Alles was ich bin

von Anna Funder 
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mich hat dieses Buch sehr mitgenommen. Toller Roman gegen das Vergessen

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Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt.

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Inhaltsangabe zu "Alles was ich bin"

Das Deutschland der wilden Zwanziger und die politisch zerrissenen Jahre danach: Drei Menschen, drei Schicksale, die Flucht vor der Gestapo nach London, der leidenschaftliche Kampf um Freiheit und Leben: Basierend auf einer wahren Geschichte beleuchtet Anna Funder in ihrem Roman packend und mitreißend eine Liebesgeschichte in Zeiten großen Aufruhrs.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596193288
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:432 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:26.03.2015

Rezensionen und Bewertungen

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    wallivor 4 Monaten
    Kurzmeinung: mich hat dieses Buch sehr mitgenommen. Toller Roman gegen das Vergessen
    In Memoriam

    Dieses Buch ist eine Erinnerung an ganz viele Opfer des Widerstands. So viele Namen, vielleicht mal gehört aber nie so vertieft: Ernst Toller, Dora Fabian, Berthold Jacob Salomon, Hans Eisner, Das Ehepaar vion Schleicher und und und. Wer sich für Geschichte interessiert, kommt voll auf seine Kosten. Und ich finde es sehr einfühlsam, abwechselnd aus der Sicht von Ernst Toller und Ruth Wesemann geschrieben. Mich hat es sehr mitgenommen in diese Zeit, sehr authentisch.

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    S
    Schatzdosevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt.
    Rezension zu "Alles, was ich bin"

    Schade, ich hatte mich so darauf gefreut, dieses Buch zu lesen. Aber irgendwie hat es nicht gehalten, was die Leseprobe versprochen hat. Die Geschichte war sehr langatmig. Ich konnte mich gar nicht so richtig in die Personen hineinversetzen. Vielleicht hätte es geholfen, wenn die äußeren Umstände noch mehr thematisiert worden wären. Zwischendurch habe ich mich häufig gefragt, mit welchem Ziel dieses Buch geschrieben wurde. Um das Andenken an die Freundin zu bewahren? Hätte es dafür nicht andere Wege gegeben? Gegen Ende kommt etwas mehr Dynamik in die Sache (und damit meine ich jetzt nicht die Selbstmorde) und es fiel mir wieder leichter, bis zum Schluss durchzuhalten.

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    Lilli33s avatar
    Lilli33vor 3 Jahren
    Eine gelungene Kombination von Fakten und Fiktion

    Eine gelungene Kombination von Fakten und Fiktion

    Dieser Roman beruht auf langen Gesprächen der Autorin mit Ruth Blatt (im Roman Ruth Becker bzw. Ruth Wesemann), der Cousine und engen Freundin Dora Fabians. Dora Fabian wiederum war die Sekretärin und zeitweise Geliebte des berühmten Schriftstellers und Revolutionärs Ernst Toller und wie er und auch Ruth im Widerstand gegen die Nazis aktiv. Im vorliegenden Buch geht es vor allem um diese drei Persönlichkeiten. Dabei hat die Autorin Anna Funder historische und biografische Tatsachen geschickt mit Fiktion verbunden, sodass ein authentischer und gut lesbarer Roman entstanden ist.

    Dabei ist Dora Fabian die tragende Figur. Zwar wird abwechselnd aus den Perspektiven von Ernst Toller und Ruth Becker erzählt, doch im Mittelpunkt von deren Erzählungen steht fast immer Dora. Sie ist diejenige, die die anderen zusammenhält, die den Überblick hat, die grandiosen Mut beweist.

    Sprachlich ist der Roman hervorragend. Die Atmosphäre der 1930er Jahre lebt dadurch in einer einzigartigen Weise auf, wie ich sie noch nie erlebt habe. Ich muss zugeben, ich bin geschichtlich nicht besonders interessiert, aber Anna Funder konnte mich fesseln und mir diese schlimme Zeit der deutschen Geschichte nahebringen, indem sie mich dicht an der Seite der Protagonisten durch die Handlung führte.

    Mit den Perspektivwechseln hatte ich zuweilen leider meine Probleme – es waren mir einfach zu viele und teilweise zu abrupte Wechsel. Funder springt von Toller zu Ruth, von der Gegenwart in die Vergangenheit, und in der Vergangenheit auch wieder in verschiedene Zeiten. Oft brauchte ich nach einem Wechsel einige Zeit, um mich beim Lesen wieder zurechtzufinden. Manche Teile der Erzählung hätte man vielleicht auch ein wenig straffen können.

