Anna Galkina Das kalte Licht der fernen Sterne

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Inhaltsangabe zu „Das kalte Licht der fernen Sterne“ von Anna Galkina

Das Städtchen unweit von Moskau, in dem Nastja aufwächst, hat bessere Tage gesehen. Es sind die 1980er Jahre und die Bewohner hausen zwischen Eimern und Einweckgläsern, Plumpsklo und Gemüsegarten, trinken bitteres Bier und selbstgebrannten Schnaps, beschimpfen und vergnügen, lieben und schlagen sich. Umgeben von Geschichten voller Poesie und Gewalt, Tragik und Humor, zerschlagenen Hoffnungen und unverhofftem Glück erlebt Nastja ihre eigenen Abenteuer. Sie geht auf Streifzug mit den »drei Schlampen«, Lena mit dem Oberlippenbart, Dina mit dem Vater im Knast und Oksana, der Expertin für Schwangerschaftsabbrüche, verbringt lange Abende in Sergejs Scheune und träumt von Thomas Anders – bis sie sich in den ukrainischen Soldaten Dima verliebt und ihr Leben eine Wende zu nehmen verspricht ...

Schade, dieses Buch konnte mich nicht berühren.

— Bücherwurm
Bücherwurm

Toll geschriebener Einblick in die Sowjetunion der 1980er Jahre!

— Nil
Nil

Ein kühler Blick auf das kalte Russland der 80er Jahre

— tination
tination

schnell herunterlesbarer Plauderton, leider ziemlich derb im Inhalt und häufig in der Sprache

— StefanieFreigericht
StefanieFreigericht

ungeschönt, derb, alles andere als nostalgisch... lesenswert aus meiner Sicht.

— Gwenliest
Gwenliest

Unverblümte Schilderung des Alltages in Russland der 80er Jahre. Sex, Drugs and Wodka mit sauren Gurken. Ungewöhnliches Leseerlebnis!

— LadyFelidae
LadyFelidae

Authentisch und schockierend. Ein interessanter, wenn auch grausamer Einblick in die 80er Jahre in Russland.

— worttaenzerin
worttaenzerin

Authentischer Roman über ein raues Leben in Russland der 80er, wo Gewalt und Armut zum Alltag gehören. Es wird nichts beschönigt!

— Raven
Raven

Abenteuer einer Jugend im Russland der 1980er Jahre, episodenhaft mit knappem naiv-realistischem Sprachstil und Humor erzählt

— krimielse
krimielse

Unglaubwürdig. Ekelerregend. Voller Sch.. im direkten und übertragenen Sinne. Zeitverschwendung. Es gibt bessere Bücher über Russland.

— Zmei
Zmei

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    Das kalte Licht der fernen Sterne
    Bücherwurm

    Bücherwurm

    26. January 2017 um 02:29

    Ich hatte mich so gefreut, dass ich dieses Debüt aus dem Jahr 2016 zum Lesen bekam. Ich hatte vermutlich zu hohe Erwartungen, denn unter dem Titel "Das kalte Licht der fernen Sterne" von Anna Galkina hatte ich einen warmherzigen und berührenden Roman erwartet.Gelesen habe ich oft unzusammenhängende Kurzkapitel über das Leben in Russland in den 80iger Jahren, sehr nüchtern und kalt geschrieben, ohne Spannungsbogen und im Verlauf oft scheinbar in konfuser Reihenfolge.Es berichtet aus der Sicht der Protagonistin, Kindheit, Jugend und Flucht aus Russland. Hin und wieder hatte ich den Eindruck, die Autorin hatte einige Abschnitte schon früher geschrieben, vielleicht um tagebuchartig einige Vorkommnisse zu verarbeiten, und hat diese dann hier eingefügt. Leider unpassend, ein Lesefluss, einen chronologischen Zeitrahmen mit  "Warmwerden" mit der Protagonistin und dem Fassen einer Sympathie, war mir leider nicht möglich.Es hatte eher was von Kurzerzählungen, die aneinandergereiht wurden, wobei sich mir der Sinn leider nicht ergab.Das Leben im kalten Russland ist hart, auch heute noch.Auf politische Situationen, Erklärungen, Hintergrundwissen wurde komplett verzichtet, dafür aus der Sicht der Protagonistin Dinge beschrieben. War sie Kind, dann waren die Beobachtungen kindlich und oft unverständlich, als Jugendliche eher teenagermäßig aggressiv, bockig.Mir hätte ein runder, in ich geschlossener Roman mit Gefühl und Persönlichkeit besser gefallen. Dazu kommt, dass auch ich in den 80igern als Teenager gelebt habe und auch in Deutschland waren die Zeiten damals anders. Und auch heute werden Welpen ertränkt und einige andere, wohl schockierend gemeinte Maßnahmen durchgeführt, dazu muss man weder nach Russland, noch in die Vergangenheit reisen, nur ändern wird man es auf diese Art des Romans auch nicht.Schade, für dieses Buch kann ich keine Empfehlung aussprechen.

