Anna Brüggemann

 4,3 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Trennungsroman.

Lebenslauf von Anna Brüggemann

Anna Brüggemann, 1981 geboren, wuchs in Südafrika, Stuttgart und Regensburg auf. In dem Fernseh-Thriller Virus X stand sie 1996 erstmals vor der Kamera. Es folgten Hauptrollen in diversen Fernseh- und Kinofilmen. Mit ihrem Bruder, dem Filmemacher Dietrich Brüggemann, schrieb sie das Drehbuch für den Spielfilm Kreuzweg, der bei der Berlinale 2014 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. 2019 war sie als Drehbuchautorin an Als Hitler das rosa Kaninchen stahl beteiligt. Anna Brüggemann lebt in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Anna Brüggemann

Cover des Buches Trennungsroman (ISBN: 9783550200687)

Trennungsroman

 (9)
Erschienen am 29.03.2021

Neue Rezensionen zu Anna Brüggemann

Cover des Buches Trennungsroman (ISBN: 9783550200687)leseleas avatar

Rezension zu "Trennungsroman" von Anna Brüggemann

133 Tage
leseleavor einem Jahr

So lange dauert es, bis die Beziehung von Eva und Thomas endgültig vorbei ist. Denn dass sich die beiden Protagonisten in Anna Brüggemanns Roman trennen werden, wird schon durch den Titel determiniert: Trennungsroman hat ihn die Autorin getauft, Chronologie eines Beziehungsaus mag man nach der Lektüre gerne als Untertitel hinzufügen. Brüggemann verfolgt nämlich nicht nur die Tage vor dem richtungsentscheidenden „Es ist vorbei“, sondern beleuchtet ebenso intensiv die Nachwehen, die mit der Trennung einhergehen und die Zeit, die es braucht, bis beide Figuren einen endgültigen Schlussstrich unter ihre Beziehung setzen.

Dies fällt Thomas – zugegeben leicht klischeehaft – deutlich leichter als Eva. Für ihn ist schon lange etwas aus dem Tritt gekommen, nicht nur in seiner Beziehung, sondern in seinem Leben generell. Er fühlt sich eingeengt mit Eva, seinem Job als Arzt und dem Freundeskreis, der sich zielstrebig weiterentwickelt, während er selber immer noch orientierungslos zu sein scheint. Er will fliehen, Eva hingegen will Beständigkeit. Nach zwei Jahren Forschungsaufenthalt in Paris freut sie sich darauf, wieder in das gemeinsame Leben mit Thomas zurückzukehren, Wurzeln zu schlagen, vielleicht sogar Nachwuchs zu bekommen. Sie schaut in die Zukunft, Thomas sieht nur, dass die gemeinsame Vergangenheit größer, schöner war als das gegenwärtige Miteinander und zweifelt immer mehr, auf diesen Weg mit Eva zurückzufinden zu können. Der Riss ist zu tief, ein Bruch unvermeidlich, das Leben als Nicht-Paar eine Herausforderung, der sich beide nach acht Jahren Beziehung stellen müssen – und zwar jeder alleine und auf seine Weise.

Eva, die ihm mal wieder einen Schritt voraus zwei ist. Was heißt einen? Zwölf, dreizehn, vierzehn Schritte, Jahrzehnte. (S. 47)

Brüggemans Roman erzählt eine vertraute Geschichte, egal ob man ähnliches erlebt hat oder nicht. Sprache, Figurenzeichnung und Handlung sind nicht nur modern und lebensnah, sondern mitten aus dem Alltag, manchmal sogar erschreckend banal. Das mag langweilig klingen, aber genau hierin liegt die Stärke des Buches: Brüggemanns Darstellung dieses Durchschnittspaares mit seinem Durchschnittleben und seinen Durchschnittsproblemen ist treffsicher und erzeugt einen hohen Wiedererkennungswert. Zumindest ich hätte ewig weiterlesen können, so sehr eingezogen war ich in Thomas und Evas Kosmos; von ihnen zu lesen, war wie Gesprächen mit Freunden zu lauschen. Und wenn ich so zurückdenke: Die Gespräche, die im Buch geführt wurden, habe ich tatsächlich schon haargenau so geführt.