    Fazit:
    Ein wichtiger und lesenswerter Roman, der dem Leser den deutschen Widerstand und die brutale Vorgehensweise der Nazis vermittelt, dabei aber die Einzelpersonen und -schicksale hervorhebt.

    ★★★★☆

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    Isabell47vor 3 Jahren
    Liebe und Verrat

    Das Buch schildert die die Geschichte von Ruth, ihres Mannes Hans, Toller und ihrer Cousine Dora. Es wird abwechselnd über Ruth und aus der Sicht von Toller berichtet. Es wird über die Zeit der Machtergreifung Htlers erzählt und was das für das Leben der erwähnten Personen bedeutet. Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten, welche Anna Funder mit schriftstellerischen Freiheiten sehr faszinierend und bewegend erzählt. Tolller und Ruth haben beide ihre Liebe verloren und trotzdem hat Ruth nie aufgehört zu kämpfen - bis zu letzt als ihr der Krebs im hohen Alter die Kraft nimmt. Mir lief es teilweise eiskalt den Rücken herunter, wenn die junge Ruth von ihrer Zeit aus England berichtet und sie immer mit dem schlimmsten rechnen mussten. Das Buch ist ein Stück Zeitgeschichte und gleichzeitig ein Buch über verloren gegangene Lieben. Mir haben die Passagen von Ruth sehr gut gefallen, während ich mich mit den Passagen von Toller, die aufgrund von Briefen rekonstruiert wurden, sehr viel schwerer tat. Trotzdem eine absolute Leseempfehlung!

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    Islaendervor 3 Jahren
    Die Geschichte von Ruth

    Das Buch von Anna Funder schildert das Leben Ruth, die wirklich gelebt hat, und richtet ihren Augenmerk insbesondere auf die Zeit ihres Widerstandes zu Zeiten des Nationalsozialismus. Desweiteren wird anhand von Aufzeichnungen von Ernst Toller die damalige Zeit und das, was insbesondere politisch passierte, dargestellt. Ruth hatte ein aufregendes und sehr bewegendes Leben, mit der ich nie hätte tauschen mögen. Doch anhand ihrer Lebensgeschichte beginne ich mehr zu erahnen und zu fühlen, wie es war damals als Ruth jung war.
    Das Buch erscheint mir langatmig, wenn aus den Aufzeichnungen von Toller erzählt wird, doch andererseits sind gerade seine Beschreibungen schätzungsweise sehr nahe an der Realität, da, durch seinen Tod, er seine Aufzeichnungen nicht mehr verändern konnte und ihm Erinnerungen keine Streiche mehr spielen können und so diese verzerren.
    Ich habe mich schwerer mit der Lektüre dieses Buches getan, als ich nach der Leseprobe erwartet hätte. Doch ist dieses Buch ein bewegender Roman über ein Stück Zeitgeschichte, die nie glorifiziert werden sollte. Deshalb auf jeden Fall eine Leseempfehlung für alle, die sich für diese Zeit der Vergangenheit interessieren und kein Freund von öden Geschichtszahlen sind.

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    Andrea-Karminrots avatar
    Andrea-Karminrotvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Leicht und eindrucksvoll geschrieben. Und ich liebe Bücher über starke Frauen
    Starke Frauen im Widerstand

    Am 1. April 1935 wurden zwei tote Frauen in einer Londoner Wohnung aufgefunden. Laut eines Gerichtsurteils, war es ein gemeinsamer Suizid. Wie es wirklich dazu kam, erzählt Ruth Blatt. Sie ist die Cousine von Dora Fabian, einer der Toten. Die andere Frau, die aufgefunden wurde, war Mathilde Wurm. Beide Frauen waren bekannte Sozialdemokratinnen, Journalistinnen und Frauenrechtlerinnen. London war ihr Exil, als sie 1933 vor den Machenschaften der SS und Hitlers Handlangern flohen. Von London aus, schrieben die Frauen weiterhin für die Zeitungen und versuchten den Deutschen die Augen zu öffnen.


    Der Schriftsteller und Dramatiker Ernst Toller, schrieb kritische Stücke für das Theater (Masse Mensch...) ging auch ins Exil. Eng vertraut mit den Frauen, trafen sie sich in London wieder. Er warnte schon in den 1920er vor einer faschistischen Bewegung in Deutschland. Seine Bücher standen auf der Liste und wurden 1933 verbrannt. Dora Fabian war Ernst Tollers Sekretärin und Freundin (Geliebte).