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  • Anna Galkina - Das kalte Licht der fernen Sterne

    Das kalte Licht der fernen Sterne
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    03. December 2016 um 10:38

    Die Kindheit und Jugend in der sowjetischen Provinz. Nastja hat es nicht leicht, mit Mutter und Großmutter wohnt sie in einer Holzhütte ohne fließendes Wasser und mit Plumpsklo im Garten. Die Zeit im Kindergarten dient der Abhärtung gegenüber den anderen Kindern, die hemmungslos mobben und prügeln und gegenüber den Erwachsenen, die ebenfalls nicht Halt machen vor dem, was man heute Misshandlung, Missbrauch und Gewalt gegenüber Schutzbefohlenen nennen würde. Viel zu schnell werden die Kinder zu Jugendlichen und dort setzt sich der Prozess fort: der Kontakt zum anderen Geschlecht beginnt nicht mit der ersten zarten Liebe, sondern mit Exhibitionisten, Vergewaltigungen und Prostitution. Aber warum aufregen, so ist das Leben nun einmal. Schwangerschaftsabbrüche im Teenageralter sind ebenso normal wie zu viel Alkohol und das geschickte Ausnutzen der Schlupflöcher der Sowjetunion.Anna Galkina hat einen bisweilen was poetischen, immer aber eingängigen, zwischen Ironie und Humor changierenden Erzählton, der sehr oft zu verniedlichen droht, was unter Betrachtung bei Tageslicht eine furchtbar brutale Realität ist. Ihre Schilderungen der Kindheits- und Jugenderfahrungen der jungen Protagonistin sind durchaus amüsant, doch immer wieder bleibt einem das Schmunzeln im Hals stecken, wenn einem bewusst wird, dass niemand solche Erfahrungen machen sollte. Es wird nicht analysiert, nicht kommentiert, lediglich berichtet mit einem eher naiv beobachtenden Ton, der es dem Leser überlässt, die Situation einzuordnen. Man mag es sich kaum vorstellen, sicherlich sind die einzelnen Episoden alle glaubwürdig und möglich, ob sie einer einzelnen Person in dieser Häufung widerfahren, ist eine andere Frage.Ein Blick in das Russland der 80er Jahre, eine Welt, die es so nicht mehr gibt, die aber mindestens eine Generation von heute Erwachsenen geprägt und gezeichnet hat. Man erwartete offenbar nicht viel vom Leben, das folgende Jahrzehnt war weitaus hoffnungsvoller. Doch wo steht das Land heute? Die Autorin hat ihre Heimat verlassen, wie viele andere mit ihr. Doch kann man solche Geschichten wirklich hinter sich lassen? Und wie geht man mit dieser Vergangenheit bei einer aussichtslosen Zukunft um? 

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  • Toll geschriebener Einblick in die Sowjetunion der 1980er Jahre!

    Das kalte Licht der fernen Sterne
    Nil

    Nil

    24. November 2016 um 11:31

    Episodenhaft in einzelnen sehr kurzen Geschichten erzählter Roman. Auch könnte man das Buch an einer beliebigen Stelle aufschlagen und einfach eine einzelne Geschichte lesen. Als Ganzes funktioniert es aber auch prächtig. Es ist kurzweilig. Dieser Roman zeigt wieviel Potenzial Anna Galkina hat zu schreiben. Eine poetische und zugleich eine sehr bodenständig harte Art! Wie auf Seite 150: "Nachts sind wir frei von Zwängen und Fremdbestimmung, nachts dürfen wir so sein, wie wir sind." Ganz klar muss aber auch bemerkt werden, dass dies bei weitem kein jugendfreier Roman ist und in den Händen von pubertierenden Jungendlichen nix zu suchen hat! Dafür gibt es zu viele Vergewaltigungen.  Ein Roman der jedes russische Klischee bestätigt! Gute Bildung gepaart mit viel Wodka und ein derber Humor mit Anzüglichkeiten machen scheinbar die melancholische russische Seele aus. Stellenweise zu viel des guten, aber diese Überzeichnung macht es auch irgendwie aus. Spiegelt sich wieder in Sätzen wie auf Seite 154: "Abtreibung ist bei uns eine Art Reifeprüfung." Vieles bleibt unausgesprochen und macht es so humorvoll und gleichzeitig ernst, wie auf Seite 110: "Sie hat kurze schwarze Haare, Pferdezähne und einen dichten Oberlippenbart. Ihr Nachname bedeutet "die Schöne"." Es werden die 1980er Jahre in der Nähe von Moskau beschrieben, aber man glaubt beim Lesen, dass es mehr als 100 Jahre her sein müsste was hier beschrieben wird! Es ist auch eine Liebesgeschichte und eine Abschiedsgeschichte. Es zeigt aber auch warum die Russen so hart sind, weil das Leben in der Sowjetunion eben kein Spaziergang war. Fazit: Hart, aber ehrlich und eine Bereicherung! Lesenswert für jeden Literaturbegeisterten, für Russlandinteressierte und heimliche Historiker!

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  • Buchverlosung zu "Hool " von Philipp Winkler

    Hool
    aufbauverlag

    aufbauverlag

    - Nominiert für den Deutschen Buchpreis - Jeder Mensch hat zwei Familien. Die, in die er hineingeboren wird, und die, für die er sich entscheidet. HOOL ist die Geschichte von Heiko Kolbe und seinen Blutsbrüdern, den Hooligans. Philipp Winkler erzählt vom großen Herzen eines harten Jungen, von einem, der sich durchboxt, um das zu schützen, was ihm heilig ist: Seine Jungs, die besten Jahre, ihr Vermächtnis. Winkler hat einen Sound, der unter die Haut geht. Mit HOOL stellt er sich in eine große Literaturtradition: Denen eine Sprache zu geben, die keine haben."Woher kommt die Wut, was tust du, wenn dir nichts geblieben ist? Verzweifelt, knallhart und voller Herz. HOOL leuchtet aus allen Wunden." Lucy FrickeZur LeseprobeÜber Philipp WinklerPhilipp Winkler, 1986 geboren, aufgewachsen in Hagenburg bei Hannover. Studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim. Lebt in Leipzig. Auslandsaufenthalte im Kosovo, in Albanien, Serbien und Japan. Neben Veröffentlichungen in Literaturmagazinen und -anthologien, erhielt er 2008 den Joseph-Heinrich-Colbin-Preis und 2015 für Auszüge aus Hool den Retzhof-Preis für junge Literatur des Literaturhauses Graz. „HOOL“ ist sein Debütroman.© Kat KaufmannJetzt bewerben!Bewerbt euch im Unterthema "Bewerbung/Ich möchte mitlesen", indem ihr folgende Frage beantwortet: Warum möchtet ihr "Hool" lesen?Viele Grüßeeuer Team vom Aufbau Verlag* Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Buchverlosung schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben.** Bitte beachtet, dass es sich hier um eine Buchverlosung handelt und nicht um eine Leserunde. Ihr könnt natürlich trotzdem gerne hier über das Buch diskutieren, aber eine Moderation wird es nicht geben.

