Anna Enquist Die Betäubung

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Inhaltsangabe zu „Die Betäubung“ von Anna Enquist

Die Autorin der „LETZTEN REISE“ ist zurück

Monate nach dem tragischen Tod seiner Frau Hanna nimmt der Psychoanalytiker Drik wieder seine Arbeit auf. Doch der Weg zurück ins „normale“ Leben gestaltet sich schwierig. Zudem gibt ihm sein Patient Allard große Rätsel auf, ja, er spürt sogar eine merkwürdige Bedrohung von ihm ausgehen. Und auch die Welt von Driks eigentlich so strukturierter Schwester Suzan gerät nach Hannas Tod ins Wanken. Als ihr eines Tages ausgerechnet Allard als Praktikant zugewiesen wird, spitzen sich die Dinge dramatisch zu. Denn Suzan läßt sich mit ihm auf eine Affäre ein – mit fatalen Folgen …

Nina Hoss erzählt auf beeindruckende Weise von einer Familientragödie und von zwei Geschwistern, die auf ganz unterschiedliche Weise mit Trauer umgehen.

(6 CDs, Laufzeit: 6h 56)

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  • Rezension zu "Die Betäubung" von Anna Enquist

    Die Betäubung

    Clari

    05. November 2012 um 17:46

    Familie und Beruf: ein Konfliktfeld der besonderen Art. Der Psychoanalytiker Drik de Jong hat lange Zeit nicht gearbeitet. Er ist um die fünfzig Jahre alt und seine Frau Hanna ist nach langem Leiden kürzlich verstorben. Seine Schwester Suzan und ihr Mann Peter stehen ihm zur Seite. Wir haben es mit einem ausgedehnten Ärztemilieu zu tun, denn Suzan ist Anästhesistin und Peter Psychiater. Roos, die Tochter von Suzan und Peter, hat ihre kinderlose Tante Hanna sehr geliebt, wohl mehr als ihre eigenen Eltern. Nach langer Trauerzeit beginnt Drik wieder mit seiner Arbeit. Sein erster Patient Allard Schuurman ist kompliziert zu behandeln, und Drik weiß nicht so recht, wie er an den Patienten herankommen soll. Dieser will ebenfalls Analytiker werden und macht eine so genannte Lehranalyse, die für den Beruf des Psychoanalytikers obligatorisch ist. Die Familiengeschichte der de Jongs mischt sich mit den ärztlichen Verpflichtungen in der Anästhesiologie und dem Fachwissen der Psychoanalyse. Da Anne Enquist selber Psychoanalytikerin ist, kennt sie sich gut aus mit den Mechanismen der Abwehr, der Verdrängung, mit Übertragung, Projektionen und Idealisierungen. In ihrem gut konzipierten Roman stellt sie die "Betäubung" im medizinischen Alltag der Anästhesiologie der Aufdeckung der Gefühlswelten in der Psychoanalyse gegenüber. Spannend und aufreibend beschreibt sie den Klinikalltag mit Fachwissen, Konkurrenzen, Intrigen und Teamgeist. In dem Berufsalltag verschwindet fast das Familienleben, das doch allen, besonders der Tochter Roos, so viel bedeutet. Zu allem Übel spielt Allard Schuurman eine zwielichtige Rolle, die zuletzt das feine Netz der Zuneigung zwischen den Familienmitgliedern beschädigt. Tief steigt man in das verborgene Seelenleben der einzelnen ein und lernt, sich mit den anspruchsvollen und konfliktreichen Gegebenheiten des Ärzteberufs aus verschiedenen Fachrichtungen zu befassen. Wohl niemand ahnt, wie nüchtern und praktisch Operationen verlaufen. Das Mitgefühl wechselt mit der Distanz, ohne die man den Beruf des Arztes wohl kaum aushalten könnte. Spannend, inhaltsreich und faszinierend versteht uns Anne Enquist in den Berufsalltag und in die menschlichen Verstrickungen ihrer Geschichte mit zu nehmen. Dass ganze Familien unter der Regie eines Psychopathen zerbrechen können, ist nicht neu. Doch wie sie ihre Figuren agieren lässt, welches Fachwissen sie mit ihren Protagonisten verbindet, das ist wohl einmalig unter den Literaten. Ein Ärztekrimi der besonderen Sorte ist Anne Enquist gelungen. Sehr lesenswert!

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