    Aus diesen Tatsachen schrieb Anna Funder einen Roman.


    Anna Funder war 19, Studentin in Melbourne, als sie auf die 79 jährige Ruth Blatt traf. Trotz des großen Altersunterschiedes wurden die Frauen Freundinnen. Ruth erzählte Anna einen Teil ihres aufständischen Lebens. Einen spannenden Teil... Sie erzählte ihre Erlebnisse aus der Zeit, als Hitler an die Macht kam und als Jüdin aus gutem Haus, im Berlin Ende der 1920er Jahre lebte.

    Ruth erzählt ihre Erinnerungen. Sie ist Dement und vieles verschwindet in ihrem Kopf. Aber manchmal kommt plötzlich die Erinnerung.


    “Mein Geist ist ein flatterhaftes Ding; befragt man ihn zu direkt, öffnet er sich nicht. Ich muss schlauer sein, mich am Rand des Schlafs heranschleichen, damit er was Neues herausgibt. Schließlich gehört alles darin mir.”


    Ernst Tollers Gedanken sind ein Teil der Geschichte. Der politische Moralist war der körperlich kleinen, aufständischen Dora verfallen. Immer wieder erinnert ihn seine derzeitige Sekretärin an Dora. Depressive Schübe lassen ihn schwarze Schatten sehen, er hat Angst auf die Straße zu gehen. Die Sekretärin kümmert sich um den psychisch stark angeschlagenen Mann, während sie seine Autobiografie diktiert bekommt.


    Frau Funder lässt abwechselnd Ruth und Ernst Toller von ihrem Leben berichten. Das lässt uns die Möglichkeit die Geschichte von verschiedenen Perspektiven zu sehen. Ruth in ihrer Demenz ist mal im Jetzt, gleitet aber immer wieder mit ihren Gedanken in die alten Zeiten zurück. Anna Funder hat viel recherchiert und für die Lücken noch ein wenig dazu gedichtet. Aber im Großen und Ganzen, ist ihr Roman eher ein Tatsachenbericht, der sich aber, auch wenn man sich nicht für Geschichte interessiert, wunderbar lesen lässt. Am Ende des Romans findet man eine Zusammenfassung all ihrer gelesenen und verwendeten Bücher und Artikel zu diesem Thema.


    Viele Male hat man schon Literatur über die Nazizeit gelesen, oftmals ging es um die Judenverfolgung. Auch hier ist es ein Thema, aber die Verfolgung erdrückt die Geschichte nicht. Sie ist ein Teil, genauso wie die Verfolgung der Sozialdemokraten und den Menschen die Kritik übten. Ein wirklich spannendes Buch und sehr zu empfehlen.

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    miro76vor 4 Jahren
    der seltsame Fall der Dora Faber und Mathilde Wurm

    In „Alles was ich bin“ erleben wir die letzten Wochen im Leben von Dr. Ruth Becker – Wesemann – Becker, eine alte an Demenz erkrankte Frau. In ihrer Jugend war sie gemeinsam mit ihrer Cousine Dora Fabian Mitglied der USDP, die sich den Nationalsozialisten entgegensetzten.

    Der Reichtagsbrand zwang die ganze Gruppe ins Exil nach London, wo Dora Fabian sofort wieder im Untergrund mit ihrer Arbeit gegen die Nazis begann. Dora Fabian unterhielt eine langjährige Beziehung zu dem Schriftsteller Ernst Toller, der wegen seiner führenden Rolle in der Münchner Räterepublik und seiner revolutionär-sozialistischen Schriften ebenfalls ins Exil musste.

    Ruth Becker erhält in ihren letzten Tagen ein Paket aus Amerika, welches das Originalmanuskript und handschriftliche Ergänzungen von Tollers „Eine Jugend in Deutschland“ enthält. So beginnt sie sich zu erinnern und erzählt uns den seltsamen Fall Dora Fabian und Mathilde Wurm.

    Gleichzeitig lesen wir in einem zweiten Erzählstrang von Tollers Bemühungen seine Zeit mit Dora Fabian in Worte zu fassen und dadurch noch einmal zu erleben. Er lebt mittlerweile in Amerika und beendet seine Erinnerungen mit seinem Selbstmord.