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    • 237
  • Für mich zu hart...

    Das kalte Licht der fernen Sterne
    czytelniczka73

    czytelniczka73

    14. September 2016 um 10:56

    "Zwanzig Jahre sind vergangen.Alles verschwimmt vor meinen Augen"(Seite 8) Inhalt: "Die matronenhafte Bibliotheksdirektorin Tamara, die mit dem kränklichen Wiktor ihren zweiten Frühling erlebt. Sergej mit den Kunstledersandalen, dessen Scheune begehrter Treffpunkt der Jugendlichen ist. Die drei »Schlampen«: Lena mit dem Oberlippenbart, Dina mit dem Vater im Knast und Oksana, Expertin für Schwangerschaftsabbrüche. Nastja beobachtet sie, seit sie ein kleines Mädchen ist. Zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter lebt sie in einem Städtchen unweit von Moskau, das bessere Tage gesehen hat. Die Bewohner hausen zwischen Eimern und Einweckgläsern, zwischen Plumpsklo und Gemüsegarten, trinken bitteres Bier und selbstgebrannten Schnaps, beschimpfen und vergnügen, lieben und schlagen sich. Zunächst scheint Nastja als Erzählerin wie über dem Geschehen zu schweben, dann jedoch zieht es sie mitten hinein in das Pop-up-Panorama der russischen Provinz. Sie erlebt Geschichten voller Poesie und Gewalt, Tragik und Humor, Episoden mit ungewissem Ausgang. Bis Nastja sich in den jungen Soldaten Dima verliebt und es so aussieht, als würde ihr Leben eine unvorhergesehene Wendung nehmen." Meinung: Die Geschichte ist sehr simpel aufgebaut-nach 20 Jahren besucht die Protagonistin Nastja ein kleines Städchen in der Nähe von Moskau,in dem sie als Kind in den 1980er Jahren gelebt hat.Sie erinnert sich an ihre Kindheit und Jugend,die vor allem von Hunger und Gewalt geprägt sind und erzählt die Geschichte in losen,nicht zusammenhängenden Episoden.Die Sprache ist sehr derb (mit Tendenz zum vulgär),was stylistisch zwar sehr gut zu der Härte der Erzählung passte,mich aber fast an meine Grenzen brachte.Mir war definitiv zu viel Gewalt in der Geschichte und vieles zu detaliert beschrieben (ich sag nur:das Klohäuschen),manche Sachen kann man doch der Vorstellungskraft der Leser überlassen.Es liegt auf der Hand,dass die Autorin mit der Geschichte schockieren wollte,was sie auch zweifellos erreicht hatte,aber ich hatte beim Lesen ein unangenehmes Ekelgefühl,und es ist nicht unbedingt das,was ich von gutem Buch erwarte.Dazu kommt,dass ich die Geschichte inhaltlich doch sehr mangelhaft fand,zwischen den vielen Schock- und Ekelszenen haz mir etwas gefehlt,was aus den Episoden eine flüssige Geschichte macht.Ich hatte das Gefühl,dass die Autorin die Idee nicht zum Ende gedacht hat und die Geschichte nicht ganz fertig geworden ist.Allerdings muss man auch bedenken,dass es sich um ein Debüt handelt,deswegen ist meine Bewertung nicht ganz so hart,ein bisschen bewundere ich den Mut der Autorin,auch wenn das Ganze nicht meinen Vorstellungen entspricht.

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  • Ein kühler Blick auf das kalte Russland der 80er Jahre

    Das kalte Licht der fernen Sterne
    tination

    tination

    07. September 2016 um 19:45

    Das Buch: Nastja wächst in einem trostlosen Vorort Moskaus in den 80er Jahren auf. Sie erzählt in Erinnerungen über ihre erste Liebe, Freundschaft, eigensinnige Personen und über diesen sonderbaren Ort überhaupt.Fazit: Dieses Buch ist ein sehr untypischer Roman. Es ist ein Misch-Masch aus Autobiografie, Erzählung und Roman. In kurzen Kapiteln werden Einblicke in das Leben des Örtchens gegeben. Und dabei geht es nicht nur unbedingt um Nastja. Auch andere Personen werden betrachtet, die irgendwie im Zusammenhang mit Nastja stehen. Und Nastja kennt so einige Menschen. Das wird gegen Ende doch ein wenig zu abstrakt.Aber auch Nastja selbst bleibt immer im grauen Nebel versteckt. Man wird mit ihr nicht warm. Warum sie so handelt, wie sie handelt? Das erfährt der Leser zu keinem Zeitpunkt im Buch. Warum die Beziehung zu ihrer Mutter nicht die Beste ist? Tja, man kann nur erahnen, dass das wohl mit der Pubertät zusammenhängt. Aber die Hintergründe bleiben leider im ganz Dunklen verschollen.Sprachlich ist das Buch ordentlich geschrieben. Doch die doch sehr gewollten derben Ausdrücke in der vorwiegend ersten Hälfte des Buches irritieren doch. Das hat nix mit der Story zu tun, helfen der Situation nicht und man wird das Gefühl nicht los, dass die Autorin bewusst diese Ausdrücke wiederholt einsetzt, um die Leseprobe ein wenig mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Dabei hat das Buch diese Ausdrücke gar nicht nötig. Es wird auch so eindringlich die Welt beschrieben.Zusammenfassend zeigt dieses Buch so das harte russische Leben in einem Vorort Moskaus ohne Hoffnung auf Ausbruch aus dieser Szenerie. Unverblümt werden die Geschehnisse dargestellt, ohne viel Schnickschnack. Kapitelweise werden kleine Vorkommnisse beleuchtet. Wer auf solche Geschehnisse steht, ist dieses Buch durchaus zu empfehlen.

