Pearl. Der Ton untereinander mag manchmal rau sein, täuscht aber nicht über die innige Verbundenheit und warmherzige Freundschaft der Frauen hinweg.

Schwere und leichte Themen werden auf höchst kurzweilige Weise verhandelt. Donal Ryan erzählt chronologisch mit nur wenigen Rückblicken in die Familienhistorie. Landschaften und Schauplätze werden veranschaulicht. Es passiert sehr viel im Roman, Weitschweifigkeit kann man dem Autor nicht vorwerfen, und kleine Pausen tun manchmal gut, um das Gelesene zu verarbeiten, dem es nicht an Tiefe fehlt.

Eine fesselnde Familien- und Coming-of-Age-Geschichte, die ein breites Publikum ansprechen sollte.

Leseempfehlung!

Cover des Buches Die Königin von Dirt Island (ISBN: 9783257073584)
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Rezension zu "Die Königin von Dirt Island" von Donal Ryan

Alrik
Ein stiller Sturm aus Liebe und Trotz

Ein Dorf irgendwo in Irland, ein kleines Haus, vier Generationen Frauen, die sich mit Stolz, Zorn und Liebe durchs Leben kämpfen – so leise und doch so eindringlich erzählt Donal Ryan in Die Königin von Dirt Island von Stärke, Verlust und dem unausweichlichen Kreislauf der Familie.


Von der ersten Seite an war ich gefangen in dieser eigenwilligen Mischung aus poetischer Zartheit und rauem Realismus. Die Sprache schimmert in kurzen, fast rhythmischen Kapiteln, jedes wie ein Atemzug, und doch bleibt sie fest verwurzelt im Alltag. Eileen, die Mutter, trägt ihre Welt auf den Schultern – trotzig, stolz, verletzlich. Ihre Tochter Saoirse wächst in dieser Schwere auf, kämpft um Freiheit und Liebe und erkennt viel zu spät, wie sehr sie ihrer Mutter gleicht.


Ich habe beim Lesen oft innegehalten, weil einzelne Sätze so tief trafen. Diese Frauen weinen nicht über ihr Schicksal – sie leben es, mit einer stoischen Würde, die still bewundert werden will. Es sind nicht die großen Dramen, sondern die leisen Momente, die dieses Buch so besonders machen.


Donal Ryan schreibt über Frauen, als würde er sie seit Jahrhunderten kennen. Über Mütter und Töchter, deren Liebe manchmal weh tut, aber immer bleibt. Die Königin von Dirt Island ist kein Buch, das laut glänzt – es leuchtet leise, lange nach dem letzten Satz.

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