    Anna Funder gelingt es den Geist dieser Zeit sehr gut einzufangen und erzählt uns warmherzig und berührend vom Leben und den Ängsten der Exilanten und Widerstandskämpfer. So schreibt sie beispielsweise, als die Gestapo begann im Ausland zu morden: „Es gab immer wieder Punkte, an denen wir entscheiden mussten, ob die Gefahr, in der jemand schwebt, durch die Arbeit für unsere Sache gerechtfertig wurde.“

    Ober später, als die Bedrohungen näher an Fabian und Becker rückten: „Vielleicht handelten wir inzwischen nicht mehr vernünftig, sondern nach Omen und Zeichen, wir kämpften gegen einem unsichtbaren Feind, der erbarmungslos war wie Gott.“

    Anna Funder hat im Anhang ihre Quellen gut dokumentiert, und gibt auch an, was an ihrer Geschichte über die Tatsachen hinausgeht.

    Für mich war das ein spannender, berührender und auch informativer Roman, denn über die Widerstandskämpfer vor Kriegsausbruch war ich sehr schlecht informiert. Im Angesicht der folgenden Gräueltaten Hitlers, sind jene zu Beginn seiner Amtszeit wohl untergegangen.

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    Sabine17vor 4 Jahren
    Gegen das Vergessen

    Ich lese gern Bücher, deren Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht. Daher habe ich mit großer Vorfreude dieses Buch gelesen und wurde nicht enttäuscht.

     

    In dem Buch geht es um die Widerstandskämpferin Dora Fabian, den Schriftsteller Ernst Toller und Doras Cousine Ruth.

    Die Geschichte beginnt mit der Machtergreifung Hitlers. Nach dem Reichstagsbrand werden die drei Freunde zu Verfolgten von Hitlers Regime und müssen nach London fliehen, um Verhaftungen oder gar Ermordungen zu entgehen.

     

    Doch auch im Ausland sind deutsche Emigranten vor der Gestapo nicht sicher. Die Freunde versuchen vom Ausland aus, die Welt darauf aufmerksam zu machen, dass Hitler gefährlich ist und heimlich aufrüstet. Doch bei dieser Aufgabe droht nicht nur Gefahr aus der Heimat, denn den Emigranten in England sind politische Aktivitäten untersagt. Andernfalls droht die Ausweisung.

     

    Ruth und Dora leben mit Ruths Ehemann, dem Journalisten Hans Wesemann, in einer kleinen Dachwohnung und halten dort geheime Treffen der Emigranten ab. Es gelingt vor allem Dora mit guten Beziehungen einige kleine Erfolge zu erzielen und geheime Papiere über die Aufrüstung in England publik zu machen. Doch ein Verrat zerstört ihre Runde und dann findet man die Widerstandskämpferinnen Dara Fabian und Mathilde Wurm im April1935 tot in der Dachgeschosswohnung. Ein vermeintlicher Suizid. Doch daran glauben weder Ruth, noch Ernst Toller, der mit Dora eine Liebesbeziehung pflegte. Bis heute ist nicht geklärt, ob es Suizid oder eine Tat der Gestapo war.

     

    Ernst Toller baut 1939 in New York Dora in seine Biographie ein, um ihr ein ehrendes Andenken zu setzen. Nachdem sein Werk fertig gestellt ist, bringt er sich um.

    Ruth landet über viele Umwege in Australien und stirbt dort in hohem Alter an einer schweren Krankheit.

     

    Die Autorin Anna Funder hat Ruth in Melbourne kennengelernt und in vielen Gesprächen die Geschichte ihres Lebens erfahren. Nach weiteren Recherchen hat sie daraufhin dieses Buch geschrieben.

    Im Buch wird die Geschichte abwechselnd aus Sicht von Ernst Toller und Ruth erzählt. Man erhält einen interessanten Einblick in die Zeit 1933 bis 1935 in Deutschland und das politische Geschehen. Außerdem erfährt man, wie die anderen europäischen Staaten – insbesondere England – sich in dieser Zeit verhalten haben und wie man dort die Entwicklungen in Deutschland gesehen und eingeschätzt hat.

    Diese Einblicke haben das Buch für mich besonders spannend gemacht.

     

    Die Autorin stellt am Ende des Buches ausführlich dar, aus welchen Quellen sie ihre Informationen hat und welche Personen real existiert haben und welche Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben.