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  • Leserunde zu "Das kalte Licht der fernen Sterne" von Anna Galkina

    Das kalte Licht der fernen Sterne
    FrankfurterVA

    FrankfurterVA

    Liebe Buchfreundinnen und -freunde, als Vorgeschmack auf die Leipziger Buchmesse laden wir Euch zu einer Leserunde mit Anna Galkinas Debütroman Das kalte Licht der fernen Sterne ein. Worum geht's? Nastja beobachtet genau ihre Umwelt, seit sie ein kleines Mädchen ist. Zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter lebt sie in einem Städtchen unweit von Moskau, das bessere Tage gesehen hat. Da gibt es die matronenhafte Bibliotheksdirektorin Tamara, die mit dem kränklichen Wiktor ihren zweiten Frühling erlebt. Sergej mit den Kunstledersandalen, dessen Scheune begehrter Treffpunkt der Jugendlichen ist. Die drei „Schlampen“: Lena mit dem Oberlippenbart, Dina mit dem Vater im Knast und Oksana, Expertin für Schwangerschaftsabbrüche. Die Bewohner des Städtchens hausen zwischen Eimern und Einweckgläsern, zwischen Plumpsklo und Gemüsegarten, trinken bitteres Bier und selbstgebrannten Schnaps, beschimpfen und vergnügen, lieben und schlagen sich. Zunächst scheint Nastja als Erzählerin über dem Geschehen zu schweben, dann jedoch zieht es sie mitten hinein in das Pop-up-Panorama der russischen Provinz. Sie erlebt Geschichten voller Poesie und Gewalt, Tragik und Humor, Episoden mit ungewissem Ausgang. Bis Nastja sich in den jungen Soldaten Dima verliebt und es so aussieht, als würde ihr Leben eine unvorhergesehene Wendung nehmen. Anna Galkinas Blick kennt keine Scheu und kein Erbarmen, durchbohrt die Härte des sowjetischen Alltags, trifft mitten ins Herz. Das kalte Licht der fernen Sterne erzählt unerbittlich und doch unbeschwert, mit viel Humor und großer Warmherzigkeit von Schicksalen, die lange nachhallen. Eine kraftvolle neue Stimme der jungen deutschen Literatur. Eine Leseprobe findet ihr hier. Wer ist Anna Galkina? Anna Galkina, geboren und aufgewachsen in Moskau, kam 1996 mit ihren Eltern nach Deutschland. Nach einem Studium der Informatik arbeitet sie als Software-Testingenieurin, Malerin und Fotografin und lebt in Bonn. Anna Galkina schreibt auf Deutsch, Das kalte Licht der fernen Sterne ist ihr erster Roman.  Teilnahme an der Leserunde Für unsere Leserunde stehen 15 Freiexemplare zur Verfügung. Wer teilnehmen möchte, kann sich bis Montag, 21. März bewerben und darf folgende Frage beantworten: Samowar, Lenin, Lolli, Plumpsklo und Krähe: Welche Assoziationen weckt das Cover von Anna Galkinas Debütroman bei euch? //// Liebe BewerberInnen,tausend Dank für eure rege Teilnahme und euer großes Interesse! Die Gewinner sind ausgelost und informiert - herzlichen Glückwunsch!Allen anderen sei herzlich gedankt für die kreativen Beiträge. Im Herbstprogramm wird es wieder die Möglichkeit geben, an einer unserer Leserunden teilzunehmen.Die besten GrüßeEure Frankfurter Verlagsanstalt

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    • 279
    Gwenliest

    Gwenliest

    03. May 2016 um 10:51
  • Schnell lesbar, mir zu derb in Inhalt und Sprache und als Roman zu unfertig

    Das kalte Licht der fernen Sterne
    StefanieFreigericht

    StefanieFreigericht

    29. April 2016 um 23:33

    Das kalte Licht der fernen Sterne ist ein Episodenroman, die Hauptperson Nastja berichtet als Ich-Erzählerin über ihr Dorf im Vor-Wende-Russland. Die Episoden hängen lose zusammen und sind chronologisch grob fortschreitend, wobei es einige übergreifende Kapitel gibt, etwa zu den Jahreszeiten im Dorf oder zu bestimmten Orten und Personen. Die Geschichten handeln von Mangel (Nastja kommt in den Kindergarten, weil das Essen knapp ist) und Strenge (Prügelstrafe und psychische Gewalt sind gängig), von Verwahrlosung (Väter fehlen oder prügeln, die Menschen saufen, es wird betrogen, gestohlen, beneidet), vom Plumpsklo und der sonstigen Infrastruktur des Mangels (kein fließendes Wasser, Stromausfälle, desolate Straßen, Dreck). Das Buch wirkt unfertig, als wären Glossen aus einem Periodikum nur zusammengefasst worden, da in teils aufeinanderfolgenden Kapiteln wieder dasselbe erklärt wird, was schon einmal geschildert wurde (das Plumpsklo, die Brotfabrik,…).Einige Bereiche verstören regelrecht, so die alptraumhafte Bestrafung von Lena in einer Missbrauchs- und Gewaltorgie, die generelle Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit selbst innerhalb von Familien. Auch manche Handlungen sind nicht nachvollziehbar, so flieht Nastja zu den sich prostituierenden Schulkameradinnen oder übernachtet in den Wohnungen völlig Fremder.Um für mich als Schilderung eines tatsächlichen Zustandes zu gelten, bleibt der Roman zu oberflächlich. Einen literarischen Wert mag ich ebenso wenig erkennen. Bei sonst ähnlichem Inhalt hätten andere Ansätze mich deutlich stärker überzeugt: Am ehesten würde ich es für sinnvoll halten, zum Beispiel Schilderungen mehrerer Zeitgenossen zusammenzustellen, um so ein runderes, authentischer wirkendes Bild zu liefern, sollte es um eine Schilderung gehen. Alternativ schafft es Andrei Mihailescu, für sein Heimatland Rumänien einen Vor-Wende-Roman zu schreiben, der desolate Zustände literarisch nachvollziehbar macht und das (sehr wenige) Vulgäre in die wörtliche Sprache einiger Handelnder verbannt. Somit bleiben für mich auf der Positiv-Seite nur Ansatz und Thema, die wirklich originelle und passende optische Aufmachung im Stil von bestempeltem und bekritzelten Packpapier beim Einband und der generelle unprätentiöse Erzählstil der Autorin jenseits von anstößigen Themen und Worten. Mir reicht das leider nicht.