Auch wenn Thomas und Eva Gedanken und Handlungen zeigen, die typisch für ihr Geschlecht scheinen, ist Trennungsroman eben gerade aufgrund seiner Alltagsnähe weit entfernt davon zu sein, ein klischeehafter Roman über eine Trennung zu sein. Brüggemann zeigt auf, dass es sich bei den beiden um ein Paar handelt, das schon länger nicht mehr synchron läuft, sondern mehr und mehr in seine Einzelteile mit unterschiedlichen Tempi und Rhythmen zerfällt. Sie verneint aber eben nicht, dass für eine Frau Anfang Dreißig das Ende einer achtjährigen Beziehung andere Gedanken, vielleicht auch Konsequenzen mit sich zieht als für einen Mann – vor allem, wenn man wie Eva einen Kinderwunsch hegt. Für mich persönlich war die Sympathiefrage wenn nicht schnell, dafür aber letztlich umso deutlicher geklärt, auch wenn Thomas als Figur verständlich und nachvollziehbar bleibt.

Und jetzt sitze ich wieder da, wie mit Anfang zwanzig, und muss wieder die eine Person finden, mit der ich leben kann. (S. 249)

Trennungsroman ist für mich ein unterhaltsamer, authentischer, hervorragend geschriebener Gegenwartsroman, der die Bandbreite an Gefühlen aufzeigt, die nach acht Jahren Liebe bleiben: Wut, Enttäuschung, Angst, Neugier, Nostalgie, Hoffnung, Verzweiflung – und Liebe, die nicht mehr gelebt wird, die aber trotzdem Liebe bleibt. Ich empfehle das Buch von Herzen weiter und wünsche mir weitere Romane von Anna Brüggemann ganz schnell herbei!

Wir haben schon so viel Vergangenheit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir keine Zukunft haben. Dass unsere beiden "Zukünfte" nichts miteinander zu tun haben. (S. 159)

Kommentare: 3
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Cover des Buches Trennungsroman (ISBN: 9783550200687)KikiAnderss avatar

Rezension zu "Trennungsroman" von Anna Brüggemann

Schön traurig
KikiAndersvor einem Jahr

Habe heute die 416 Seiten gelesen. Jetzt bin ich auf eine wundervolle Weise traurig und erfüllt. Das Buch beginnt mit Tag 31 vor der Trennung, bewegt sich in der Mitte zum Trennungstag 0 und von da bis zu 14 Wochen und 4 Tage danach. Wer oft Liebeskummer hat, wird sich nicht so daran erfreuen. Für mich, die kaum jemals welchen hatte, und wenn, dann minimal und vor Jahrzehnten, entstand beim Lesen eine Sehnsucht danach. Dieses schmerzhafte Eintauchen in die innersten Gefühle. Die nagenden Selbstzweifel, die Hoffnungen, die sich an ein Wort oder eine Geste klammern. Das ewige Zurückspulen im Kopf, wann man wohl die falsche Abzweigung genommen hat. Das sind keine alltäglichen Emotionen. Die Charaktere von Eva, Thomas, Rose, Yves und ihrer Clique sind sehr gut ausgearbeitet und ein jeder auf seine Art sympathisch. Sogar Thomas, die Hauptperson, der mir trotzdem ein bisschen suspekt blieb. Als er mit seinem Freund Ludwig Probleme wälzt heißt es: "Sie ahnen, dass viel weniger Zeit, als man anfangs denkt, wirklich unbeschwert ist." Nachdenklich hat mich auch der Satz gemacht: "Man darf als Tochter ja nicht glücklicher werden als die Mutter, das ist ein ungeschriebenes Gesetzt."

Wie wahr,!

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