     

    Dieses Buch hat mich sehr bewegt, gerade weil Vieles keine Fiktion war, sondern tatsächlich passiert ist. Es beschäftigt sich mit einer unrühmlichen Zeit der deutschen Geschichte, deren Ursachen und Hintergründe nicht in Vergessenheit geraten dürfen, damit sich so etwas nie wieder wiederholt.

     

    Fazit: sehr lesenswert!

     

     

     

     

     

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    Nadines_Buechers avatar
    Nadines_Buechervor 4 Jahren
    Gestochen scharfes Bild einer Frau und einer Epoche

    Der Roman der Australierin Anna Funder spielt im Nachkriegs-Deutschland des Ersten Weltkriegs. Protagonistinnen und Protagonisten ihres Plots stellt eine Gruppe junger Intellektueller, historisch belegter und teilweise namentlich verfremdeter Figuren, dar, die aktiv die sozialistische Revolution der USDAP als Brücke zwischen KPD und SPD auf dem Weg zu einem Deutschland ihrer Ideologien und Programme gestalten wollen. Vor dem Hintergrund der wilden Zwanzigerjahre in Berlin, die besonders die Lebensumstände der jungen Menschen aus wohlhabendem Hause - sprich Luxus wird gelebt, Vergnügungen werden sich gegönnt, es wird ganz nach Belieben und den eigenen Bedürfnissen gelebt und geliebt – charakterisiert, entwickelt sich das Leben der eigentlichen Hauptperson Dr. Dora Fabian aus den Erinnerungen ihrer Cousine Ruth Becker (zwischenzeitlich Wesemann), ebenfalls promovierte Philologin, und dem Schriftsteller und sozialistischen Revolutionär und ihrem Geliebten Ernst Toller heraus.
    Sowohl Ruth Becker als auch Ernst Toller treten in sich abwechselnden Kapiteln als Ich-Erzählerin bzw. Ich-Erzähler auf. Im ersten Teil des Romans begegnen Leserin und Leser Ruth im Australien des 21. Jahrhunderts, als alte Frau, Emigrantin, pensionierte Lehrerin, schwer krank, die Gegenwart vergessend, dafür aber die Vergangenheit, und damit ihre Cousine, das mit ihr und den anderen aus der Clique geteilte Leben, gestochen scharf und deutlich in ihrer Erinnerung. Ihr gegenwärtiges Sein, den Verfall ihres Körpers, sieht Ruth klar und realistisch, sie beschreibt sich und ihre Umstände schonungslos. Vielleicht lässt gerade dieser Zustand zu, zusammen mit den starken Schmerzmitteln die sie bekommt, dass sie auch die Vergangenheit ehrlich und ungeschönt betrachten kann, damit abschließen kann. Ernst Toller dagegen tritt als 46-Jähriger im US-amerikanischen Exil kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Erscheinung. Von seiner Frau Christiane, einer um 23 Jahre jüngeren deutschen Schauspielerin gerade verlassen, haust er in einem Hotelzimmer mit Sicht auf den Central Park in New York. Dort diktiert er seiner Sekretärin Clara, ebenfalls einer deutschen Emigrantin, Ergänzungen zu seiner Autobiografie „Eine Jugend in Deutschland“, die sich ausschließlich um Dora Fabian drehen. Er möchte sie scheinbar wieder lebendig machen in dem er sie endlich in seinem Werk unterbringt, als Teil von ihm selbst. Wie er behauptet habe er sich zunächst davor gescheut, weil er sich nicht in der Lage sah den vielen Facetten ihrer Person, ihrer Persönlichkeit, durch seine Worte gerecht zu werden. Schließlich kommt, nach all den Jahrzehnten, die ergänzte Biographie bei Ruth an, die sich fortan mit den Ergänzungen der Geschichte durch ihr eigenes Erleben, wenn auch nicht schriftlich so aber im Präsens und nicht in der Vergangenheit erzählt wie Toller, beschäftigt. Man erfährt, wie Ruth als 11-Jährige zur Genesung bei Tante, Onkel und Dora in Berlin unterkommt, näher an den Ärzten in der Großstadt als Zuhause in der elterlichen Villa im heutigen Polen, wie sie ihre Liebe zur Fotografie entdeckt und ihre Verbundenheit mit der 5 Jahre älteren, intelligenten und freigeistlich aufwachsenden Cousine. Während Doras Studium lernt Ruth ihren späteren Ehemann Hans Wesemann kennen, einen Journalisten und ebenfalls glühenden Sozialisten. Auch auf Ernst Toller, den langjährigen Geliebten Doras, Doras Mann Walter den diese jedoch recht schnell aufgibt, Berthold Jacob und weitere Verfechter des Sozialismus trifft sie über Dora. Selbst jedoch bleibt Ruth im Hintergrund, als Handlangerin, wie sie später meint, während die anderen durch Reden, Artikel und Sabotageaktionen in die Öffentlichkeit treten. Schließlich müssen die Freunde erkennen, dass Adolf Hitler mit seiner Ideologie über die ihre gesiegt hat. Machtergreifung und Reichstagsbrand erlebt die Clique in Berlin mit.