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  • Ein denkwürdiges, aber auch hartes Buch

    Das kalte Licht der fernen Sterne
    anushka

    anushka

    26. April 2016 um 22:58

    Nastja wächst in den 1980er Jahren in einer kleinen Stadt in der Nähe von Moskau auf. Das Leben ist hart und rau und Nastja sieht viele unschöne Dinge. Abgesehen vom allgegenwärtigen Alkoholkonsum und -missbrauch gibt es auch immer wieder körperliche und sexuelle Gewalt in ihrem Umfeld. Das Leben ist geprägt von Armut und Verzicht auf für uns selbstverständliche Dinge wie fließend Wasser."Das kalte Licht der fernen Sterne" erzählt Nastjas Kindheit und Jugend in knappen, prägnanten Kapiteln, die fast wie Reportagen wirken. Auch wenn die Kapitel im Großen und Ganzen der Chronologie von Nastjas Leben folgen, scheinen sie doch auch stark thematisch gebündelt, beispielsweise handelt ein Kapitel von Spannern und Exhibitionisten und sammelt sämtliche von Nastjas Erfahrungen und Geschichten, die sie aus ihrem Umfeld kennt. Der Erzählstil ist naiv, pragmatisch und distanziert. Und trotzdem, oder gerade deswegen, gehen einem viele Szenen nahe. Teilweise wären sie in einer emotionaleren Erzählweise kaum auszuhalten. Denn Nastjas berichtet von Kindesmisshandlungen durch Familie und Lehrer. Wenn Nastja von der Lieblosigkeit und den haarsträubenden Vorwürfen der Mutter in einer Art und Weise erzählt, die davon ausgeht, dass so etwas völlig normal sei, berührt es einen gerade wegen dieser Erzählweise, denn eigentlich ist gerade diese angenommene Normalität das Tragische.Die Beboachtungen werden unbeschönigt geschildert, das Buch liest sich flüssig (nicht zuletzt wegen der kurzen Kapitel) und der Stil ist nicht oberflächlich oder trivial. Das Buch schildert (auto)biographische Ereignisse aus dem Alltag in den 1980er Jahren im ehemaligen Ostblock. Es ist definitiv kein Gute-Laune-Buch oder Unterhaltungsliteratur, die mit Klischees kokettiert. Stattdessen gibt es viele harte, und vielleicht für den ein oder anderen grenzwertige, Szenen. Hat mir der episodenhafte Stil des Buches prinzipiell gefallen, so haben mir doch hin und wieder der durchgängige rote Faden und sanftere Übergänge zwischen den Kapiteln gefehlt. An einigen Stellen erschlossen sich mir Kapitel auch nicht, vor allem, wenn es um reine Gewalt- oder Vergewaltigungsschilderungen ging. Oft blieben die Motive der handelnden Personen unbeleuchtet und man musste sich diese selbst erschließen, obwohl man als Leser in dieser Situation fremd war (zumindest Leser ohne und wahrscheinlich auch viele mit "Ost-Vergangenheit"). Auf den letzten Seiten gibt es zudem einen Bruch und die Handlung fokussiert auf eine neue Figur, deren Verbindung zu Nastja eigentlich nur peripher ist, was beim Lesen irritiert und was auch nicht komplett aufgelöst wird.Insgesamt finde ich dieses Debüt gelungen. Es ist kein Gute-Laune-Buch und keine Russland-Komödie, sondern eine Studie von Menschen am äußeren Rand der Gesellschaft, in dem Alkohol, Gewalt und Sex die prägenden Themen sind. Das Schicksal vieler der Figuren ist deprimierend und doch gibt es mittendrin und auch am Ende den notwendigen Funken Hoffnung. Für mich ein denkwürdiges, wenn auch hartes, Buch.

