Auf dem Papier klingt das nach einem perfekten Sonntagnachmittags-Buch. Deutschlands glamouröseste Frauenzeitschrift „Holly“ sitzt in Berlin, die Chefredakteurin Annika Stassen führt das Haifischbecken mit eiserner Hand, die junge Simone Pfeffer tritt mit einem heiklen Auftrag ein: eine Workflowanalyse, die niemand in der Redaktion sehen will. Dann verschwindet Annika von einem Tag auf den anderen spurlos. Skandal? Verbrechen? Familientragödie? Genau mit dieser Erwartung an eine Mischung aus Intrigen und Krimi bin ich in den Auftakt der sechsbändigen Holly-Reihe von Anna Friedrich gestartet, die 2015 im Goldmann Verlag als monatlich erscheinender Fortsetzungsroman im Magazinstil angelegt war. Und ehrlich gesagt: Ich habe mich 480 Seiten lang durchgequält.
Der Schreibstil war für mich der absolute Knackpunkt. Die Sätze wirken oft ungelenk, so als hätte sie niemand nach dem Schreiben nochmal laut gelesen. Wortwiederholungen, die beim ersten Lektorat hätten auffallen müssen, Beschreibungen, die ins Leere laufen oder mit Adjektiven so überladen sind, dass ich schon aussteige, bevor der Satz fertig ist. Die Dialoge klingen, als hätte sie nie ein echter Mensch so gesprochen. Frauen in einer Redaktion, die gestelzt und übertrieben theatralisch miteinander reden, damit man ja sofort versteht, wer die Zicke, wer die Ambitionierte und wer die Naive sein soll. Über allem liegt ein seltsam distanzierter Erzählton, der es mir unmöglich gemacht hat, mit irgendjemandem mitzufühlen.
Dazu kommt die Erzählstruktur, die diese sprachlichen Probleme noch verstärkt. Der Roman wechselt im Zwei-bis-Vier-Seiten-Takt zwischen den Perspektiven hin und her. Kaum ist man bei einer Figur angekommen, kaum hat man ein Gefühl für sie entwickelt, ist man schon wieder woanders. Das Ergebnis: Alle Figuren bleiben konturlos. Simone Pfeffer, die eigentlich als Identifikationsfigur angelegt ist, verpufft im Ensemble. Annika Stassen ist so kurz auf der Bildfläche, dass ich als Leserin keinen echten Zugang zu ihr bekomme und mich später auch nicht wirklich für ihr Schicksal interessiere. Ich hatte durchgehend das Gefühl, durch ein Großraumbüro zu laufen und Gesprächsfetzen aufzuschnappen, ohne irgendwo wirklich hinzuhören.
Auch der Krimi-Faktor, den Titel und Klappentext versprechen, wird kaum eingelöst. Es gibt keine Ermittlungen zum Mitverfolgen, keine Hinweise zum Puzzeln, kein Team, dem man beim Denken zuschauen darf. Stattdessen dominieren redaktionsinterne Machtspiele und ein paar romantische Verwicklungen, die für sich genommen zu belanglos sind, um zu tragen. Die Auflösung wird ans Ende der sechsbändigen Reihe geschoben, sodass Band 1 nicht als eigenständiges Werk funktioniert, sondern nur als sehr langer Prolog. Wer nicht bereit ist, sich alle sechs Bände zu kaufen, bekommt hier keinen abgeschlossenen Fall und auch keine echte Belohnung.
Die Grundidee mit dem Fortsetzungskonzept im Magazinstil und dem Redaktions-Setting hat theoretisch Charme. Nur reichen diese Ansätze nicht, um die grundlegenden erzählerischen und stilistischen Probleme aufzuwiegen. Ich werde die Folgebände nicht lesen.
