    Der zweite Teil des Romans beschäftigt sich mit dem Wirken der sozialistischen Gruppe im Exil. Nachdem sie die Gefahren für sich in Deutschland erkannt haben, beschließen Ruth, Hans, Dora und Ernst mit Christiane in London unterzuschlüpfen. Berthold flieht nach Paris. Dora ist weiterhin getrieben von ihren Ideen, arbeitet unermüdlich, hält Kontakte zu allen Mitkämpfern und Mitkämpferinnen, zu Intellektuellen, zur britischen Regierung. Ruth beschreibt, wie ihr Leben in einer Dachwohnung in Bloomsbury weitergeht, finanziert durch Geld das sie von ihren Eltern geschickt bekommt. Restaurantbesuche, gute Kleidung, eine Zugehfrau, eine Katze. Scheinbar nobel aus heutiger Sicht betrachtet, doch immer mit der Angst im Nacken dass ein Visum nicht verlängert wird, sie durch ihre Untergrundaktivitäten negativ auffallen. Ernst Toller definiert diese Zeit wiederum durch seine Begegnungen mit Dora, die weiterhin seine Geliebte ist, obwohl er mit seiner Frau Christiane zusammenlebt. Gemeinsame Arbeit, aber hauptsächlich die Begegnungen der beiden als Liebespaar erzählt er seiner Sekretärin Clara, ohne zu versäumen deutlich zu machen, welch intelligentes, kämpferisches, idealistisches Wesen Dora war. Während Ruth sich London, seiner Einwohner, den englischen Lebensweisen und den Regeln der britischen Gesellschaft durch die differenziert beobachtende Linse ihrer Fotokamera nähert, sie in den Sitzungen gleichgesinnter weiterer Exilanten praktische Aufgaben übernimmt, verzweifelt der zuvor gefeierte Journalist Hans an seiner auch durch sprachliche Barrieren und den fehlenden ausländischen Quellen, vermeintlich abgegraben von Dora, auferlegten Untätigkeit. Seine Verzweiflung und der Wunsch, gebraucht zu werden, bringen seine Homosexualität, aber auch Verheerendes hervor. Aufgrund der tragisch gescheiterten Befreiung Bertholds, den Hans zuvor in Frankreich besucht hatte, muss Ruth das wahre Gesicht ihres Mannes erkennen. Etwas, was Dora scheinbar schon früher gespürt haben musste, was sowohl Ernst Toller als auch Ruth selbst aufgrund Doras Handlungen und Vorgehensweisen am Ende erkennen.
    Teil drei des Romans deckt auf, aus welchen Gründen sowohl Ruth als auch Ernst nie an einen Selbstmord von Dora und ihrer Freundin, der Politikerin Mathilde Wurm, glaubten und wie böse ihnen mitgespielt wurde durch den Verrat aus den eigenen Reihen an das Terrorregime in Deutschland. Nach einem Gefängnisaufenthalt gelingt es Ruth, zunächst nach Singapur auszuwandern. Zermürbende Jahre, unter elenden Bedingungen. Später kann sie sich ein Ticket nach Australien leisten, wo sie wieder als Lehrerin arbeiten kann und ein bürgerliches Leben führt. Ernst Toller flieht mit seiner Frau, wie bereits erwähnt, in die USA, rekapituliert aber vor dem Leben der starken, willensgeleiteten, intelligenten Dora.
    Es scheint, als stünden all die auch hier nicht erwähnten historischen Figuren im Kreise, um Dora Fabian auferstehen, sie strahlen zu lassen. Ernst Toller und Ruth Becker erwecken sie aus ihrem Geiste zum Leben. Der Leser/die Leserin kann sie sehen, die kleine schlanke Frau mit den kurzen schwarzen Haaren, den schwarzen Augen, ihren energischen Gang, ihre durchdringende Präsenz, ihre Redegewandtheit, ihre Menschlichkeit in den abgenagten Fingernägeln, dem Wunsch nach Erleichterung durch Veronal und Morphium, die Liebesbedürftigkeit, ihre Körperlichkeit, die gewollte Nähe zu intellektuellen Männern, wenn auch nicht immer uneigennützig – wobei Doras Eigennutz stets zum Nutzen ihrer Idee des Sozialismus ist -, die Rauchfahne der unzähligen gerauchten Zigaretten hinter ihr. Seien ihre Ideen nun für die Menschheit politisch motiviert gut und richtig oder falsch und verwerflich gewesen, darum geht es hier nicht. Es geht um das Portrait einer Frau, das von ihrem Geliebten, dem Einzigen der sie verstanden zu haben scheint, der sie brauchte um selbst stark, wirklich und tätig zu sein, und einer ihr nahestehenden Verwandten, die durch ihre Ehe vermeintlich Unheil über sie brachte, der sie dies aber niemals nachgetragen hätte – ob aus Liebe oder aus Nachsicht muss Ruth, wenn auch bitter, für sich selbst entscheiden – gezeichnet wird vor dem Hintergrund zweier zerstörerischer Kriege. Dass es sich bei der Clique der Sozialisten um Juden handelt, tritt vor ihrer politischen Gesinnung in den Hintergrund und ist nicht die Frage des Romans. Verbrechen an Menschen werden anderweitig, jedoch nicht gemindert dargestellt. Geschichte wird durch eine Geschichte, aufgenommen von zwei Personen, aus der Gegenwart und der Vergangenheit, nachgezeichnet und begreiflich gemacht.
    Ich wünschte, meine Geschichtslehrer hätten diese besondere und bedeutende, generell alle, Epochen der Geschichte auf diese Weise dargestellt. Nicht nur an Jahreszahlen, die von ihnen eitel aufgesagt weil gut auswendig gelernt, und den Schülern vehement eingehämmert und abgefragt wurden, sondern an Geschichten echter Menschen, ihrem Erleben zu jener Zeit. Um verständlich zu machen, dass Geschichte durch Aktionen und Reaktionen von Menschen entsteht und verläuft. Echte Menschen. Menschen wie Dora, Ruth und Ernst. Auch wenn Fiktion das Band zwischen den Protagonisten enger knüpft, so belegen die Quellenangaben der Autorin, was tatsächlich gewesen ist. Ich hätte gerne schon viel früher auf diese Weise über die Vergangenheit gelernt, schätze mich glücklich es nun selbstbestimmt und frei tun zu können. Dank Autorinnen und Autoren wie Anna Funder.