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  • Hart und Zart

    Das kalte Licht der fernen Sterne
    BluevanMeer

    BluevanMeer

    26. April 2016 um 12:02

    Hart und Zart - Das kalte Licht der fernen Sterne   Winter ist Schwarzweiß: Rabenschwarz und Schneeweiß. Winter sind Spuren, Fäkalien, Blut und Urin auf dem weißen Schnee. Winter sind verschwundene Wege, die nach starken Schneefällen freigeschaufelt werden müssen. Winter ist der hohe schwarze Himmel und das kalte Licht der fernen Sterne. (S. 24)   Anna Galkinas Debüt ist keine Gute-Nacht-Geschichte für Zartbesaitete. Hinter einer poetischen Erzählweise verbergen sich Geschichten, die manchmal schön, aber häufig auch sehr schrecklich sind.   Die Leser_innen lernen Nastja kennen. Zwanzig Jahre nachdem sie ihre Heimat verlassen hat, kehrt sie zurück. In kurzen Episoden blickt sie zurück auf die 1980er Jahre und ihre Jugend in Moskau. Nastja erzählt Geschichten aus ihrem Leben, die verstören können. Wenn es zwischen ihr und ihrer Mama kracht, dann droht diese ihrer Sechsjährigen Tochter gerne damit, sie in eine Erziehungsanstalt zu schicken. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Oma lebt sie in einem winzigen Haus, ohne fließendes Wasser und Plumpsklo im Garten. Die Oma achtet akribisch darauf, dass sich auf den Zeitungen, die als Toilettenpapier verwendet werden, ja keine hochrangigen Politker befinden. Nicht auszudenken, wenn das Politbüro das wüsste! Es sind diese absurden Begebenheiten, die den Roman zu einem besonderen Leseerlebnis werden lassen.   Nastja beobachtet genau und berichtet ihre Erlebnisse als wäre sie eine unbeteiligte Person. Sie erzählt von der Lehrerin, die sehr nett ist. Zu allen Kindern, nur nicht zu ihrem eigenen Sohn, denn am Ende würde der Eindruck entstehen, dass sie ihn bevorzugt. Deswegen knallt sie seinen Kopf auf den Tisch bis er Nasenbluten hat. Und es gibt nicht nur schreckliche Lehrer_innen. Während Nastja darauf wartet, dass ihre große Liebe Thomas Anders von Modern Talking endlich nach Moskau kommt und ihre Mutter einen Club für Poesieliebhaber gründet und einen Mann sucht, kreisen die erzählten Episoden um Nastjas Alltag oder Geschichten von Bekannten und Freundinnen. Und um eins vorweg zu nehmen: die meisten Männer kommen ganz schlecht weg. Sie trinken, sie sind übergriffig und sie verhalten sich ekelhaft. In Kapiteln, die gerade einmal vier Seiten lang sind, verstecken sich hinter den scheinbar alltäglichen Begebenheiten, die wahren Tragödien des Lebens. Korruption, Gewalt in der Familie, Eltern, die Alkoholiker sind und Abtreibungen als Initiationsritus zum Erwachsen werden.   Besonders auffällig ist das „Schlampentrio“, das Nastja kennen lernt. War ich anfangs noch froh, dass sie endlich Freundinnen findet, entpuppt sich die Begegnung nur als eine weitere Reise in die Untiefen menschlicher Grausamkeit. Besonders zwei Begegnungen sind unglaublich extrem und zeigen die gesamte moralische Verwahrlosung der Beteiligten. Es geht um Massenvergewaltigung und Folter. Und das kam für mich unerwartet und steht doch nur im Kontext von den vielen unterschiedlichen Grausamkeiten und Übergriffen, die Nastja erlebt.   Aber es geht eben nicht nur um diese Gewalt. Der Roman zeigt Gewalt als eine Facette des Lebens, die unkommentiert neben vielen anderen Ereignissen steht. Dabei ist Das kalte Licht der fernen Sterne auch ein Coming-of-Age-Roman, denn es geht darum, wie schwierig es ist, erwachsen zu werden.   Als Nastja dann den ukrainischen Soldaten Dima kennen lernt, könnte sich das Blatt wenden. Dima will mehr als Sex und das ist immerhin schon eine Überraschung für Nastja. Die Liebe erscheint als winziger Hoffnungsschimmer, wie eine Seifenblase über einem Misthaufen. Und das lohnt sich auf jeden Fall zu lesen.            

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  • Ungeschönter Blick auf eine Kindheit und Jugend in der sowjetischen Provinz

    Das kalte Licht der fernen Sterne
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    Das kalte Licht der fernen Sterne, so lautet der überaus poetische Titel des Debütromans von Anna Galkina, die geboren und aufgewachsen in Moskau, seit 1996 in Deutschland lebt.Das „kalte“ erstrahlt dabei in grellem Weiß, während das „Licht“ in wärmendem Rot gehalten ist (wie überhaupt die sehr schöne Aufmachung des Buches in der Frankfurter Verlagsanstalt ein Lob verdient.) Dieser Wechsel aus Kalt, rau, brutal und warm, nostalgisch, kindlich-sehnsuchtsvoll kennzeichnet auch ein wenig das ganze Buch. Es erzählt in ganz kurzen Abschnitten, episodenhaft, wie auf einer Perlenschnüre aufgereiht, aus dem Leben von Nastja. Ihre Kindheit in den Achtziger Jahren in einem kleinen Kaff unweit von Moskau ist alles andere als rosig und einfach. Die alleinerziehende Mutter bringt die kleine Familie zusammen mit der Großmutter mehr schlecht als recht über die Runden. Es herrscht sowjetische Mangelwirtschaft, für die elementarsten Dinge muss man stundenlang anstehen, die Wohnsituation ist katastrophal und viele selbstverständliche Dinge, wie zum Beispiel Toilettenpapier kaum zu bekommen. Nur die politische Indoktrination läuft perfekt, gerade auch in den Institutionen, die die kleine Nastja durchlaufen muss, wie Kindergarten und Schule. Die Erziehungsmethoden sind alles andere als pädagogisch, drakonische Strafen und Erniedrigungen sind an der Tagesordnung. Darin unterscheiden sich die „Bildungsanstalten“ kaum von der im Elternhaus gehandhabten Praxis. Auch hier herrscht hilflose, oft überforderte Lieblosigkeit und Gewalt. Gewalt ist neben Mangel auch das vorherrschende Motiv in Nastjas Kindheitserinnerungen. Eins bedingt dabei vielleicht auch das andere. Alkohol fließt in wahren Strömen.Trotzdem scheinen immer wieder auch Glücksmomente und sogar Poesie auf, stehen das „kalte Licht der fernen Sterne“ und der volle Geruch nach Äpfel, Birnen und Blumen neben dem des „Scheißhaufens“ und des Plumpsklos. Neben dem ungeschönten Blick auf die Missstände des Realsozialismus stehen auch nostalgische Momente. Härte und Leichtigkeit wechseln sich ab.Wie auch immer ein wunderbarer, leiser, aber oft bissig-ironischer Witz das Lesen auch der brutalsten Gegebenheiten erträglich macht. So nimmt die Gewalttätigkeit in der Mitte des Buches beträchtlich zu. Nicht zufällig fällt das in die Zeit des Erwachsenwerdens Nastjas. Sie wird zur Frau und muss die überall herrschende, meist sexualisierte Gewalt der Männer, der Großväter, „Onkels“, Mitreisenden im Zug zur Kenntnis nehmen. Aber auch die Rolle der Frauen und Mädchen ist nicht nur auf die der Opfer reduziert. Sie fügen sich zu bereitwillig, suchen geradezu die sexuelle Erniedrigung oder schauen ihr grausam-lüstern untätig zu. Das ist schwer auszuhalten und lässt sich nur durch die Allgegenwart von Gewalt, Alkoholismus und einem negativen Frauenbild erklären.Anna Galkina verschont den Leser nicht. Viele ihrer Schilderungen sind nur mit dem erwähnten Humor und den immer wieder aufblitzenden poetischen Beschreibungen zu ertragen. Und auch durch den wunderbaren Aufbau des Buches.Zwanzig Jahre nach dem als Schlusspunkt gesetzten Wegzugs der Familie nach Riga kehrt Nastja in die alte Heimat zurück. Sie reist mit dem Zug an und nähert sich dem Ort ganz langsam, nahezu touristisch. Sie beschreibt den Bahnhof, die Straßen des Städtchens, ihr altes Haus, den Garten usw. Damit nähert sich auch der Leser ihrem alten Leben an, um dann ab der Mitte des Buches vor so viel Gewalt, Hass und Untätigkeit fassungslos zu sein. Am Ende ist zwar die zarte Liebe zum Soldaten Dima ungewiss, aber mit dem Umzug nach Riga deutet sich zumindest die Hoffnung auf einen Neuanfang an.Ein nicht immer angenehm zu lesender, aber wichtiger und eindrucksvoller Einblick in den sowjetischen Alltag.

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    • 2
  • Authentisch und schockierend, aber dennoch lesenswert

    Das kalte Licht der fernen Sterne
    worttaenzerin

    worttaenzerin

    18. April 2016 um 16:30

    Dieser Debütroman der Autorin Anna Galkina erzählt unverblümt über das raue Leben in den 80er Jahren in Moskau. Armut und Gewalt beherrschen das Land. In dem Haus der Hauptcharakterin Nastja gibt es kein fließendes Wasser und keine Sanitäranlagen, wenn man einmal von dem Plumpsklo im Garten absieht und auch sonst gibt es wenig Schönes, dass die Kinderaugen der zuerst jungen Protagonisten widerspiegeln könnten. Gleich die ersten Seiten sind faszinierend. Der ausdrucksvolle Schreibstil der Autorin ist sowohl poetisch und atmosphärisch, als auch kühl und eindringlich. Nicht wird verschönt und jeder Satz ist in gewisser Weise emotional distanziert, wenngleich die beschriebenen Szenen einen beinahe schon erlauben, sich den Markt bildlich vor Augen zu führen und die Gerüche wahrzunehmen. Auch die Spur von Humor und Ironie, passt sehr gut zu der Story, die großteils wie kleine einzelne Aufsätze über verschiedene Themen, Personen oder Orte wirken. Anfangs noch kindlich und naiv, wächst der Stil auch mit dem Erwachsen werden mit. Obwohl ein solches Elend beschrieben wurde und mich so vieles erschreckt hat, fand ich das Buch sehr gut. Es war einerseits die Distanziertheit, die durch den Schreibstil eintraf und die den Leser zwar schockiert miterleben ließ was passierte, aber nicht ausschließlich alles auf emotionaler Basis berührte. Sonst wäre das Buch meines erachtens nach auch zu aufreibend gewesen. Wenn man diese detaillierte Lebensgeschichte liest, möchte man sich schämen für das, was dort passiert, während es uns heute und auch damals in den größten Teilen Deutschlands wesentlich besser ging. Obwohl mir das Buch durchweg gefallen hat, waren die Handlungen der Charaktere nicht immer nachvollziehbar für mich. Die Charaktere wirkten allesamt schwach, da sich keiner traute, sich loszulösen. Sie alle waren Mitläufer. Sie sahen Gewalt und Vergewaltigung und teils noch schlimmeres, doch niemand mischte sich ein. Das wird vor allem auch an Lena sehr deutlich, der schlimmes wiederfährt. Auch Nastja wagt es nicht aus dem Freundeskreis auszubrechen, der nichts Gutes bringt. Ein interessantes Buch das mit seiner dichten atmosphärischen Schreibweise einen neuen Blick auf das damalige Russland fallen lässt und uns lehrt, dass Leben, so wie wir es kennen, noch mehr zu schätzen.

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  • das kalte Licht der fernen Sterne... und sie sind sehr fern.