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    Astrid_91s avatar
    Astrid_91vor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Eine der Geschichten, die leider in Vergessenheit geraten, weil ihre Akteure nur eine unbedeutende Rolle in der Geschichte spielen.
    Alles, was ich bin

    Dieser Roman handelt von der bewegenden Lebensgeschichte der Ruth Blatt, welche im Roman als Protagonistin Ruth Wesemann in Erscheinung tritt. Bei Ruth Blatt handelt es sich um eine deutsche Widerstandskämpferin, die zum Zeitpunkt der Machtergreifung Hitlers nach London floh, um dort alles, was sie liebte zu verlieren und schließlich nach dem Krieg nach Australien auszuwandern. Dort traf sie auf Anna Funder, welcher sie ihre Lebensgeschichte anvertraute, die Grundlage dieses Romans wurde.

    Die Handlung wird abwechselnd aus der Perspektive von Ruth und Ernst Toller, dem Geliebten von Ruths Cousine Dora Fabian, geschildert. Dabei spielen Ruths Erzählungen zum einen Teil in der Vergangenheit, zum anderen in der Gegenwart, in der sie sich mit dem Alter und einem allmählichen Verlust ihres Kurzzeitgedächtnisses konfrontiert sieht. Doch schnell wird klar, dass Ruth zunehmend in der Vergangenheit lebt, ihre Erinnerungen an die Geschehnisse vor ihrer Auswanderung nach Australien scheinen umso klarer zu werden, je weniger sie sich an die aktuellen Vorkommnisse erinnern kann.