    Das kalte Licht der fernen Sterne
    Gwenliest

    Gwenliest

    15. April 2016 um 16:30

    Eine Frau kehrt zurück in ihr Heimatdorf im Moskauer Umland. Nachdem wir diese Frau, Nastja, auf ihrem Streifzug durch das Dorf begleiten, lässt sie uns ungeschönt und alles andere als nostalgisch einen Blick auf ihre Kindheit und Jugend werfen. Der Leser wird aus dem hier und jetzt direkt in die frühen 80er Jahre zurückgeworfen und erlebt in Episoden hautnah mit was Nastja als junges Mädchen widerfahren ist… innerhalb der Familie, Kindergarten, Schule, Freundschaften, Teeniealltag, erste Liebe und viel Ernüchterung. Immer wieder wird der Leser mit Gewalt, Alkoholismus, gewollter und ungewollter Sexualität und den Auswirkungen des Regimes konfrontiert. Allerdings gibt es auch immer klitzekleine Funken Optimismus - wie Oasen in der Wüste… Ich habe „Das kalte Licht der fernen Sterne“ gern gelesen, wenn man das ob der resignierten Tragik so sagen kann. Der Schreibstil ist poetisch, mal derb, mal wütend, mal leise und passt sich den Situationen gut an. Durch die Beschreibung der Erlebnisse zieht sich ein schicksalsergebener, trockener Humor, der fast schon ins Skurrile schweift, ganz nach dem Motto so war es halt und man hat einfach irgendwie das Beste daraus gemacht oder eben auch nicht. Anna Galkina beschreibt die Schauplätze und Personen so detailliert, dass man sogar die Gerüche wahrnimmt und sich ein Film vor dem geistigen Auge abspielt. Es ist alles andere als eine leichte Lektüre, durch die ich mich doch ein bisschen durchkämpfen musste. Wichtig ist, es ist eben kein Ebenbild Russlands aus der Zeit, sondern in Teilen könnte die Geschichte auch an anderen Flecken der Welt spielen. Aber im Grunde geht es hier nicht darum zu sagen so war das Leben dort, sondern so ist Nastja unsere Protagonistin, einfach aufgewachsen. Die Autorin hat offenbahrt, dass so gut wie alle Situationen sich innerhalb des engeren und weiteren Bekanntenkreis ungefähr so abgespielt haben. Also kann man auch nicht sagen es ist völlig unrealistisch und übertrieben, aber in der Form gebündelt in einer Person hoffentlich doch. Immer wieder blitzt die Kritik am Regime, der Gesellschaft durch, nicht anklagend aber doch offenkundig. Ich habe das Gefühl Anna Galkina möchte über ihre Heimat erzählen, aber eben nicht „nur“ der Russischen Geschichte und Politik einen Spiegel vorhalten, sondern ihr Talent zeigen und den Leser herausfordern ihm eine Regung abgewinnen. Bei mir hat sie das geschafft. Wenn ich Kritik übe, das muss ich ja doch ein bisschen, sonst würde sich der Abzug des einen fernen Sterns nicht erklären, ich fand die Übergänge der Episoden häufig sehr abrupt, wenig Überleitung und streckenweise ohne Zusammenhang, zumindest hat sich mir dieser nicht erschlossen. Außerdem wäre vielleicht manchmal etwas weniger mehr gewesen… Unterm Strich hat Anna Galkina aus meiner Sicht ein lesenswertes Debüt vorgelegt, für zarte Gemüter allerdings eher ungeeignet.

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  • Russlands Seiten

    Das kalte Licht der fernen Sterne
    LadyFelidae

    LadyFelidae

    15. April 2016 um 15:17

    Der Roman von Anna Galkina fällt einem sofort ins Auge. Samowar, Lenin, Hahnlolly und Plumpsklo... in der Mitte ein roter Stern. Was zuerst wie ein amüsanter Russland-Roman anmutet, entpuppt sich schnell als nüchterne Alltagsbeschreibung aus dem Leben einer jungen Heranwachsenden und der Nebenpersonen. Wer hier über das "typisch Russische" wie zuviel Wodka und Kommunismus schmunzeln möchte, ist bei diesem Buch komplett falsch.Der Leser begleitet Nastja, ein junges Mädchen, aus dem Städtchen durch ihr Leben. Dabei stößt er neben diversen Alltagsbeschreibungen (wie des Geruches vom Plumpsklo oder onanierender Männer) auch auf Szenarien von Vergewaltigungen, Straßenstrich, roher Gewalt, viel Alkohol... und erster Liebe. Ja, auch in dieser Geschichte gibt es Hoffnung, die in Verkörperung des Soldaten Dima auftaucht. Ob diese Liebesgeschichte Bestand haben wird?Der Umfang von knapp 220 Seiten hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Geschichte steigert sich nicht nur in der Rohheit, sondern auch in der Spannung. Man ist als Leser dennoch gefesselt und möchte wissen, wie es weitergeht. Ob ich dieses Buch allerdings weiterempfehlen würde, weiß ich nicht. Es ist nie verkehrt einen unverblümten Einblick in das Leben in Russland (hier in den 80ern) zu gewinnen, jedoch dominierte hier für mich klar das Negative.

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  • Schockiert und fasziniert.

    Das kalte Licht der fernen Sterne
    AlicedeGrey

    AlicedeGrey

    10. April 2016 um 20:14

    Dank der schlechten Bewertungen waren meine Erwartungen nicht allzu hoch und wurden glücklicherweise übertroffen! Das Büchlein ist eine Art autobiographische Erzählung, mehr oder weniger chronologisch, über Nastjas Kindheit und Jugend. Je älter sie wird, desto mehr entdeckt und erlebt sie. Die Sowjetunion wird dabei in aller Hässlichkeit dargestellt: Armut, Alkoholismus, häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch sind an der Tagesordnung. Wieviel davon der Wahrheit entspricht, darf sich der Leser selbst überlegen.Die Menschen in Nastjas Umfeld sind typische Russen, die ständig trinken und sich zanken. Nastja selbst grenzt sich von ihren Freundinnen ab, trinkt nicht und will auch nicht Schlampe genannt werden, aber ein bisschen experimentiert sie schon. Mit Männern. Deshalb und weil sie in der zweiten Hälfte trotz all der Hässlichkeit eine romantische Beziehung erlebt, wirken die Charaktere sehr realistisch.Der Schreibstil ist nüchtern und fast kindlich, aber stellenweise überraschend poetisch. Gefühle werden entweder überhaupt nicht oder nur mit gewisser Distanz erwähnt. Diese Schlichtheit passt sehr gut zum Inhalt und verstärkt seine Wirkung.Für diese Sammlung schockierender, aber doch faszinierender Momentaufnahmen der Sowjetunion und ihrer Bewohner vergebe ich 4/5 Sterne.

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