    Ruth erzählt von ihrer Kindheit, ihrer Beziehung zu ihrer Cousine Dora Fabian, welche sie wie eine große Schwester bewundert, und ihren anfänglichen politischen Aktivitäten, bei denen sie ihren Mann Hans Wesemann kennenlernte. Toller berichtet von seinem Hotelzimmer in New York aus von seiner Liebe zu Dora Fabian. Er versucht seine Biographie weiterzuführen, welche er mit Doras Hilfe zu schreiben begonnen hatte, und Doras Rolle in dieser gerecht zu werden. Die Gemeinsamkeit dieser beiden Menschen ist immer wieder Dora Fabian, welche so entschieden für ihre Ansichten eintritt und sich scheinbar vor nichts fürchtet.

    Ruth schildert ihre Flucht nach London, wo sie mit einigen anderen deutschen Widerstandskämpfern, unter anderem auch Dora Fabian und Mathilde Wurm, den Kampf gegen die Nationalsozialisten aufrecht erhält. Doch sie müssen in ständiger Angst vor der Abschiebung nach Deutschland aufgrund ihrer politischen Aktivitäten leben. Schließlich ereignet sich ein schrecklicher Verrat und Ruths Welt wird in ihren Grundfesten erschüttert...


    Dieser Roman hat mich sehr bewegt, es ist eine der Geschichten, die in Vergessenheit geraten, weil ihre Akteure, wie hier Ruth Blatt, nur eine unbedeutende Rolle in der Geschichte spielen. Auch Ruth ist offenbar der Meinung nicht genug für den Widerstand getan zu haben und fragt sich in ihrem hohen Alter, warum ausgerechnet sie überlebt hat. Gerade deshalb finde ich es schön, dass Anna Funder diese Biographie in ihrem Roman niedergeschrieben hat, um zu zeigen, dass Ruth zwar nicht so viel erreichen konnte wie ihre Cousine Dora, dass ihre Geschichte es aber dennoch wert ist, erzählt zu werden.

    Trotz der Brisanz der beschriebenen Ereignisse hatte der Roman meiner Meinung nach einige Längen. Dies lässt sich vielleicht damit erklären, dass Anna Funder nur Bruchstücke der Geschehnisse von Ruth Blatt erfahren hat und um diese Bruchstücke eine Handlung konstruieren musste. Dies ist ihr meiner Meinung nach gut gelungen, alle Fakten scheinen gut recherchiert und ihre Quellen legt Anna Funder außerdem am Ende des Romans vor. Allerdings denke ich, dass es einen Unterschied macht, eine solche Geschichte von dem Menschen, der sie erlebt hat, erzählt zu bekommen oder sie in einem Roman nachzulesen. Die Informationen, welche Anna Funder für diesen Roman eingeholt hat, wirken meiner Meinung nach nicht so lebendig, wie andere und scheinen zum Teil als notwendiges „Füllmaterial“ für den Roman zu dienen.

    Demgegenüber zeichnet Anna Funder ein sehr lebendiges Bild von Ruth Blatt, die immer eine Metapher zur Beschreibung ihrer Umwelt und eine Weisheit auf Lager zu haben scheint, sodass man manche Schroffheit gegenüber ihren Mitmenschen leicht übersieht. Man lernt diese Frau zu mögen und bewundern, obwohl sie in der Vergangenheit machtlos gegenüber der Übermacht der Nationalsozialisten blieb.


    Abschließend möchte ich dieses Buch insbesondere denjenigen weiterempfehlen, die sich für Geschichte interessieren, aber auch allen anderen, da dieser Roman über eine bloße Erzählung der deutschen Geschichte hinausgeht.

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    stellenweise wie ein Thriller […] wenn Funder die Vorgänge im Exil beschreibt, gewinnt das Buch große Eindringlichkeit.

    Voller Spannung und ohne überflüssiges Heldenpathos entwirft sie das Panorama der dunklen Zeit von Terror, Vertreibung und Exil, dargeboten als kunstvolles Spiel mit den Erzählebenen.

    Trotz des Themas schreibt die Autorin in einem leichtfüßigen, unpathetischen, klaren Ton, sie formt aus den Widerstandskämpfern Figuren mit Stärken und Schwächen.

    Ein Buch, das als Heldenepos beginnt und als tragischer Kriminalfall endet.

    Der Roman lebt von seiner atmosphärischen Dichte und der emotionalen Nähe zu seinen Figuren, die Anna Funder packend miteinander verwebt hat.

    Abenteuerlich, herzzerreißend, kaufen.

    Die australische Autorin Anna Funder hat aus einem realen Stoff einen wunderbaren Roman komponiert.

    Eine mysteriöse Exil-Geschichte, aus der Anna Funder ein Meisterwerk über Mut und Menschlichkeit macht.

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